Finanzielle Selbstbestimmung: Sorgen um die Altersvorsorge wachsen
Während die politische Debatte über die Zukunft der gesetzlichen Rente an Fahrt aufnimmt, wächst vor allem bei jungen Erwachsenen in Deutschland die Unsicherheit über die eigene finanzielle Absicherung im Alter. Das zeigt das aktuelle, mittlerweile siebte Selbstbestimmungsbarometer des Versicherungs- und Finanzberatungskonzerns Swiss Life. Besonders die Generation der 18- bis 29-Jährigen fühlt sich schlecht vorbereitet: Nur etwa jede siebte junge Person sieht sich finanziell gut auf den Ruhestand eingestellt.
Junge Erwachsene mit besonders geringer Vorsorgezuversicht
Die Ergebnisse zeigen eine insgesamt niedrige Zuversicht in die eigene Altersvorsorge - bei jungen Erwachsenen ist sie jedoch besonders ausgeprägt. Während 28 Prozent aller Befragten glauben, dass ihre staatliche, betriebliche und private Vorsorge ein finanziell selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglichen wird, liegt dieser Wert bei den 18- bis 29-Jährigen bei lediglich 21 Prozent. Rund ein Drittel dieser Altersgruppe gibt an, bereits zu spät mit der Altersvorsorge begonnen zu haben, obwohl viele erst am Anfang ihres Berufslebens stehen.
Auch das Vertrauen in die eigene Finanzplanung ist unter jungen Erwachsenen gering. Lediglich 15 Prozent sind überzeugt, ihren Ruhestand finanziell gut geplant zu haben. Über alle Altersgruppen hinweg liegt dieser Anteil mit 28 Prozent deutlich höher.
Hoher Wissensbedarf und Bereitschaft zur Eigenverantwortung
Trotz der Skepsis zeigt die junge Generation eine hohe Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Altersvorsorge zu übernehmen. 43 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wären bereit, mehr Geld für eine gute Absicherung im Alter zurückzulegen. Gleichzeitig fühlen sich viele von der Komplexität der Vorsorge überfordert. 39 Prozent geben an, bei den zahlreichen Vorsorge- und Anlagemöglichkeiten den Überblick zu verlieren.
Der Wunsch nach mehr Orientierung ist entsprechend groß. Fast die Hälfte der jungen Erwachsenen wünscht sich mehr Wissen zu Finanz- und Vorsorgethemen - mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Dirk von der Crone, CEO von Swiss Life Deutschland, sieht darin ein klares Signal: Die junge Generation habe die Notwendigkeit privater Altersvorsorge erkannt, benötige jedoch bessere finanzielle Aufklärung, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Gefühl der Selbstbestimmung nimmt weiter ab
Über die Altersvorsorge hinaus zeigt das Barometer einen Rückgang des allgemeinen Selbstbestimmungsgefühls in Deutschland. 54 Prozent der Befragten fühlen sich 2025 grundsätzlich selbstbestimmt, nach 57 Prozent im Vorjahr. Damit setzt sich ein langfristiger Abwärtstrend fort, der 2020 bei 63 Prozent seinen Ausgang nahm. Auch der Zukunftsoptimismus ist leicht gesunken: Nur noch 35 Prozent blicken positiv in die Zukunft, zwei Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Die allgemeine Lebenszufriedenheit bleibt hingegen stabil.
Wenig Vertrauen in staatliche Unterstützung
Parallel zum wachsenden Bewusstsein für Eigenverantwortung schwindet das Vertrauen in staatliche Hilfe. Lediglich 16 Prozent der Befragten verlassen sich bei finanziellen Engpässen auf Unterstützung durch den Staat. Knapp die Hälfte sieht den Erfolg oder Misserfolg der eigenen Altersvorsorge in der persönlichen Verantwortung.
Der Wunsch nach finanzieller Selbstbestimmung ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Mehr als vier Fünftel der Befragten möchten ihr Leben finanziell selbstbestimmt gestalten. Tatsächlich gelingt dies jedoch nur 39 Prozent. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bleibt damit erheblich. Viele Menschen verbinden finanzielle Selbstbestimmung mit ausreichendem Einkommen, Absicherung, der Möglichkeit, Rücklagen zu bilden, und Kontrolle über die eigenen Ausgaben - Voraussetzungen, die für viele bislang nicht erfüllt sind.
Inflation bleibt größtes Hemmnis
Als größte Hürden für finanzielle Selbstbestimmung nennen die Befragten weiterhin Inflation und steigende Preise. Hohe Wohn- und Energiekosten sowie ein als zu niedrig empfundenes Einkommen folgen dahinter. Die nahezu unveränderten Werte im Vergleich zum Vorjahr deuten darauf hin, dass sich wirtschaftliche Belastungen zunehmend verfestigen und zu strukturellen Herausforderungen werden.