105. Tour de France: Vorschau auf die 20. und 21. Etappe
105. Tour de France: Vorschau auf die 20. und 21. Etappe
Pau (SID) - 20. Etappe (Samstag, 28. Juli): Saint-Pee-sur-Nivelle - Espelette (31 km/Einzelzeitfahren)
Fast drei Wochen ist die 105. Tour de France alt, am Samstag ist der Zeitpunkt für den finalen Showdown gekommen. Auf der vorletzten Etappe der Rundfahrt fällt die Entscheidung über den Gesamtsieg. Die Streckenplaner haben sich dafür ein Highlight ausgedacht: Im einzigen Einzelzeitfahren der Tour 2018 sind die Anwärter auf den Gewinn des Gelben Trikots auf sich allein gestellt.
Der 31 km lange Kurs von Saint-Pee-sur-Nivelle nach Espelette im äußersten Südwesten Frankreichs ist dabei nichts für reine Tretmaschinen wie den viermaligen Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin, der das Rennen ohnehin nach einem Sturz auf der 8. Etappe aufgeben musste. Der Kurs ist wellig und stellt wenige Kilometer vor dem Ziel mit dem Col de Pinodieta (900 m lang/10,2 Prozent steil) eine enorme Hürde. Nur bergfeste Zeitfahr-Spezialisten wie etwa Chris Froome, vor allem aber der amtierende Weltmeister Tom Dumoulin haben eine Chance auf den Tagessieg.
Im Startort Saint-Pee-sur-Nivelle und auch im Zielort Espelette macht die Frankreich-Rundfahrt erstmals Station. Saint-Pee-sur-Nivelle grenzt im Süden an Spanien und hat den Ruf, eine Hochburg des baskischen Nationalismus in Frankreich zu sein.
Kaum anders verhält es sich im wenige Kilometer östlich gelegenen Espelette. Eine kulinarische Spezialität sind getrocknete rote Chilischoten, die als Gorria bekannt sind. Noch heute erzählt man sich in Espelette die Geschichte von Agnes Souret. Die Schauspielerin und Tänzerin aus der kleinen Gemeinde brachte es 1920 als erste "Miss Frankreich" zu großer Bekanntheit. Glück brachte ihr der Ruhm keinen: Souret verstarb mit nur 26 Jahren während eines Aufenthalts in Argentinien an einer Bauchfellentzündung.
21. Etappe (Sonntag, 29. Juli): Houilles - Paris Champs-Elysees (116 km)
Nach drei Wochen ist es bei der 105. Tour de France Zeit für den Schlussakkord. Der Gesamtsieger genießt die "Tour d'Honneur" und wird traditionell mit einem Glas Schampus anstoßen, Angriffe auf das Gelbe Trikot sind tabu. Für die ausgedünnte Sprinterriege geht es auf dem 116 km langen Teilstück von Houilles zum Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées aber nochmals um alles, das Ziel ist der prestigeträchtige Etappensieg.
Für die deutschen Sprinter erwies sich die französische Hauptstadt zuletzt als gutes Pflaster, in den vergangenen Jahren siegten Marcel Kittel (2013, 2014) und Andre Greipel (2015, 2016). Da Kittel und Greipel aber nicht mehr im Rennen sind, besitzt einzig John Degenkolb realistische Siegchancen.
Houilles liegt nordwestlich am Rand der französischen Hauptstadt und steht erstmals als Etappenort im Tour-Programm. Die berühmtesten Söhne der Gemeinde machten in der Leichtathletik von sich reden. Die Brüder Pascal und Patrick Barre gewannen bei der Olympischen Spielen 1980 in Moskau Bronze mit der 4x100-m-Staffel.