Null-Prozent-Finanzierung: Das müssen Sie wissen

Null-Prozent-Finanzierung: Das müssen Sie wissen
Als verlockende Finanzierungsmöglichkeit regt sie zum Konsum an, den man sich sonst nicht leisten könnte. Doch in welche Fallen kann man bei der Null-Prozent-Finanzierung tappen? Wie können Sie diese umgehen? Wir verraten Ihnen die wichtigsten Tipps in unserer Info-Box im Artikel!
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Null-Prozent-Finanzierung: Das müssen Sie wissen

Als verlockende Finanzierungsmöglichkeit regt sie zum Konsum an, den man sich sonst nicht leisten könnte. Doch in welche Fallen kann man bei der Null-Prozent-Finanzierung tappen? Wie können Sie diese umgehen? Wir verraten Ihnen die wichtigsten Tipps in unserer Info-Box im Artikel!

© imago / panthermedia

„Mit bis zu 20 Monaten Laufzeit, ganz ohne Zusatzkosten und nur 50 Euro im Monat“ – Wäre es nicht schön, sich jetzt doch endlich die neue Waschmaschine oder das tolle Auto leisten zu können? Wenn Sie bei solchen Angeboten hellhörig werden, sollten Sie lieber nochmal darüber nachdenken. Denn bei einer Null-Prozent-Finanzierung ist die Welt nicht so heil, wie sie in der positiven Werbung gemalt wird. Wir sagen Ihnen, was Sie bei der Null-Prozent-Finanzierung beachten sollten. 

Was ist eine Null-Prozent-Finanzierung?

Eine eher konservative Faustregel des Haushalts lautet: Kaufe nichts, was du nicht bar aus der Tasche zahlen kannst! Dieses Grundprinzip wird durch die Null-Prozent-Finanzierung komplett über den Haufen geworfen. Denn damit wird der Kunde nicht mehr durch Zinsen von einem Kauf auf Pump abgeschreckt.

Die Finanzierung zu null Prozent wirkt fehlerfrei, ja vorteilhaft für den Konsumenten, der dadurch schließlich Geld spart.

Doch seien Sie vorsichtig!

Empfehlung der Verbraucherzentrale: Das müssen Sie bei der Null-Prozent-Finanzierung beachten:

  • Wenn Sie mit einer Null-Prozent-Finanzierung das neueste TV-Gerät finanzieren möchten, sollten Sie das nicht leichtfertig tun. Es handelt sich dabei genauso um eine Schuldenaufnahme wie beim Kauf eines Autos: Sie müssen monatlich Geld abstottern. Da fallen selbst die kleinsten Beträge ins Gewicht. 
  • Nur weil ein Händler ein Angebot zur Null-Prozent-Finanzierung macht, bedeutet das nicht, dass es keine besseren Angebote gibt. Erkundigen Sie sich deshalb vorher nach Preisen der Konkurrenz. 
  • Bevor Sie etwas auf Raten kaufen, fragen Sie sich selbst: Warum konnte ich den nötigen Betrag bisher noch nicht zurücklegen? Warum also konnte ich diesen Gegenstand bisher noch nicht ohne Raten kaufen? Daraus resultiert ganz einfach die Frage: Kann ich mir das überhaupt leisten? 
  • Rechnen Sie diese Monatsraten einmal durch. Dafür müssen Sie sich bewusst sein, wie viel Geld Sie monatlich zur Verfügung haben und wie viel Sie davon entbehren können. So können Sie ermitteln, ob Sie sich die angegebenen Raten monatlich überhaupt leisten können oder Sie dann auf Dauer in Schulden geraten könnten. 
  • Ein Verkäufer ist eben ein Verkäufer. Wenn er Sie einmal an der Angel hat, sind Sie bestimmt auch noch für weitere Käufe offen. Bleiben Sie da stur und lassen Sie sich nicht noch zusätzliche Angebote andrehen, nur weil Sie bereits in einem drin stecken. 
  • Lassen Sie sich nicht zu Zusatzverträgen hinreißen. Beispielsweise kann eine Garantieverlängerung teuer, aber nicht notwendig sein. Halten Sie daher dem psychologischen Druck des Händlers stand, es ist schließlich Ihr Geld, das Sie da ausgeben. 
  • Wenn der Vertrag zur Null-Prozent-Finanzierung vor Ihnen liegt, lesen Sie ihn gut durch. Dabei sollten Sie ihn nach voreingestellten Erklärungen durchsuchen. Das kann zum Beispiel eine Restschuldversicherung sein, für die man sehr tief in die Tasche greifen müsste, von der der Konsument aber nicht profitiert, so die Verbraucherzentrale. Auch das Kleingedruckte sollte aufmerksam nach zusätzlichen Entgelten durchforstet werden. 
  • Sie haben eine Null-Prozent-Finanzierung abgeschlossen? Dann zahlen Sie die vereinbarten Raten stets pünktlich. Denn wenn Sie vor Ende der Ablaufzeit des Vertrages nicht mit dem Abzahlen fertig sind, wird der restliche Betrag auf einmal verlangt. Wenn Sie dann dafür noch einen Kredit aufnehmen müssen, zahlen Sie doch Zinsen. 
  • Natürlich sind die Angebote verlockend, die man ohne Zinsen finanzieren kann. Dennoch sollten Sie mit großer Vorsicht nur eine Null-Prozent-Finanzierung abschließen, nicht mehrere hintereinander. Dadurch verlieren Sie leicht den Überblick. 

Man schließt beim Kauf nämlich einen Kreditvertrag mit einem Kreditinstitut ab, das mit dem Händler kooperiert. Dadurch wird der Händler vom Kreditinstitut bezahlt und der Käufer muss nun den Betrag bei der Bank abstottern.

Angeblich ja zu null Prozent. Doch das ist mit einigen Tücken versehen, wie sie die Verbraucherzentrale beschreibt.

Nachteile für Verbraucher

Aufgrund der Anreizwirkung durch die Null-Prozent-Finanzierung verkaufen Händler die Ware meist teurer als bei konkurrierenden Anbietern. Durch die aggressive Werbung für die Finanzierungsmöglichkeit wird der Käufer zu unüberlegtem Konsum verleitet.

Denn die kleinen, monatlichen Raten lenken vom hohen Kaufpreis ab. Da droht die Gefahr, den Überblick über die monatlichen Verpflichtungen zu verlieren und sich mehr zu kaufen, als man sich eigentlich leisten kann.

Die Schuldenspirale ist dann nicht mehr weit.

Ein grundlegender Nachteil bei solchen Finanzierungsangeboten ist, dass Mitarbeiter eines Händlers keine ausgebildeten Bankkaufleute sind, sondern Verkäufer. Meist sind sie durch festgelegte Absatzziele geleitet und möchten eben, wie ihr Berufsfeld auch schon sagt, verkaufen.

Dadurch, dass man nicht über die Besonderheiten und Risiken einer Kreditaufnahme aufgeklärt wird, wird die Null-Prozent-Finanzierung schnell, unüberlegt und unbürokratisch abgeschlossen.

Dann kann die Null-Prozent-Finanzierung teuer werden

Das, was die meisten an einer Null-Prozent-Finanzierung attraktiv finden, kann zum Verhängnis werden. Kredite mit relativ kurzer Laufzeit, niedrigen Raten und ohne Zinsen haben dann am Ende eine hohe Abschlussrate.

Diese sogenannte Ballonrate kann meistens nur durch eine weitere Kreditaufnahme bewältigt werden. Doch die ist in der Regel verzinst und die Bank freut sich über einen neuen, verzweifelten Kreditnehmer.

Zusätzlich büßt der Kunde seine Verbraucherrechte ein. Denn laut einem BGH-Urteil ist die Null-Prozent-Finanzierung kein Verbraucherdarlehensvertrag, da der Kunde keine Zinsen zahlt.

Das bedeutet beispielsweise, dass die Ratenzahlung weitergeht, wenn das Produkt zurückgegeben wird. Denn schließlich bleibt der Anspruch der Bank ja bestehen. Bei Abbruch der Zahlungen erheben viele Banken dann Stornokosten – und schon hat man wieder draufgezahlt.

Null-Prozent-Finanzierung: Wer profitiert?

In einer gewissen Weise kann natürlich auch der Verbraucher profitieren. So sind bei fehlendem Eigenkapital Anschaffungen ohne Zusatzkosten möglich, es müssen keine Ansparungen gemacht werden und man kann vorübergehende finanzielle Engpässe überbrücken.

Doch trotzdem überwiegen die Nachteile, die als versteckten Kosten oder zusätzliche Kreditverträge mitschwingen.

Die Händler profitieren an der Null-Prozent-Finanzierung durch eine Umsatzsteigerung, die gesamte Wirtschaft freut sich über die stärkere Konsumnachfrage und auch die Kreditinstitute gewinnen trotz fehlender Zinseinnahme dazu.

Denn sie sind in der Lage, ohne andere, teure Werbemaßnahmen neue Kunden an sich zu binden, von denen sie wertvolle Kundendaten sammeln können.

Folgen einer Null-Prozent-Finanzierung

In ihren Grundsätzen ist die Null-Prozent-Finanzierung kein Mittel, mit dem man Kunden endlich den Traum vom Auto oder der teuren Stereo-Anlage verwirklichen will.

Eigentlich ist sie nur eine weitere Werbemaßnahme, die so verlockend ist, dass sie damit bereits Verkaufszahlen steigern konnte. Denn laut dem Bankenfachverband 2017 wären ohne die Möglichkeit zum Abstottern 61 Prozent der finanzierten Käufe gar nicht erst getätigt worden.

Rücktritt möglich

Möchten Sie vom Kaufvertrag gänzlich zurücktreten, gibt es seit dem 21.03.2016 ein gesetzliches Widerrufsrecht innerhalb von 14 Tagen. Dafür muss die Kreditsumme allerdings mindestens 200 Euro betragen.

Auch wenn Ihnen im Nachhinein Mängel am Produkt auffallen, haben Sie Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Sie können vom Verkäufer eine Nachbesserung oder eine Nachlieferung verlangen.

Erfolgt das jedoch nicht, dürfen Sie laut der Verbraucherzentrale die Rückzahlung des Darlehens bis zu der Höhe verweigern, in der eine Minderung des Kaufpreises aufgrund der Mängel gerechtfertigt ist.

Allerdings sollten Sie das Kreditinstitut zuvor darüber informieren. 

Quelle: freenet.de
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