Gebrauchte Audi E-Tron günstiger als Verbrenner

Eigentlich sind Elektroautos teurer als ihre Diesel-Gegenstücke. Doch beim Audi E-Tron kehrt sich dieses Prinzip gerade um. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt kostet der luxuriöse Stromer oft weniger als ein vergleichbarer Verbrenner – und das trotz Vollausstattung. Ein Blick hinter die Zahlen zeigt einen verblüffenden Trend.
Ein Audi Q8 E-Tron, einst mit Neupreisen jenseits der 80.000 Euro, steht heute schon für rund 35.000 Euro auf dem Hof. Innerhalb von nur drei Jahren verlieren viele Modelle über 50 Prozent an Wert. Zum Vergleich: Ein Audi Q7 50 TDI mit ähnlicher Ausstattung liegt gebraucht häufig noch bei 45.000 Euro – und das trotz höherer Laufleistung. Der Elektropionier hat damit in kurzer Zeit die Preisskala auf den Kopf gestellt.
Ausstattung wie in der Oberklasse
Ein Großteil der gebrauchten E-Tron-Modelle stammt aus ehemaligen Leasingflotten. Die meisten davon sind üppig konfiguriert: Luftfederung, Massagesitze, Akustikverglasung, Matrix-LED-Licht und Assistenzpakete sind oft seriennah verbaut. Viele Fahrzeuge verfügen zudem über die große 83,6-kWh-Batterie, was Reichweiten von über 350 Kilometern ermöglicht. Im Alltag sind sie damit kaum von einem neuen Premium-Elektro-SUV zu unterscheiden.
Widerspruch zur Kauflogik
Normalerweise gilt: Elektroautos sind in der Anschaffung teurer, sollen sich aber durch niedrige Betriebskosten rechnen. Beim E-Tron kehrt sich dieses Verhältnis um. Die günstigen Gebrauchtpreise lassen die ehemals hohe Einstiegshürde verschwinden. Für Vielfahrer oder Technik-Enthusiasten, die bisher wegen der Kosten zögerten, wird das Fahrzeug plötzlich zur rationalen Wahl. Sogar gegenüber gebrauchten Diesel-SUVs ergibt sich oft ein Kostenvorteil – nicht trotz, sondern wegen des Wertverlusts.
Warum der Markt so reagiert
Der rapide Preisverfall lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Zum einen auf das Überangebot durch Leasingrückläufer – allein Audi selbst bietet Hunderte E-Tron-Modelle über sein Gebrauchtwagenprogramm an. Zum anderen sorgt die anhaltende Unsicherheit über Akkuzustand, Ladeinfrastruktur und Restwertentwicklung für Zurückhaltung bei Käufern. Gleichzeitig schreitet die Modellweiterentwicklung schnell voran, was ältere Fahrzeuge schneller altern lässt.