Schottland-Rundreise mit dem Campingbus

Schottland-Rundreise mit dem Campingbus: Highlands, Kilts &
Whisky in Schottland
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Schottland-Rundreise mit dem Campingbus: Highlands, Kilts & Whisky in Schottland

© Sirko Trentsch

Rund 30.000 Seen, 10.000 Kilometer Küstenlinie samt 800 verstreuten Inseln und die Weite der schottischen Highlands: Zu fast jeder Jahreszeit lädt die faszinierende Vielfalt Schottlands zu einer Entdeckertour per Campingbus ein.

Leicht aufgekratzt sitzen wir in unserem Campingbus, während sich die riesige Frontluke der Fähre öffnet. Zum ersten Mal im Linksverkehr – ob wir damit wohl zurechtkommen? Als wir von Bord rollen, gehen wir erstmal auf Nummer sicher und hängen uns an einen der Sattelzüge ran. Der wird uns den Weg schon freischieben. Und so weicht auf den ersten Kilometern auf britischem Boden die Anspannung nach und nach der Neugierde. Schottland also, endlich. Schon vor vielen Jahren hatte der Kultstreifen "Highlander" unsere Neugierde geweckt, jetzt dürfen wir die Faszination des Landes im Norden des britischen Königreiches endlich selbst entdecken.

In den vor uns liegenden fünf Spätsommerwochen wollen wir, immer der Küstenlinie entlang, Schottland umrunden und dabei auch auf die Hebriden schippern. Vom Fährhafen in Hull folgen wir zunächst der Fernstraße A 1 Richtung Nordosten und passieren nach knapp drei Stunden Newcastle. Zeit genug, um sich schon mal ein bisschen an die Geschwindigkeitsangaben in Meilen pro Stunde und an den Linksverkehr zu gewöhnen. Im kleinen Badeort Whitley Bay nördlich von Newcastle gönnen wir uns die erste Portion Fish and Chips – mit weitem Blick übers Meer und frischer Seeluft in der Nase. Eine Mahlzeit, die uns durch die kommenden Wochen begleiten soll …

Entlang der Grenze Schottlands

Von nun an wollen wir der Küste auf kleineren Straßen folgen und überqueren bald die Grenze nach Schottland. Ganz bewusst fahren wir unsere Route gegen den Uhrzeigersinn. So werden wir die bei Touristen populärere Westküste mit den Inseln Skye und Mull erst zum Ende der Hauptsaison erreichen. Doch auch der Osten hat’s in sich. Durch teils sehr ursprüngliche Landschaft führt die Strecke, durch malerische Fischerdörfer und vorbei an knorzigen Burgruinen – rechter Hand immer wieder das Meer, in dessen Wellen das Sonnenlicht glitzert. Laut schallt schottischer Folkrock aus dem Radio unseres Campers – ein "Independent" von CS-Reisemobile, irgendwo im Hintergrund brummelt leise der Motor.

Im alten Fischerdorf St. Abbs, das auf ein Kloster aus dem Jahr 643 zurückgeht, laufen wir den Wohnmobilstellplatz direkt am Hafen an. Das gibt es hier immer wieder: Gegen einen kleinen Obolus darf man sich auf einen der Parkplätze stellen und die Hafeneinrichtungen nutzen. Zum Tagesausklang wandern wir über saftig grüne Wiesen und schroffe Klippen zum Leuchtturm St. Abbs Head. Mildes Abendlicht, unten die tosende Brandung, grasende Schafe und ein weiter Blick: Keine zwölf Stunden sind wir hier, und schon ist der Puls ganz weit unten. Weiter in Richtung Norden wiederholt sich in den nächsten Tagen diese wohltuende Szenerie, in unterschiedlichster Ausprägung und gespickt mit Sehenswürdigkeiten. Ob Schlösser oder Ruinen wie Tantallon Castle, Glamis Castle, Dunnottar Castle und Cawdor Castle, die zahlreichen Naturreservate und Leuchttürme oder einfach nur das Schauspiel, das die Tiere und Seevögel hier den lieben, langen Tag zum Besten geben – wir kommen aus dem Staunen kaum heraus. Jeder Stein und jeder Holzbalken scheint hier die Geschichten vergangener Zeiten zu atmen.

Im Forvie-Naturreservat lümmeln Robben faul auf den Sandbänken und an der Landenge am Chanonry Point schauen wir den Delphinen mit Einsetzen der Flut beim Jagen zu. Gut, dass wir ein Fernglas mitgenommen haben. Doch nicht nur für die Fauna, auch für Hochprozentiges interessieren wir uns. Die Region Speyside, am Delta des Flusses Spey gelegen, hat die größte Dichte an Destillerien in ganz Schottland und daher auch einen markierten "Whisky-Trail" entlang der Brennereien, die den goldenen Single Malt Whisky herstellen.

Von Inverness aus folgen wir der populären Route "North Coast 500", immer an der malerischen Küste und ihren bedeutenden Sehenswürdigkeiten entlang. Gen Norden wird die Landschaft zunehmend karger und die Küste noch schroffer. Bizarre Felsformationen und Klippen wechseln sich mit leuchtend weißen Sandstränden und versteckten Buchten ab. Auch die Architektur verändert sich. Immer öfter tauchen die typischen schottischen Häuser auf – alleinstehend und mit markanten Giebeln und Schornsteinen. Das nordöstlichste Dorf des britischen Festlands, Johno’ Groats, erreichen wir nach wenigen Tagen. Nicht nur die possierlichen Papageientaucher lassen sich hier während ihrer Brutzeit beobachten. Hier starten auch die Fähren zu den Orkneyinseln. Der Leuchtturm am Duncansby Head, die markanten Felsnadeln Duncansby Stacks und der nördlichste Punkt Dunnet Head laden zu Ausflügen ein.

Insel des Nebels an der Westküste

Fast karibisches Flair haben sie, diese Sandbänke und Strände an der Nordküste. Das Wasser leuchtet im schönsten Blau und die feinen Sandstrände locken zu ausgedehnten Spaziergängen. Baden allerdings ist nur was für Helden, zu kalt ist das Wasser auch im Sommer. In einem der urigen Pubs der Gegend lassen wir uns am Abend mit hausgemachten Köstlichkeiten verwöhnen. Alles probieren wir aber nicht. Für manche der regionalen Spezialitäten braucht man wahrlich ein großes Herz … Doch auch unsere Skepsis lächeln die Schotten mit der ihnen eigenen Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, die wir während unserer Tour immer wieder erfahren, einfach weg.

Nach diesem Wendepunkt im Norden liegt jetzt die Westküste vor uns. Nicht umsonst zählt sie zu den schönsten Regionen des Landes. Monumentale Ausläufer der Highlands treffen hier auf den rauen Atlantik, der in Jahrmillionen die Küste zerklüftet hat. Sein Golfstrom schafft hier ein Klima, das eine reichhaltige Flora gedeihen lässt. Nie zuvor haben wir ein so sattes Grün gesehen wie auf diesen Wiesen.

Als wir die Hebrideninsel Skye, eines der Highlights unserer Tour, erreichen, können wir schnell erahnen, wo sie den Beinamen "Insel des Nebels" her hat. Viel ist erstmal nicht zu sehen von diesen 1656 Quadratkilometern magischen Lands, das alles versammelt, was den Reiz Schottlands ausmacht: bizarre Felsformationen und majestätische Berge, schroffe Klippen und verträumte Buchten, idyllische Küstenstädte und saftig grüne Hügellandschaften – eine Schönheit, die ihresgleichen sucht. Permanent schieben sich beinahe mystische Wolkenkombinationen über die spitzen Berggipfel vom Atlantik heran, dazwischen setzt eine immer wieder auftauchende Sonne dramatische Akzente. Neist Point, die Felsnadel Old Man of Storr, das nette Städtchen Portree mit seinen bunten Häusern, die Wasserfälle der Fairy Pools und Schlösser wie Whisky-Brennereien lassen keinen Raum für Langeweile; fast rast unsere Reisezeit schneller dahin, als es die schottische Polizei erlaubt ... Immerhin steht mit der Isle of Mull eine zweite der Hebriden-Inseln auf unserem Programm.

Im Gegensatz zur Isle of Skye, die durch eine riesige Brücke mit dem Festland verbunden ist, kann Mull nur mit der Fähre erreicht werden. Man ist gut beraten, diese Passage in der Hauptsaison online vorab zu buchen, will man lange Wartezeiten vermeiden. Trotzdem finden hierhin weniger Touristen den Weg als in die anderen Regionen der Westküste, zudem gibt es definitiv mehr Rinder und Schafe als Einwohner. Noch einmal ein völlig anderes Schottland ist das hier, unverfälschter, ursprünglicher, auch beschaulicher − vielleicht das "wahre"?

Zwei entspannte Tage verbringen wir hier auf Mull mit dem Umrunden der Insel und dem Relaxen am feinen, weißen Sandstrand Calgary Beach. Noch sind Hektik und Unrast des modernen Lebens gefühlt weit weg, doch unsere fünf Wochen neigen sich dem Ende zu und der Alltag wartet nicht. Und so ist es irgendwann dann doch Zeit, in Richtung Fährhafen aufzubrechen. Durch die herrliche Landschaft rund um Fort William bringt uns unser Campervan zurück nach Hull, wo wir mit der Fähre gen Holland übersetzen. Ob wir dort wohl mit dem Rechtsverkehr klarkommen?

Stell- und Campingplatz-Tipps

Ob mitten in der Natur oder nahe den großen Städten: Vom einfachen Stellplatz mit Honesty-Box, in die man seinen Unkostenbeitrag einwirft, bis zum voll ausgestatteten luxuriösen Familien-Campingplatz bietet Schottland eine große Auswahl an Übernachtungsplätzen. Reine Stellplätze dagegen sind auf der Insel vergleichsweise rar. Über pitchup.com, scottishcamping.com oder ukcampsite.co.uk lässt sich immer ein Campingplatz in der Nähe finden. Dabei kann die Mitgliedschaft in einem der beiden großen britischen Clubs − dem Camping & Caravanning Club oder dem Caravan and Motorhome Club − hilfreich sein. Beim Übernachten auf einem der zahlreichen Clubplätze bringt sie meist eine spürbare Ersparnis. Auch beim örtlichen Pub nachzufragen kann sich lohnen. Die Wirte haben nach der Einkehr oft nichts dagegen, wenn auf dem Parkplatz übernachtet wird.

Wer der Natur ganz nah sein will, kann in Schottland aber auch relativ unkompliziert frei stehen. Wenn keine Hinweisschilder ("no overnight parking") missachtet werden, wird es in den allermeisten Fällen geduldet. Beachtet werden sollte, dass nach schottischem Gesetz maximal 15 Yards (ca. 14 Meter) von der Straße entfernt geparkt werden darf. Einfach ins Grüne fahren geht also nicht. Bei Privatgrundstücken muss die Erlaubnis des Besitzers eingeholt werden.

Wer der englischen Lebensart und Kultur näherkommen will, sollte sich die Seite britstops.com anschauen. BritStops hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wohnmobil-Urlauber und regionale Betriebe zusammenzubringen. Die Bandbreite der Gastgeber reicht von Brauereien und Pubs bis zu Bio-Läden oder Bauernhöfen. Auf den Stellplätzen kann kostenfrei übernachtet werden. Das ein oder andere Pfund beim Anbieter zu lassen, ist dabei ausdrücklich erwünscht. Gebraucht werden das aktuelle BritStops-Buch und ein Aufkleber für die Windschutzscheibe. Beides ist für 27 Pfund plus Porto über die Website zu beziehen. Auf folgenden Plätzen haben wir uns wohlgefühlt:

1. Reisemobilstellplatz Parking St. Abbs Harbour

Man steht direkt am zentral gelegenen Hafen des romantischen Fischerdorfes St. Abbs. Für zehn Pfund kann man mit seinem Wohnmobil einen der Parkplätze in erster Reihe am Meer nutzen – mit wunderbarem Blick auf die Felsenklippen der Umgebung. Von hier aus lassen sich alle wichtigen Anlaufpunkte im Dorf hervorragend erreichen. Es sind keine sanitären Anlagen vorhanden.

2. Reisemobilstellplatz Port Erroll Harbour

Direkt am kleinen Hafen findet man diesen kommunal eingerichteten Stellplatz für maximal sechs Mobile. Es ist eine öffentliche Toilette vorhanden, die man ohne Gebühr benutzen kann. Am Toilettenhäuschen befinden sich eine Spendenbox für die Stellplatzgebühren sowie ein Wasseranschluss. Der Strand und das Ortszentrum sind bequem fußläufig erreichbar.

3. Campingplatz Sango Sands Oasis

Über 50 Reisemobile passen auf den großzügig angelegten Campingplatz Sango Sands Oasis. Die herrliche Aussicht über das Meer ist fast unbezahlbar. Mit ein bisschen Glück lassen sich sogar Robben, Wale oder Delphine beobachten. Der Platz verfügt über eine gepflegte Sanitäreinrichtung, außerdem können Grauwasser und die Chemietoilette entsorgt werden. Vor Ort findet man ein gemütliches Restaurant sowie eine urige Bar. In diesem nördlichsten Teil des Hochlands gibt es viel zu sehen, unter anderem die bekannte Höhle Smoo Cave.

4. Campingplatz Sligachan Campsite

Für nur 7,50 Britische Pfund pro Erwachsenem bietet der Platz viel Komfort. Neben WLAN, Strom und Frischwasser gibt es auch eine Entsorgungsmöglichkeit für Grauwasser und Chemietoilette. Im nahegelegenen Hotel kann man hervorragend zu Abend essen oder an der Bar einen schottischen Whisky genießen. Vom Campingplatz aus kann man gut in die Cuillinsberge wandern.

5. Stellplatz Parking Uisken Beach

Direkt am Uisken Beach findet man diesen traumhaften Stellplatz, auf dem man für nur zwei Britische Pfund eine Nacht verbringen kann. Etwa 30 Reisemobile finden Platz. Von hier aus lassen sich traumhafte Sonnenuntergänge beobachten und der weitläufige Strand lädt zu Spaziergängen ein. Es sind keine sanitären Einrichtungen vorhanden.

Reise-Informationen zu Schottland

ReisezeitVon Mitte Mai bis Mitte September ist der beste Zeitraum, um Schottland mit dem Campingbus zu erkunden. Zu dieser Zeit sind allerdings auch die nervigen Midges, kleine Stechmücken, unterwegs. Unter www.smidgeup.com/midge-forecast kann man sich einen Überblick über die Plage verschaffen. Mit einem Mückenabwehrmittel, zum Beispiel dem schon auf der Fähre erhältlichen "Smidge", kann man sich ein wenig schützen. Eine effektive Alternative ist ein Mückennetz, das man sich über den Kopf stülpt.

AnreiseOhne Fähre ist die Insel nur über den Eurotunnel zu erreichen. Mit rund 150 Euro pro Strecke für Campervan und zwei Personen ist die Bahnverbindung im Vergleich zu den Fähren über den Ärmelkanal gut ein Drittel teurer. Bis Schottland ist es dann so oder so noch weit, bis Edinburgh sind‘s noch 750 Kilometer. Abkürzen lassen die sich mit einer Passage von Hoek van Holland bis Harwich (690 Kilometer) oder Hull (430 Kilometer). Am beliebtesten ist die Fährverbindung von Amsterdam nach Newcastle, die die Strecke auf 160 Kilometer verkürzt. Für rund 230 Euro pro Weg inklusive Kabine geht sie über Nacht. So spart man nicht nur Sprit und Zeit, sondern kommt auch ausgeschlafen an. Wer ein Wohnmobil mieten will, kann Schottland bequem mit dem Flieger erreichen. Viele große Flughäfen in Deutschland bieten Direktflüge nach Edinburgh und Glasgow an. Auf einem der vielen Mietportale, wie zum Beispiel mcrent.de, lässt sich dann problemlos ein Wohnmobil mieten.

ZahlungsmittelDas Pfund Sterling (Britisches Pfund) ist im gesamten Vereinigten Königreich Großbritannien das gültige Zahlungsmittel. In Schottland kann man aber auch fast überall bequem mit Kreditkarte zahlen. Allerdings lohnt es sich, auch Bargeld mitzuführen: In den ländlichen Regionen gibt es meist frische Lebensmittel direkt vom Erzeuger, welche üblicherweise bar bezahlt werden.

Tipp: Es ist sinnvoll, bereits in den größeren Städten Bargeld abzuheben. In den Highlands ist die Dichte der Bankautomaten, die eine Maestro-Bankkarte akzeptieren, überschaubar.

VerkehrsregelnLinksverkehr gilt im gesamten Vereinigten Königreich. Die Geschwindigkeit wird in Meilen pro Stunde (mph) angegeben. Innerorts herrscht ein Tempolimit von 30 mph = 48 km/h. Außerhalb von Ortschaften darf man mit dem Wohnmobil oder Wohnanhänger 50 mph = 80 km/h und auf zweispurigen Schnellstraßen (Dual Carriageways ) 60 mph = 96 km/h schnell fahren. Single Track Roads: Diese einspurigen Straßen findet man oft in den Highlands und entlegeneren Regionen. Vorausschauendes Fahren ist hier besonders wichtig. Auf diesen Straßen findet man zum Ausweichen bei Gegenverkehr sogenannte "Passing Places" (Ausweichbuchten). Diese Buchten sind darüber hinaus dafür gedacht, den eventuell schnelleren nachfolgenden Verkehr vorbeizulassen.

StromEinen Stromadapter benötigt man in Schottland, wenn man elektrische Geräte außerhalb seines Vans oder Wohnmobils benutzen möchte. Der richtige Adapter ist der Steckertyp G.

ZeitDie Zeitverschiebung zu Deutschland beträgt minus eine Stunde, denn Großbritannien liegt in der Greenwich Mean Time Zone.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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