Hochwasserschaden am Auto

Totalschaden: Wenn das Wasser so hoch steht, sind wahrscheinlich
auch Motor und Getriebe betroffen. Ein Trocknen und Reinigen lohnt
sich nicht mehr. Wer den immens hohen Rettungsaufwand trotzdem
betreibt, muss mit schweren Folgeschäden rechnen.
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Totalschaden: Wenn das Wasser so hoch steht, sind wahrscheinlich auch Motor und Getriebe betroffen. Ein Trocknen und Reinigen lohnt sich nicht mehr. Wer den immens hohen Rettungsaufwand trotzdem betreibt, muss mit schweren Folgeschäden rechnen.

© DPA/Sven Friebe
13.06.2018 - 16:29 Uhr von Gregor Hebermehl

Sintflutartige Regenfälle verwandeln Straßen in Bäche und Parkplätze in Seen. Dabei kann auch das eine oder andere Auto untergehen. Teilweise sind die Fahrzeuge aber noch zu retten und wer eine Versicherung hat, sitzt zumindest finanziell meistens im Trockenen. Aber welche Versicherung zahlt? Was alles zu beachten ist.

  • Pegel bis Mitte Stoßfänger
  • Pegel bis Türschweller
  • Pegel bis Fenster
  • Schadenregulierung
  • Fazit

Sollte Ihr Fahrzeug einem Hochwasser ausgesetzt gewesen sein, rät der ADAC zu wichtigen Grundregeln: Um Folgeschäden zu vermeiden, sollte der Wagen keinesfalls gestartet werden. Batterie abklemmen, Auto zur Werkstatt schleppen lassen und die Versicherung informieren sind die drei Dinge, die einen eventuellen Wasserschaden nicht ausufern lassen.

Wasserpegel und Verschmutzungsgrad haben Einfluss

Wasser ist nicht gleich Wasser: Der ADAC weist darauf hin, dass gerade bei Hochwasser die Wassermassen mit Sand, Schlamm, Abwässern und Öl aus Heizungstanks verschmutzt sein können. An der Küste kommt oft noch die schädliche Wirkung von Salzwasser hinzu. Der normale Spritzwasserschutz des Autos reicht dann oftmals nicht mehr aus. Bereits ab einer Eintauchtiefe von 25 Zentimetern sind Schäden an Sensoren, Elektrik, Fahrwerk und Bremsen möglich. Außerdem können Sand und Schlamm in die Radlager eindringen, der Katalysator kann volllaufen und Dreck sowie Schlamm können sich in den Seitenschwellern sammeln. Selbst wenn das Fahrzeug also auf den ersten Blick noch funktionstüchtig wirkt, rät der ADAC dazu, versteckte Stellen und Hohlräume von einer Fachwerkstatt prüfen zu lassen. Wenn man erkennt, wie tief der Wagen im Wasser stand, ist eine grobe Abschätzung der Schäden möglich. Der ADAC unterscheidet hier zwischen drei Stufen.

Wasserstand bis zur Mitte des Stoßfängers

Reicht das Wasser nur bis zur Mitte des Stoßfängers, dürfte der Innenraum der meisten Fahrzeuge trocken geblieben sein. Damit ist das Schadenrisiko gering. Laut ADAC sind aber von der Werkstatt Lenkgetriebe, Betriebs- und Feststellbremse, Gelenke der Antriebswellen, Radlager, Lichtmaschine und andere, möglicherweise ungünstig platzierte Bauteile zu überprüfen. Feuchte Textilverkleidungen im Innenraum sollten mit saugfähigem Papier unterfüttert werden, bei Schmutzwasser kann ein Austausch nötig sein.

Wasserstand über dem Türschweller und/oder im Innenraum

Hier geht der ADAC von einem mittleren bis hohen Schadensrisiko aus, vieles hängt von der technischen Konzeption des Fahrzeugs ab. Eine Trockenlegung reicht meistens nicht, da sich in Kabelbäumen und Steckverbindungen Restfeuchtigkeit befinden kann. Unter Bodenbelägen und Dämmmatten sammelt sich Schmutz, der sich auch mit Sprühsaugern nicht mehr entfernen lässt. Um das Herausreißen und Erneuern des oft verklebten Teppichbodens kommen viele Geschädigte nicht herum. Auch die Tür- und Seitenverkleidungen sowie die Türschwellen müssen untersucht werden: Dahinter befinden sich Hohlräume, die mit Wasser volllaufen können.

Außerdem empfiehlt der ADAC, alle im Bodenbereich des Wagens sitzenden Funktionsbauteile zu checken sowie sicherheitsrelevante Teile wie Gurtstraffer und Gurtaufrollsysteme tauschen zu lassen. Sollte die Abgasanlage vollgelaufen sein, muss möglicherweise auch der Kat erneuert werden. Der Zeit- und somit Kostenaufwand für solch eine Instandsetzung ist hoch. Der ADAC nennt als Beispiel einen bis zur Sitzfläche vollgelaufenen Opel Vectra, bei dem die Instandsetzungsrechnung deutlich über 10.000 Euro betrug.

Wasserstand bis zur Scheibenunterkante

Sollte das Wasser bis zur Unterkannte der Scheiben gestanden haben, ist das Schadenrisiko sehr hoch, die Bestandsaufnahme wäre sehr aufwendig. Laut ADAC ist nach solchen Pegelständen meistens von einem wirtschaftlichen Totalschaden auszugehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sämtliche elektronischen Bauteile betroffen, außerdem ist von einem Wassereintritt in Motor und Getriebe auszugehen. Bei kaskoversicherten Fahrzeugen urteilt ein Sachverständiger, ob sich die Rettung des Wagens lohnt. Wer keine Versicherung hat und versucht, sein Auto zu retten, muss auch nach noch so gründlichen Reinigungsmaßnahmen in Zukunft mit massiven Störungen rechnen.

Schadenregulierung bei Hochwasserschäden

Ob die Versicherung bei einem Hochwasserschaden zahlt, hängt davon ab, ob das Wasser zum Auto kam oder das Auto zum Wasser. Stand das Fahrzeug und wurde überschwemmt, zahlt die Teilkaskoversicherung. Hätte der Wagen aber noch rechtzeitig aus dem Überschwemmungsgebiet entfernt werden können, kann die Versicherung die Zahlung verweigern.

Fährt das Auto auf eine überschwemmte Straße, sodass der Motor Wasser ansaugt und dadurch beschädigt wird, ist die Teilkaskoversicherung nicht eintrittspflichtig – schließlich wurde hier der Schaden nicht durch die Überschwemmung direkt, sondern durch das Verhalten des Fahrers verursacht. Nur wenn die Überschwemmung derart plötzlich eintritt, dass der Motor nicht mehr rechtzeitig abgeschaltet werden kann, übernimmt die Teilkasko einen eventuell entstandenen Schaden. Die Vollkaskoversicherung wiederum zahlt für einen Schaden, der durch Einfahren in eine überflutete Straße entstanden ist. Die Leistung kann von der Versicherung aber mit der Begründung gemindert werden, dass der Schaden grob fahrlässig verursacht wurde, wenn die Überflutung für den Fahrer erkennbar war.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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