Elektroauto-Wende im VW-Konzern

VW Golf keine 9. Generation
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VW Golf keine 9. Generation

© Collage: auto-motor-und-sport.de

VW muss wegen der extrem strengen CO2-Grenzwerte auf E-Autos setzten. Der Golf 8 könnte deshalb ohne Nachfolger bleiben. Eine Umfrage zeigt: Die Kunden können sich das vorstellen.

Mehr als 35 Millionen Golf hat VW bis Ende 2019 gebaut, allein 5,7 Millionen von der Generation VII. In sieben Jahren Bauzeit. Der e-Golf kam in 5 Jahren Bauzeit nur auf 100.000 Stück. So viele ID.3 will VW noch 2020 produzieren. Und es sollen in den kommenden Jahren noch viel mehr werden. Vor allem aber muss VW künftig sehr viele E-Autos verkaufen. Der Quote wegen – in China, wo der Golf als Schrägheckmodell im Übrigen nie eine Rolle spielte. Und wegen der CO2-Limits in der EU. VW wird wohl 2020 einen gewichtsrelativierten Flotten-Verbrauchswert von etwa 97 Gramm pro Kilometer erreichen müssen. Für jedes Gramm darüber werden 95 Euro fällig – multipliziert mit der Anzahl der in der EU verkauften Gesamtstückzahl (bei VW rund vier Millionen). Schon ein Gramm Überschreitung bedeutet also eine Strafzahlung von rund 400 Millionen Euro.

Vom neuen Golf 8 liegen nur die erst demnächst debütierenden Plug-in-Hybrid-Versionen deutlich unter 95g CO2/km. Und da die CO2-Ziele bis 2030 noch mal um 37,5 Prozent (auf Basis der Emissionswerte von 2021) sinken sollen, helfen nur E-Autos, um den durchschnittlichen Flottenverbrauch unter den Grenzwert (dann ca. 60 Gramm) zu senken. Denn sie gehen mit 0g CO2-Ausstoß in den Flottenverbrauch ein und zählen aktuell sogar doppelt.

Kommt der Golf IX gar nicht mehr?

Weil VW aber seine E-Autos jetzt grundsätzlich auf dem neuen Modularen Elektrobaukasten ( MEB) aufbaut, während der Golf 8 auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) basiert, gibt es keinen e-Golf 8 und die Baureihe steht CO2-technisch vor einer schwierigen Zukunft. Vor allem was den Nachfolger angeht, der nach gängigen Generationszyklen 2027 debütieren müsste. Und da kommt Michael Jost, Leiter Strategie des Volkswagenkonzerns, ins Spiel. Der hat die das Bekenntnis von VW zum Pariser Klimaprotokoll von 2015 (CO2-Neutralität für 2050) schon Ende 2018 auf die Modellzukunft umgerechnet: Die Ziele des Pariser Klimaabkommens könnten nur dann erreicht werden, wenn im Jahr 2050 kein Auto mehr mit Verbrennungsmotor auf den Straßen fährt. VW rechne daher damit, die letzten Verbrenner etwa um 2040 zu verkaufen. „Im Jahr 2026 hat die letzte Plattform, die nicht CO2-neutrales Potenzial hat, die nicht CO2-neutrale Fahrzeuge generieren kann, ihren letzten Produktionsstart“, sagte er. Könnte also knapp werden für einen Golf 9 im Jahr 2027. Es sei denn, VW nennt die zweite Generation des ID.3 dann Golf 9 oder bietet den dann praktisch ausschließlich als Plug-in-Hybrid an, so dass der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Baureihe unter den für 2030 gesetzten 60 Gramm liegt. Wenn E-Autos bis dahin in der Produktion erheblich billiger werden, was das Ziel der Hersteller sein muss, könnte es unrentabel sein, eine PHEV-Baureihe für dann vielleicht gar nicht mehr so hohe Stückzahlen am Leben zu erhalten.

Vielen Autokäufern scheint schon heute klar zu sein, dass E-Autos die Verbrenner verdrängen werden. Interessant ist die die Einschätzung des Zeithorizonts: In einer Nachbefragung unter den Teilnehmern der auto motor und sport-Leserwahl Best Cars 2020 stellten wir folgende hypothetische Frage: „Angenommen, Sie würden bei einer Lotterie gewinnen und könnten sich zwischen den folgenden zwei Fahrzeugen frei entscheiden: Würden Sie sich eher für den aktuellen VW Golf oder den VW ID.3 entscheiden?“ Das Ergebnis: Fifty-Fifty unter jenen Teilnehmern, die auch eine klare Entscheidung treffen konnten. Exakt bei diesen Befragten haben wir nochmals nachgebohrt: „Und wie sähe wohl Ihre Entscheidung in 5 Jahren aus?“ Hier war das Ergebnis nicht mehr ausgeglichen: Ausgehend vom Befragungszeitpunkt sprachen sich für das Jahr 2024 schon 63 Prozent klar für den ID.3 aus.

Sehr aufschlussreich war auch das gleiche Frage-Antwortspiel für Porsche 911 und Porsche Taycan, weil es hier um sportliche Autos geht, bei denen man eine klare Tendenz zum Verbrennungsmotor vermuten muss. Ergebnis hier: Aus einem 63 zu 37%-Vorsprung für den 911er, wird in der zukünftigen Einschätzung nur noch eine knappe Führung von 53 zu 47%.

Natürlich bleibt die Befragung hypothetisch. Sie zeigt aber, dass sich die Elektromobilität in den Köpfen der Verbraucher festgesetzt hat. Dazu passend sagt jeder Zweite der gut 102.000 Befragten bei Best Cars, dass er sich den Kauf eines E-Autos in den nächsten 5 Jahren vorstellen kann.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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