Neuer Opel Astra (2022) im ersten Check: Vorerst als Plug-in-Hybrid, später als E-Auto

Neuer Opel Astra (2022) im ersten Check: Vorerst als
Plug-in-Hybrid, später als E-Auto
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Neuer Opel Astra (2022) im ersten Check: Vorerst als Plug-in-Hybrid, später als E-Auto

© Thorsten Weigl

Opel liefert ab Jahresbeginn 2022 den neuen Astra aus. Der Kompakte basiert auf einer neuen Plattform und kommt als PHEV-Modell an den Start. Die Produktion kehrt nach Rüsselsheim zurück und das Cockpit erhält einen Widescreen.

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Das aktuelle Kompaktmodell der Rüsselsheimer ist als Generation fünf seit 2015 auf dem Markt und wurde 2019 gefaceliftet. Mit der 2021er-Neuauflage verkürzt Opel das Produktleben des Astra K. Dieser baut noch auf der D2XX-Plattform von General Motors auf, die unter anderem noch den Chevrolet Cruze oder den GMC Terrain und den Buick Verano für den chinesischen Markt trägt.

Nach dem Verkauf der Marke Opel im Sommer 2017 an die französische PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën), die seit Anfang 2021 mit Fiat-Chrysler (FCA) zum Stellantis-Konzern gehört, wechselt der Astra der sechsten Generation auf einen neuen Unterbau. Er nutzt als Astra L die in dritter Generation modifizierte EMP2-Plattform (Efficient Modular Platform 2), die bereits seit 2013 bei Modellen der Kompaktklasse sowie bei SUV zum Einsatz kommt. Unter anderem der Peugeot 308, Opel Grandland X sowie Opel Zafira Life und Citroën C4 Picasso bauen auf der Plattform auf.

Erster Check

Mit dem neuen Astra legt Opel einen selbstbewussten Auftritt hin. "Wir wollten kein beliebiges und zu gefälliges Auto bauen. Der darf ruhig auch polarisieren", erklärt die zuständige Chefingenieurin Mariella Vogler nicht minder selbstbewusst. Hinter so einem Statement verbirgt sich nicht selten das Wissen um unrunde Stellen am Auto; deshalb checken wir beim ersten Kontakt, ob das auch hier der Fall ist. Kaum in den bequemen AGR-Sitz geschmiegt, ist davon spontan keine Spur. Ergonomisch gibt es im Cockpit – zumindest bei stehendem Auto – keinen Anlass zur Kritik. Neben dem breiten Touchscreen stehen für die wichtigsten Funktionen auch konventionelle Knöpfe zur Verfügung. Der Touchscreen, in seiner großen Ausführung hinter Glas, reagiert prompt und präzise auf die Eingabe per Finger. Die Anzeigen, auch die digitalen Instrumente hinter dem Steuer, lassen sich gut ablesen.

Auch wenn sich durch die dunklen Oberflächen im Innenraum kein allzu luftiges Gefühl einstellt, sind die Platzverhältnisse auf jedem Sitz großzügig. Vorne trägt dazu auch die in die Mittelkonsole versenkte Bedieneinheit für die Fahrstufen bei. Kein Hebel oder Schalter ragt störend in die Höhe. Hinten profitieren die Passagiere vom verlängerten Radstand und genießen komfortable Beinfreiheit. Nicht mal den Kopf muss man hier einziehen – trotz abfallender Dachlinie. Wer den Hybrid wählt, muss allerdings mit einem vergleichsweise kleinen Kofferraum auskommen. Schon beim Grandland liegen zwischen Benziner- und Hybrid-Ladeabteil gute 130 Liter; nachdem sich die Autos nicht nur Plattform, sondern auch Antriebsstrang teilen, dürfte die Differenz im Astra ebenso groß sein.

Design vom Mokka, Pixellicht vom Insignia

Optisch orientiert sich der Astra an dem aktuellen Opel-Design mit dem typischen Vizor-Gesicht inklusive LED-Scheinwerfern, wie man es vom Opel Mokka kennt. Optional trägt der Neuling die typische Bicolor-Lackierung, wie sie schon beim Corsa zu sehen ist. Ausgeprägte Sicken zeigen sich auf der Motorhaube und an den Seiten. Eine Bügelfalte strukturiert die Motorhaube, der von Mokka und Grandland bekannte Vizor an der Front geht scheinbar nahtlos in die Scheinwerfer über. Diese leuchten wie im Insignia mit je 84 LED. Das Pixellicht soll heller und präziser strahlen als die Matrix-LED des Vorgängers. Entgegenkommenden Verkehr schneiden die in drei Reihen angeordneten LED aus; so ist Fahren mit Fernlicht möglich, ohne den Gegenverkehr zu blenden.

Die Kotflügel sind insbesondere an der Hinterhand ausgestellt. Die Fensterlinie steigt nach hinten hin leicht an, das Dach neigt sich für eine dynamischere Linie gen Heck. Dort erscheint dann auch ein großzügiger Astra-Schriftzug. Die Länge bleibt mit 4,37 Meter gleich, dafür wächst die Breite auf 1,86 Meter. Der Radstand streckt sich um 13 Millimeter auf 2,68 Meter, was Platz auf der Rückbank schaffen soll.

Sportlichere Sitzposition

Werden die dortigen Lehnen umgeklappt, wächst der mit einem verstellbaren Ladeboden ausgestattete Gepäckraum auf bis zu 1.250 Liter. Die vorderen Sitze sind etwas tiefer montiert als beim Vorgänger, was eine sportlichere Sitzposition nach sich ziehen soll. Apropos: Auf Wunsch stehen neben den Seriensesseln festere Sport- oder weichere Komfortsitze sowie Heizungen vorne und hinten zur Verfügung. Als Bezüge sind Alcantara und Nappaleder wählbar; wer sich für Letztere entscheidet, kommt zudem in den Genuss einer Klimatisierungs- und Massagefunktion.

Die Passagiere blicken im Astra L auf ein modernes Interieur, das schon die kleineren Modelle Corsa und Mokka vorgeben. Hinter einem Dreispeichen-Lenkrad mit Bedientasten befindet sich das linke der beiden zehn Zoll großen Widescreen-Displays, die auf Wunsch unter einer gemeinsamen Glasoberfläche zusammengefasst sind. Dieser Bildschirm stellt die Fahrerinformationen als digitales Cockpit dar. Der rechte Monitor übernimmt als Touchscreen die Infotainment- und Navigations-Steuerung. Er ist leicht der Fahrerin oder dem Fahrer zugeneigt und in den Armaturenträger eingearbeitet. Unterhalb des Mittel-Displays verbaut Opel noch eine Tastenleiste für Funktionen wie etwa die Klimatisierung.

Head-up-Display und 360-Grad-Assistenz

Je fünf Kameras und Radarsensoren sorgen für einen 360-Grad-Rundumblick. Hinzu kommen Ultraschallsensoren vorne und hinten. Eingebunden in E-Horizon-Connectivity, können die Assistenzsysteme vorausschauend die Geschwindigkeit etwa bei Kurvenfahrt anpassen sowie beim Halten oder Wechseln der Spur helfen.

Dabei muss die Fahrerin oder der Fahrer jedoch die Hände am Lenkrad lassen, während mit dem optionalen Head-up-Display der Blick auf der Straße bleiben kann. Smartphones laden und koppeln kabellos via Android Auto oder Apple Carplay, das Infotainment hört auf gesprochene Kommandos. Ein Stop-and-go-Assistent folgt im Kolonnenverkehr dem vorausfahrenden Auto; übernimmt ein Automatikgetriebe die Schaltarbeit, fährt der Astra nach Stillstand auch wieder eigenständig los. Beim Ein- und Ausparken helfen Assistenten und warnen vor kreuzenden Fahrzeugen. Zudem sind eine verbesserte Verkehrsschilderkennung und Totwinkelwarner an Bord.

Zwei PHEV-Versionen zur Markteinführung

Zur Markteinführung sind zwei Plug-in-Hybride am Start. Die schwächere Version bietet eine Systemleistung von 180 PS, wobei bis zu 150 PS vom 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner stammen und der E-Motor maximal 81 kW / 110 PS beisteuert. Im stärkeren PHEV kommt der Verbrenner auf 180 PS, was die Systemleistung auf 225 PS maximiert. Das höchstmögliche Drehmoment liegt bei beiden Plug-in-Hybriden bei 360 Newtonmetern. Die Fahrleistungen liegen eng beieinander: Mit 180 PS beschleunigt der Astra in 7,9 Sekunden von Null auf Hundert und regelt bei 225 km/h elektronisch ab. Die 225-PS-Variante ist zwei Zehntelsekunden beziehungsweise zehn km/h schneller. Die Batterie bietet eine Kapazität von 12,4 Kilowattstunden, was in beiden Fällen für eine rein elektrische WLTP-Reichweite von 60 Kilometern reichen soll.

Als weitere Motoren sind neue Diesel- und Benziner als Drei- und Vierzylinder an Bord. So sind der 1,2 Liter-Dreizylinder aus dem Corsa mit 110 und 130 PS gesetzt. Auf der Dieselseite zieht ein 1,5-Liter-Selbstzünder mit 130 PS und maximal 300 Newtonmetern in den Bug ein. Gekoppelt sind die Aggregate mit Sechsgang-Schaltgetrieben oder Achtgang-Automaten. Im Vergleich zu den Schwestermodellen mit Peugeot-, DS- oder Citroën-Logo soll der neue Opel Astra mit Verbundlenker-Hinterachse, aber ohne Adaptivdämpfer sportlicher abgestimmt sein und mehr Fahrgefühl vermitteln.

In einem Jahr auch als Elektroauto, vielleicht als OPC

Ein Jahr nach der Markteinführung der neuen Astra-Generation soll der Kompakte auch in einer rein batterieelektrischen Version in den Handel kommen. Technische Details zum neuen Opel Astra-e verraten die Rüsselsheimer bisher jedoch nicht. Spekulationen gibt es zudem immer wieder in Hinblick auf eine OPC-Version. Hier ist eine Ableitung des Opel Grandland X Hybrid 4 denkbar, der dieselbe Plattform wie der neue Astra nutzt und mit 300 PS sowie vier angetriebenen Rädern vorfährt. Ein 250 bis 300 PS starker Sport-Astra wäre eine gute Gelegenheit, die zwischenzeitlich zu den Akten gelegte OPC-Submarke zu reaktivieren.

Eine weitere Neuerung: Mit der neuen Plattform rollt der Astra nicht mehr im britischen Ellesmere Port oder im polnischen Gliwice vom Band, sondern in Rüsselsheim. Die Produktion der fünftürigen Limousine im Opel-Stammwerk startet im Herbst, Anfang 2022 beginnt deren Auslieferung. Die Preise beginnen bei 22.465 Euro. In Kürze will Opel zudem die Kombiversion Opel Astra Sports Tourer vorstellen.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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