„Einstellung des Verbrenner-Macan war ein Fehler“
Oliver Blume zieht sich als Porsche-Chef zurück, um sich ganz auf den VW-Konzern zu konzentrieren. Er räumt aber strategische Fehler in Stuttgart ein.
Zum Jahresende 2025 hat Oliver Blume seine Doppelrolle an der Spitze von Volkswagen und Porsche beendet. Der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns will sich künftig vollständig auf die Führung des Wolfsburger Konzerns konzentrieren. Seinen Vertrag als VW-CEO hat Blume bis Ende 2030 verlängert. In einem ausführlichen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) blickt der Manager selbstkritisch auf Entscheidungen bei Porsche zurück, verteidigt seine zeitweise Doppelbelastung und erklärt den strategischen Kurswechsel – insbesondere in China und bei der Elektromobilität.
Fehler beim Macan und im China-Geschäft
Ungewöhnlich offen spricht Blume über Fehleinschätzungen bei Porsche. Besonders die Modellstrategie rund um den Macan räumt er im Interview als problematisch ein. Die Entscheidung, die neue Generation des kompakten SUV ausschließlich als Elektroauto zu entwickeln, habe sich als falsch erwiesen. Auf Basis der damaligen Daten und Markterwartungen sei dieser Schritt zwar nachvollziehbar gewesen, heute stelle sich die Situation jedoch anders dar.
Porsche habe zu spät erkannt, dass Kunden in diesem Segment weiterhin ein breites Angebot an Antriebsarten erwarten. Entsprechend reagiert der Hersteller nun: Künftig sollen wieder Verbrenner- und Hybridmodelle ergänzt werden. Der ursprüngliche Macan sei technisch zwar noch wettbewerbsfähig gewesen, doch regulatorische Anforderungen – etwa bei der Cybersicherheit – hätten das Aus beschleunigt. Als Konsequenz plant Porsche einen neuen SUV mit Verbrennungsmotor unterhalb des Cayenne, der ab 2028 auf den Markt kommen soll. Er wird nicht Macan heißen, aber in derselben Fahrzeugklasse antreten. Blume bezeichnete das Projekt noch vor seinem Rückzug als einen "sehr typischen Porsche", der sich klar vom elektrischen Macan unterscheiden werde.
Doppelrolle von Anfang an auf Zeit angelegt
Dass ein Vorstandschef offen über eigene Fehlentscheidungen spricht, ist selten. Gerade diese Offenheit macht Blumes Bilanz bemerkenswert. Unter seiner Führung wuchs Porsche deutlich: von rund 225.000 ausgelieferten Fahrzeugen im Jahr 2015 auf den bisherigen Höchststand von über 320.000 Einheiten im Jahr 2023. Jetzt übergibt er das Steuer – mit Kurskorrekturen, aber auch mit einer klaren Perspektive. Blume betont gegenüber der FAZ, dass seine gleichzeitige Führung von Volkswagen und Porsche nie als Dauerlösung gedacht gewesen sei. Ziel sei es gewesen, Porsche in einer wirtschaftlich und strategisch schwierigen Phase zu stabilisieren und neu auszurichten. Diese Aufgabe sieht er nun als erfüllt.
Ab 2026 erwartet Blume für Porsche eine deutlich verbesserte wirtschaftliche Lage. Der Übergang an seinen Nachfolger Michael Leiters sei bewusst und geordnet erfolgt. Kritik an der Doppelrolle weist Blume zurück. Beide Unternehmen hätten davon profitiert: Volkswagen sei in den vergangenen drei Jahren operativ saniert und strategisch neu aufgestellt worden – Entwicklungen, von denen auch Porsche erheblich profitiert habe, so der Konzernchef.
Kein Wachstum mehr in China
Deutlich nüchterner fällt Blumes Einschätzung zum chinesischen Markt aus. Porsche rechnet dort nicht mehr mit Wachstum. Die Verkaufszahlen seien von rund 100.000 Fahrzeugen pro Jahr auf etwa 40.000 eingebrochen. Als Reaktion verkleinert der Hersteller sein Vertriebsnetz und reduziert Kapazitäten, um auch bei geringeren Stückzahlen profitabel zu bleiben.
Blume erklärt, dass es in China bislang kein tragfähiges Luxussegment für Elektroautos gebe. Mit dem kommenden elektrischen Cayenne sehe Porsche zwar Chancen, allerdings nur in kleinen Nischen. Zusätzlich belaste eine verschärfte Luxussteuer das Geschäft. Einen speziell für China entwickelten Sportwagen schließt Blume derzeit aus, auch wenn eine lokale Produktion im VW-Konzern theoretisch möglich wäre.
Vertrag bei Volkswagen bis 2030 verlängert
Gleichzeitig setzt Porsche weiter auf exklusive Verbrenner- und Hybridmodelle. Gespräche mit chinesischen Entscheidungsträgern hätten gezeigt, dass auch in zehn bis 15 Jahren noch ein Markt für Fahrzeuge mit klassischen Antrieben erwartet werde. Porsche wolle diese Nachfrage gezielt bedienen.
Unabhängig vom Rückzug bei Porsche bleibt Blume dem Volkswagen-Konzern langfristig erhalten. Der Aufsichtsrat habe ihn gefragt, ob er über das ursprüngliche Vertragsende 2028 hinaus weitermachen wolle. Blume sagte zu – sein Vertrag läuft nun bis Ende 2030. Er wertet dies als klares Vertrauenssignal der Eigentümerfamilien, der Arbeitnehmervertreter und des Landes Niedersachsen.
