Roboter hitchBot will Deutschland ertrampen

Der Roboter, der im vergangenen Jahr bei einer
6000-Kilometer-Reise durch Kanada Millionen Fans fand, startet
heute eine Rundreise durch Deutschland. Seine erste Etappe führt
den trampenden und sprechenden Roboter zum Schloss Neuschwanstein.
Seine zwei Erfinder von der Ryerson University in Toronto -
darunter die Deutsche Frauke Zeller (l.) - haben ihm zwar nicht die
Fähigkeit zum Laufen gegeben. Dafür ist er aber sprachlich äußerst
fit und außerdem mit viel Wissen vollgestopft.
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Der Roboter, der im vergangenen Jahr bei einer 6000-Kilometer-Reise durch Kanada Millionen Fans fand, startet heute eine Rundreise durch Deutschland. Seine erste Etappe führt den trampenden und sprechenden Roboter zum Schloss Neuschwanstein. Seine zwei Erfinder von der Ryerson University in Toronto - darunter die Deutsche Frauke Zeller (l.) - haben ihm zwar nicht die Fähigkeit zum Laufen gegeben. Dafür ist er aber sprachlich äußerst fit und außerdem mit viel Wissen vollgestopft.

 © Zoe Brownstone - AFP/Archiv
13.02.2015 - 09:52 Uhr

Solch einen Ratschlag für eine Reise bekommt wohl nur ein trampender Roboter mit auf den Weg. "Bitte zerlegen Sie mich nicht!", solle er den deutschen Autofahrern sagen, die ihn mitnehmen, schrieb kürzlich ein Nutzer auf der Facebook-Seite von hitchBot. Der Roboter, der im vergangenen Jahr bei einer 6000-Kilometer-Reise durch Kanada Millionen Fans fand, startet heute eine Rundreise durch Deutschland.

Feindseligkeiten - etwa von Autofahrern, die den Schraubenschlüssel zücken und sich mal das Innere des High-Tech-Trampers angucken - dürften hitchBot allerdings kaum begegnen. Bislang erntet der mit einer angenehmen Stimme, Armen aus Schwimmnudeln und bunten Gummistiefeln ausgestattete Roboter nur freudigen und freundlichen Zuspruch. Auch die Organisatoren seiner Deutschlandreise sind sicher, dass hitchBot hierzulande ausschließlich Positives erleben wird.

Erst nach Einbruch der Dunkelheit, etwa gegen 19 Uhr, sollte hitchBot am Freitagabend seinen Trip an der Autobahn A96 bei Unterföhring beginnen. Ein Startort, den ein Tramper aus Fleisch und Blut angesichts der geringen Aussicht auf Erfolg wohl nur in der größten Not wählen würde. Doch die hitchBot-Reiseplaner - darunter vor allem der Fernsehsender ProSieben - sind sicher, dass hitchBot nur wenige Augenblicke auf ein Auto wird warten müssen. Schon jetzt warten in Bayern die Fans ungeduldig auf den Reisebeginn, in vielen Radiointerviews hat sich hitchBot schon zu Wort gemeldet.

Radiointerviews? Ja, der Roboter kann Interviews geben. Denn seine zwei Erfinder von der Ryerson University in Toronto - darunter die Deutsche Frauke Zeller - haben ihm zwar nicht die Fähigkeit zum Laufen gegeben. Dafür ist er aber sprachlich äußerst fit und außerdem mit viel Wissen vollgestopft. Wer hitchBot mitnimmt, kann sich auf breite Gesprächsthemen gefasst machen. "Ich kann es kaum erwarten, mich mit Euch auf Deutsch zu unterhalten, z.B. über den Kölner Karneval oder Manuel Neuer", heißt es in einer aktuellen Twitter-Kurznachricht von hitchBot.

Für seine neuntägige Deutschlandreise bekommt der Roboter die Ziele vorgegeben. Zuerst soll er seinen gelben Gummidaumen raushalten und sich zum Schloss Neuschwanstein fahren lassen. Dort muss er einen kräftigen Fahrer finden, der seinen knapp acht Kilo schweren Körper in den Thronsaal schleppt. Von Neuschwanstein geht es nach Köln, wo hitchBot es beim Rosenmontagszug auf den Wagen des Dreigestirns schaffen soll. Auch ein Selfie mit einem Spieler der Fußball-Weltmeistermannschaft des vergangenen Jahres und ein Besuch auf Sylt stehen auf seinem Aufgabenzettel.

Was das Ganze soll? Die Erfinder wollen den gesellschaftlichen Umgang mit Robotern vorantreiben. Beim Start des Projekts im vergangenen Jahr sagte Zeller der Nachrichtenagentur AFP, die Wissenschaftler wollten die Technologie-Angst umdrehen und fragen: "Können Roboter Menschen trauen?" Für die Forscher wird es am Ende des Deutschland-Trips erstmals Vergleichsmöglichkeiten geben - sie können dann auswerten, ob hitchBot in Kanada oder in Deutschland mehr willkommen war.

Quelle: 2015 AFP
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