Fiat 500 Hybrid im Fahrbericht

02/2020, Fiat 500 Cabrio Hybrid
Bild 1 von 19

02/2020, Fiat 500 Cabrio Hybrid

© Fiat-Chrysler / Nico Campo

Fiat bringt seine Kleinwagen 500 und Panda in Kürze mit einem Mildhybrid-System samt neuem Dreizylinder-Benziner auf den Markt. Lohnt sich der Aufwand?

HYBRID. Ganz schön groß prangen die Lettern an der Heckklappe des Fiat 500 Cabrio, um die Neuerung im Antriebsportfolio zu verkünden. Doch ist das angemessen? Schließlich sind die Einzelkomponenten des Hybridsystems ziemlich klein. Der Verbrenner? Ein Dreizylinder-Benziner mit einem Liter Hubraum, aber ohne Aufladung. Den Elektro-Part übernehmen ein direkt mit der Kurbelwelle verbundener Riemen-Starter-Generator (RSG) und eine kleine, unter dem Fahrersitz platzierte Batterie mit der Kapazität von elf Ampere-Stunden. Das Ganze ist integriert ins konventionelle Zwölf-Volt-Bordnetz des italienischen Kleinwagens und erfüllt auch dank seiner wassergekühlten Abgasrückführung die Abgasnorm Euro 6d.

Verhaltener Elektro-Boost

Dass dieses Layout nicht auf große Boost-Freuden beim Beschleunigen abzielt, dürfte klar sein. Das Datenblatt weist 70 PS und 92 Newtonmeter (bei 3.500 Umdrehungen) für den Fiat 500 Hybrid aus, da darf man keine ausgeprägten Sprinter-Qualitäten erwarten. Soll es flott voran gehen, schiebt der RSG zwar mit an, aber maximal mit 3,6 kW, also 4,9 PS. Heißt: Trotz Unterstützung will der Verbrenner aus der neuentwickelten Firefly-Familie beim Spurten Drehzahlen spüren. Wie passend, dass er mit einem ebenfalls neuen Sechsgang-Getriebe verblockt ist, das in den niedrigen Gängen eng gestuft ist und dessen Schalthebel ausreichend exakt und beim Gangwechsel keck klackend durch die Gassen flitzt. Durchzug ist dagegen nicht so die Domäne des kleinen Saugers. Den Drehzahlkeller mag der Motor nicht. Zumindest nicht, wenn er das Auto beschleunigen soll.

Soll der kleine Fiat konstant sein Tempo halten, hat er gar nichts gegen niedrige Drehzahlen. 45 km/h im fünften Gang? Tempo 60 im sechsten? Kein Problem! Wenn andere Motoren in dieser Größen- und Leistungsklasse brummend und ruckelnd so tun, als würden sie jeden Moment den Heldentod sterben, bleibt der 77 Kilogramm leichte Fiat-Dreizylinder souverän und macht seinen Job. Und zwar leise und kultiviert. Was seine Umgangsformen angeht, ist das im Verhältnis 12:1 verdichtete Triebwerklein eines der besseren auf dem Markt.

Leerlauf während der Fahrt? Ja klar!

Aber wir sind ja nicht zum Herumalbern, sondern zum Spritsparen nach Bologna gekommen. Der Fiat 500 Hybrid gibt sich auf dem Weg durch die historische Innenstadt alle Mühe, dem Fahrer bei dieser Übung zu helfen. Ziemlich aparte Sachen haben sich die Menschen, die die Instrumentengrafik gestaltet haben, da ausgedacht. Animierte Elemente zeigen neben diversen Öko-Statistiken den aktuellen Kraftfluss an. Und sie geben konkrete Handlungsanweisungen. Schaltpunktanzeigen etwa, aber das kennt man.

Es gibt auch einen Leerlauf-Befehl: Wenn der Fiat knapp 30 km/h fährt, schlägt er vor, den Leerlauf zu wählen und dadurch in den Segelmodus zu wechseln. So kann man ihn beispielsweise bis zur nächsten roten Ampel rollen und dort bei Stillstand in den Start-Stopp-Modus wechseln lassen (was dank des RSG übrigens ziemlich verschliffen vor sich geht). Oder – falls der Verkehr doch weiterrollt – schlägt die Anzeige den passenden Gang vor, um wieder zu beschleunigen. Sobald der Fahrer einkuppelt, springt der Verbrenner wieder an, und die Fahrt geht verzögerungsfrei weiter.

Benzin-Blues im Innenstadt-Stop-and-Go

Das ist etwas gewöhnungsbedürftig und leider nicht so effektiv wie erhofft. Zumindest nicht auf der Route durch Downtown Bologna. Hier geht es praktisch nur im Stop-and-Go-Modus vorwärts, das Hybridsystem kommt kaum ins Segeln oder Rekuperieren. Und so steht nach der Runde durch die City ein Durchschnittsverbrauch von gut sieben Litern im Display – trotz sklavischen Befolgens der vom Auto vorgegebenen Verhaltensregeln. Dabei sollen es nach Norm im Gesamtmix doch nur 4,1 Liter und damit rund 20 Prozent weniger Sprit im Vergleich zum Vorgängermotor sein. Der Durst sinkt zwar etwas auf den abschließenden Kilometern über tempolimitierte Ausfallstraßen. Dennoch beschleicht einen das Gefühl, dass der ausrangierte Vorgängermotor, ein Vierzylinder mit 1,2 Litern Hubraum, auf dieser Route nicht viel trinkfester gewesen wäre.

Bevor sich im Hirn die Frage festsetzt, wo sich eigentlich der versprochene Fortschritt versteckt, nimmt einen der Fiat 500 Hybrid doch wieder für sich ein. Mit seinem ganz eigenen Charme, der sich vor allem aus seinem Ex- und Interieur-Design speist. Ebenfalls mit den geschmackvoll arrangierten und solide zusammengesetzten Materialien im Innenraum, die in der Kleinwagenklasse nicht selbstverständlich sind. Beispiel Sitze: Die Einführungs-Version „ Launch Edition“ erhält nicht nur exklusiv die ziemlich blau schimmernde Farbe „Tau Grün“, sondern auch Sitzbezüge aus recyceltem Plastik. Wer nun Schweißattacken fürchtet, kann sich beruhigen: Diese bleiben ebenso aus wie Rückenschmerzen, denn die Sitzgelegenheiten sind in gutem Maße komfortabel und bieten sogar etwas Seitenhalt.

Auch der Panda erhält den Hybridantrieb

Das ist nicht ganz unerheblich, schließlich zeigt das ausgewogen austarierte Fahrwerk dezente Anzeichen von Sportlichkeit. Das passt ganz gut zum Lenk- und Pedalgefühl. Beides lässt dynamische Ambitionen durchschimmern, übertreibt es aber auch nicht mit dem Mitteilungsbedürfnis und orientiert sich im Zweifel zum Pol „ Leichtgängigkeit“. Die Zielgruppe dürfte das genau so wünschen.

Apropos: Wer es etwas weniger chic, dafür umso praktischer mag, kann den neuen Hybridantrieb auch im Panda haben. Der hat nicht nur zwei Türen mehr, sondern auch mehr Platz im Innen- und Kofferraum. Er ist aber in seinem ganzen Wesen auch spürbar indifferenter als der Cinquecento, lenkt weniger zielgenau und schaltet labberiger. Außerdem bietet er nicht diese fancy Hybridanimationen, sondern versucht seinen Fahrer, mit schlichter oranger Schrift auf schwarzem Untergrund zu einem sensibleren und damit sparsameren Autofahrer zu erziehen. Und sein Verbrauchsniveau liegt noch ein klein wenig höher als das des durchgestylten Bruders.

Dafür ist der Panda Hybrid billiger. Sein Basispreis mit dem neuen Antrieb liegt bei 13.490 Euro in der etwas höhergelegten und plastikbeplankten City Cross-Version. Der Fiat 500 Hybrid kostet mindestens 13.990 Euro, wobei dieser dann nur die Basisausstattung Pop mitbringt. Beide Summen liegen laut Fiat 500 Euro höher als bei den abgelösten Modellen mit 1,2-Liter-Vierzylinder, sollen sich durch den gesparten Sprit und günstigere Steuern aber nach etwa einem Jahr amortisieren. Übrigens: Für die Launch Editions werden mindestens 15.190 (Panda) oder 17.990 Euro (500) fällig. Bereits im Februar kommen die Hybrid-Versionen des Fiat 500 und Panda auf den Markt.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Das Formel-1-Feld der Saison 2020 kam in Barcelona erstmals zu gemeinsamen Testfahrten zusammen. Wir zeigen Ihnen die ...mehr
Der chinesische Technologiekonzern Techrules hat seine selbstentwickelte Micro-Turbine zur Serienreife entwickelt.mehr
VW enthüllt die fünfte Generation des Caddy. Aus dem Nutztier wird ein smartes Vielzweckfahrzeug mit Technik aus dem ...mehr
Anzeige