Gebraucht-Check Dethleffs Globebus

Dethleffs Globebus
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Dethleffs Globebus

© promobil Archiv
20.02.2019 - 11:45 Uhr von Ulrich Kohstall

Der Globebus ist ein Pionier und Bestseller unter den kompakten Reisemobilen. Wir haben Besitzer der Modelle ab 2006 nach ihren Erfahrungen gefragt. Die Ergebnisse offenbaren nicht nur starke Seiten.

Wenn es um Kompakte geht, denkt heute fast jeder an ausgebaute Kastenwagen. Dabei gab es vor nicht allzu langer Zeit auch Teilintegrierte in sehr handlichem Format. Der hier abgebildete Dethleffs Globebus T ist gerade einmal 5,98 Meter lang und nur 2,15 Meter breit. Das macht ihn für Vielfahrer auch als Gebrauchten attraktiv. Doch wie steht es um seine Qualitäten? Wir haben uns bei den Besitzern danach erkundigt und uns bewusst auf die Modelle ab Mitte 2006 beschränkt.

Dethleffs Globebus T/I ab Baujahr 2006

Damals erlebte der Fiat Ducato den letzten umfassenden Modellwechsel. Viele Hersteller entwickelten aus diesem Anlass ihre Modelle weiter –und es brach so etwas wie die Neuzeit im Reisemobilbau an.

Dethleffs nahm die neue Basis zum Anlass, dem schon zuvor beliebten Globebus T eine integrierte Variante zur Seite zu stellen. In unserer Umfrage verteilten sich 72 Prozent der Antworten auf T-Modelle, während I-Modelle nur knapp ein Drittel ausmachten.

Das entspricht in etwa dem Verhältnis auf dem Gebrauchtwagenmarkt, wenn man sehr neue Modelle ausnimmt. Gut die Hälfte der Befragten hat ihren Globebus als Neuwagen gekauft. Die übrigen befinden sich nicht mehr im Erstbesitz.

Keine Spitzenwerte erreicht der kompakte Dethleffs bei der Frage: Würden Sie sich ein Reisemobil dieser Baureihe noch einmal kaufen? Eine Zustimmung von 68 Prozent ist im Vergleich mit anderen beliebten Modellen, die unseren Gebrauchtcheck durchliefen, eher unteres Mittelmaß. Woran mag es liegen? Birgt das Globebus-Konzept zu viele Kompromisse oder kann die Umsetzung nicht restlos überzeugen?

Auf- und Ausbau

Wer einen Dethleffs Globebus kauft, weiß die Grundidee eines handlichen, leicht manövrierbaren Reisemobils ohne Zuladungsprobleme zu schätzen. Rund 85 Prozent bewerten die Fahreigenschaften als gut oder sehr gut. Auch Betten, Küche und Bordtechnik erhalten durchweg gute Noten. Kritik gibt es dagegen für den Sanitärraum, der als eng und zu niedrig empfunden wird. Wenig Lob erntet außerdem die Verarbeitung. Kein Wunder, wenn man einen Blick auf die Mängel wirft, die häufiger beanstandet wurden.

Allen voran die Aufbautür: Sie ist einschließlich Schloss von einfacher Machart und oftmals verzogen. In einigen Fällen war ein Austausch nötig, was dennoch nicht immer zum erhofften Ergebnis führte.

Der Globebus spielte bei Dethleffs lange Zeit die Rolle eines günstigen Einsteigermodells, weshalb beim Einkauf der Zulieferteile offenbar der Rotstift regierte. So berichten Besitzer auch über Dachhauben, die sich verselbständigten, defekte Rollos an den Fenstern, gerissene Kunststoffteile im Bad sowie ausgefallene Wasserpumpen und -hähne.

Dass die Wasseranlage einen unrühmlichen dritten Platz in der Mängelstatistik einnimmt, hat aber genauso mit legerer Verarbeitung zu tun. Allzu oft sorgten gelockerte Schlauchanschlüsse für Wasserschäden im Innenraum. Wegen vieler loser Schrauben und Scharniere liegen die an sich stabilen Möbel ebenfalls weit oben in der Hitliste der Pannen und Problemfälle. Für die darunter folgende Bordelektrik sind oft defekte Wohnraumbatterien verantwortlich, seltener das Ladegerät.

Das alles klingt erst einmal nicht gerade vertrauenerweckend, doch aus Sicht des Gebrauchtwagenkäufers müssen die erwähnten Mängel nicht abschrecken. Klassische Kinderkrankheiten des Globebus sollten bei den aktuell angebotenen Fahrzeugen inzwischen kuriert sein. Und bei der Dichtigkeit des Aufbaus – dem wohl entscheidenden Punkt – offenbart der Dethleffs keine ernsten Schwierigkeiten. So bleibt vor allem die Anmerkung eines Besitzers zu berücksichtigen: Man sollte etwas handwerkliches Geschick mitbringen.

Basisfahrzeug

Prinzipiell solide, aber nicht ganz frei von nervenden Kleinigkeiten – die Erfahrungen der Besitzer mit dem Basisfahrzeug klingen ähnlich wie die Berichte zu Auf- und Ausbau.

Auch der Fiat Ducato hatte nach dem großen Modellwechsel so seine Wehwehchen. Zu nennen sind hier quietschende Blattfedern, Wassereinbruch imMotorraum, defekte Abgasrückführungsventile oder gelöste Schläuche am Turbolader. Größere Schäden wie etwa an Kabelbaum oder Kupplung blieben aber die Ausnahme.

Manches, was die Besitzer beim Fahren stört, geht wiederum auf das Dethleffs-Konto. Dazu zählt ein hoher Innengeräuschpegel – besonders in frühen Integrierten. Bei einigen I-Modellen stört außerdem die Kopflastigkeit. Auf ebenen Plätzen steht das Fahrzeug schräg. Diese Eigenschaft verschärft ein weiteres Problem: Mit dem tief heruntergezogenen Bug eckt man ohnehin schnell an. Ausschließlich bei Integrierten kam es außerdem zu Undichtigkeiten an der Kraftstoffanlage, weil sich die Verbindung von Einfüllstutzen und Tank gelöst hatte. Nur bei Teilintegrierten traten Spannungsrisse an der Frontscheibe auf.

Marktlage

Ein gebrauchter, aber gepflegter Teilintegrierter soll es sein? Von einem namhaften Hersteller, auf Basis eines neueren Fiat Ducato, und das unter 30.000 Euro? Angesichts eines solchen Wunschzettels gibt es zum Globebus T nur wenig Alternativen. Der Dethleffs hatte als Neuwagen stets ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und behält es als Gebrauchter.

Teurer wird es, wenn man ein ab Mitte 2014 gebautes Modell mit Facelift und Euro-5- Motor sucht. In diesem Fall sollte man mindestens 40.000 Euro in der Tasche haben – bekommt aber mit etwas Glück auch ein Modell, das wie neu aussieht. Die Auswahl ist insgesamt groß, sodass es nicht allzu schwer fällt, den gewünschten Grundriss zu finden. Komplexer und kostspieliger ist die Suche nach einem Globebus I.

Die im Lauf der Modellgeschichte unterschiedlich gestalteten Fronten erfordern geschmackliche Entscheidungen – und das bei einer insgesamt geringeren Auswahl als bei den Teilintegrierten. Ein I-Modell ist nur selten unter 40.000 Euro zu finden. Erst mit einem Budget von 50.000 Euro ergeben sich ausreichend Wahlmöglichkeiten. Dafür erhält man auf jeden Fall mehr Nutzwert: Weil fast alle Globebus I ein Hubbett haben, kann man damit auch einmal zu viert in den Urlaub fahren. Allerdings beschränken sich gängige I-Modelle nur selten auf sechs Meter Länge.

Besonderer Tipp: Eine große Auswahl an gebrauchten Reisemobilen finden Sie unter www.caraworld.de

In diesen Bereichen traten Schäden auf

  • Basisfahrzeug 56 %
  • Aufbautür 48 %
  • Wasseranlage 45 %
  • Möbel 40 %
  • Bordelektrik 32 %
  • Aufbaufenster/-hauben 31 %
  • Kühlschrank 28 %
  • Dichtigkeit Aufbau 26 %
  • Heizung/Boiler 15 %
  • Gas-Installation 5 %

Daten & Fakten

  • Dethleffs Globebus T/I (Baujahre ab 2006)
  • Basisfahrzeug: Fiat Ducato
  • Bauweise: Teilintegrierter/Integrierter mit Alu-Außenhaut, EPS-Isolierung
  • Sitz-/Schlafplätze: 2–4/2–4
  • Dethleffs Globebus T3 (130 PS)
  • Erstzulassung: 4/2008
  • Kilometerstand laut Händler: 147.500
  • Preis: 29.990 Euro
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 3500 kg
  • Gesehen bei: Holiday Reisemobile, 90451 Nürnberg

Darauf müssen Sie achten!

Kunststoffteile: Ein Klassiker unter den Reisemobilmängeln, der nicht nur uralte Fahrzeuge betrifft: Oft verfärbt sich das Waschbecken auf unschöne Weise und wird brüchig. Risse können die Duschwanne unbrauchbar machen.

Wasserhähne: In Küche und Bad halten die Hähne nicht lange durch. Nicht sofort zu sehen, aber gerade deshalb problematisch: ein undichter Anschluss des Wasserhahns.

Tür und Klappen: Mit verzogenen und schlecht schließenden Aufbautüren muss man beim Globebus rechnen. Das gilt genausofür Außenklappen, die schwergängig und undicht werden können.

Verarbeitung: Zierleisten und Umleimer, die sich ablösen, lockere Möbelscharniere, Probleme mit Badschiebetüren, herausfallende Schrauben – die Liste ärgerlicher Kleinigkeiten ist ziemlich lang.

Nebengeräusche: Speziell bei den integrierten Globebus-Modellen berichten Besitzer von einem erhöhten Innengeräuschpegel, aber auch in Teilintegrierten nerven manchmal Klappergeräusche unterschiedlicher Art.

Kompakte mit Variationen

Mit der Premiere des neuen Fiat Ducato im Jahr 2006 erweiterte Dethleffs das Globebus-Angebot um Integrierte. Die I-Modelle übernahmen nicht nur den schlanken Aufbau der ebenfalls neuen T-Varianten, sondern ebenso deren Grundrisse: Die Zahl 1 in der Typenbezeichnung steht für ein Querbett, die 2 für ein französisches Bett und die 3 für eine umbaubare Hecksitzgruppe. Zum Modelljahr 2008 kam die Einzelbettenausführung I/T 4 hinzu. Weitere Varianten mit vergrößerter Sitzgruppe folgten. Die Front des Globebus I wurde weiter verfeinert, bis ihm Mitte 2012 ein großes Facelift ein freundliches Lächeln auf den Bug zauberte. 2016 stand für I und T ein umfassender Modellwechsel auf dem Programm, der einen etwas breiteren Aufbau mit sich brachte. Eng verwandt mit dem Globebus T ist übrigens der von 2007 bis 2010 angebotene Summer Edition Van. Das günstige Einsteigermodell basierte auf dem Ford Transit.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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