788-PS-Monster im Alltag? Nein, sagt der Ram-Boss!
Ram hat vor wenigen Tagen seinen neuen Power-Pick-up 1500 SRT TRX vorgestellt. Doch ausgerechnet der Markenchef sagt: Er ist nicht für jeden geeignet.
Man stelle sich folgende Situation vor: VW präsentiert, sagen wir, ein neues supersportliches Topmodell des Golf – dem Status entsprechend hoch bepreist und damit für den Hersteller eine hohe Rendite versprechend. Und dann tritt Thomas Schäfer, der Leiter der Kernmarke, vor die Mikrofone und Aufnahmegeräte und sagt, der neue Über-Golf sei nur für eine bestimmte Kundengruppe bestimmt. Wer im Alltag einen sportlichen Golf fahren wolle, sollte lieber zum deutlich billigeren Standard-GTI greifen. Sollte dies Schäfer je passieren, man könnte ihm durchaus geschäftsschädigendes Verhalten vorwerfen.
Es gibt eine "viel, viel, viel bessere Option"
Der Konjunktiv verrät: Nicht Thomas Schäfer hat solche Aussagen getroffen, sondern ein Kollege aus den USA. Tim Kuniskis leitet dort die Marke Ram , die so etwas wie die Pick-up-Sparte von Stellantis darstellt. Und darüber hinaus die amerikanischen Hersteller des Vielmarken-Konzerns, darunter auch die Haustuning-Division SRT Performance. Diese hat zusammen mit Ram kürzlich ihr erstes mit Ram gemeinsam entwickeltes Produkt vorgestellt: den ultrastarken Hardcore-Pick-up Ram 1500 TRX (siehe Fotoshow über dem Artikel). Und ausgerechnet Tim Kusiskis rät einer bestimmten Kundengruppe davon ab, das neue Halo-Modell zu kaufen.
Im Gespräch mit dem Online-Automagazin "The Drive" sagte Kuniskis zwischen den Zeilen, dass der neue TRX für den Alltag nicht geeignet sei. "Wenn Sie einen Pick-up kaufen möchten und diesen gelegentlich als Ihren Spaß- und Freizeit-Truck nutzen wollen und der Preis kein Thema ist, dann wollen Sie natürlich den TRX", so der amerikanische Automanager. Doch "wenn Sie dieses Fahrzeug jeden Tag als Ihren einzigen Truck fahren möchten, ist der RHO die weitaus bessere Option", ergänzt Kuniskis. Um im nächsten Satz hinterherzuschieben: "Es ist eine viel, viel, viel bessere Option!"
Ram 1500 RHO vs. TRX: Die Zahlen
Um die beiden Sport-Pick-ups Ram 1500 RHO (siehe Video nach dem zweiten Absatz) und TRX einzuordnen, bleiben wir im VW-Bild. Der RHO ist so etwas wie der Standard-GTI in Rams Pritschenwagen-Palette. Mit seinen 548 PS und maximal 706 Newtonmetern steht er motorisch gewiss gut im Futter. Aber seine Antriebsquelle ist nun mal ein Reihensechszylinder-Biturbo-Benziner aus der Stellantis-Hurricane-Motorenfamilie. Und sie hat damit in den Augen vieler US-Pick-up-Fans zwei Zylinder und mindestens drei Liter Hubraum zu wenig.
Hier kommt der neue Ram 1500 TRX ins Spiel, der in unserem VW-Vergleich so etwas wie eine alles überragende Golf-R-Variante wäre – womöglich mit Fünfzylinder-Turbo, Extremfahrwerk und besonders expressiver Optik. Denn der TRX bringt eine mehr als angemessene, zuvor eigentlich ausrangierte Motorisierung mit. Sein Hemi-V8 wird von einem Kompressor aufgeladen und liefert 788 PS sowie maximal 921 Newtonmeter. Damit wird der Truck zum Biest, das in 3,5 Sekunden von null auf 60 mph (96,6 km/h) sprintet und im Höchstfall etwa 190 km/h erreicht.
TRX über ein Drittel teurer als der RHO
Und das dem Stellantis-Konzern eine höhere Marge als der RHO verspricht: Mit einem Grundpreis von 99.995 Dollar (aktuell umgerechnet knapp 85.900 Euro, zuzüglich Überführung) ist der TRX nämlich über ein Drittel teurer als das Sechszylinder-Pendant, das "nur" 73.340 Dollar (fast 63.000 Euro) kostet.
