Stellenanzeigen: Das verbirgt sich wirklich hinter den Floskeln

Viele Floskeln in Stellenanzeigen sorgen bei Arbeitssuchenden für Verwirrung. 
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Viele Floskeln in Stellenanzeigen sorgen bei Arbeitssuchenden für Verwirrung. 

© Imago/ Christian Ohde
18.09.2018 - 07:00 Uhr

Der Stellenmarkt gleicht oft einem undurchschaubaren Dschungel großtönender Phrasen. Hochtrabende Berufsbezeichnungen, komplexe Anforderungen und missverständliche Hinweise prägen das Wirrwarr der Stellenausschreibungen. Wir räumen mit dem Chaos auf und erklären Ihnen die gängigsten Phrasen in Stellenanzeigen. 

Ein Blick in die Jobbörsen dieser Welt verrät: Flexible, belastbare und eigenverantwortlich arbeitende Mitarbeiter werden zu Tausenden gesucht. Das Problem: Viele Arbeitssuchende werden aus diesen Angaben nicht schlau.

Das Bewerbungsschreiben der Unternehmen 

Bewerbungsschreiben sind eine leidige Angelegenheit. Möglichst prägnant und einprägsam sollen die eigenen Vorzüge angepriesen werden, ohne dabei vom Boden der Tatsachen abzuheben. Wer glaubt, dass nur Jobsuchende diese Hürde meistern müssen, liegt falsch.

Das Verfassen von Stellenanzeigen konfrontiert Unternehmen mit ähnlichen Herausforderungen. Die Firma muss sich in ein gutes Licht rücken, um möglichst viele Bewerber anzulocken. Gegenüber der „Welt“ erklärte Katharina Herrmann vom Bundesverband der Personalmanager: „Eine perfekte Stellenanzeige zu verfassen, ist eine hohe Kunst.“ 

Das verbirgt sich hinter den gängigsten Floskeln in Stellenanzeigen:

  • Stellenanzeige:
    „Dynamisches Unternehmen“
  • Übersetzung:
    Gerne bezeichnen sich Firmen als „dynamische Unternehmen“. Permanente Strukturänderungen stehen auf der Tagesordnung. Organisationstalente und Mitarbeiter, die in chaotischen Zeiten einen kühlen Kopf bewahren, sind gefragt. Der Vorteil „dynamischer Unternehmen“: Die Aufstiegschancen sind meist sehr gut.
  • Stellenanzeige:
    „Traditionsunternehmen“
  • Übersetzung: 
    „Traditionsunternehmen“ belassen gerne alles beim Alten. Schnelle Veränderungen und Innovationen sind nur mühsam durchzusetzen. Weltveränderer kommen hier nicht weit.
  • Stellenanzeige:
    „Innovatives Unternehmen“
  • Übersetzung:
    Kreative Köpfe, die nur so vor Ideen sprudeln, sind gefragt.
  • Stellenanzeige:
    „Belastbarkeit“
  • Übersetzung:
    Kaum eine Stellenanzeige kommt ohne die Angabe „Belastbarkeit“ aus. Verständlich, schließlich wünscht sich jedes Unternehmen Mitarbeiter, die ihrer Arbeit gewachsen sind und einem gewissen Druck standhalten können. In vielen Fällen drohen den potentiellen Mitarbeitern Überstunden.
  • Stellenanzeige:
    „Eigenverantwortung“
  • Übersetzung:
    Dieser Begriff ist nahezu selbsterklärend. Jeder muss die Verantwortung für sein eigenes Handeln übernehmen. Oft geht die Anforderung mit der Floskel „flache Hierarchien“ einher. Mitarbeiter dürfen eigenständig Entscheidungen treffen, müssen allerdings auch für die Konsequenzen geradestehen. Selbstbewusstsein ist gefragt.
  • Stellenanzeige:
    „Zuverlässigkeit“
  • Übersetzung:
    Hierbei handelt es sich meist um einen Lückenfüller. Welches Unternehmen möchte schließlich unzuverlässige Mitarbeiter…
  • Stellenanzeige:
    „Flexibilität“
  • Übersetzung:
    Die zukünftigen Mitarbeiter werden mit wechselnden Aufgabenbereichen konfrontiert. Wer sich nicht immer wieder in neue Themenbereiche einarbeiten möchte, ist für die Stelle nicht geeignet.
  • Stellenanzeige:
    „Hohe Einsatzbereitschaft“
  • Übersetzung:
    Der Arbeitgeber verlangt eine permanente Verfügbarkeit seiner Mitarbeiter. Das Privatleben muss warten.
  • Stellenanzeige:
    „Mobilität“
  • Übersetzung:
    Der Wunsch nach „Mobilität“ kann zweierlei bedeuten: Entweder wird vom Arbeitnehmer ein Führerschein und gegebenenfalls ein Auto verlangt oder die ständige Bereitschaft, den Einsatzort bei Bedarf zu wechseln.
  • Stellenanzeige:
    „Attraktives Gehalt“
  • Übersetzung:
    Attraktivität liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Eine konkrete Aussage kann sich aus dieser Floskel daher nicht ableiten lassen. Die einzige Option ist, beim Arbeitgeber nachzufragen.
     

Die meisten Stellenanzeigen sind nach dem gleichen Muster aufgebaut. Eine kurze Firmendarstellung macht den Anfang, das konkrete Stellenangebot folgt. Anschließend ist es gang und gäbe die Anforderungen an die Bewerber darzustellen und weitere Hinweise zu Bezahlung und Eintrittstermin zu geben. 

Allround-Talente gesucht? 

Viele Stellenanzeigen schüchtern potenzielle Bewerber ein. Schuld daran sind die breit gefächerten Anforderungen und missverständliche Floskeln. Wichtig ist es, dass Jobsuchende einen kühlen Kopf bewahren und die wichtigsten Kernpunkte erkennen. 

Qualifikationen 

Für alle Stellenanzeigen gilt: Das Wichtigste kommt zuerst. In der Regel werden die gewünschten Qualifikationen ihrer Priorität nach absteigend aufgelistet. An erster Stelle stehen somit die wichtigsten Anforderungen an den Bewerber. 

In Stellenausschreibungen gilt es außerdem „Muss-“ von „Kann-Kriterien“ zu unterscheiden. „Muss-Kriterien“ sollte der Bewerber unbedingt erfüllen, um realistische Chancen auf den Arbeitsplatz zu haben. Phrasen wie „Erforderlich sind…“, „Voraussetzung ist…“ und „Erwartet wird…“ kennzeichnen die Pflichtkenntnisse.

Anders sieht es bei den sogenannten „Kann-Kriterien“ aus. Auch wenn Sie diesen Kriterien nicht in vollem Umfang gerecht werden, besteht die Möglichkeit, die Stelle zu bekommen. Die Anforderungen sind häufig im Konjunktiv formuliert und gehen mit Floskeln wie „Hilfreich wäre…“, „Idealerweise…“ und „Ausbaufähige Kenntnisse in…“ einher.
 

Quelle: freenet.de
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