Mini Cooper S und Cooper SE im Test: Welcher Mini ist der bessere?

Unter den 29.383 zwischen Januar und August in Deutschland
verkauften Mini aller Varianten waren 5.912 Cooper SE, also etwa
jeder Fünfte. Zurecht? Klären wir.
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Unter den 29.383 zwischen Januar und August in Deutschland verkauften Mini aller Varianten waren 5.912 Cooper SE, also etwa jeder Fünfte. Zurecht? Klären wir.

© Max Bal‡zs

Die meisten Duelle in unserer Reihe entschieden die E-Autos für sich. Kann der Mini Cooper S mit 178 PS diesen Trend gegen den elektrisch angetriebenen Cooper SE mit 135 kW umkehren?

Viel Lob hat er ja bereits eingeheimst, der elektrische Mini Cooper SE, auch bei auto motor und sport. So überzeugte er letztes Jahr im Einzeltest und schaffte es anschließend im Vergleichstest, den Opel Corsa-e zu bügeln. Hat der New Mini der dritten Generation F55/56 mit dem E-Antrieb also zu seiner wahren Bestimmung gefunden? Das scheinen viele Kunden so zu sehen, denn unter den 29.383 zwischen Januar und August in Deutschland verkauften Mini aller Varianten waren 5.912 Cooper SE, also etwa jeder Fünfte.

Schauen wir mal: In diesem Vergleich muss sich der Elektro-Mini als Cooper SE mit 135 kW (184 PS) seinem Verbrenner-Bruder Cooper S mit Zweiliter-Vierzylinder und 131 kW (178 PS) stellen. Der konnte bis vor Kurzem noch 192 PS aufbieten, doch bei der Umstellung auf die neueste Abgasnorm blieben 14 PS auf der Strecke.

Coolness-Faktor beim SE

Sechs PS Unterschied zum Cooper SE also, das ist Augenhöhe. Die herrscht ebenso beim Preis, denn bei Ausrüstung mit Doppelkupplungsgetriebe kostet der Verbrenner-Mini im Yours Trim mindestens 33.700 Euro. Den Cooper SE gibt es im Electric Collection Trim ab 35.750 Euro, die Basisversionen ab 27.000 Euro (Cooper S) und 32.500 Euro (SE). Und falls Sie sich über die geänderten Ausstattungsbezeichnungen wundern: Die wurden ebenfalls beim Facelift in diesem Jahr eingeführt.

Beim E-Mini geht noch die staatliche Förderung in Höhe von 9.570 Euro ab, sodass er hier einen sehr beachtlichen Preisvorteil verbuchen kann. Doch es kommt nicht immer nur aufs Geld an, bei der Mini-Kundschaft könnten ebenso andere Aspekte eine Rolle spielen: Der Coolness-Faktor des SE beispielsweise. Unser Testwagen macht unter anderem mit den gelben Applikationen und den hübschen Rädern, die zur Electric-Collection-Ausstattung gehören, auf sich aufmerksam.

Da tritt der Cooper S etwas zurückhaltender auf, wobei auch bei ihm wenige Zweifel daran aufkommen, dass er ein Auto für Menschen ist, bei denen ein großzügiges Raumangebot oder hoher Nutzwert nicht ganz oben auf der Anforderungsliste stehen. Im Übrigen sind die beiden Zweitürer in vielem identisch, etwa bei Platz und Zustieg zum Fond (nur für Gelenkige) oder Kofferraumvolumen (211 Liter). Da muss man bereits für einen Gitarrenkoffer die zweiteilig klappbare Lehne (jeweils Serie) flach legen. Beim SE wird der Stauraum zudem etwas durch die mitzuführenden Ladekabel eingeschränkt, doch das dürfte im Alltag kaum eine Rolle spielen.

Wichtiger ist wohl für die meisten Interessenten, unter denen der Frauenanteil übrigens besonders hoch sein soll, wie der Mini fährt. Und da schlägt sich der Benziner sehr wacker. Bei dem Vorschusslob für den elektrischen SE könnte man erwarten, dass er dem Benziner-S überall um die Ohren fährt.

Keineswegs. Selbst im Stadtverkehr gelingt es dem E-Mini nicht wirklich, den Benziner zu distanzieren. Denn der S mit seinem lebendigen Vierzylinder-Turbo und der beherzt zupackenden Steptronic beschleunigt kaum verhaltener von der grünen Ampel weg. Und beim Sprint von 0 auf 100 distanziert der S den SE um eine glatte halbe Sekunde (6,4 und 6,9 Sekunden).

Fein dosierbarer E-Antrieb

Entspannter ist die Fahrt im SE dennoch, vor allem weil der viel leiser und geschmeidiger läuft. Der Benziner im Cooper S zählt in Sachen Laufkultur zu den eher polterigen Vertretern seiner Zunft. Zudem weist der S die höheren Innengeräusch-Messwerte auf, erst bei Geschwindigkeiten über 100 km/h nähern sich die Geräuschpegel an.

Die gleichmäßigere Leistungsentfaltung trägt ebenfalls zum entspannten Fahrgefühl im E-Mini bei, nicht nur im Kurzstreckenbetrieb. Sie zeigt sich – ähnlich übrigens wie bei viel kräftigeren BMW-Elektroantrieben – zwar spontan und kraftvoll, doch gleichzeitig fein dosierbar. Der Motor entlässt sein beachtliches Drehmoment von 270 Nm nicht schlagartig, sondern sehr kontrollierbar und kontinuierlich an die Räder. Der Vierzylinder im Cooper S fühlt sich dagegen bei Drehzahlen zwischen 3.000 und 5.000 Umdrehungen am wohlsten. Zudem lässt sich das Doppelkupplungsgetriebe im Benziner zu der einen oder anderen Ruckelei hinreißen. Das ist nicht wirklich schlimm, es fällt nur im direkten Vergleich zum Elektroantrieb auf.

Ein Wechselgetriebe benötigt der Antriebsstrang des SE erst gar nicht, ihm reicht eine einstufige Übersetzung für alle Geschwindigkeitsregionen bis 150 km/h. Und eine Anfahrkupplung kann ebenfalls entfallen, lauter Vorzüge elektrischer Antriebsstränge, die Bau- und Wartungsaufwand erheblich reduzieren. Was freilich den Umgang mit dem E-Mini etwas verdrießt: Ab Start ist immer die stärkste der zwei Rekuperationsstufen aktiv. Das ermöglicht zwar One-Pedal-Fahren in der Stadt, doch außerhalb der Stadtgrenzen nervt die starke Verzögerung.

Die zweite Stufe lässt die Zügel dagegen fast schon zu locker, wobei der Fahrer bei Bedarf jederzeit mit der ebenfalls vorhandenen stufenlosen Rekuperationseinrichtung einschreiten kann – dem Bremspedal. Das zeigt sich im SE als sehr gut dosierbar mit praktisch nicht erfühlbarem Übergang vom elektrischen zum hydraulischen Bremsen. Der Unterschied zum Cooper S ist dabei minimal, im direkten Vergleich dennoch auszumachen.

Das gilt ganz ähnlich für die Fahreigenschaften der beiden. Sie fühlen sich auf kurvigen Landstraßen gleichermaßen wohl, biegen engagiert und willig ab und untersteuern nur im Extremfall. Tückische Lastwechseleien bleiben aus, und das ist umso bemerkenswerter, weil die elektronischen Fahrhilfen bei beiden recht viel Spielraum für allerlei Vergnüglichkeiten lassen.Vor allem die Traktionskontrolle DTC kann es sich dank aktornaher Radschlupfbegrenzung (ARB) leisten, erst bei auftretendem Schlupf einzugreifen und die Leistung wegzuregeln. Das scheint beim Cooper SE sogar einen Hauch später zu geschehen, so wirkt die Fahrt auch etwas wilder als im zahmer agierenden Cooper S.

Das Zusatzgewicht von 114 kg kann der Elektro-Mini ganz gut verbergen, es macht sich allenfalls im leicht zögerlicheren Einlenken bemerkbar – eine Tendenz, die nur beim direkten Umsteigen aus dem einen Mini in den anderen zu erfahren ist. Sehr direkt und zielgenau im Übrigen die Lenkungen, die bei beiden gut sind für engagiertes Kurvenfahren, sich jedoch im Alltagsbetrieb schon als beinahe zu zappelig erweisen.

Günstiger E-Mini

Spaßig ist es also in beiden Mini, im Falles des SE ist dieser Spaß jedoch recht schnell zu Ende. Dann nämlich, wenn der Blick auf die verfügbare Reichweite fällt. Die schrumpft bei engagierter Fahrweise noch schneller, als der SE um die Kurven pfeilt. Dann zieht sich der Elektromotor gern mal 25 kWh je 100 km aus dem Akku. Wie weit das bei einer Batteriegröße von 29 kWh (netto) reicht, kann man sich unschwer ausmalen. Immerhin erweist sich das Navi als sehr hilfreich und einfach zu bedienen und zeigt rasch passende Ladestationen an. Das sollte bei Elektrofahrzeugen eine Selbstverständlichkeit sein, doch längst nicht bei allen klappt es so einfach und praxisgerecht.

Am 50-kW-Gleichstromlader dauert es rund eine halbe Stunde, bis der Akku wieder bei 80 Prozent ist. Derlei Überlegungen sind dem Benzinerpiloten fremd, denn der 44-Liter-Tank reicht selbst bei Bleifußfahrerei mehr als 400 km weit, und das Tanken ist eine Sache von Minuten – all das ist nicht neu. Etwas schwieriger wird’s, wenn es um die Betriebs- und Treibstoffkosten geht.

Die hängen beim Cooper SE unter anderem davon ab, wie oft er an vergleichsweisen teuren DC-Ladesäulen Energie tankt. Wer hauptsächlich auf kurzen Strecken unterwegs ist und dann an der heimischen Wallbox lädt, fährt mit dem SE günstiger. Niedriger sind zudem die Fixkosten, und auch die Versicherungskosten fallen für den Stromer etwas niedriger aus. Nimmt man dann noch die Förderung von fast 10.000 Euro dazu, liegt Elektro natürlich weit vorn.

Was es sonst noch zu den Mini zu sagen gibt? Komfortabler sind beide bei der Modellpflege nicht geworden, und die 400 Euro Aufpreis fürs Adaptivfahrwerk des S darf man sich ruhig sparen, denn es verbessert das Komforterlebnis nur minimal und ändert nichts daran, dass der SE unterm Strich der stimmigere Mini ist.

Technische Daten:

Cooper S

Leistung: 131 KW (178 PS)
Drehmoment (bei U/min): 280
Höchstgeschwindigkeit:235 km/h
Grundpreis:33.400 €

Cooper S E

Leistung: (184 PS)
Drehmoment (bei U/min): 270
Höchstgeschwindigkeit:150 km/h
Grundpreis:35.600 €

Bewertung

Mini Cooper SE

Testwertung: 594 Punkte

Mit tollen Fahreigenschaften und der insgesamt besseren Kostenbilanz überzeugt der Elektro-Mini. Negativ: geringe Reichweite, knappes Raumangebot und wenig Komfort.

Mini Cooper S

Testwertung: 554 Punkte

Der Benziner-Mini kann nicht vieles deutlich besser als sein Elektro-Bruder, der Testwagen bremste sogar noch schlechter als der SE. Reichweite und Tankdauer sprechen für den S.

Quelle: 2022 Motor-Presse Stuttgart
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