Basiswissen Wohnmobil-Aufbautechnik: Reisemobil-Aufbau mit Sandwich-Technik

So sehen die fertigen Sandwichplatten für aufgebaute Reisemobile
aus, wenn sie noch nicht zusammengesteckt wurden.
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So sehen die fertigen Sandwichplatten für aufgebaute Reisemobile aus, wenn sie noch nicht zusammengesteckt wurden.

© promobil

Dach, Wände und Boden im Reisemobil haben ein spannendes Innenleben, denn sie bestehen aus den unterschiedlichsten Materialien. Damit sie isolieren sind sie mehrschichtig aufgebaut. promobil erklärt, was es mit dem „Sandwich“ auf sich hat.

Das Sandwich ist der zentrale Begriff, wenn es um die Aufbauwände eines Reisemobils geht. Statt Wurst, Käse und saure Gurken kommen hier allerdings Materialien wie Alu, EPS und GfK auf den Tisch. Die Sandwichbauweise heißt so, weil sie mehrere Schichten zu einer Wand vereinigt.

Früher handelte es sich dabei meist um eine Innenwand aus Sperrholz, eine Außenwand aus Alu und dazwischen ein Fachwerk aus Nadelholzlatten. Dessen Zwischenräume waren zur Isolation mit EPS ausgefüllt, landläufig als Styropor bekannt. EPS hat den Nachteil, dass es sich aufgrund der Kapillarwirkung wie ein Schwamm mit Wasser vollsaugen kann und dann die benachbarten Holzlatten befeuchtet.

Das Dach ist meist nach demselben Muster aufgebaut wie die Seitenwand. Der Boden besteht oft aus Sperrholzplatten, wobei auch GfK inzwischen öfter anzutreffen ist.

Was bedeutet „holzfreier“ Aufbau?

Heutzutage legen Hersteller vermehrt Wert auf einen holzfreien Aufbau. „Holzfrei“ bezieht sich dabei allerdings oft nur auf die mittlere Schicht des Aufbau-Sandwichs, die inzwischen meistens aus dem stabilen und saugunfähigen XPS-Schaum besteht. Aufgrund seiner Steifigkeit kann man sich das Holzfachwerk nun weitgehend sparen.

Warum ist das gut? Obgleich Holz ein Rohstoff mit vielen guten Eigenschaften ist – kostengünstig, nachhaltig, relativ leicht –, hat es doch auch einen entscheidenden Haken: Es ist anfällig für Feuchteschäden, was im Reisemobil von Nachteil ist. Statt Holz kommen immer öfter Kantenleisten und Einleger aus Polyurethan (PU) zum tragen (siehe unten: Aufbaukanten).

Während der Holzanteil beim Reisemobilbau abnimmt, nahm die Bedeutung von GfK in den vergangenen Jahren zu. Seine Widerstandsfähigkeit gegen Hagel und Steinschlag macht ihn zur Idealbesetzung bei Dach und Unterboden – manche Versicherungen gewähren sogar Rabatte, wenn das Reisemobil über ein GfK-Dach verfügt. Weiterer Vorteil von Gfk: Er verrottet nicht und kann, anders als Aluminium, partiell ausgebessert werden. Auch bei Böden kommt immer häufiger GfK für die äußere, dem Straßenschmutz ausgesetzte Schicht zum Einsatz.

Die Verbindung der Aufbaukanten

Dichtigkeit, Stabilität und Steifigkeit müssen die Verbindungen der Platten an den Aufbaukanten gewährleisten. Verschraubte man diese Kantenverbindungen früher, wird heute meist nur noch mit Schrauben fixiert und geklebt. Da eine Verschraubung im Isoliermaterial instabil wäre, werden an den Plattenrändern Leisten aus Holz oder neuerdings PU eingearbeitet. PU ist sehr stabil und ebenfalls verrottungsresistent. Es bietet Schrauben sicheren Halt – wichtig für die Eckverbindungen zwischen Dach, Wänden und Boden, die meist verschraubt und verklebt werden. Auch Profile aus Aluminium kommen zum Einsatz, sie garantieren eine verwindungssteife Verbindung.

In der Wand eines Reisemobils steckt mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Dank Sandwichbauweise können die Wände sowohl isolieren als auch stabilisieren. Sie sind Allrounder – eben ganz wie ein richtiges Sandwich.

Wände und Isoliermaterialien bei Campingbussen

Campingbusse haben zwar keine Sandwichplatten, doch auch die Karosseriewände der Kastenwagen müssen isoliert werden. Dafür sind flexiblere Materialien gefragt. Früher war hier Mineralwolle verbreitet. Die nimmt zwar kaum Feuchtigkeit auf, aber durch die lockere Konsistenz kann Feuchtigkeit am kalten Außen blech kondensieren. Deshalb muss zwischen Wolle und Innenraum als Dampfsperre eine Folie angebracht werden. Wegen der einfachen Verarbeitung und des Preises ist Mineralwolle bei Selbstausbauern beliebt.

Ein Dämmmaterial, das der Mineralwolle ähnelt, ist die alukaschierte PE-Fasermatte. Sie findet vor allem bei franzö- sischen und italienischen Marken Verwendung und hört auf den Namen Van Protection System. VPS verspricht neben guter Isolation auch eine merkliche Geräuschdämmung. Fast alle anderen Campingbushersteller nutzen PE-Matten für die Isolierung. Der Kunststoff, der auch als X-Treme-Isolator oder Armaflex verkauft wird, ist sehr flexibel und damit einfach zu verarbeiten.

PE-Matten sind zwar relativ schwer, bieten aber schon bei geringer Materialstärke gute Dämmwerte und dienen auch der Geräuschminderung. Preislich liegt PE zwar im oberen Bereich, nimmt aber wie XPS keine Feuchtigkeit auf. PE-Matten sind meist dunkelgrau oder schwarz.

In Kompakt-Campingbussen kommt immer öfter ein weiteres, neues Dämmmaterial zum Einsatz: Der flexible Elastomerschaum – kurz FEF – ist sehr biegsam und vereint gute Dämmwerte mit geringem Gewicht. Dieser synthetische Kautschuk (SBR-Kautschuk) nimmt ebenfalls kein Wasser auf und hat eine Beschichtung gegen Bakterien und Schimmelpilze.

Glossar – Woraus bestehen die Wände im Wohnmobil?

Aluminium: Ein Leichtmetall, als Außenhaut glänzend lackiert. Eigenschaften: recyclingfreundlich, relativ leicht, auch in dünner Materialstärke noch stabil, wasserdicht, feuchtigkeitsresistent, UV-beständig, schwierige Reparatur schon bei kleinen Kratzern und Beulen, Alu-Fraß (Korrosion) möglich. Verwendung: als Außenhaut oder Profilleiste an Aufbaukanten sowie als Material für Seitenschürzen

EPS: expandiertes Polystyrol, wird unter dem Markennamen Styropor vertrieben. Eigenschaften: leicht und günstig im Einkauf, saugt Feuchtigkeit auf. Verwendung: häufig als Isoliermaterial in Reisemobilaufbauten

GfK: Glasfaser-verstärkter Kunststoff. Eigenschaften: widerstandsfähig gegen Hagel und Steinschlag, reparaturfreundlich, verrottungsresistent bei Behandlung mit einer Deckschicht (Gelcoat) gegen UV-Strahlung, Verfärbung und Rissbildung möglich, oft matte Oberfläche, etwas schwerer und weniger stabil als Alu. Verwendung: als Außenhaut und als Formteile

Holz: von der rohen Tannenlatte bis zur wasserfest verleimten und beschichteten Siebdruckplatte vielfältige Verwendung. Eigenschaften: günstig, einfach zu verarbeiten, relativ leicht, etwas isolierende Wirkung, anfällig für Feuchteschäden. Verwendung: Nadelholzlatten werden häufig als tragendes Fachwerk verwendet, teils auch als Kante zur Verschraubung von Aufbauplatten, Sperrholz findet sich auch als Innen- und Außenseite für Bodenplatten oder als Innenabschluss der Wand, Verankerung für Möbel

PU: Polyurethan wird auch Bau- oder Montageschaum genannt. Eigenschaften: Der aufgeschäumte Kunststoff ist stabil, aufwendig in der Produktion, nimmt kaum Wasser auf, hoch verdichtete PU-Leisten sind fest und verrottungsresistent, meist beige oder grau bis schwarz eingefärbt. Verwendung: als Wandisolierung sowie als Versteifungen an Plattenkanten

XPS: extrudiertes Polystyrol wird u. a. unter den Markennamen Styrofoam, Styrodur oder RTM-Schaum vertrieben. Eigenschaften: steif und wenig druckempfindlich, durch das geschlossene Zellgefüge nimmt es so gut wie kein Wasser auf, meistens blau eingefärbt. Verwendung: als Isoliermaterial

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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