Winterreifen-Test 2018

Wer mit dem Reisemobil oder ausgebauten Kastenwagen auf Eis und
Schnee und obendrein in bergigen Regionen sicher unterwegs sein
möchte, sollte auf gute Winterreifen nicht verzichten. Welcher
Winterpneu den besten Grip liefert, klärt unser Test.
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Wer mit dem Reisemobil oder ausgebauten Kastenwagen auf Eis und Schnee und obendrein in bergigen Regionen sicher unterwegs sein möchte, sollte auf gute Winterreifen nicht verzichten. Welcher Winterpneu den besten Grip liefert, klärt unser Test.

© Ingolf Pompe
08.11.2018 - 17:51 Uhr von Thiemo Fleck

promobil hat 7 Winterreifen getestet. Darunter den neuen Continental Van-Contact Winter, den populären Michelin Agilis Alpin oder den günstigen GT Radia Maxmiler WT2. Welche 15-Zoll-Bereifung die beste für Wohnmobile und ausgebaute Kastenwagen ist, lesen Sie in der promobil-Ausgabe 11/2018.

  • Testeregbnis
  • So haben wir getestet
  • Fazit

Es ist ein Winter wie schon lange nicht mehr. Mit annähernd drei Metern Schnee im Tal ist auch das Schweizer Oberland tief in der weißen Pracht versunken. Ein ehemaliges Flugfeld der Schweizer Luftwaffe in einem Hochtal ist Anfang 2018 Schauplatz der Fahrversuche auf Schnee zum großen promobil-Winterreifentest. Schon vor Wochen hatten gewaltige Maschinen den verwinkelten Handlingkurs aus dem tiefen Schnee gefräst – Tage später kam mit einer Warmfront jedoch Tauwetter und Regen. Jetzt steht das Thermometer wieder bei 15 Grad unter Null, seit Einbruch der Nacht sind die Temperaturen stabil. Die rund zwei Meter hohen Schneewände der schnellen, aber engen Rundstrecke sind inzwischen allerdings betonhart gefroren.

Volle Konzentration, ein Ausrutscher beim Fahren am Limit, und der Ducato wäre ein Fall für die Werkstatt. Aber der tapfere Transporter spult sein Testprogramm zuverlässig ab, liefert Runde um Runde Fahreindrücke, Rundenzeiten und Messwerte. Nach drei intensiven Testtagen und -nächten und ungezählten Radwechseln in Eiseskälte liegen die Karten auf dem Tisch.

Testergebnis

Wir haben 7 aktuelle Winterreifen der Dimension 225/70 R 15 getestet, darunter der neue Continental Van-Contact Winter, der Maxmiler WT2 von GT Radial, der Goodyear Cargo Ultragrip 2, der Maxxis Vansmart Snow WL 2, der Michelin Agilis Alpin, der Nokian WR C 3 und der Vredestein Comtrac 2 Winter.

Platz 1: Continental Van-Contact Winter

promobil-Gesamturteil 8,8 – Empfehlenswert(+) traktionssicherer und dynamisch ausgewogener Reifen auf Schnee (+) überragend auf Nässe(-) leichte dynamische Defizite auf trockener Bahn Preis (inkl. MwSt.): 138 Euro

Platz 2: GT Radial Maxmiler WT2

promobil-Gesamturteil 7,9 – Noch empfehlenswert(+) ausgewogener Reifen ohne Schwächen auf Schnee(+) mit gutem Grip verlässlich auf Nässe(+) kurvenfest auf trockener Strecke(-) frühes Aufschwimmen bei Aquaplaning Preis (inkl. MwSt.): 87 Euro

Platz 3: Michelin Agilis Alpin

promobil-Gesamturteil 7,9 – Noch empfehlenswert(+) sichere Schneeperformance mit kurzen Bremswegen und guter Traktion(+) weitgehend sicheres Verhalten auf nasser und trockener Strecke(-) Lange Bremswege und Seitenführungsschwächen trocken, leichte Defizite im Aquaplaning Preis (inkl. MwSt.): 144 Euro

Platz 4: Vredestein Comtrac 2 Winter

promobil-Gesamturteil 7,9 – Noch empfehlenswert(+) mit nur kleinen Schwächen sehr ausgewogen auf Nässe(+) lenkspontan und harmonisch auf trockener Fahrbahn(-) mäßige Leistungen auf Schnee(-) wenig komfortabel Preis (inkl. MwSt.): 122 Euro

Platz 5: Goodyear Cargo Ultragrip 2

promobil-Gesamturteil 7,8 – Noch empfehlenswert(+) sehr sicheres Bremsen trocken(+) harmonischer Fahreindruck (+) hohe Kurvensicherheit auf Schnee, bei Nässe und trockener Bahn(-) etwas verlängerte Bremswege auf Schnee(-) frühes Aufschwimmen bei Aquaplaning Preis (inkl. MwSt.): 140 Euro

Platz 6: Maxxis Vansmart Snow WL 2

promobil-Gesamturteil 7,5 – Noch empfehlenswert(+) weitgehend ausgewogen und sicher auf nasser und trockener Strecke(-) Mit wenig Kurvengrip und deutlichen Lastwechselreaktionen schwach auf Schnee(-) leichte Defizite im Aquaplaning(-) wenig Komfort Preis (inkl. MwSt.): 98 Euro

Platz 7: Nokian WR C 3

promobil-Gesamturteil 6,6 – Bedingt empfehlenswert (Reifen wegen gravierender Schwächen bei Nässe um einen Punkt abgewertet)(+) mit Top-Grip, Super-Seitenführung und breiten Reserven überragende Schnee-Eigenschaften(+) gute Trocken-Performance(-) trotz überragender Schneequalitäten führen gravierende Defizite auf Nässe zur Abwertung(-) Komfortschwächen Preis (inkl. MwSt.): 119 Euro

So haben wir getestet:

  • Bremsleistung: Vollbremsung mit ABS-System von 50–10 km/h auf festgefahrener Schneedecke.
  • Traktion: Zugkraft beim Anfahrversuch auf homogen festgefahrener Schneedecke.
  • Handling: Auf schneebedeckter Rundstrecke (1600 m) wird auf Zeit gefahren.
  • Bremsleistung: ABS-Vollbremsung 80–0 km/h auf bewässertem Asphalt
  • Seitenführung: Maximale Querbeschleunigung auf bewässerten Asphaltkreis, Durchmesser: 80 Meter.
  • Handling: Auf dem 1.823 Meter langen Handlingkurs zählt die maximale Durchschnittsgeschwindigkeit.
  • Aquaplaning längs: Ermittelt wird die Aufschwimmgeschwindigkeit bei geführter Geradeausfahrt in km/h bei 15 % Schlupf.
  • Aquaplaning quer: Haftung bei Wasserdurchfahrt im 200-m-Kreis (VDA). Gewertet wird die Querbeschleunigung in m/s².
  • Bremsleistung: ABS-Vollbremsung 100–0 km/h auf trockenem Asphalt. Mittelwert aus zehn gültigen Versuchen.
  • Handling: Auf einem Rundkurs zählen Fahrsicherheit und Rundenzeit.
  • Rollwiderstand: Der Rollwiderstandsbeiwert in kg/t wird auf einem stationären Rollenprüfstand ermittelt.
  • Abrollgeräusch: Abrollgeräusch der Reifen auf ISO-Norm-Asphalt mit abgestelltem Motor bei 80 km/h.

Im direkten Vergleich der sieben namhaften Winterreifen liegt der bissige und seitenführungsstarke Nokian WR C 3 mit dem Traum-Notendurchschnitt von satten 9,9 Zählern eindeutig in Führung. Zusammen mit Conti und Michelin liefert er die kürzesten Bremswege auf Schnee.

Auch bei den Traktionsmessungen ist er ganz vorne mit dabei und hat – das zeigen die Handlingzeiten – die besten Gripreserven bei Kurvenfahrt. Hohe Anfahr- und Bremssicherheit haben auch Conti und Michelin, in Kurven ist bei den beiden jedoch weniger drin. Recht ausgewogen auf Schnee ist auch der Goodyear Ultragrip. Er glänzt mit guter Seitenführung, bremst aber etwas schwach und kommt beim Beschleunigen schnell ins Rutschen. Nur dürftige Schneeperformance ist von Vredestein und Maxxis zu erwarten. Ob sie dagegen auf anderen, im Winter ebenso anzutreffenden Untergründen überzeugen?

Gute Winterreifen meistern nasse und trockene Strecken

Schnee und Eis sind das eine, ein guter Winterreifen muss sich aber genauso auch auf nassen und trockenen Straßen behaupten können. Um die Nassqualitäten zu bewerten, müssen alle Reifen ein exakt definiertes Testprogramm absolvieren. Geprüft und verglichen werden die Bremswege, der Kurvengrip auf Nässe, die Empfindlichkeit der Reifen gegenüber Aquaplaning in Längs- und Querrichtung sowie das Fahrverhalten im Grenzbereich, bei dem ein künstlich bewässerter Rundkurs auf Zeit bewältigt werden muss.

Was der Nokian auf Schnee kann, schafft der neue Conti Van-Contact Winter auf nasser Straße: Mit kürzesten Bremswegen, bestem Kurvengrip und ausgewogenen Handlingeigenschaften. Zwar kommen die Hannoveraner an die überragende Aquaplaningsicherheit des Vredestein nicht heran, doch der patzt etwas im Nassbremsen und muss so dem Conti knapp den Sieg in der Nässewertung überlassen.

Sehr zufrieden waren wir zudem mit den Nässeleistungen des GT Radial Maxmiler WT2 der übrigens auch auf Schnee schon ohne nennenswerte Schwächen ein rundum solides Ergebnis ablieferte.

Mit Ausnahme einiger Defizite in der Aquaplaningvorsorge kann auch der Maxxis Vansmart Snow – auf Schnee eher schwach – ein durchaus akzeptables Nässeresultat erzielen. Hingegen eher mau im Regen: Michelin, Goodyear und ganz besonders der Nokian, der mit zu langen Bremswegen und dürftigem Aquaplaningschutz weit nach hinten rutscht.

Kurze Bremswege und hohe Fahrsicherheit gefragt

Schnee und Nässe sind geprüft. Zu einem vollumfänglichen Bild eines Reifens gehören außerdem die Eigenschaften auf trockenen Strecken, die auch im Winter – und in den letzten Jahren zunehmend häufiger – anzutreffen sind. Auf trockenem Asphalt gilt unser Augenmerk neben möglichst kurzen Bremswegen besonders einer hohen Fahrsicherheit des beladenen Fahrzeugs. Um das Fahrverhalten eines bepackten Reisemobils möglichst realitätsnah und reproduzierbar beurteilen zu können, wird, wie auch bei den Schnee- und Nässetests, der Ducato vornehmlich auf der Hinterachse beladen.

Bei schnellen Spurwechseln, die im Test mit Geschwindigkeiten um Tempo 120 gefahren werden – hier wird das plötzliche Ausweichen um ein unvermittelt auftauchendes Hindernis auf der Autobahn simuliert –, kann so eine eventuelle Instabilität unmittelbar erkannt und bewertet werden.

Besonders stabil und fahrsicher gibt sich bei diesen Versuchen der robust gebaute Vredestein. Beim Spurwechsel, aber auch im Handling auf Zeit gefällt er mit guter Fahrstabilität und einfacher Beherrschbarkeit im Grenzbereich.

Seine Trocken-Bremswerte sind mit durchschnittlich 47,5 Metern aus Tempo 100 mehr als okay. Besser ist hier nur Goodyears Cargo Ultragrip 2, der zwar einen guten Meter kürzer bremst, dafür aber in den dynamischen Tests etwas unruhiger wirkt. Sichere Eigenschaften auf trockener Bahn liefern auch Conti, Nokian und Maxxis; bei Michelin und GT Radial lassen die Bremswege etwas zu wünschen übrig.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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