Drohende CO2-Strafen für Autohersteller: Die Tricks im Kampf um jedes Gramm

Drohende CO2-Strafen für Autohersteller: Die Tricks im Kampf um
jedes Gramm
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Drohende CO2-Strafen für Autohersteller: Die Tricks im Kampf um jedes Gramm

© Hersteller / Patrick Lang

Um die Grenzwerte doch noch zu schaffen beziehungsweise möglichst nach an sie heranzukommen, versuchen die Hersteller jeden Trick, um die CO2-Bilanz ihrer Flotten zu drücken. Das hilft weder dem Kunden noch der Umwelt.

So richtig überraschend kommt das 95-Gramm-CO2-Ziel der EU für keinen europäischen Autobauer. Trotzdem wird es jetzt mit Blick auf die letzten Monate des Jahres für viele Autobauer dramatisch eng. Unter anderem, weil die Corona-Pandemie viele Modell-Premieren und Produktionsprozesse ausgebremst hat. Aber auch, weil viele der neuen CO2-sparsamen oder komplett emissionsfreien Modelle deutlich später fertig wurden als geplant. Teilweisen reden wir hier nur von wenigen Wochen Verspätung, die aber entscheidend sein können. – weil im Zweifel jedes Gramm Zielüberschreitung richtig teuer werden kann. Überschreitet ein Autohersteller den CO2-Flottenwert, werden Strafzahlungen an die EU fällig. Und zwar 95 Euro pro Gramm Überschreitung multipliziert mit der Stückzahl an Fahrzeugen, die der Hersteller im betreffenden Jahr (2020) in der EU verkauft hat. Für ein Branchen-Schwergewicht wie Volkswagen sind das schnell mehrere hundert Millionen Euro pro Gramm CO2 zuviel.

Jedes Elektroauto hilft

Da wundert es nicht, dass im Jahres-Endspurt sämtliche Register gezogen werden, um sich die CO2-Pfunde abzuhungern. Da hilft jedes zugelassene Elektroauto; ihr CO2-Ausstoß wird mit 0 g/km angesetzt und sie zählen doppelt. Heißt zum Beispiel im Fall von Volkswagen: Der elektrische ID.4, der als Kompakt-SUV eigentlich möglichst schnell die USA erobern sollte, wird dort erst zum Start des 2. Quartals 2021 so richtig durchstarten. Weil die Verkäufe in Europa gebraucht werden.

Verbrenner für Plug-ins opfern

Das sieht im Premium-Segment kaum besser aus. Mercedes hat vor wenigen Wochen den E 350 aus dem Modellprogramm der E-Klasse gestrichen, obwohl der Hightech-Vierzylinder in ersten Tests einen hervorragenden Eindruck gemacht hat. Auf Nachfrage bestätigte ein Unternehmenssprecher das Aus des E 350. Grund: Im Zuge der Produktionsumstellung sei nach Rücksprache mit dem Vertrieb beschlossen worden, "die Plug-in-Motoren (PHEV) zu priorisieren.” Diese Priorisierung muss sein, weil auch PHEVs bei der CO2-Bewertung doppelt zählen und meist deutlich unter den geforderten Grenzwerten liegen.

CO2-Schleudern verzögern

Praktisch alle Hersteller mit extrem schweren oder besonders leistungsstarken Fahrzeugen versuchen außerdem, die Auslieferung von Fahrzeugen mit besonders hohem CO2-Ausstoß zu verzögern. Heißt: Viele Kunden müssen auf ihre Autos warten, obwohl die Fahrzeuge bereits produziert sind. Ausgeliefert und zugelassen werden sollen diese Fahrzeuge erst ab Januar 2021, weil dann die ganzen für nächstes Jahr angekündigten Elektroautos und PHEVs wieder für Luft im CO2-Budget sorgen.

Wohnmobile statt PKW

Käufer von Campingbussen stehen seit vielen Monaten vor einem ganz anderen Problem: Sie bekommen ihre bestellten Fahrzeuge nur noch sehr umständlich als PKW zugelassen. Genau darin lag und liegt für viele Neukunden aber der Charme der kleinen Busse mit ihren meist schnell demontierbaren Camping-Einbauten: Im Alltag (ohne Küche und Co.) ein vollwertiges Familienauto und bei Bedarf ein praktisches Reisemobil.

Das Problem: Als PKW zählen die Campingbusse voll in die CO2-Flottenziele der Hersteller. Als Fahrzeuge mit Wohnmobil-Zulassung eben nicht. Nachteil für den Kunden: Für die Wohnmobil-Zulassung braucht es zum Beispiel ein fest eingebautes Küchenmodul. Und deshalb bekommen viele Kunden in diesen Tagen und Wochen Campingbusse ausgeliefert, die über Camping-Einbauten verfügen, die nur theoretisch mit wenigen Handgriffen demontierbar sind. Das dafür nötige Zubehör ist dann eben "gerade nicht lieferbar”.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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