Die größten Mähdrescher der Welt

Mähdrescher sind gewaltige Maschinen mit viel Leistung und interessanter Technik.
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Mähdrescher sind gewaltige Maschinen mit viel Leistung und interessanter Technik.

© Field
01.08.2018 - 10:45 Uhr von Sebastian Renz

Wenn die größten Mähdrescher der Welt zur Arbeit fahren, geht es dem Korn an den Kragen. auto motor und sport zeigt die größten Erntehelfer und wirft einen Blick über den Drescher-Rand.

  • Fahrbericht New Holland CR 10.90
  • So funktioniert ein Mähdrescher
  • Fendt Ideal 9T
  • John Deere S790
  • Claas Lexion 780 Terra Trac
  • Case IH Axial-Flow

Sie fressen sich wie Heuschrecken durch ganze Felder und kosten mehr als ein Supersportwagen: Mähdrescher. Über 600 PS stark und mit gewaltigen Korntanks ausgestattet erledigen sie die Arbeit, für die sonst Tage, wenn nicht Wochen notwendig waren. Erst recht dann, wenn es auf Rekordversuch geht. So wie im Jahr 2014, als in acht Stunden ein Team von New Holland mit einem 653 PS starken CR10.90 und einem 13,70 Meter breiten Schneideaufsatz insgesamt 797,66 Tonnen Weizen gedroschen hat. So viel wie in 28 große Anhänger passt. Dabei wurden lediglich 1,12 Liter Diesel pro geerntete Tonne Weizen verbraucht. Im April 2017 sorgte dasselbe Unternehmen mit dem CR8.90 erneut für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Die Maschine erntete auf einem brasilianischen Feld innerhalb von acht Stunden insgesamt 439,73 Tonnen Sojabohnen. Grund genug, sich die Maschinen mal genau anzuschauen. Ein große Rolle spielt dabei natürlich die Tatsache, dass die Mähdrescher heutzutage nicht mehr per Hand, sondern autonom auf ein bis zwei Zentimeter genau die Spur halten.

Fahrbericht New Holland CR 10.90

Da steht er, einer der größten Mähdrescher der Welt: der New Holland CR 10.90. Sein Mähwerk misst 12,5 Meter in der Breite und es schneidet in jeder Sekunde 1.000 Getreidehalme ab. Pro Stunde kann er sich durch fünf Hektar Feld fressen. Wir besteigen zunächst die Dachterrasse des New Holland CR 10.90, statten dem 14.500 Liter großen Korntank und dem 16 Liter großen Sechszylinder-Common-Rail-Diesel einen Besuch ab. Er ist groß wie ein Telefonhäuschen, leistet 653 PS, erfüllt die Abgasnorm Euro 6 und zapft sich pro Hektar rund 20 Liter Diesel aus dem 1.200-Liter-Tank.

Im Cockpit, das laut New Holland Ernte-Suite genannt wird, ist mit 3,7 Kubikmetern etwa so groß wie ein Einfamilienhaus in Tokio. Dazu ist sie für beste Aussichten mit 6,2 Quadratmetern Fensterfläche verglast, klimatisiert und mit Kühlschrank sowie heiz- und kühlbaren Ledersitzen möbliert. Eine Stereoanlage ermöglicht es dem Maschinisten, sich die Zeit zu vertreiben. Das Fahren übernimmt ja der New Holland CR 10.90, auf 2,5 Zentimeter genau.

70.000 Euro-Raupenlaufwerk

Selbst geübte Mähdrescherfahrer empfehlen, die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auch auf geteerten Straßen nie auszunutzen – schon wegen des hydraulisch gefederten Raupenlaufwerks vorn. Dieses allein kostet 70.000 Euro, drückt aber mit jeweils 1,4 Quadratmetern Auflagefläche nicht so heftig aufs Ackerland wie normale Reifen. Joystick nach vorn drücken, und der Mähdrescher bricht zur Feldarbeit auf. Das linke Pedal aktiviere die Differenzialsperre vorn, falls sich der CR mal festfahre; so informiert mich der Instruktor. Komme das Fahrzeug damit nicht frei, empfehle es sich, für die Bergung einen etwas umfangreicheren Bagger vorrätig zu haben. Knopfdruck, das Mähwerk rotiert los, die Erde bebt. Noch ein Knopfdruck, und der CR 10.90 frisst sie auf. Ganz allein. Über den 10,5 Zoll großen Touchscreen ließe sich das Tempo noch ändern oder die Schnittgröße des Strohs einstellen, das hinten aus dem Mähdrescher herausstürmt. Doch alles andere erledigt der CR 10.90 allein. Er misst dabei selbst die Feuchtigkeit des Ernteguts, um die Druschart zu optimieren.

Fürs autonome Fahren nutzt er das Intellisteer-System, das über ein per Korrektursignal optimiertes GPS sowie drei Gier- und drei Bewegungssensoren verfügt. Sie leiten ihn bei jeder Ernte immer auf den exakt gleichen Spuren, um mit dem 18 Tonnen schweren New Holland CR 10.90 so wenig Boden wie möglich zu verdichten.

Mit 4,5 km/h durchs Feld

Mit 4,5 km/h mampft sich der New Holland CR 10.90 nach Süden, zieht das Getreide in einen Kanal, gibt es dann weiter an zwei Rotoren, die das Korn von den Halmen trennen. New Holland informiert, dieses sanfte Verfahren sorge weniger als 0,2 Prozent Kornbruch und höchste Strohqualität. Allein der Strohhäcksler zapft derweil 109 PS von der Motorleistung ab. So füllt sich der Korntank des New Holland CR 10.90 eilig, wie ich durch ein kleines Fenster hinter mir sehen kann. Da eilt auch gleich ein Traktor heran, mit einem Anhänger in der Größe eines Containerschiffs. Ich stoppe den Mähdrescher und drücke mal wieder einen Knopf. Nun fährt das zehn Meter lange Abtankrohr nach links aus, aus dem das Korn dann in den Anhänger gepumpt wird, fast 100 Kilo pro Sekunde.

Fendt Ideal 9 mit 17.100 Litern Korntank

Der Fendt Ideal 9 wird von einem 647 PS starken und 15,2 Liter großen MAN-Dieselaggregat angetrieben und bietet den längsten Rotor am Markt an. Ganze 4,84 Meter Länge und 600 Millimeter Durchmesser. Eine Innovation für den Mähdrescher ist der Einbau eines zweiten Rücklaufbodens im vorderen Bereich des Dreschwerks. Dadurch wird der Vorbereitungsboden bereits weit vorn mit Erntegut gefüllt. Zugleich ist der Fendt Ideal mit dem größten Korntank ausgestattet, den es aktuell am Mähdreschermarkt gibt. Sein Fassungsvermögen beträgt 17.100 Liter. Die Entleerungsleistung liegt bei 210 Litern pro Sekunde. Mit Hilfe des PowerFlow-Schneidewerks ist zudem eine maximale Arbeitsbreite von 12,20 Metern möglich. Damit während des Erntevorgangs alles perfekt abläuft, dafür sorgen MADS-Sensoren, kombiniert mit einer Kornqualitätskamera.

John Deere S790

Der auf der Straße bis zu 40 km/h schnelle und 625 PS starke John Deere S790 bietet dank Dyno-Flo Plus bis zu 5,9 Quadratmeter Siebfläche und bis zu 12,20 Meter Schneidewerk. Der 13,5 Liter große Sechszylinder-Dieselmotor saugt seinen Treibstoff aus einem 1.250 Liter großen Tank. Der Korntank wiederum fasst 14.100 Liter und die Abtankgeschwindigkeit 135 Liter pro Sekunde. Nach 105 Sekunden ist demnach ein kompletter Tank entleert. In Zusammenarbeit mit der NASA begann das erste satellitengestützte Lenksystem von John Deere bereits vor 20 Jahren. Für das autonome Fahren sorgt das System Starfire 6000 mit einer Genauigkeit von zwei Zentimetern. Doch was bringt der beste Mähdrescher, wenn niemand ihn fahren kann oder will? Viele Betriebe und Lohnunternehmen beklagen derzeit den Mangel an qualifizierten Erntemaschinenfahrern. John Deere bietet nun den Mähdrescher-Simulator GoHarvest.

Claas Lexion 780 Terra Trac

Mit 13.500 Litern Korntank und einer Entleerungsleistung von 130 Liter pro Sekunde reiht sich der 18,2 Tonnen schwere Claas Lexion 780 Terra Trac ebenfalls in die Reihe der größten Mähdrescher der Welt ein. Seine 626 PS, die er aus einem 15,6 Liter großen Reihensechszylinder aus der Hause Mercedes holt unterstreicht seine Position.

Case IH Axial-Flow

14.400 Liter Korntank und 159 Liter pro Sekunde Abtankgeschwindigkeit – Werte, die den Case IH Axial-Flow 9240 zu den ganz großen der Mähdrescher zählen lässt. Für den Vortrieb sorgt ein Sechszylindermotor mit 15,9 Litern Hubraum und 634 PS. Der Dieseltank fasst 1.200 Liter Treibstoff.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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