Seat Leon (2020): Erfreulich handlicher Golf-Bruder

Der neue Leon ist los! Wir sind den Mildhybrid in sportlicher
FR-Ausführung gefahren.
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Der neue Leon ist los! Wir sind den Mildhybrid in sportlicher FR-Ausführung gefahren.

© Rossen Gargolov

Auch wenn er in der Volkswagen-Familie bleibt, so ein bisschen rockiger als die anderen möchte der Seat Leon schon sein. Ab jetzt zudem sprachgesteuert. Wir sind den Kompakten als Mildhybrid in sportlicher FR-Ausführung gefahren.

Manchmal ist es gar nicht so leicht, seinen Platz in der Familie zu finden. Zumal in einer großen, erfolgreichen, streng geführten. Fragen Sie mal den Seat Leon, der sein Revier nicht nur in der Kompaktklasse, sondern überdies im Volkswagen-Clan sichern muss. Höre ich da Haifischbecken …? Egal, der Spanier darf frecher als Golf und Octavia sein, soll eigentlich preiswerter, muss aber auch hochwertig antreten. Klingt herausfordernd. Ist es auch. Und zugleich der Grund, warum sich der Leon in nunmehr vierter Generation zum harten Konkurrenten stählte. Schon die bisherigen Leon kurvten immer einen Tick feuriger als die Geschwister, pflegten ihren Stil gern eine Wagenlänge abseits WOB-Nüchternheit. Ein bisschen mehr Pfeffer in der Lenkung, zarte Modifikationen am Fahrwerk, etwa an den Dämpfern oder Buchsen, gekonnt abgeschmeckt mit eigenem Designaroma – fertig.

So auch diesmal mit dem durchgehenden LED-Lichtband am Heck und insgesamt leicht veränderten Proportionen des fast neun Zentimeter längeren, jedoch etwas flacheren und schmaleren Viertürers (Zweitürer entfällt). Der fünf Zentimeter längere Radstand der MQB-Evo-Plattform bringt Fondgästen mehr Beinfreiheit, die Kopffreiheit passt ebenfalls, das Kofferraumvolumen blieb bei 380 Litern.

Einsteigen. Hola! Peppiger, mehrfarbiger Armaturenträger im Lamborghini-ähnlichen Stil, schaumstoffige, aber ausreichend haltstarke Sportsitze, passende Ergonomie samt gut bedienbarem Multifunktionslenkrad. Dahinter: das 10,25-Zoll-Digitalcockpit, beim FR inklusive. Hinzu kommt das Zehn-Zoll-Infotainment-Display sowie die umfangreiche digitale Vernetzung von Online-Navigation bis Remote-Zugriff per App.

Der Leon beherrscht Apple Wireless CarPlay per Bluetooth oder WLAN sowie Android Auto über eine Kabelverbindung. Die Bedienung läuft redundant sowohl über Lenkradtasten, Touchfelder und den sogenannten Slider (für Lautstärke und Temperatur) als auch per Sprachsteuerung. Zweimal "hola" sagen, und schon folgt der Leon aufs Wort, ändert Musikprogramm und Temperatur, navigiert oder informiert.

Dynamik? Kommt vor

Und wie fährt er? Als FR mit Sportfahrwerk (Serie) und 225/40-18 (Option) knusprig, mit sauber rückmeldender Lenkung, neutralem griffigem Handling ohne Tücke und grundsätzlich gutem Komfort, den die DCC-Dämpfer nach Wunsch in einem bekömmlichen Härtefenster variieren. Hinter der neu gestalteten Front steckt zudem die modernste Motorengeneration, VW-Familie eben, hier der 1.5-eTSI-Vierzylinder mit konventionellem Turbolader (VTG und Miller Cycle bleiben den schwächeren Varianten vorbehalten – noch) sowie 48-Volt-Mildhybrid. Der riemengetriebene Startergenerator erhöht zwar weder Nennleistung noch Drehmoment (250 Nm), doch er unterstützt beim Anfahren, rekuperiert beim Verzögern und hilft beim antriebsfreien Rollen. (Segeln? Marketing-Mumpitz. Der Leon bewegt sich ja nicht mit der Energie des Windes.)

Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit dem kurzen, gut bedienbaren Knubbel ist beim eTSI Serie, die Schaltstrategie bei sportiver Fahrt bisweilen etwas verhuscht. Nicht verhuscht: das Assistenzangebot vom adaptiven Abstandsregeltempomaten mit Streckenkenntnis über teilautonomes Fahren bis 210 km/h, solange der Fahrer nicht länger als 15 Sekunden die Hände vom berührungssensitiven Lenkrad nimmt.

Doch wer möchte bei diesem gelungenen, alltagstauglich-dynamischen Kompakten schon freiwillig die Hände vom Lenkrad nehmen?

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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