Seed Cycling: Kann die Methode die Hormone ins Gleichgewicht bringen?
Das Prinzip des Seed Cycling ist eine naturheilkundliche Methode, die darauf abzielt, das hormonelle Zusammenspiel im weiblichen Körper mit Hilfe von vier verschiedenen Samenarten zu unterstützen.
Da der Hormonhaushalt eng mit der Zufuhr von Mikronährstoffen verknüpft ist, nutzt man hierbei die spezifischen Inhaltsstoffe von Leinsamen, Kürbiskernen, Sesam und Sonnenblumenkernen, um die beiden Hauptphasen des Menstruationszyklus zu begleiten.
Phase 1: Vorbereitung auf den Eisprung
In der ersten Zyklushälfte, die vom ersten Tag der Periode bis zum Eisprung dauert (follikuläre Phase), benötigt der Körper Unterstützung beim Aufbau von Östrogen. Dabei sollen unter anderem Leinsamen helfen: Sie enthalten Lignane, sogenannte Phytoöstrogene. Diese Pflanzenstoffe können sich an Östrogenrezeptoren binden und so helfen, einen zu niedrigen Spiegel sanft anzuheben oder einen Überschuss auszugleichen.
Kürbiskerne sind besonders reich an Zink. Dieses Spurenelement ist wichtig für die Zellteilung und unterstützt den Körper dabei, gesundes Gewebe für die spätere Progesteronbildung vorzubereiten.
Phase 2: Unterstützung nach dem Eisprung
Die zweite Hälfte des Zyklus (Lutealphase) beginnt nach dem Eisprung. In dieser Zeit übernimmt das Hormon Progesteron die Führung, um die Gebärmutterschleimhaut aufrechtzuerhalten.
Auch Sesam liefert Lignane, die in dieser Phase helfen, das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron stabil zu halten. Dies kann dazu beitragen, typische PMS-Symptome wie Brustspannen oder Stimmungsschwankungen abzumildern.
Sonnenblumenkerne liefern hohe Mengen an Vitamin E und Selen. Diese Stoffe wirken als Antioxidantien und unterstützen die Funktion des Gelbkörpers, welcher für die Produktion von Progesteron zuständig ist.
Wie nimmt man die Samen ein?
Empfohlen wird, täglich etwa ein bis zwei Esslöffel der jeweiligen Samenmischung zu verzehren. Idealerweise werden die Samen frisch gemahlen, damit der Körper die enthaltenen Öle und Nährstoffe besser aufnehmen kann. Die Samen können flexibel in verschiedene Mahlzeiten eingebaut werden - etwa Joghurt, Porridge, Smoothies, Salate oder Suppen.
Wichtig: Die wertvollen Omega-3-Fettsäuren in Leinsamen sind hitzeempfindlich. Um die volle Nährstoffkraft zu erhalten, sollten die Samen nicht mitgekocht oder gebacken werden. Es ist besser, sie über die fertigen, leicht abgekühlten Speisen zu geben.
Wie effektiv ist Seed Cycling wirklich?
Obwohl die Methode in der Naturheilkunde und in sozialen Medien sehr populär ist, ist wissenschaftlich noch nicht gesichert, wie effektiv sie wirklich ist. Dass die verwendeten Samen gesundheitsfördernd sind, steht außer Frage: Sie liefern Ballaststoffe, Mangan, Magnesium, Kupfer und wichtige Vitamine. Insbesondere die Lignane in Leinsamen wurden bereits in Studien untersucht: Es gibt Hinweise darauf, dass sie den Menstruationszyklus positiv beeinflussen können, indem sie die Zykluslänge stabilisieren und Brustschmerzen reduzieren.
Die Theorie, dass Zink (in Kürbiskernen) und Vitamin E (in Sonnenblumenkernen) die Hormonproduktion fördern, ist biologisch plausibel, da diese Mikronährstoffe für die Funktion der Eierstöcke und des Gelbkörpers wichtig sind. Werden diese Stoffe durch Seed Cycling vermehrt aufgenommen, kann dies Mangelerscheinungen vorbeugen, die andernfalls den Zyklus stören könnten.
Trotz der theoretischen Grundlagen fehlen bisher direkte, großangelegte klinische Studien, die das spezifische Konzept des Seed Cycling - also den wechselweisen Verzehr nach Zyklusphasen - zweifelsfrei als wirksam bestätigen. Die meisten Belege stützen sich auf die isolierte Wirkung der einzelnen Samen oder auf individuelle Erfahrungsberichte von Anwenderinnen.
Fazit: Seed Cycling ist kein medizinisches Wundermittel, kann aber eine wertvolle Unterstützung im Rahmen einer gesunden Ernährung sein. Für Frauen mit leichten hormonellen Schwankungen oder dem Wunsch nach einer natürlichen Begleitung ihres Zyklus bietet es eine risikoarme Möglichkeit, den Körper gezielt mit Bausteinen für die Hormonbildung zu versorgen. Eine spürbare Veränderung tritt meist erst nach drei bis vier Monaten konsequenter Anwendung ein.