Mit dem Wohnmobil nach Slowenien: Kurztrip durch den Triglav-Nationalpark

Ein Kurztrip mit dem Ford Nugget durch den wilden
Triglav-Nationalpark im Nordwesten Sloweniens. Hier finden sich
noch Orte weit abseits des Massentourismus.
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Ein Kurztrip mit dem Ford Nugget durch den wilden Triglav-Nationalpark im Nordwesten Sloweniens. Hier finden sich noch Orte weit abseits des Massentourismus.

© Lisa Paarvio, Saskia Hörmann 

Ein Kurztrip mit dem Ford Nugget durch den wilden Triglav-Nationalpark im Nordwesten Sloweniens. Hier finden sich noch Orte weit abseits des Massentourismus, ganz nah an der ursprünglichen Natur der Julischen Alpen.

Türkis. Einer der ältesten Schmucksteine, beliebt bei den Würdenträgern antiker Völker. Das seltene Mineral ist Namensgeber – und Inbegriff – des blaugrünen Farbtons Türkis. Allerdings nur so lange, bis man die Soca das erste Mal sieht. Der Gebirgsfluss, der sich im Laufe der Jahrtausende seinen Weg durch das Gestein der Julischen Alpen gefräst hat, fließt im wohl reinsten nur vorstellbaren Türkis vor meinen Füßen dahin.

Der Anblick lädt nicht nur zum Verweilen an ihren Ufern ein, Mutige wagen den Sprung in das kristallklare Wasser. Trotz angenehm warmem T-Shirt-Wetter fröstelt mich bereits der Gedanke daran, denn auch im Hochsommer liegt die Wassertemperatur nur bei durchschnittlich zehn Grad. Und so setze ich mich stattdessen auf den felsigen Untergrund und lausche ein paar Minuten dem Geplätscher des Alpenflusses, der zu Recht auch Smaragdfluss genannt wird und so den Beinamen eines weiteren Edelsteins trägt.

Als Bergliebhaberin stand Sloweniens Nationalpark rund um die höchste Erhebung des Landes schon länger auf meiner To-do-Liste. Der 2864 Meter hohe Triglav liegt im Zentrum des gleichnamigen Naturschutzgebiets. Für die slowenische Bevölkerung ist er ein Nationalsymbol. Er ziert nicht nur die slowenische 50-Eurocent-Münze, sondern auch das Wappen des Landes. Der Blick vom Gipfel ist allerdings nur erfahrenen Bergsteigern vorbehalten, da der Anstieg recht ausgesetzt und technisch schwierig ist.

Mein Trip sieht zwar weniger Höhenmeter, aber mindestens genauso atemberaubende Panoramen vor. In einem Ford Nugget mit Aufstelldach auf Basis des Transit Custom plane ich, drei Tage lang die wilde Natur des Triglav-Nationalparks zu erkunden. Das erste Ziel ist der Bohinjsko Jezero. Der See im Südosten des Parks liegt idyllisch eingerahmt von dunkelgrünen Nadelwäldern, hinter denen sich die schroffen Spitzen der Julischen Alpen gen Himmel strecken.

Bohinjsko Jezero

Am See Bohinjsko Jezero angekommen, werde ich von einer besänftigenden Stille empfangen. Als auch der Motor des Nugget verstummt, ist nichts weiter zu hören als Vogelgezwitscher und die gleichmäßigen Schläge eines Paddlers auf dem sonst spiegelglatten See. In dieser Idylle möchte ich meine erste Nacht im Triglav-Nationalpark verbringen. Ich fahre das Camp Zlatorog Bohinj nahe der Ortschaft Ukanc an. Der Campingplatz grenzt unmittelbar an den Bohinjsko Jezero. Obwohl er gut belegt ist, ist es erstaunlich ruhig. Es scheint, als ob die Gäste sowohl die unberührte Natur als auch die von diesem Ort ausgehende Stille schätzen und respektieren. Für mich der perfekte Platz, um mein Nachtlager aufzuschlagen.

Bevor ich es mir in meinem Nugget gemütlich mache, steht allerdings noch ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung. In etwa vier Kilometern Entfernung findet sich der Wasserfall Savica. Der Fluss Velika Savica stürzt hier über mehrere Stufen hinweg insgesamt 78 Meter in die Tiefe, bevor er wenig später in den Bohinjsko Jezero mündet. Um das imposante Naturschauspiel zu erreichen, gilt es einige gut ausgebaute Stufen zu erklimmen und ein verschmerzbares Wegegeld von drei Euro zu entrichten.

Auf der Südroute zum Kamp Jelinc

Tags darauf starte ich früh, schließlich verbleiben mir nur zwei weitere Tage, um noch einige Plätze zu erkunden in Sloweniens einzigem Nationalpark. Das heutige Etappenziel heißt Kamp Jelinc, ein kleiner Campingplatz um Ufer der Soca. Der ist zwar nur 114 Kilometer weit entfernt, doch da in der Region der Weg das eigentliche Ziel ist und eine Vielzahl von traumhaften Fotolocations unbedingt besucht werden wollen, kann die Strecke durchaus einige Stunden in Anspruch nehmen. Die längere, aber reizvollere Südroute zum Kamp Jelinc führt mich durch märchenhafte Dörfer. Viele der Gebäude sind unbewohnt und verlassen und sind im Begriff, von der Natur zurückerobert zu werden. Grüne Ranken scheinen die alten Gemäuer zu verschlingen.

Die Bergsträßchen im Triglav-Nationalpark sind oft eng, dafür vielerorts wenig befahren. Nur einmal muss ich den rund zwei Meter breiten Ford Nugget zurücksetzen, als plötzlich in einer engen Kehre ein Laster auftaucht und es kein Vorbeikommen gibt. Ansonsten stellt sich mein wendiges Reisegefährt als optimaler Begleiter für die kurvigen Alpenpässe heraus. Mit seinen 170 PS kraxelt er mühelos jede noch so steile Steigung empor. Die beeindruckenden Berg- und Talblicke, die sich mir während der Fahrt immer wieder auftun, machen die Alpentour zum perfekten Fahrerlebnis.

Der Triglav-Nationalpark blieb bislang von großen Hotelanlagen und massentouristisch angelegten Skiliften verschont. Auch die Gasthöfe am Rande der Serpentinen sind meist urige Holzhütten, in denen lokale Spezialitäten angeboten werden. Dennoch ist zu spüren, dass mehr und mehr Urlauber den Weg in den Osten der Julischen Alpen finden. Allen voran Wanderer, Wassersportler und Radfahrer zieht es in die Region. Auf Zweiräder ist besonders zu achten, wenn man hier unterwegs ist. Neben Radsportlern begegnen mir auch Motorradfahrer, die sich teils waghalsig in die engen Kurven legen.

Nach etwa der Hälfte der heutigen Tagesetappe erreiche ich Most na Soci. Eine kleine Ortschaft, an die sich ein beinahe surreal türkisfarbener See schmiegt. Woher er seine besondere Färbung hat, wird klar, als ich erfahre, dass der künstlich angelegte Stausee unter anderem von der Soca gespeist wird.

Den Rest meiner Reise werde ich unentwegt von dem Alpenfluss begleitet. Er wird praktisch zum "türkisfarbenen Faden" meiner Tour. Immer wieder Haltebuchten am Straßenrand. Ich muss mich zügeln, nicht ständig anzuhalten, um die Aussicht zu genießen. Zum Glück gebe ich dem Drang zu halten dann doch mehr als nur einmal nach – so eröffnet sich mir jedes weitere Mal eine neue malerische Perspektive auf den Smaragdfluss.

Alle Infos im Überblick

Slowenien gilt zwar nicht mehr als Geheimtipp, dennoch werden weder die ländlichen Gebiete noch die Städte bislang vom Tourismus überschwemmt, wie teils in anderen Regionen Europas. Im Triglav-Nationalpark kommen vor allem Naturliebhaber auf ihre Kosten.

Wissenswertes für die Reise nach Slowenien

Reisezeit: Von Mai bis Oktober herrschen im Nationalpark beste Bedingungen für Outdoor-Aktivitäten von Wandern bis Paddeln. Im Winter locken diverse Skigebiete rund um den Triglav.

Zahlungsmittel: Seit 2017 ist der Euro offizielle Landeswährung in Slowenien. In der Regel werden auch Zahlungen mit EC- und Kreditkarte akzeptiert. Kleine Gaststuben, wie es viele im Triglav-Nationalpark gibt, verfügen allerdings nicht immer über Kartenlesegeräte. Deswegen ist es ratsam, immer etwas Bargeld dabeizuhaben.

Verkehrsregeln: Wie hierzulande herrscht innerorts Tempolimit 50. Außerorts ist die Geschwindigkeit auf 90 km/h, für schwerere Reisemobile auf 80 km/h begrenzt. Auf Autobahnen gilt Tempo 130 bzw. 80 für Fahrzeuge über einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Es herrscht Lichtpflicht in Slowenien. Auf allen Straßen muss auch tagsüber das Abblend- oder Tagfahrlicht eingeschaltet sein.

Vignette: Die Vignettenpflicht gilt für die Benutzung der Autobahnen. Reisemobile fallen unter die Maut-Klasse 2A. Preise: 15 Euro/Woche, 30 Euro/Monat, 110 Euro/Jahr. Reisemobile über 3,5 Tonnen müssen das elektronische Mautsystem DarsGo benutzen, das im Fahrzeug installiert wird.

Tanken: Die Benzinpreise liegen leicht unter den Preisen in Deutschland. Wer Diesel tankt, greift an der Zapfsäule zu "Nafta/Diesel". Das hier bekannte Super 95/E10 heißt in Slowenien Eurosuper95.

Abseits des Triglav-Nationalparks

Städtetrip: Die slowenische Hauptstadt Ljubljana liegt nur etwa 45 Minuten Fahrtzeit vom Triglav-Nationalpark entfernt. Die Universitätsstat mit knapp 300.000 Einwohnern und ihrer malerischen historischen Altstadt ist in jedem Fall einen Besuch wert.

Küstengebiet: Klein, aber fein ist Sloweniens Küste. Die Slowenische Adria verläuft über etwa 46 Kilometer von Ankaran an der italienischen Grenze bis nach Lucija an der Grenze zu Kroatien. Auf dem kurzen Küstenabschnitt finden Badeurlauber attraktive Strände und Buchten.

Übernachtungs-Tipps

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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