Partnerschaft: Zoff ums liebe Geld

Partnerschaft: Zoff ums liebe Geld
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Partnerschaft: Zoff ums liebe Geld

 © Getty Images
09.07.2009 - 10:31 Uhr von Ute Albrecht

Der Volksmund sagt: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Der dauernde Streit ums Geld kann auch die Liebe zerstören. Oftmals geht es nach Expertenmeinung aber gar nicht um die paar Euro, die der Partner oder die Partnerin angeblich zu viel ausgibt, sondern um Macht und Anerkennung in der Partnerschaft.

Top Thema bei Beziehungskistenstress ist der Umgang mit Geld - laut einer Forsa-Umfrage geht es in 80% der partnerschaftlichen, manchmal etwas lautstarken Auseinandersetzungen um dieses Thema.

Dabei wollen die meisten, dass es in der Partnerschaft harmonisch zugeht und sich jeder aus dem gemeinsamen Sparschwein das nimmt, was er braucht. Vor Freunden und Bekannten wird dieses Bild krampfhaft aufrechterhalten, doch fragt die beste Freundin mal genauer nach, dann hört sie schon Leidensgeschichten wie die der Studentin, der der Geiz ihres Freundes auf die Nerven geht, der es nicht einmal lassen kann, ihr schon am frühen Morgen vorzurechnen, wie teuer ihr Bio-Müsli ist und wie billig sein ALDI-Frühstück. Oft vergeht ihr dann der Appetit. "Wie soll das erst werden, wenn wir heiraten und Kinder kriegen?" Vermutlich wird das Baby als Kostenfaktor mit zwei Ohren betrachtet und nicht als kleiner Mensch mit Bedürfnissen.

Problem finanzielle Abhängigkeit

Besondere Probleme bei Geldstreitigkeiten treten in Partnerschaften auf, in denen ein Partner finanziell vom alleinverdienenden Partner abhängig ist. In 30% aller Familien ist der Mann der Alleinverdiener: Die Frau gibt den Beruf auf, um sich dem Haushalt und der Kindererziehung zu widmen. Es rechnet sich ganz einfach finanziell und das Ehegattensplitting fördert ja die Versorgungsehe.

Besonders bitter ist das für gut ausgebildete Frauen, die sich trotz guter Qualifikation schwer tun, im Beruf wieder Fuß zu fassen, weil sich trotz der Sonntagsreden der Politiker Beruf und Familie schlecht miteinander vereinbaren lassen. Oft sind die Frauen froh, eine Halbtagsstelle oder wenigstens einen Minijob zu ergattern, damit sie wenigstens ein Taschengeld haben und ihren Göttergatten nicht wegen jeder Kleinigkeit fragen müssen.

Männliche Taktik: Verknappung des Haushaltsgeldes

Es gibt auch Männer, die ihrer besseren Hälfte auf subtile Weise deutlich machen, wer in der Partnerschaft das Sagen hat. Sie bemessen das Haushaltsgeld ihrer Frauen so knapp, dass sie damit gar nicht auskommen können, während sie selbst teure Hobbys wie ihren Oldtimer finanzieren. Braucht eines der Kinder mal etwas außer der Reihe für die Schule oder steht der Kindergeburtstag mit 15 Freunden an, dann kommt es natürlich so, wie es kommen muss - das Konto der Frau ist überzogen und sie muss ihren lieben Göttergatten reumütig darum bitten, etwas Geld auf ihr Konto zu überweisen. Das tut er dann auch betont gönnerhaft, natürlich mit dem Hinweis, Frauen könnten eben nicht mit Geld umgehen. Ist ihr Selbstwertgefühl nur noch klein, dann tappt sie auch prompt in die Rechtfertigungsfalle und erklärt bis in alle Einzelheiten, wofür sie das Geld ausgegeben habe und warum das sein müsse und dass er doch genau wisse, dass sie nur Sonderangebote kaufe und Klamotten sowieso nur im Second-Hand-Laden. Trotzdem reiche das Geld nie.

Auf diese Weise macht er sie auch auf andere Weise von sich abhängig, denn oft gesellen sich zu dem Verhaltensmuster des finanziellen Kurzhaltens besserwisserische und oberlehrerhafte Kommunikationsformen - "Schatz, davon verstehst du nichts", ist der Standardsatz bei Diskussionen. Die Frau wird auf diese Weise in die Rolle eines hübschen Dummchens gedrängt, bei der es im Oberstübchen nur noch zum Führen des Haushalts reicht. Wird die Jobsuche der Frau auch noch von zahlreichen Absagen gekrönt, dann ist ihr Selbstwertgefühl erst recht im Keller.

Macho-Verhalten aus Unsicherheit

Dieses Verhalten resultiert oft auch einer tief sitzenden Angst, von der Frau verlassen zu werden - ohne Geld kommt man nicht weit. Entweder hat der Mann schon eine gescheiterte Ehe hinter sich und litt sehr unter der Trennung oder er hat als Kind die Scheidung seiner Eltern erlebt und eine große Verlustangst entwickelt. Die versteckt er hinter machohaftem Verhalten.

Der Frau hilft manchmal nur noch eine emanzipierte Freundin, die der Verliererin in der Ehe die Augen über den angeblich so tollen Ehemann öffnet, der sie angeblich "aus der Plattenbausiedlung herausgeholt" habe.

  1. Sag deinem Partner, dass auch du Bedürfnisse hast, die er respektieren sollte.
  2. Tauscht die Rollen - lass ihn mal einkaufen - und zwar von dem bisschen Haushaltsgeld, das er dir gibt.
  3. Fordere Mithilfe im Haushalt von ihm ein. Die ernsthafte Jobsuche ist so zeitaufwändig wie ein Job.
  4. Rechne doch mal nach, wie viel du für dich ausgibst und wie viel er für sich. Gibt er mehr aus, was übrigens die meisten Kerle tun, dann kann er dir kein schlechtes Gewissen mehr machen.
  5. Hausarbeit ist anerkennenswert. Du leistest damit deinen Beitrag zum Familieneinkommen und hast nicht nur einen Rechtsanspruch auf ein angemessenes Haushaltsgeld, sondern auch auf fünf bis sieben Prozent seines Nettoeinkommens als Taschengeld. Das steht dir laut des Urteils des Bundesgerichtshofes vom 21.1.1998 (XII ZR 140/96) zu.
  6. Sag ihm, du hättest den Eindruck, es ginge ihm ja in Wirklichkeit nicht um die paar Euros, sondern nur darum, dich von ihm abhängig zu machen, damit er dich besser beherrschen könne. Du seist nicht mehr bereit dazu, das zu akzeptieren.
  7. Stell ihm ein Ultimatum - entweder er ändert sich oder du reichst die Scheidung ein.

Der Trick mit den drei Konten

Das war die harte Tour. Moderatere Tipps zu Geldstreitigkeiten gibt der Diplom-Psychologe Reinhold Schmitz-Schretzmair. Das Paar sollte sich an einen Tisch setzen und ausrechnen, wie viel es zum Leben braucht. Um seine Ausgaben im Auge zu behalten, sollte man ein Haushaltsbuch führen. Das nimmt auch die Emotionen aus den Konflikten ums Geld. Über größere Anschaffungen wie ein neues Auto oder eine neue Wohnzimmereinrichtung sollte gemeinsam entschieden werden.

Nach den Erfahrungen des Psychologen hat es sich auch bewährt, drei Konten anzulegen. Von dem gemeinsamen Konto wird die Miete und die Energiekosten sowie die Telefonrechnung bezahlt sowie Rücklagen für Notfälle, größere Anschaffungen oder die Altersvorsorge gebildet. Darüber hinaus bekommt jeder Partner eine Art "Taschengeldkonto" für seine persönlichen Bedürfnisse.

Bei wiederholt auftretenden Streitigkeiten sei es wichtig, Kompromisse immer wieder neu auszuhandeln.

Verhilft die Einführung der Dreikontenregelung nicht zu einer harmonischeren Partnerschaft und ist der Streit ums Geld bald ein Dauerzustand, dann hilft nur noch der Gang zu einer Eheberatungsstelle, wo beide Partner offen über ihre Gefühle reden und so herausfinden, was wirklich hinter dem Zoff ums Geld steckt. Manchmal ist die Ehe doch noch zu retten.

Tipps für Ehen ohne Trauschein

Unverheiratete Paare sollten nach Ansicht der Autorin Ulla Sebastian, die das Buch "Geld oder die Kunst, aus dem Vollen zu schöpfen" geschrieben hat, Verträge über die Finanzen abschließen, denn zu Beginn der Beziehung ist die Liebe noch frisch und der gute Wille da. Man macht zunächst eine Inventur der Vermögen und Wertsachen, die jeder in den gemeinsamen Haushalt einbringt. Vereinbart man eine Gütergemeinschaft, dann erhält jeder im Falle der Trennung die Hälfte des gemeinsam erwirtschafteten Vermögens und bei einer Gütertrennung bekommt jeder das zurück, was er in den Haushalt eingebracht hat.

Manche Männer - von ihren Geschlechtsgenossen auch häufig als Weicheicher bezeichnet - haben überhaupt kein Problem damit, dass ihre Partnerin über ein höheres Einkommen verfügt. Es ist für sie auch vollkommen in Ordnung, dass sie sie ernährt, denn dadurch ersparen sie sich, ALG II zu beantragen und vielleicht sogar einen Ein-Euro-Job aufs Auge gedrückt zu bekommen. Im ersten Moment erscheinen diese Männer als Frauen-Versteher. Doch lernt man sie näher kennen, entpuppen sie sich als Typen, die sich immer wieder neue Frauen suchen, die sie durchfüttern, bis diese die Masche durchschaut haben und sie vor die Tür setzen. Dieser Typus Mann gibt sich als jemand, der leider eine schwere Kindheit hatte und beziehungsunfähig ist. Deshalb brauche er in regelmäßigen Abständen Distanz, damit er sich frei entfalten und selbstverwirklichen könne. Wie er das genau macht, erzählt er allerdings nicht. Ist das Konto und auch der Kühlschrank leer, braucht er plötzlich keinen Abstand mehr und steht bei der Freundin auf der Matte. Um keinen völlig miesen Eindruck zu machen, bringt er eine Flasche Wein mit.

Taktik: Erpressung durch Hilflosigkeit

Das Ausnutzen der Freundin gelingt, weil dieser Mann auf der einen Seite durchaus charmant sein kann und einer Frau zeigen kann, dass sie begehrenswert ist. Auf der anderen Seite signalisiert er ihr, dass sie die einzige sei, die seine komplizierte Seele verstehe und nur sie ihn retten könne. Also hört sie sich seine Probleme an, bekocht ihn, lässt sich zum Essen ins Restaurant einladen, wobei sich dann allerdings herausstellt, dass sie die Rechnung begleichen muss, denn er sei "leider zurzeit blank".

Aber wehe, die Freundin hat mal ein Problem oder braucht seine Hilfe. Oder sie wagt es, ihm vorzuschlagen, dass er ruhig auch mal für sie kochen könne oder sie mal einladen. Ein wenig im Haushalt mithelfen könne er ja auch. Dann stellt sich dieser Mann taub, setzt sich dickfällig auf das Sofa und verweigert seine Hilfe. Oder er sucht das Weite und ist plötzlich nicht einmal mehr telefonisch erreichbar.

Gibt es bei diesem Paar Streit um die Finanzen, dann geht es nicht nur ums Geld, sondern darum, dass sich die Frau ausgenutzt fühlt, sie immer nur die Gebende ist und er nur nimmt. Sein Egoismus geht ihr auf die Nerven und es ist ernüchternd, dass er nicht für sie da ist, wenn sie mal ein Problem hat. Immer würde es nur um ihn gehen und er würde pausenlos von sich reden. Zuhören könne er auch nicht.

Geben und Nehmen

Hält sich in einer Partnerschaft das Geben und Nehmen die Waage, dann gibt es auch selten Streit um die Finanzen. Wichtig ist, dass jeder die Bedürfnisse des anderen respektiert und ihn anerkennt. Dazu muss aber jeder Partner offen über seine Gefühle reden, was Frauen erfahrungsgemäß leichter als Männern fällt. Entscheidend für eine gute Partnerschaft sind auch gemeinsame Ziele.

So könnte es sein:

Peter möchte sich als Unternehmerberater selbständig machen. Carola, die nach der Geburt des ersten Kindes Nur-Hausfrau ist, unterstützt ihn dabei. Als das Kind alt genug für den Kindergarten ist und auch den begehrten Kindergartenplatz bekommt, läuft die Unternehmensberatung von Peter gut. Carola möchte Psychologie studieren. Da Peter seiner Frau dankbar für die Unterstützung während der Existenzgründungsphase ist, finanziert er ihr das Studium.

So ist es tatsächlich gelaufen:

Peter macht sich als Unternehmensberater selbständig. Das ist viel Arbeit, also ist Claudia nach der Geburt des ersten Kindes viel alleine. Das nimmt sie ihm übel. Da sie seine Idee, sich selbständig zu machen, niemals gut fand, unterstützte sie ihn darin nicht. Stattdessen krittelte sie an ihn herum. Peter nahm ihre Anwürfe nicht richtig ernst und konterte humorvoll. Seine Unternehmensberatung baute er trotzdem auf und war erfolgreich. Er finanzierte Claudia auch das Studium. Kaum hatte sie ihr Diplom geschafft, verließ sie ihn, weil sie einen anderen Mann kennen gelernt hatte. In der Ehe hatte es nie einen bösen Streit gegeben. Das gemeinsame Sorgerecht teilen sie sich zu 50%. Bei der Abstimmung um die Kinderbetreuung kommt es an einem Tag doch mal zu einer deutlichen Aussprache - Peter nahm Claudia übel, dass sie ihn verlassen hatte, nachdem er ihr Studium finanziert hat. Undankbar sei das. In Wirklichkeit hat es ihn aber viel tiefer getroffen, dass Claudia seine Existenzgründung nie unterstützte und ihm stattdessen immer nur Vorwürfe machte, er sei mit seinem Beruf verheiratet und würde sie immer alleine lassen.

Fazit: Gemeinsame Ziele hat es in dieser Partnerschaft nicht gegeben. Im Gegenteil, jeder wollte den anderen missionieren und ihn ändern. Besonders von Claudia kam indirekt die Botschaft: "Ich liebe dich, aber nur, wenn du so wirst, wie ich dich haben will."

Autor: Ute Albrecht

Quelle: freenet.de
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