Audi bringt ab 2026 nur noch E-Autos: A3 und A4 ohne Verbrenner-Nachfolger

Die Zukunft von Audi: Kein A1, aber ein Motorrad,
Verbrenner-Ende 2035
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Die Zukunft von Audi: Kein A1, aber ein Motorrad, Verbrenner-Ende 2035

© Stefan Baldauf / Guido ten Brink

Audi-Chef-Duesmann zündet den Turbo beim Wechsel der Antriebstechnologie. Die nächsten A3 und A4 werden elektrisch, die letzte neue Verbrenner-Baureihe debütiert 2026. Es wird ein SUV sein.

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In einem Interview mit auto motor und sport (Heft 23/2020) bestätigte Markus Duesmann, bereits mehr oder weniger das Ende des TT: "Das Segment schrumpft und steht sehr unter Druck. (…) Ich würde sagen, dass es nicht wahrscheinlich ist, dass der TT einen direkten Nachfolger bekommt".

Aber das wird am Ende noch der harmloseste Einschnitt im Modellprogramm werden. Einem Bericht von "sueddeutsche.de" zufolge will die Premium-Marke des Volkswagenkonzerns ab 2026 keine neuen Verbrenner-Modelle mehr auf den Markt bringen. Eine offizielle Bestätigung war von Audi nicht zu bekommen, ein Dementi aber auch nicht.

Laut dem Bericht hat Duesmann die jüngste Beschleunigung der Transformation zur Elektromarke schon länger zusammen mit nur 500 eingeweihten Mitarbeitern vorangetrieben. VW-Konzernchef, Herbert Diess, der Duesmann von seinem einstigen Arbeitgeber BMW zu Audi geholt hat, wusste offenbar ebenfalls Bescheid, oder könnte gar Mit-Initiator sein – schließlich baut er den ganzen Konzern nahezu genauso konsequent um.

Am Donnerstagvormittag soll Duesmann erstmals einigen Dutzend Betriebsräten die neue Strategie erklärt haben, am Nachmittag dann den Führungskräften. Die immer schnellere Abkehr von der auch bei Audi traditionsreichen Verbrennungsmotorenentwicklung dürfte nicht jeder gut finden – so erklären sich wohl auch Indiskretionen an Medien.

Aber was bedeuten die neuen Informationen konkret? Wenn 2026 die letzte Verbrenner-Baureihe (ein SUV) debütiert, dann ist deren Bauzeitende mit den üblichen Modelllaufzeiten nicht vor 2033 zu erwarten – das sind immerhin noch mehr als 10 Jahre, wie es auch Audi Entwicklungschef Hoffmann im Interview mit auto motor und sport angekündigt hat.

Neu ist vor allem: Die Nachfolgemodelle der Kompaktbaureihe A3 und auch das des einstigen Kernmodells A4 werden reine Elektroautos – ohne Verbrenner, auch nicht in Plug-in-Hybrid-Varianten. Die Generationen der Mittelklassebaureihe waren bislang meist 8 Jahre auf dem Markt, der A4-Nachfolger wäre also 2023 zu erwarten. Ein A4 E-Tron (intern E4) soll aber erst nach dem Auto kommen, das 2024 aus dem Projekt Artemis hervorgehen (Landjet) soll, und wie dieses auf der Premium Plattform Electric (PPE) stehen sowie eine Batterie aus den Einheitszellen des VW-Konzerns haben wird.

Ein A3 E-Tron ist offenbar für 2025 geplant, da wäre die 2020 gestartete vierte Generation des Golf-Derivats mit den vier Ringen im Kühlergrill noch nicht am Ende ihrer Laufzeit und könnte noch etwa drei Jahre parallel zu einem elektrischen A3 auf dem Markt bleiben. Der intern E3 genannte elektrische Kompaktwagen soll auf der Nachfolge-Architektur des Modularen Elektrobaukastens (MEB) aufbauen, die VW für das Projekt Trinity entwickelt. Bei Audi heißt die Apollon.

Die vielen neuen Namen sind Ausdruck dessen, dass sich das klassische Baukasten-System allmählich wandelt, weil die zentralen Grundkomponenten und Unterscheidungsmerkmale ändern. Wo einst Motoreinbaulage und Haupt-Antriebsachse wichtig waren, geht es heute um die Softwarestufe und natürlich um die Batterie, deren Leistungsfähigkeit letztlich auch die des Antriebstrangs bestimmt.

Zu wenig Stückzahl und Ertrag beim Audi A1

Nach Informationen aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen sah die Strategie schon vor der neuerlichen Zuspitzung, die Segmente unterhalb der Kompaktklasse den günstiger positionierten Marken im Konzern (Seat, Skoda) zu überlassen. Daraus lässt sich ableiten, dass der A1, der 2018 in zweiter Generation auf den Markt kam und dementsprechend bis 2025 im Programm wäre, keinen Nachfolger bekommt. Entsprechend zitiert die "Wirtschaftswoche" Duesmann Anfang Januar 2021: Der A1 stehe "in der Diskussion". Die Absatzzahlen des kleinsten Audi dürften die Entscheidung leichter machen: Anders als BMW mit dem Mini erreichte Audi kaum jemals sechsstellige Jahresstückzahlen, sicher auch, weil der Kleinwagen vor allem in Europa auf dem Markt ist. Und das Corona-Jahr 2020 hat diese Situation eher nicht verbessert.

Verkaufszahlen des Audi A1

Mini kommt inzwischen auf eine Jahresstückzahl von deutlich mehr als 300.000 (im Corona-Jahr 2020 waren es nur gut 297.000), hat aber ein ganze Modellpalette der Submarke am Start, aus der sich das Kompakt-SUV Countryman am besten verkauft.

Was wird aus dem Audi Q2

Dem entspricht bei Audi der Q2, den die Ingolstädter erstmals 2016 an den Start rollten. Turnusgemäß steht der Nachfolger demnach 2023 an. Zumindest bei der zweiten Generation seines kleinsten SUV wird Audi dieses Segment noch nicht Seat Arona oder Skoda Kamiq überlassen, weil hier Premiumpreise offenbar erzielbar sind – der Basis-Q2 kostet etwa 4000 Euro mehr als ein gleich motorisierter Skoda Kamiq und gut 3.500 Euro mehr als ein entsprechender A1. Und er macht im Gegensatz zum A1 auch in China Stückzahlen, wo Audi seinen Kleinwagen gar nicht anbietet.

Verkaufszahlen Audi Q2

Der kleine SUV verkaufte sich 2020 also fast doppelt so gut wie der A1. Von A3 und Q3 verkaufte Audi 2020 allerdings jeweils fast 100.000 Autos mehr. Und technisch muss ein neuer Q2 einen ziemlich großen Schritt machen, allein schon der CO2-Ziele wegen. Die dürften beim Q2 eine Plug-in-Hybrid-Version erforderlich machen. Die aktuelle Generation steht aber auf einer MQB-Plattform ähnlich der des A1/VW Polo und erlaubt keine Hybridisierung.

Für den Q2 II müsste die Technik deshalb aus dem größeren Q3 entlehnt werden und der Q2-Nachfolger stünde dann wohl auf dessen Plattform. Das machte ihn in der Produktion vermutlich nur wenig günstiger als den großen Bruder. Der Q3 wird 2025 oder 2026 noch einen Nachfolger auf einer Verbrenner-Plattform bekommen und könnte dann das erwähnte letzte Verbrennermodell sein – ein Q2-Nachfolger mit Verbrenner ist Stand jetzt (Juni 2021) nicht geplant. Ein Elektro-Nachfolger wäre als Derivat des für 2025 versprochenen ID.2 im Format des VW T-Cross denkbar; an der Rentabilität eines solchen kleinen E-SUVs dürfte Audi aber noch ein wenig rechnen.

Nur noch 15 Jahre Verbrenner von Audi?

Die CO2-Problematik bei kleineren Autos dürfte ein weiterer Treiber sein, warum Duesmann das Modellprogramm insgesamt mit dem Fokus auf größere, lukrativere Modelle straffen wird. Die sollen aber nicht einfach nur für Luxus stehen. "Das Wort klingt für mich nicht gut. Luxus ist für mich kein Wert", sagte Duesmann in der Wirtschaftswoche.

CO2 ist auch der Grund, warum der Audi-Chef nach Informationen des Blattes bereits damals an einem konkreten Zeitplan für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor arbeitete. Dieser sehe ein Ende der Verbrenner-Produktion für jedes Audi-Werk vor. Festgelegt werden Zeiträume, in denen – abhängig vom Markterfolg der E-Autos – der Ausstieg erfolgt. Die Zeiträume sollten binnen Monaten feststehen – jetzt wo sie ausgerechnet sind, zeigt sich: Wohl gegen 2033 (2026 plus 7) wird Audi nur noch Autos mit Elektroantrieb anbieten.

Kleinere Palette aus größeren Modellen

Damit werden wohl bislang schon vermutet, vor allem die Modellzyklen entscheiden, welche Baureihen Nachfolger mit konventionellem Antrieb und entsprechenden Plattformen bekommen. Wenn Audi spätestens 2033 keine Verbrenner mehr anbieten will, müsste für Baureihen, die mit einer regulären Laufzeit (7 Jahre) bis 2026 reichen würden, in den Planungsrunden die Umstellung auf den Elektroantrieb beschlossen worden sein. Tatsächlich bringt aber Audi dieses Jahr vor allem E-Modelle (E-Tron GT, Q4 E-Tron) und der eigentlich dieses Jahr fällige TT bekommt eben keinen Nachfolger. Ein neuer R8 wäre 2022 aufgrund seiner Sonderstellung und der kleinen Stückzahl noch als Hybrid denkbar, der Nachfolger könnte dann noch vor 2030 auslaufen. Neueste Gerüchte sehen den R8-Nachfolger aber bereits als vollelektrisches Modell.

Parallele Elektro-Modell-Palette

Den Einstieg in die Elektrowelt von Audi wird bis zum Debüt des A3 E-Tron der kompakte SUV Q4 E-Tron darstellen, der wie das Schwestermodell VW ID.4 auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB) basiert und der 2021 auch gleich als Coupé (Q4 E-Tron Sportback) kommt.

Aber eine Premium-Marke braucht Premium-E-Autos. Für die reicht der MEB nicht. Audi baut daher auf Basis des Taycan das große Coupé E-Tron GT und entwickelt die Premium Plattform Electric (PPE) zusammen mit Porsche. Damit verteilt sich der Entwicklungsaufwand auch Aufwand auf mehrere Marken. Von denen zieht Duesmann Entwicklungskompetenz nach Ingolstadt – schließlich verantwortet er dieses Ressort auch im Konzern. Die Car.Software.org sitzt als Unternehmen im Unternehmen in Ingolstadt.

Markenübergreifende Architekturen helfen sparen

Auf Basis der PPE sollte im Rahmen des Projekts Artemis "schnell und unbürokratisch ein wegweisendes Modell für Audi entwickeln", das dann 2024 erstmals die neue Elektronikstruktur inklusive Betriebssystem nutzen soll und eine Batterie mit den EInheitszellen des VW-Konzerns.. Das Auto mit dem Arbeitstitel "Landjet" soll kein SUV, aber auch keine klassische Limousine werden, etwas neuartiges. Das schon 2017 auf der IAA in Frankfurt gezeigte autonome Concept Car Aicon könnte Vorbild sein. Artemis soll zudem die Blaupause für die Entwicklung neuer E-Autos im Konzern werden. Das zweite Fahrzeug, das der Inkubator hervorbringen soll, wird ein Porsche.

Ein PPE-Modell dürfte Audi zuerst bringen: 2022 kommt der Q6 E-Tron, ein E-SUV in der Größe des Q5, der als Verbrenner 2023 neu zu erwarten ist. Der technisch (mit dem Q6) verwandte neue Macan kommt 2023 als Elektro-SUV, das Verbrennermodell wird überarbeitet weiter angeboten. Als Porsche diese erste Generation des Bestsellers entwickelte, nutzten die Schwaben die MLB-Plattform des Q5, modifizierten sie allerdings. Der elektrische Q5, dessen Abmessungen denen des Verbrenner-Pendants sehr nahe kommen dürften könnte dank der Packaging-Vorteile des E-Antriebs Platzverhältnisse in die Nähe jener des Q7 bieten – auf dem Niveau des zwölf Zentimeter längeren E-Tron, der noch auf einer Plattform des MLB evo (Modularer Längsbaukasten) steht. Immerhin hat er sich 2020 gut 50.000 Mal verkauft. Ein elektrischer Q5/Q6 könnte ihn ab 2025 ersetzen. Ob der elektrische Q5, der Q6 E-Tron heißen dürfte, das Alleinstellungsmerkmal des dreimotorigen Antriebs im E-Tron S behält oder seinem dynamischer positionierten Bruder Porsche Macan vererbt, ist fraglich.

Was wird der erste elektrische Nicht-SUV von Audi?

Der Wechsel auf neue Architekturen für Elektroantriebe, die im VW-Konzern Baukästen heißen, bedeutet für die Audi-Modellpalette teilweise eine Parallelisierung. Denn nicht immer passen die Modellzyklen der Baureihen zum Wechsel des Konzepts, das die Hauptmärkte eines Modells zudem unterschiedlich nachfragen. Wann welche Modelle elektrisch fahren, wird damit zum komplizierten Rechenspiel mit zahlreichen Faktoren. Der aktuelle Plan sieht bis 2021 sieben E-Modelle vor: die E-Tron-Varianten (S und Sportback), Q4 E-Tron/Sportback sowie den Taycan-Klon E-Tron GT, dessen Topversion als erstes E-Auto das RS-Signet der Audi Sport GmbH tragen wird. Die dazu an sich gut passenden zwei Motoren auf der Hinterachse trägt er aber nicht. Stattdessen darf der stärkere hintere Motor wie beim Porsche-Pendant seine Kraft über zwei Gänge weiterreichen.

Ähnlichen Zuschnitts, aber kompakter dürfte der erste Nicht-SUV auf PPE-Basis werden: Das viertürige Coupé mit der internen Bezeichnung E6 debütiert als Concept Car im Frühjahr 2021 in Shanghai und soll 2023 auf den Markt kommen. Es passt vom Platzangebot her zum A6, wobei nur bei letzterem über den Nachfolger mit Verbrennungsmotor noch nicht entschieden ist, weil der erst 2025 ansteht – gerade weil es mit dem E6 eine Elektro-Alternative geben wird, dürfte der A6-Nachfolger noch Verbrenner tragen, um auch weiterhin Märkte bedienen zu können, die kaum eine Elektroperspektive zeigen, wie etwa Russland. Die Laufzeit eines A6-Nachfolgers reichte bis 2032, danach wäre also definitiv Schluss mit einer verbrennungsmotorisch angetriebenen A6-Baureihe.

Neuer A4 erstmal mit Verbrenner und PHEV

Wie oben beschrieben soll der A4 E-Tron frühestens 2024 auf den Markt rollen. Der aktuelle Verbrenner wäre aber 2023 am Ende der Laufzeit. Gut denkbar, dass Audi das Mittelklassemodell mit einer Modellpflege noch länger auch als Parallelangebot im Programm behält – mit PHEV-Varianten ordentlicher E-Reichweite.

Die großen SUV (Q7/8) wird Audi zum nächsten Generationswechsel (ab 2022) nur mit großer PHEV-E-Reichweite elektrifizieren – vor allem die Zugfahrzeug-Qualitäten (3,5 Tonnen Anhängelast) lassen sich mit BEVs noch nicht darstellen. Technisch muss das beim Nach-Nachfolger (2029) gelöst sein – mit dem würde Audi sonst die 2033er-Grenze für Verbrenner reißen. Ein Q8 E-tron ist inzwischen bereits für 2026 angekündigt.

Aber auch die größte Limousine (A8) erhält wohl 2024 noch mal einen Nachfolger mit Verbrennungsmotor, obwohl der Landjet volldigitalisiert und elektrisch mit einem passend dazu progressiveren Karosseriekonzept ebenfalls 2024 wohl im gleichen Segment antreten soll. Aber wie schon beim A6 braucht Audi gerade für die stärksten Märkte des Luxussegments ein Verbrenner-Angebot. Bei Porsche könnte aus der Landjet-Basis eine vollelektrische Alternative für einen Panamera-Nachfolger mit Verbrenner und PHEV (ab 2023) werden.

Motorräder von Audi?

Audi-Chef Duesmann ist eigentlich waschechter Motorenkonstrukteur, verantwortete bei seinen früheren Arbeitgebern Daimler und BMW die Formel-1-Teams – ein Petrolhead, der jetzt die Elektro- und die Software-Wende bei Audi bzw. VW vorantreibt. Vielleicht denkt er deshalb sogar über ein Motorrad der Marke Audi nach – da laufen Motoren überwiegend noch mit Kolben und nicht mit Spulen. Duesmann hat hinter Freising eine ganze Halle voller sportlicher und Renn-Motorräder, an denen er in seiner aktuell besonders spärlichen Freizeit schraubt. Über Audi sagte er der Wirtschaftswoche: "Mit der Marke DKW hat unser Unternehmen eine große Zweiradgeschichte. Außerdem haben wir Ducati, das zu Audi gehört".

Auch NSU, 1969 mit der Auto Union zu Audi NSU fusioniert, hatte legendäre Motorräder wie Fox, Lux oder Max im Programm und war im Rennsport mit der Rennmax oder der voll verkleideten Rennfox ("Blauwal") erfolgreich. Aber die Motorradproduktion endete dort schon 1963, DKW baute gar nach 1958 keine Motorräder mehr. Eine Wiederbelebung dieser Marken scheint wenig vielversprechend. Selbst Motorräder von Audi, analog zu BMW, wirkt wenig vielversprechend – die lukrativeren Segmente des eher schrumpfenden Motorradmarktes deckt Ducati mit seinem Modellprogramm inzwischen weitgehend ab.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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