Akkulieferant mit Sperre wegen Ideenklau: VW und Ford in USA bald ohne Batterien?

Akkulieferant mit Sperre wegen Ideenklau: VW und Ford in USA
bald ohne Batterien?
Bild 1 von 61

Akkulieferant mit Sperre wegen Ideenklau: VW und Ford in USA bald ohne Batterien?

© Ford

Der für den elektrischen Ford F-150 vorgesehene Batterielieferant ist jetzt für zehn Jahre für den US-Markt gesperrt. Ford hat vier Jahre Zeit, sich auf eine neuen Lieferanten umzustellen.

Das südkoreanische Unternehmen SK Innovation verdient sein Geld mit der Erschließung von Erdgas- und Erdölvorkommen und mit der Förderung dieser Rohstoffe. Andererseits engagieren sich die Koreaner auch bei der Erforschung und Produktion von Batterien für Elektroautos. Dafür arbeiten sie mit dem ebenfalls koreanischen Unternehmen LG Chem zusammen. SK Innovation sollte unter anderem die Batterien für den künftigen elektrischen Ford F-150 und für in den USA gebaute Elektro-VWs liefern. Allerdings hat jetzt die US-Handelskommission USITC (United States International Trade Commission) ein zehnjähriges Importverbot für Akkus von SK Innovation verhängt. Der Grund: Das Unternehmen soll von seinem Partner geistiges Eigentum gestohlen und Beweise vernichtet haben.

Mitarbeiter abgeworben, Beweise vernichtet

LG Chem wirft SK Innovation vor, über 70 Mitarbeiter abgeworben zu haben, um an geheime Informationen zur Produktion von Elektroauto-Akkus zu kommen. Mögliche Beweise habe SK Innovation vernichtet. Aufgrund des gestohlenen Wissens war es SK Innovation angeblich möglich, milliardenschwere Batterie-Lieferverträge mit Autoherstellern wie Ford und VW zu schließen, erzürnt sich LG Chem.

SK Innovation sieht sich zu Unrecht bezichtigt

US-Handelsrichter Cameron Elliot sieht die Vorwürfe von LG Chem bestätigt: Er hat inzwischen festgestellt, dass SK Innovation Dokumente mit der Absicht vernichtet hat, den Nachweis des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen unmöglich zu machen. SK Innovation behauptet hingegen, die fraglichen Informationen seien nicht geheim und die Strafe sei zum einen zu hart und gefährde zum anderen die US-Pläne zum Ausbau der Elektromobilität.

Ford sieht keine Probleme

Allerdings hat die USITC eine Vierjahresfrist festgelegt, in der die Koreaner Ford noch beliefern dürfen. Dementsprechend entspannt ist Ford: Der Autohersteller sieht in dem Importverbot keinen Grund für einen verzögerten Marktstart seines mit enormer Spannung erwarteten F-150 EV, dessen Auslieferungen Mitte 2022 beginnen soll. Innerhalb von vier Jahren dürfte es Ford auch möglich sein, einen neuen Akkulieferanten zu finden. Amerikanische Medien wünschen sich in der Hinsicht eine heimische Batterie-Produktion.

VW mit Zweijahres-Frist

SK Innovation hat auch Verträge mit VW USA über die Lieferung von Akkus für MEB-Fahrzeuge (MEB: Modularer Elektro-Baukasten) geschlossen. Den Deutschen hat die USITC eine Umstellungsfrist von zwei Jahren eingeräumt.

Fraglich ist, ob SK Innovation auch auf anderen Märkten Sanktionen erwarten – insbesondere auf dem Heimatmarkt in Südkorea. Dort hatte der Akkuhersteller angekündigt, ab der zweiten Hälfte 2021 den Hyundai Ioniq 5 mit Batterien auszurüsten, die eine Reichweite von 800 Kilometer ermöglichen sollen.

Elektrischer Ford F-150 bei Wintertests im Schnee

Ford hat ein neues Video zum rein elektrisch angetriebenen F-150 veröffentlich. Dabei wühlt sich der Pickup spielend durch tiefen Schnee. Sein Unterboden ist mit einem massiven Unterfahrschutz versehen. Technische Informationen zum F-150 E hat Ford im Zusammenhang mit dem Video nicht veröffentlicht.

Teslas Cybertruck und Fords elektrischer F-150 könnten 2022 auf den Markt kommen – aber nicht nur optisch unterscheiden sich die Fahrzeuge gewaltig. Während Tesla, natürlich auch bei seinem Pickup, auf einen rein elektrischen Antrieb setzt, scheint Ford für sein Konkurrenzmodell einen Range Extender zu planen. Beim Patentamt eingereichte Zeichnungen zeigen einen Kasten, der einer größeren Werkzeugkiste ähnelt.

Strom aus der Kiste

Die Kiste scheint abnehmbar und unabhängig vom Fahrzeug transportabel zu sein – anscheinend ist der Generator auch für den Einsatz an anderen elektrischen Modellen gedacht. Welche Technik sich in der Kiste verbirgt, ist noch nicht bekannt. Experten schätzen, dass Fords 1,0-Liter-Dreizylinder-Ecoboost in das Gehäuse passt und einen Generator antreibt. Die Kiste ließe sich auf der Ladefläche des F-150 direkt hinter der Fahrerkabine platzieren – dabei bliebe noch genug Platz für weiteres Transportgut.

Umsetzung für Handwerker wichtig

Ein eingereichtes Patent heißt noch lange nicht, dass Ford sich wirklich zu einer Serienfertigung der Range Extenders entschließt. Allerdings soll der Pickup auch als voll funktionsfähige Werkbank mit 120-Volt-Steckdose (übliche US-Haushaltsstrom-Spannung) dienen. Für Handwerker wäre an ihrer Pickup-Werkbank eine zuverlässige Stromversorgung unerlässlich – deshalb könnte Ford den Generator zumindest optional anbieten.

Neues Werk für den Elektro-Pickup

Schon Anfang 2018 kündigte Ford an, dass die F-Serie auch mit einem reinen Elektroantrieb ausgerüstet und damit zukunftssicher positioniert sein wird. Für die Produktion baut Ford eine neue Produktionsstätte, das Rough Electric Vehicle Center im US-amerikanischen Dearborn auf, in dem der elektrische F-150 ab Mitte 2022 vom Band rollt. Bei der Präsentation des neuen Werks wurde auch eine recht "schattige" Ansicht des kommenden Elektro-Pickups gezeigt. Dazu testet der Autobauer das Modell jetzt schon auf Herz und Nieren, wie unser Video zeigt.

Das Modell ähnelt in der Frontansicht seinen konventionell angetriebenen Geschwistern. Kotflügel und Spiegel passen zum kürzlich vorgestellten F-150 (siehe Fotoshow) ebenso, wie die stark konturierte Motorhaube unter der sich natürlich kein Antriebsstrang mehr befindet. Stattdessen ist hier ein "Frunk"-Abteil (Frunk für Front-Trunk, also Frontkofferraum) für Habseligkeiten und Wertsachen untergebracht. An der Front sind zudem die bekannten kleinen fast quadratischen Scheinwerfer zu erkennen – ebenso wie der Unterfahrschutz. Mit dem geschlossenen Grill in Dreiecksoptik mit großem Ford-Logo setzt sich der elektrische F-150 optisch von seinen Brüdern ab.

Batterien modular aufgebaut

Ein unlängst veröffentlichtes Patent gibt des Weiteren Einblicke in den Elektroantrieb des kommenden Ford Pickups. Wenig überraschend bleibt es beim klassischen Leiterrahmen mit aufgesetzter Karosserie. Die modular aufgebauten Batteriepakete werden zwischen die Rahmenprofile und zwischen die Achsen gepackt. Damit bleibt der Schwerpunkt niedrig und die Batterien sind auch beim Geländeeinsatz geschützt. Zusätzlich gibt es eine robuste Abdeckung von unten.

Zwischen den einzelnen Batteriemodulen werden Querverstrebungen eingeschweißt, um den Rahmen und damit die Batterieeinfassung verwindungssteifger zu machen. Je länger der Radstand wird, umso mehr Batteriemodule können verbaut werden. Die Elektromotoren sind an beiden Achsen, wobei der vordere mit der Steuerelektronik kombiniert wird. Vermutlich kommt der zweite, hintere Motor nur bei Modellen mit Allradantrieb zum Einsatz. Angaben zu möglichen Batteriekapazitäten oder Leistungen der Elektromotoren sind der Patentschrift nicht zu entnehmen. Ford verspricht indes, dass der elektrische F-150 das stärkste Modell der Baureihe sein soll. Was der Elektroantrieb leisten kann, haben die Amerikaner schon in einem Zugkraft-Test mit einem F-150 EV-Prototypen gezeigt. Der nahm Eisenbahnwaggons mit einer Gesamtzuglast von 454 Tonnen in Schlepp.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Der SAIC Maxus Life Home V90 Villa Edition aus China hat einen Personenaufzug an Bord – nur so kommt man ins ...mehr
Im Rahmen seines diesjährigen Sommerreifen-Tests hat der ADAC insgesamt 32 Modelle für die Kompakt- und Mittelklasse ...mehr
Auto-Vergabe-Tag bei Real Madrid: Welcher Star hat sich welchen Audi geschnappt? Wer fährt rein elektrisch vom Hof? Und:mehr
Anzeige
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.