Dartz Freze Nikrob EV: Inoffizieller Crashtest vom billigsten E-Auto Europas

Dartz Freze Nikrob EV: Inoffizieller Crashtest vom billigsten
E-Auto Europas
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Dartz Freze Nikrob EV: Inoffizieller Crashtest vom billigsten E-Auto Europas

© YouTube/Screenshot

Der Nikrob EV baut auf dem Hongguang Mini EV aus China auf und könnte in Europa bei 9.999 Euro starten. Wie sicher kann so ein Auto sein?

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Schon mal was von dem russischen Ingenieur Pyotr Freze gehört? Nein? Das ist nicht schlimm. Ich bis vor wenigen Minuten auch nicht. Freze und sein Kollege Evgeny Yakovlev präsentierten am 14. Juli 1896 auf der All-Russia-Kunst-und-Industrie-Ausstellung in Nizhny Novgorod das erste russische Automobil, den Yakovlev-Freze. Wie es aussah? Der feststehende Begriff "horseless carriage", sprich Kutsche ohne Pferde, trifft es am besten. Der anfängliche Benzinmotor wich später sogar einem Elektromotor.

Fast exakt 125 Jahre später rollt der nächste Freze auf die Weltbühne der Automobilindustrie. Allerdings haben sich seine Entwickler dieses Mal nicht an einem Fahrzeug der Marke Mercedes-Benz orientiert. Der Freze Nikrob EV stammt ursprünglich aus China und fährt dort erfolgreich als Hongguang Mini EV von Wuling (auto motor und sport berichtete) durch die Großstädte. Allein in den ersten drei Monaten seit seinem Verkaufsstart im Juli 2020 verkaufte er sich 55.781 Mal – öfter als der Tesla Model 3. Im Januar dieses Jahres erreichte der kleine E-Cityflitzer mit 37.000 Neuzulassungen die Krone unter den chinesischen Elektroautos.

Inoffizieller Crashtest wirft Sicherheitsfragen auf

Dieser Erfolg ist dem Unternehmen Dartz aus Litauen nicht verborgen geblieben. Normalerweise mit sexistischer Werbung und militärischen Fahrzeugen in Erscheinung tretend, will Dartz nun versuchen, mit einem hinterradangetriebenen Elektro-Zwerg unter dem Namen Freze Nikrob EV Europa aufzumischen.

Denn die Frage, warum sich der 2,90 Meter kurze und 27 PS starke Elektrowagen so gut in China verkauft ist klar: er ist günstig. Und das Beste: er kommt nun auch als Cabrio namens Freze Froggy EV. Allerdings nicht ohne umfangreiche Anpassungen in puncto Sicherheit. So musste Dartz Airbags und eine elektromechanische Servolenkung (EPS) installieren, einige Fahrzeugteile verstärken und ein EU-Interface für den Zugang zu den Fahrzeugdaten montieren.

Der Freze ist somit laut Dartz M1- und Autobahn-tauglich in der EU. Ein kürzlich im Internet aufgetauchtes Video eines bei einem Crashtest mit 50% Überdeckung (64 km/h) komplett zerstörten Freze verwundert Dartz nicht. Auf Nachfrage von auto motor und sport heißt es: "Natürlich haben wir dieses Video gesehen. Und natürlich ist es von Musk-Anhängern (Tesla-Chef Elon Musk; Anmerkung der Redaktion) veröffentlicht worden. Der Freze erfüllt alle EU-Anforderungen." Wie der kleine Chinese bei einem offiziellen Crash tatsächlich abschneidet, muss man abwarten.

Den chinesischen Preis von umgerechnet rund 3.700 Euro können die Litauer zwar nicht mitgehen, doch ist die Rede von 9.999 Euro. Das entspräche 100 Euro pro km/h (er schafft 100) oder 50 Euro pro Reichweiten-Kilometer (200 Kilometer). Dank einre neuen Lichtmaschine konnte Dartz die Reichweite um 30 Kilometer im Vergleich zum chinesischen Pendant erweitern. Die Batterie bietet eine Kapazität von 13,8 kWh. Es ist zwar auf verschiedenen Internetseiten die Rede von einer optional kleineren Batterie, doch das ist, wie eine Nachfrage von auto motor und sport belegt, nicht wahr. Der damit oft in Verbindung gebrachte zweite Preis in Höhe von 14.999 Euro bezieht sich ausschließlich auf eine Luxusversion, den Namen Dartz trägt und veganes Leder aus Blättern und ein Premium-Soundsystem beinhaltet.

99 goldene Zwerge

Es soll sogar eine extremere Version mit Namen Aladeen geplant sein. Die auf 99 Einheiten limiterte Version soll gold lackiert und ein Abzeichen der Republik Wadiya aufweisen. Ja, richtig geraten. Es handelt sich um einen Hinweis auf den Film " The Dictator ", in dem Dartz seine Prombon-Fahrzeuge neben Ben Kingsley und Sacha Baron Cohen platzierte. Eventuell soll sogar Cohen die Autos signieren.

Wer jetzt bereits mit dem spitzen Bleistift die Umweltprämien abzieht, dem sei gesagt: Bleistift wieder einpacken. Denn beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) heißt es: Die Hälfte der Fördersumme müssen die Fahrzeughersteller bereitstellen, sonst gibt es keine Förderung vom Staat. Und da Dartz Geld verdienen und nicht verbrennen möchte, ist an dieser Stelle nicht davon auszugehen, dass die Litauer den günstigen E-Zwerg subventionieren. Träumen ist aber weiterhin erlaubt. Und, so die Informationen von Dartz gegenüber auto motor und sport: Sobald sich ein deutscher Händler beziehungsweise Partner gefunden hat, kann der Verkauf hierzulande starten. Na dann!

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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