Hymer Free 600 Campus (2020) im Test: 3 Tester, 3 Meinungen zum Hymer Sondermodell

Hymer Free 600 Campus (2020) im Test: 3 Tester, 3 Meinungen zum
Hymer Sondermodell
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Hymer Free 600 Campus (2020) im Test: 3 Tester, 3 Meinungen zum Hymer Sondermodell

© I. Pompe

Was ist besser, als ein Test eines Fahrzeugs? Klar, drei Tests! Drei Expertinnen aus der promobil-Redaktion durften das Sondermodell Hymer Free 600 Campus in der Praxis ausprobieren – und kommen zu unterschiedlichen Meinungen.

Der Hymer Free Campingbus steht laut Hersteller für spontane Trips, ungezwungene Touren und Vanlife-Gefühl. Das Sondermodell Campus betont das moderne Campingleben nochmals mit einem zeitgemäßen Innenraum-Design. Kann das die Camperinnen von heute überzeugen?

Drei Redakteurinnen bilden sich ein Urteil beim Praxistest. Motorrad-Fan Mona Pekarek ist sonst mit ihrem Selbstausbau unterwegs und eine andere Raumeinteilung gewohnt, Bus-Spezialistin Gesa Marx legt besonders viel Wert auf Stauraumkomfort und praktische Details und Sophia Pfisterer fährt als unfreiwillige Sturmjägerin mit dem Fiat-Campingbus in ein wettertechnisches Abenteuer. Hier geht's direkt zu den Technischen Daten, den Vor- und Nachteilen und dem Fazit.

>>> Testerin 1: Küche und Bad

Mona Pekarek, Volontärin Motorrad: Meinem Selbstausbau-Bus winke ich nur reumütig zu, als ich mit dem Hymer Free 600 Campus Richtung Franken aufbreche. Zuvor beschäftigte ich mich eine halbe Stunde mit dem durchaus schicken Fahrradträger, beziehungsweise eher damit, mein Rad auf diese Höhe zu wuchten. Doch ich bin froh, dass überhaupt einer dran ist, denn ohne Rad würde mir bei meinem Wochenende allein sicher etwas langweilig. Da die Rückfahrkamera auch bei voller Fahrt ein Bild ausspuckt, kann ich die Anwesenheit regelmäßig überprüfen.

Nachdem das Navi endlich mit mir spricht, komme ich schließlich in Bad Windsheim an, wo ich die letzten Strahlen Tageslicht für eine erste Radtour nutzen will. Schnell also wechsele ich mein Dress, suche alles zusammen und denke: „Wow, es ist doch schon viel dunkler als noch vor fünf Minuten.“ Stimmt aber nicht. Im Free 600 Campus sorgen die verdunkelten Wohnraumscheiben und die Tatsache, dass das Aufstelldach natürlich Dachluken ausschließt, dafür dass es recht duster ist im Innenraum. Ich als Licht-Liebhaberin bin also ständig auf der Suche nach dem passenden Lichtschalter, und musse gleichzeitig immer wieder Rollos schließen, da ich mich sonst auch gleich nackt in ein Schaufenster setzen könnte.

Nach der Fahrradtour bin ich hungrig. Die Küche befindet sich klassisch am Eingangsbereich, die Arbeitsfläche wird durch eine klappbare Ablage erweitert. Zwei Kochflammen reichen völlig und sind schon mal zwei mehr, als ich gewohnt bin. Die Topfauflagen können zum Putzen abgenommen werden – praktisch, wenn man Freude am Herdputzen hat. Die Drehregler allerdings sind mit in der Vertiefung eingelassen und recht nah an der Feuerstelle. Kocht man mit einem großen Topf, besteht die Gefahr, sich die Finger zu verbrennen. Immerhin: Die elektrische Zündung macht das Hantieren mit einem Feuerzeug unnötig.

Die Spüle rechts nebenan ist relativ klein, aber ausreichend. Einzig der Wasserhahn befindet sich etwas tief im Becken und lässt sich nicht in alle Richtungen verstellen, sondern nur nach vorn und hinten klappen sowie am Kopf verdrehen. Einen kleinen Topf zu füllen geht, bei einer großen Schüssel wird es schon schwieriger. Ansonsten verfügt die Küche über wenig Schnickschnack, dafür aber über viel Stauraum: Ein Fach über und drei unter der Arbeitsplatte plus ein weiteres Fach unter dem Kühlschrank bieten Platz für alle Utensilien und Vorräte; ein Besteckfach ist passgenau in eine der Schubladen eingesetzt.

Der 90-Liter-Kühlschrank befindet sich auf angenehmer Höhe, bietet für mich ausreichend Stauraum und lässt sich leicht öffnen und schließen. Jedoch besteht durch den hervorstehenden Griff die Gefahr, daran hängen zu bleiben. Die leicht spiegelnde Oberfläche wirkt edel, ist allerdings anfällig und sammelt Fingerabdrücke wie die Experten von der Spurensicherung.

Das Bad – nunja – ist klein, wie es bei Bussen dieser Bauart eben so ist. Und mit klein meine ich kleiner als ein Dixi-Klo. Auch hier kann wegen des Aufstelldachs natürlich auch keine Dachluke eingebaut sein. Abhilfe schafft das kleine, serienmäßige Milchglas-Fenster an der Seite.

Zum Glück macht sich der große Spiegel rechts dann doppelt nützlich: Er vergrößert das Bad – wenn auch nur optisch – und bietet zudem die seltene Möglichkeit, sich im Camper von Kopf bis Fuß anzusehen. Für Details gibt es natürlich noch einen klassischen Kopf-Spiegel mit überschaubar großer Schrank-Funktion. Nur leider ist dieser direkt über dem kleinen Waschbecken, sodass der Kopf nach dem Zähneputzen quasi komplett in das Becken gesteckt werden muss. Tipp: Beim Auftauchen auf den Hinterkopf achten!

Der Wasserstrahl des Hahns ist verstellbar; die Brause dient gleichzeitig als Duscharmatur. Wenn man es dann tatsächlich wagt, sich in der kleinen Nasszelle zu bewässern, fehlt leider eine Halterung für die Brause. Der Duschvorhang ist so konzipiert, dass er Toilette, Waschbecken und Spiegelschrank abdeckt, nur muss da der Schlauch noch irgendwo zwischendurch. Dabei reißt er den Vorhang wieder aus der Verankerung (oder gleich die Verankerung mit heraus) und der große Spiegel wird fröhlich gesprenkelt.

Der Bügel an der Decke der Nasszelle entpuppt sich als praktischer Handtuchhalter oder als Aufhängung für nasse Klamotten – endlich ein wirklich positiver Punkt im Bad. Natürlich neben der wichtigen Tatsache, dass auch kleinere Menschen wie ich beim Toilettengang problemlos den Boden mit beiden Füßen erreichen.

Wenn nicht geduscht wird, deckt ein Holz-Trittbrett die Wanne ab. Setzt man den Fuß jedoch ein wenig zu weit vorne auf, kippt es komplett und es kann zu unfreiwilligen Zahnbürsten-Unfällen kommen. Ich kann mich jedes Mal noch kopfschüttelnd am Türrahmen festklammern.

Zwischenfazit: Auf den ersten Blick wirkt auf mich alles fein und gut. Vielleicht aber auch deshalb, weil ich viel rudimentärere Ausbauten gewohnt bin. Etwas mehr Platz im Bad wäre wünschenswert.

>>> Testerin 2: Komfort & Stauraum

Gesa Marx, Redakteurin promobil:Hymer hat sich endlich getraut.“ Das ist mein erster Gedanke, als ich im Hymer Free Campus stehe. Während das Serienmodell Free noch Oberschränke im Holzlook hat, ist das Innendesign des Free Campus komplett in Grau und Weiß gehalten. Mir gefällt’s gut, so ganz ohne Eiche-Rustikal.

Um auszuprobieren, ob der Innenausbau nicht nur gut aussieht, wird der Hymer Free Campus für ein Wochenende zum Schlafplatz für zwei während eines Besuchs bei Freunden in Aschaffenburg. Unser Gepäck ist schnell in einem der zahlreichen Staufächer untergebracht. Obwohl es über dem Heckbett vier große Oberschränke gibt, bietet der 6-Meter-Bus zusätzlich einen raumhohen Kleiderschrank sowie weitere Staufächer über der Sitzgruppe. Top.

Sowohl Schubladen als auch Oberschränke sind mit Softclose-Einzügen ausgestattet. Werden die Möbelklappen allerdings zu langsam geschlossen, kann es sein, dass die Oberschränke trotz Zuziehhilfe nicht komplett einrasten. Wären die Federn der Einzüge ein bisschen stärker, würde das automatische Schließen verlässlicher funktionieren. Neben etwas zu schwachen Zuziehhilfen sind Griffe und Schnapper nur aus einfachem Plastik. Wünschenswert wären Einlegeböden in den Oberschränken, um den Platz optimal ausnutzen zu können. Hier macht sich bemerkbar, dass die Free-Serie die Einsteigermodellreihe von Hymer ist.

Wenn’s Gepäck sperriger ist, bietet sich der Campingbus-typische Heckstauraum an. Platz- und gewichtsparend gelöst: Ein Netz, das in Ösen an den Möbelzeilen eingehakt wird und so verhindert, dass Gepäck aus dem Heck nach vorne rutschen kann. Ebenso gut gelöst ist die Halterung für den aufgestellten Lattenrost an der Wand zum Bad und der mittige Matratzenpart, der aus zwei miteinander verbunden, aber übereinander klappbaren Teilen besteht.

Nachdem wir das Gepäck verstaut haben, bauen und beziehen wir das Heckbett. Hierzu wird der aufgestellte Lattenrost aus der einfachen, aber effektiven Wandhalterung gelöst und über den Mittelgang geklappt. Das mittige Matratzenteil passt ganz genau. Das Bett misst laut Hymer 1,96 mal 1,40 Meter an der schmalsten Stelle. Allerdings ist unser Testwagen rundum mit Fenstern ausgestattet, die an Kopf- und Fußende nochmal insgesamt gut 10 bis 15 Zentimeter wegnehmen. Während die Heckfenster und das Fenster am Kopfende Serie sind, kostet das Fenster auf der Fahrerseite 395 Euro extra.

Als wir irgendwann nach Mitternacht in die Koje kriechen, bestätigt sich unsere Vermutung. Entweder mit Fuß und Decke oder Kopf und Kissen stößt man immer unüberhörbar an eines der Fensterrollos; und das bei unseren durchschnittlichen 1,80 bzw. 1,73 Metern Körperlänge. Statt einem vierten Fenster wäre hier eine Ablage für Brille und Telefon oder Buch praxisgerechter.

Top sind die in einer Schiene verschiebbaren LED-Leseleuchten über dem Kopfende. Apropos LEDs: Ob es einem gefällt oder nicht, bei eingeschaltetem Strom wird das Kontrollbord über der Schiebetür bei eingeschalteten Bordnetz (blaues LED) und Wasserpumpe (orangenes LED) unweigerlich zum Nachtlicht für den gesamten Bus.

Übrigens ist unser Testwagen mit dem im Campus-Modell serienmäßigen Aufstelldach ausgestattet. Dies erreicht man über eine zweigeteilte Leiter, die im Staufach über dem Fahrerhaus unterkommt. Ist sie zusammengesteckt und aufgestellt, nimmt sie zwar den Gang zwischen Sitzgruppe und Küche komplett ein, dafür ist die Leiter aber stabil und nicht wie oftmals bei solchen Leitern unangenehm steil.

Oben können zwei weitere Personen schlafen. Damit nachts niemand aus Versehen runterfällt, ist immer ein Sicherheitsnetz für die Einstiegsluke mit an Bord. Die Matratze oben liegt übrigens auf Tellerfedern. Für die kalte Jahreszeit bietet Hymer zusätzliche Thermopolster für die Zeltwände.

Nach einer Nacht auf einer relativ harten, aber bequemen Matratze im Untergeschoss, frühstücken wir in der Sitzgruppe. Der Tisch ist an der Wand eingehängt und bietet – wie in fast allen Campingbussen – eine erweiterbare Tischplatte. Dies ist besonders praktisch für jemanden, der auf dem umgedrehten Beifahrersitz sitzt.

Die Rückenlehne der Sitzbank ist insgesamt sehr steil und lässt sich nicht verstellen. Sitzt man hier alleine, kann man gut ein bisschen schräg auf ihr lümmeln. Zu zweit wird’s auf längerer Fahrt eher unbequem und eng.

Optional mit an Bord: eine Isofix-Halterung für entsprechend ausgerüstete Kindersitze. Wer an die Bordtechnik unter der Bank muss – wie etwa an das Frostschutzventil im Winter – kann das Sitzpolster von der Bank nehmen. Will man das Polster an den zwei vorgesehenen Minihalterungen allerdings wieder einhängen, wird das schnell zur Nervenprobe. Die Befestigungspunkte sind nicht nur klein, sondern auch unter am Metallgestell des Gurtbocks fast uneinsehbar angebracht.

Zwischenfazit: Positiv fallen einige Stauraumlösungen auf wie etwa das praktische, einklinkbare Sicherheitsnetz für den Heckstauraum oder die gut funktionierende Lattenrosthalterung an der Wand. Dass einfach Plastikschnapper verwendet werden oder dass es keine Einlegeböden in Stauschränken gibt, ist der Preiskategorie geschuldet. In dieser schlägt sich Hymer Free 600 Campus aber ausstattungsmäßig gut gegenüber vergleichbaren Modellen

>>> Testerin 3: Fahren & Bordtechnik

Sophia Pfisterer, Redakteurin promobil: „ Unwetterwarnung: Passen Sie auf, im gesamten Schwarzwald ist fürs Wochenende Sturm angesagt,“ – als mein Campingpartner und ich mit dem Hymer Free Campus 600 auf Testfahrt gehen, wartet nicht gerade eitel Sonnenschein auf uns. Die größte Sorge: Wird die Heizung durchhalten? Werden wir nachts frieren? Und: Wie sturmfest ist eigentlich so ein Kastenwagen?

Der Trip beginnt mit einem weiteren Dämpfer: Ich sitze schlecht. Für den Fahrer ist ein Pilotensitz auf einer Drehkonsole vorgesehen, der für mich einfach nicht passt. Mit meinen 1,58 Metern Größe und kurzen Beinen kenne ich das Problem schon aus anderen Fahrzeugen: Ich komme mit meinem Fuß nicht so richtig gut ans Gas- und (noch wichtiger) ans Bremspedal. Abhilfe schafft ein Kissen hinter dem Rücken, sodass ich doch im Ernstfall die Pedale komplett durchtreten und eine Notbremsung hinlegen kann.

Apropos Bremse: Die Handbremse im Hymer Campus 600 Free nervt mich. Ich, als kleiner Mensch, bekomme sie leider nicht komplett runter, wenn ich sie löse. So werde ich mich in den nächsten 24 Stunden auf dem Trip immer wieder verrenken müssen, damit ich nicht mit angezogener Handbremse fahre. Für meine Körpergröße kann Hymer per se erstmal nichts. Allerdings habe ich auch schon Fahrzeuge erlebt, die etwas individueller einstellbarere Sitze bieten – was genauso für großgewachsene Fahrer gilt.

Die Motorisierung des 3,5-Tonners wiederum besänftigt mich wieder. 140 PS Motorstärke für dieses Fahrzeug ist passabel und trotz Sturm und Regen punktet der Campus mit relativ geringer Seitenwindanfälligkeit. Ein aufgebautes Reisemobil mit dieser Motorisierung hätte mehr zu kämpfen. Die 16-Zoll-Leichtmetallräder liegen satt auf der Straße, das Navi leitet uns so zuverlässig wie der Tempomat die Geschwindigkeit hält und der Sound aus den vier Lautsprechern kommt sowohl gegen den Autobahnlärm als auch den beginnenden Sturm gut an.

Dank beheizter Außenspiegel habe ich das Fahrzeugheck und den Verkehr gut im Blick und so kommen wir sicher in Bad Wildbad an. Hier wollen wir in der Therme Palais Thermal das Schmuddelwetter draußen vergessen. Doch vorher müssen wir auf dem recht verlassenen Stellplatz einparken – komisch, dass sonst nur ein anderes Wohnmobil dieses Wochenende hier verbringen will. Ob's am Sturm liegt?

Zum Glück gibt's eine Rückfahrkamera an Bord (Naviceiver mit Kamera kostet 1999 Euro Aufpreis). So kann mein Campingpartner auf dem Beifahrersitz bleiben, während ich rangiere und muss mich nicht einwinken – bei dem Wetter ist er dankbar drum. Bevor wir in die warmen Quellen steigen und das Fahrzeug verlassen, ziehen wir die Fensterverdunklungen zu. Die serienmäßig angebaute Markise und das Aufstelldach lassen wir aus wettertechnischen Gründen eingeklappt.

Ich drehe die Gasflaschen hinten auf und schalte Heizung und Boiler ein, damit es später hoffentlich warm ist. Ein tröstender Gedanke: Sollte die Heizung ausfallen, ist sie immerhin so in der Sitzbank eingebaut, dass ich sie leicht erreichen könnte. Und dann? Ich würde wohl die den Truma-Service anrufen. Der geht an Samstagen übrigens nur bis 14 Uhr ran, sonntags macht er frei. Also hoffe ich darauf, dass alles gut geht. Zwei Gasflaschen hat der Hymer Free 600 Campus als Reserve an Bord. Das vermittelt ein sicheres Gefühl: Es gibt auf jeden Fall genügend Brennstoff-Backup!

Als wir aus der Therme zurückkommen, finden wir die Innentemperatur so vor wie wir uns das vor- und eingestellt hatten: Kuschelig! Die Ausströmer sind sinnvoll im Fahrzeug verteilt, sodass es vorne wie hinten warm ist. Würden wir im Aufstelldach schlafen, könnten wir hier sogar einen Heizschlauch mit warmer Luft hochlegen – das lassen wir aber und entscheiden uns fürs untere Bett. Der Kühlschrank läuft wie gewünscht und trotz vermeintlich lauter Kompressortechnik überraschend leise, die Milch für den Kaffee am Morgen steht kalt.

Auch der Heißwasser-Boiler tut, was er soll. Wir können uns mit warmem Wasser Hände und Gesicht waschen als wir uns fürs Bett fertigmachen. Nach mehreren Sauna-, Whirlpool- und Kühlbeckengängen verzichten wir aufs Duschen und schlafen zufrieden ein – und durch. Trotz Sturm zieht kein Windchen durch die Hecktüren.

Die Frontscheibe ist ziemlich heftig beschlagen am nächsten Morgen, als wir die Scheibenverdunklung abnehmen. Das könnte an der hohen Luftfeuchtigkeit liegen, die unsere Saunahandtücher verursachten. An Details wie der recht einfach gestalteten Fahrerhausverdunklung stelle ich wiederholt fest: Der Hymer Free 600 Campus ist ein solider Bus, bleibt jedoch ein Einsteiger-Fahrzeug.

Zunächst deutet sich hellblauer Himmel am Morgen an, doch der neue Tag entwickelt sich später so grau und verregnet wie der vorherige. Der Wind pfeift, über uns stehen dicke Gewitterwolken. Wir brechen in Richtung Heimat auf. Lenkrad- und Schaltknauf in Leder und das unkomplizierte Fahrverhalten sorgen dafür, dass ich mich fast wie im Pkw fühle – keine schlechte Leistung für ein 6-Meter-Fahrzeug.

Bevor wir den Campus Free abstellen der letzte Programmpunkt: Die Wassertanks leeren. Hier gibt es nur den recht einfachen Schlüssel für das Ablassventil des Grauwassertanks und ich muss halb unters Fahrzeug kriechen, um ans Ventil zu kommen. Noch ein kleiner Punktabzug zum Schluss: Trotz genügend sonstiger Steckdosen an Bord, vermisse ich noch ein paar USB-Steckdosen mehr für mein stromhungriges Smartphone.

Zwischenfazit: Auf der Straße hinterlässt der Campus einen positiven Eindruck. Das Bedienpanel für die Bordtechnik bietet allerdings nicht mehr als Standards. Alle Bordtechnik-Funktionen bewähren sich in der Sturmnacht: Strom, Wasser, Gas – alles läuft zuverlässig.

Alle Vorteile und Nachteile des Hymer Free 600 Campus (2020)

(+) viel Stauraum mit großem Kleiderschrank und Spiegel (+) einfacher Auf- und Abbau des Heckbetts(+) großes Querbett(+) platzsparendes Trennnetz für Heckstauraum(+) zwei Gasflaschen an Bord(+) genügend Steckdosen bzw. USB-Anschlüsse(+) zuverlässige Heizung, gut erreichbar(+) intuitive Bordsteuerung(+) ausreichend gute Motorisierung

(+)/(-) harte, aber dennoch bequeme Matratze(+)/(-) funktionale, aber kompakte Küche

(-) Keine Ablagen am Bett(-) Keine Einlegeböden in Oberschränke, billige Verarbeitung an Griff und Schnapper(-) steile Sitzbank und schwer zu befestigende Sitzpolster(-) fehlende Halterung für Duschbrause(-) kleine Nasszelle(-) Abdeckplatte der Duschwanne ist eine Stolperfalle(-) einfache Fahrerhausverdunklung(-) Grauwasserablass umständlich(-) Fahrersitz nicht sehr individuell einstellbar

Infos und Preise: Hymer Free 600 Campus

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, 2,3 Multijet, 140 PS Maximales Gesamtgewicht: 3,5 Tonnen Länge/Breite/Höhe: 5,99/2,08/2,70 Meter Grundpreis: 53.990 Euro Testwagenpreis: 58.346,13 Euro

Serienausstattung: Aufstelldach in Schwarz, Markise anthrazit 3,55x2,50 Meter, Rahmenfenster in Fahrtrichtung rechts hinten, Isofix-Kindersitzbefestigung, Vorbereitung Rückfahrkamera, Style-Paket (Stoßfänger in Wagenfarbe, Kühlergrill schwarz glänzend, etc.), Tempomat, LED-Tagfahrlicht, manuelle Klimaanlage, Zusatzsteckdosen 2x230-Volt und 1x12 V, uvm.

Zusatzausstattung: Beifahrertür-Safe (279 Euro), Fahrradträger für zwei Fahrräder (490 Euro), Naviceiver: Navi, Rückfahrkamera (1990 Euro), 2er-Block Hymer-Smart-Battery-System (799 Euro)

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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