VW Passat Variant, Skoda Superb Combi, Mazda 6 Kombi: Gesucht: Held des Alltags

Drei praktische Mittelklasse-Kombis mit kräftigen Dieselmotoren.
Welcher ist der beste?
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Drei praktische Mittelklasse-Kombis mit kräftigen Dieselmotoren. Welcher ist der beste?

© Achim Hartmann

Mittelklasse-Kombis wie der Mazda 6 Kombi, Skoda Superb Combi und VW Passat Variant sind so praktisch wie Multifunktions-Werkzeuge und verbrauchen trotz kräftiger Dieselmotoren so wenig wie ein Kleinwagen. Doch wer ist der Beste?

Reichweitenangst, das Schreckgespenst der E-Auto-Besitzer. Für Dieselfahrer? Ein Fremdwort. Genau 1.240 Kilometer orakelt die Digitalanzeige rechts neben dem Tacho im Mazda-6-Cockpit. Das reicht fast für einen Trip von Stuttgart nach Hamburg und zurück, ohne nachzutanken. Aber was ist mit den Fahrverboten? Davor müssen Sie ebenfalls keine Angst haben, denn die gelten in beiden Städten lediglich für ältere Diesel. Mazda 6 Kombi, Skoda Superb Combi und VW Passat Variant erfüllen jedoch Euro-6d-Temp und reinigen ihre Abgase mit SCR-Katalysatoren.

Mehr noch – wie Sie in Heft 18/2019 nachlesen können, säubern solch moderne Diesel die Stadtluft an besonders Feinstaub-belasteten Tagen sogar. Voraussetzung dafür sind natürlich gut gefüllte AdBlue-Tanks, deren Inhalt bei den Probanden auf mindestens 10.000 km ausgelegt ist.

Mazda 6: der Sportkombi

Völlig beruhigt und mit ebenfalls vollen Dieseltanks beginnen wir die Vergleichsfahrt, die heute rund 200 Kilometer über die Schwäbische Alb führt. Etwas grummelig startet der 2,2-Liter-Skyactiv-D im Mazda 6. Auch bei niedrigem Tempo bleibt der Selbstzünder akustisch präsenter als die Zweiliter-TDI der VW-Konzernbrüder. Mit 184 PS ist er nominal etwas schwächer (Skoda und VW: 190 PS), mobilisiert mit 445 Nm bei 2.000/min aber mehr Drehmoment (Skoda und VW: 400 Nm bei 1.900/min). Dass der Mazda subjektiv behäbiger wirkt, ist seinem Schaltgetriebe geschuldet. Das gefällt zwar durch marken-typisch kurze Wege, die jedoch nicht immer präzise zum richtigen Gang führen. Zudem schalten die Doppelkuppler von VW und Skoda natürlich schneller und überspringen so bei Zwischenspurts in Sekundenbruchteilen das Turboloch, das sich bei allen unterhalb von 1.500/min auftut.

Auf der Autobahnetappe und später bei den Messungen können die beiden dem Mazda deshalb auch leicht davonziehen. So nehmen sie ihm beim Standardsprint auf hundert rund ein Sekündchen ab und fahren in der Spitze ein paar km/h schneller. Doch das ist im Alltag ebenso wenig zu spüren wie die höheren Geschwindigkeiten der Konzernkombis in den Fahrdynamikdisziplinen. Zumal sich der subjektive Eindruck auf der Landstraße ins Gegenteil verkehrt. Da wirkt der magmarote Testwagen gerade wegen seiner spürbaren Lastwechselreaktionen flinker. Mit seinem sportlich-straffen Fahrwerk, serienmäßigen 19-Zoll-Rädern und der direkt übersetzten, aber etwas rückmeldungsarmen Lenkung wirft er sich lebhaft in Kurven, lässt dabei das Heck mitschwingen.

Bei forciertem Tempo ist also mehr Konzentration gefragt. Umso besser, dass nichts vom Fahren ablenkt. So projiziert das Head-up-Display die wichtigsten Fahrinformationen direkt auf die Frontscheibe; alternativ gibt es klassisch gehaltene, gut ablesbare Digitalinstrumente. Übersichtliche Lenkradtasten erleichtern die Bedienung ebenso wie der Dreh-Drück-Steller samt nur im Stand bedienbarem Touchscreen fürs Infotainment.

Nicht nur die eloxierten Bedieneinheiten, auch das braune Nappaleder-Interieur – Teil des Sports-Line-Plus-Pakets für 3.558 Euro – wirken hochwertig. Da müssten sich die USB-Anschlüsse sowie die Tasten für die Sitzheizung gar nicht in der Fondarmlehne verstecken. Die Ausstattung wäre aber auch ohne dieses Paket vollwertig. Denn alles Wichtige ist beim Top-Diesel serienmäßig, den Mazda nur als Sports-Line ab 39.470 Euro anbietet. Was fehlt? Eine dritte Klimazone, die induktive Ladeschale fürs Smartphone und mehr Variabilität im Heck. Denn die Klappe öffnet sich nur manuell, und der kleinste Gepäckraum lässt sich lediglich durch eine 60:40-Teilung erweitern.

Passat: edler Alleskönner

Das kann der VW natürlich besser. Bei der wenig volksnahen 47.701 Euro teuren Elegance-Version ist immerhin die Fondklima serienmäßig. Die Rücksitzlehne klappt in drei Teilen (40:20:40) fernentriegelt um, und die Heckklappe öffnet sich elektrisch, auf Wunsch auch sensorgesteuert mit einem Fußschwenk unter dem Stoßfänger (941 Euro). Im Testwagen gleitet ein variabler Ladeboden auf Schienen hin und her (370 Euro), was zwar das Hantieren mit schweren Getränkekisten erleichtert, dem Gepäckrollo allerdings den Aufbewahrungsraum im Ladeboden nimmt.

Trotz ähnlicher Außenabmessungen wirkt der VW innen – genauso wie der Skoda – eine halbe Klasse größer als der Mazda. Und obwohl der Testwagen aus Wolfsburg mit über 25.000 km Laufleistung bereits eine halbe Weltumrundung hinter sich hat, wirkt er, als wäre er gerade erst vom Band in Emden gerollt. Die Falten auf den teilbelederten Massagesesseln (1.019 Euro) allerdings dürften nicht sein.

Mit vielen Lenkradtasten, variablem Digital-Cockpit und touchbasiertem Infotainment (2.915 Euro) gelingt seine Bedienung jedoch nicht ganz so intuitiv. Den Fahrer unterstützen hier zahlreiche, dafür aber oft aufpreispflichtige Assistenzsysteme, die sogar das Einparken mit bis zu zwei Tonnen schweren Anhängern übernehmen. Der aktive Spurführer und der Adaptivtempomat regeln bei VW und Skoda etwas souveräner die Nähe zu anderen Verkehrsteilnehmern als beim Mazda. Nur die Verkehrszeichenerkennung übernimmt hin und wieder teils fiktive Tempolimits.

Das nervt umso mehr, als ansonsten nur wenig stört. Die Akustikverglasung (687 Euro) hält Windgeräusche fern, und auch vom Diesel hört man kaum was. Obwohl im ähnlich schweren Superb der baugleiche Selbstzünder werkelt und ebenfalls nur in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe zu haben ist, beschleunigt der Passat einen Tick besser. Identisch mit 18 Zoll großen Optionsrädern bereift, steht er zudem bereits nach 34,8 Metern bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 km/h (Skoda: 35,2 Meter, Mazda: 37,2 Meter).

Superb: durchdachter Riese

Zeit, in den Superb Combi zu steigen. Dessen Style-Ausstattung (ab 42.374 Euro) wirkt mit Stoffsitzen im ersten Moment vergleichsweise schlicht, dafür stimmt auch hier die Verarbeitung. Den Fahrer stören jedoch weiße Ziffernblätter mit ihren ebenfalls weiß beleuchteten Zahlen, und das hochauflösende Touch-only-Infotainment lenkt wie im Passat stark vom Straßengeschehen ab. Da ist es gut, dass beide auch Sprachbefehle sicher verstehen. Die Passagiere in der zweiten Reihe freuen sich nicht nur über die optionale Klimazone (250 Euro), sondern genießen dank des längsten Radstandes oberklassige Beinfreiheit. Die lässt sich hinten rechts mittels der elektrischen Sitzverstellung an der Lehne des Beifahrersitzes sogar noch erweitern.

Wie beim Mazda klappt die Lehne fernentriegelt im Verhältnis 60:40 um. Allerdings hat der Skoda zusätzlich eine Durchlade und verstaut dank seines Plus an Außenlänge bis zu 1.950 Liter im Kofferraum (VW: 1.780 Liter, Mazda: 1.664 Liter). Jedoch kann die schräge Heckscheibe bei sperrigen Gegenständen stören. Im tiefen und höhenverstellbaren Ladeboden versteckt Skoda eine herausnehmbare Schmutzwanne sowie allerlei Möglichkeiten zur Sicherung des Gepäcks.

Reiselust und Kurvenfrust

Ohnehin ist die Gefahr, dass etwas verrutscht, beim Superb am geringsten. Selbst unerhört schlechte Straßenbeläge bügelt das optionale Adaptivfahrwerk (1.023 Euro) glatt. Auf langen Wellen gönnt es dem Combi Spielraum und stabilisiert ihn auch auf kurvigen Strecken. Das alles gelingt immer eine Spur geschliffener als beim Passat, der ebenfalls mit adaptiven Dämpfern ausgestattet ist. Allerdings programmiert VW dem Testwagen eine straffere Grundnote ins Fahrwerk, das sich, anders als beim Skoda, sogar nahezu stufenlos im Härtegrad einstellen lässt.

Auf der Landstraße geben sich beide betont entspannt. Dank optionaler Progressivlenkung lassen sie sich zielgenau dirigieren, wobei das ESP stets früh eingreift. Richtiger Fahrspaß kommt so weder im Skoda noch im Passat mit elektronischem Sperrdifferenzial (R-Line-Sportpaket, 517 Euro) auf. Das liegt auch am DSG-Getriebe, dem komfortables Schalten besser gelingt als die sportliche Gangart.

Bleibt am Ende der Vergleichsfahrt ein Blick auf den Verbrauch: Der zeigt selbst bei sportlicher Fahrweise keine zweistelligen Werte. Im Testmittel liegt der Dieselkonsum bei allen dreien knapp unter sieben Litern pro 100 Kilometer. Wer es entspannt angeht, kommt sogar mit rund fünf Litern (Eco-Verbrauch) aus und fährt so ganz ohne Reichweitenangst mit einer Tankfüllung nach Hamburg und zurück.

Technische Daten:

Passat Variant 2.0 TDI

Leistung: 140 KW (190 PS)
Drehmoment (bei U/min): 400
Höchstgeschwindigkeit:232 km/h
Grundpreis:47.701,33 €

Superb Combi 2.0 TDI SCR

Leistung: 140 KW (190 PS)
Drehmoment (bei U/min): 400
Höchstgeschwindigkeit:230 km/h
Grundpreis:42.374 €

6 Kombi D 184

Leistung: 135 KW (184 PS)
Drehmoment (bei U/min): 445
Höchstgeschwindigkeit:225 km/h
Grundpreis:39.470 €

Bewertung

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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