Tesla feuert Berlin-Projektleiter Evan Horetsky: Gigafactory ohne Giga Meister

Tesla feuert Berlin-Projektleiter Evan Horetsky: Gigafactory
ohne Giga Meister
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Tesla feuert Berlin-Projektleiter Evan Horetsky: Gigafactory ohne Giga Meister

© https://twitter.com/joergstb

Tesla-Manager Evan Horetsky galt als Kopf der Gigafactory-Baustelle in Brandenburg. Laut Medienberichten ist er seinen Job jetzt los. Lag es an der unbezahlten Wasserrechnung?

Die Gigafactory in Grünheide ist bereits zu beinahe 30% fertig, im ersten Halbjahr 2021 sollen die ersten Tesla Model Y vom Band rollen. Allerdings steht die Großbaustelle nach einer Meldung des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) ohne Projektleiter da. Laut RBB24 hat Tesla Evan Horetsky als Gesamtprojektleiter für den Bau der Fabrik in Grünheide entlassen. Die Kündigung wurde auto-motor-und-sport.de auf Nachfrage aus dem Projektumfeld mittlerweile bestätigt. Warum? Dazu gibt es bislang lediglich Vermutungen, Tesla selbst kommentiert grundsätzlich keine Personalien.

Kündigungsgrund Wasserstopp?

Der Abgang des vor allem bei den beteiligten Firmen überaus beliebten "Head of Engineering, Procurement & Construction" folgt unmittelbar auf die erste echte Negativmeldung, die Tesla im Zusammenhang mit der Großbaustelle hinnehmen musste: Mitte Oktober 2020 hatte der Wasserverband Strausberg-Erkner Tesla das Bauwasser vorübergehend abgestellt, weil eine Zahlungsfrist verstrichen war. Ein Fehler, der schnell behoben wurde, nach Eingang des Geldes lief das Wasser wieder. Eine vermeintliche Lapalie als Kündigungsgrund? Das klingt wäre selbst für das perfektionistischen Umfeld von Elon Musk eine überharte Maßnahme. Zumal es parallel auch keinerlei Informationen über Probleme auf der Baustelle gab und gleichzeitig sogar das grundsätzliche Thema der Wasserversorgung gelöst wurde. Tesla hat jetzt einen Wasser-Erschließungsvertrag mit dem zuständigen Wasserverband Strausberg-Erkner.

Düsteres Roosevelt-Zitat

Das klingt alles nicht nach einem Zerwürfnis auf "Wasserbasis". Und so bleibt vorerst nur der Blick auf die Twitter-Accounts von Elon Musk und Evan Hoertsky. Musk schweigt sich zu dem Thema aus. Beim selbst ernannten "Giga Meister" Horetsky gibt's lediglich einen Beitrag vom 11. Oktober, in dem er aus einer Rede des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt an der Sorbonne in Paris am 23. April 1910 zitiert: "Die Anerkennung gebührt dem, der tatsächlich in der Arena steht, dessen Gesicht staubig und verschwitzt und voller Blut ist; der sich wacker bemüht; der sich irrt, der wieder und wieder scheitert, weil es kein Bemühen ohne Fehler und Schwächen gibt ... sollte er scheitern, zumindest bei einem kühnen Versuch scheitert!" Kein sehr euphorisches Posting, das zudem zeitlich eben in keinem Zusammenhang mit dem abgedrehten Wasser auf der Baustelle steht.

Eigentlich der ideale Musk-Mitstreiter

Antworten aus erster Hand werden wir vorerst nicht bekommen. Weil eben gilt, dass bei Tesla außer dem CEO, keine anderer über Tesla spricht. Und auch niemand für Aussagen zur Verfügung steht. Vielleicht hat ja auch diese Kommunikative Einbahnstraße Evan Horetsky den Job gekostet. Denn mit ihm hat die Ein-Mann-Strategie für sehr kurze Zeit Risse bekommen. Er war das Gesicht der Gigafactory-Baustelle in Grünheide, war beeindruckt von der Flexibilität der deutschen Bau-Experten und pflegte beste Kontakte zur regionalen Politik. Die muss sich jetzt einen neuen Vertrauten suchen. Und Tesla muss jemand finden, der in der Lage ist, so ein Großprojekt zu managen.

Denn Evan Horetsky hat nach eigenen Angaben die Fertigstellung der Akku-Fabrik in Nevada, die Produktionsvorbereitungen fürs Model Y in Fremont sowie den Umbau der auf die Produktion von Solarzellen spezialisierte Gigafactory in New York betreut. Und anschließend die Gigafactory in China in Rekordzeit hochgezogen. Der Amerikaner arbeitete über fünf Jahre für Tesla und stand mit seiner Vita als Prototyp des idealen Musk-Mitstreiters: gut ausgebildet, selbstbewusst und mit einem breit gefächerten Erfahrungshorizont. Horetsky sagt bei LinkedIn über sich selbst, er haben an diversen privatwirtschaftlichen und staatlichen Projekten mitgearbeitet, zum Beispiel an der Neutralisierung syrischer Chemie-Waffen, an der Elektronik von Formel 1-Autos sowie an der Installation von Drohnen auf US-Kriegsschiffen. Außerdem sei er es gewohnt, "mehrere Projekte gleichzeitig zu betreuen". Eine Fähigkeit, die er ziemlich sicher sehr schnell bei einem neuen Arbeitgeber unter Beweis stellen wird.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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