Geheimer Familien-Schatz

01/2019, Scheunen-Fund Bugatti Thomassen
Bild 1 von 1

01/2019, Scheunen-Fund Bugatti Thomassen

 © Artcurial / Screenshot Youtube
30.01.2019 - 10:02 Uhr von Holger Wittich

Bildhauer August Thomassen ist 95 Jahre alt, lebte immer von und für seine Kunst – und war nicht gerade wohlhabend. Und seine Familie hatte ein Geheimnis, nein, hatte gleich vier Geheimnisse, gut versteckt, in der Scheune auf dem Grundstück direkt hinter der Grenze zum niederländischen Maastricht.

Dort, verbarrikadiert hinter 200 Sandsäcken á 25 Kilo und mehreren defekten Fahrzeugen vor der großen Tür, fristeten seit Jahrzehnten vier Klassiker ihr Dasein. Nicht verrostet bis zur Unkenntlichkeit, sondern in nahezu perfektem Zustand. Unter Bugatti-Insidern war der Schatz offenbar bekannt, doch die Familie durfte nie darüber sprechen.

Familien-Schatz wurde geleugnet – zur Sicherheit

Die vier „Familienmitglieder“ – ein Bugatti Type 57 Cabriolet von 1937, ein Bugatti Type 49 Berline von 1923, ein Bugatti Type 40 von 1929 sowie ein Citroën 5 HP Cabrio von 1925 – wurden von der Familie geschätzt, sie waren keine Wertanlage, so die Tochter Thomassens in einem Artikel der niederländischen Tageszeitung „de Telegraaf“. Doch irgendwann wurde der Besitz zur Belastung, der Wert stieg und „wir hatten regelmäßig Liebhaber vor der Tür stehen, die die Autos kaufen wollten“. Aber Thomassen wollte nicht verkaufen, obwohl die Familie arm war. Die Fahrzeug zu versichern, war unmöglich, also blieb ihnen nur übrig, die Existenz der Autos zu leugnen. „Wir hatten ständig Angst, dass sie jemand stehlen würde“, so die Tochter weiter.

Als dann im November 2018 ins Atelier eingebrochen wurde, entschied sich die Familie zum Verkauf. Drei Auktionshäuser überschlugen sich förmlich, als sie von den Verkaufsabsichten hörten: „Sie waren fast hysterisch“. Den Zuschlag erhielt Artcurial, die die vier Modelle am 8. Februar 2019 im Rahmen der Rétromobile in Paris versteigern. Maximaler Schätzwert der geheimen Sammlung: Über 1 Million Euro.

Beindruckende Zustände

Alleine der Bugatti Type 49 Berline 2/4 könnte ein Estimate von 150.000 bis 200.000 Euro bringen, bescheinigt ihm Articural doch einen „beeindruckenden Erhaltungszustand“. Das Modell mit der Chassis-Nummer 49487 wurde auf der Auto Show in Paris 1932 ausgestellt und hatte seit 1939 nur zwei Besitzer.

Deutlich mehr erwartet das Auktionshaus vom Bugatti Type 57 Cabriolet. Hier liegt das Estimate zwischen 400.00 und 600.000 Euro. Seit 1960 war der offene Bugatti, vom Schweizer Coachbuilder Herman Graber überarbeitet, in Besitz von Thomassen. Das Cabriolet besitzt noch alle originalen mechanischen Teile und ist nach Meinung von Articural „zweifellos einer der beiden elegantesten Karosserien, die dieser Karosseriebauer 1937 auf dem Bugatti-Chassis des Type 57 gebaut hat.

Die Nummer drei in der Scheune zeigt, wie sehr Thomassen Bugatti verehrt hat. Er selbst nutze den Type 40 nach einer ersten Restaurierung in den 60er Jahren häufig, nahm an verschiedenen Rallyes teil und beschädigte seinen Bugatti 1984 bei einer Mont-Blanc-Rallye. Danach entschied sich Thomassen die Karosserie zu entfernen und ein Grand Sport-Modell zu bauen. Allerdings bliebt das Projekt unvollendet. Diverse Ersatzteile werden dem neuen Besitzer mitgeliefert. Motor und die Hinterachse sind noch original.

Als letztes Modell des “Scheunen-Funds„ kommt eine Citroën 5HP unter den Hammer. Das Esitmate liegt zwischen 10.000 und 15.000 Euro und ist auch hier in einem “perfekten Erhaltungszustand„, da es bereits vor etlichen Jahren restauriert wurde. Was fehlt? Die Uhr!

Thomassen verkaufte Ettore

Doch zurück zum Besitzer. August Thomassen war eines von fünf Kindern, 1923 in Maastricht geboren. Sein Vater, ein Apotheker fuhr das erste Auto in der niederländischen Stadt, seine älteste Tochter war die erste Frau dort mit einem Führerschein. Er selbst studierte in Madrid und Prado sowie in Brüssel an den Akademien der bildenden Künste. Von seinem ersten Einkommen für einen Skulptur kaufte er in Belgien das Grundstück, auf dem unlängst die Oldtimer gefunden wurden. 1987 erwarb das Museum “Cité de l´Automobile„ in Mulhouse seine Büste von Ettore Bugatti. Der nunmehr deutlich über 90 Jahre alte Thomassen kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr künstlerisch tätig sein, was bleibt ist seine Liebe zu Bugatti, die er auf die Familie übertragen hat. Wer den Zuschlag letztendlich für den Familienschatz erhält ist egal, so seine Tochter: “ Hauptsache er erkennt die Schönheit„.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Fast alle der 13 getesteten Selbstzünder unterschreiten den Prüfstands-Grenzwert deutlich. Dabei schneiden nicht nur ...mehr
Was ist der Ford Capri nun? Ein junger Wilder, ein deutscher Mustang oder der Manta von Ford? Vor 50 Jahren hat Ford ...mehr
Erst Carlos Sainz, dann Lando Norris: McLaren mischte an den ersten beiden Testtagen von Barcelona ganz vorne mit.mehr
Anzeige
Auto Motor und Sport
Video
Tankstellen-Suche
Hier finden Sie günstige Tankstellen in Ihrer Nähe
Anzeige
Anzeige
Highlights
1957 beginnt eine Reglementierung im Straßenverkehr: In geschlossenen Ortschaften wird Tempo 50 zur Pflicht. Welche Limits hierzulande für Pkws sonst noch gelten, das zeigt Ihnen ...mehr
Die Bavarian Pickers haben einen Mercedes O 3500 geborgen, der 50 Jahre lang in einem Oberpfälzer Wald stand. Ein Sammler hat den Bus gekauft und will ihn restaurieren. Doch das ...mehr
E-Mobilität
Zellhersteller droht Volkswagen mit Lieferstopp
Volkswagen hat wieder Ärger mit seinen Zelllieferanten. Grund sind die VW-Pläne, eine eigene Zellfertigung aufzubauen.mehr