Der Elektro-SUV Aiways U5: Elektrischer China-Kracher für 35.000 Euro

Der chinesische SUV Aiways U5 erreicht eine Reichweite von ca.
400 Kilometern (nach WLTP-Zyklus).
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Der chinesische SUV Aiways U5 erreicht eine Reichweite von ca. 400 Kilometern (nach WLTP-Zyklus).

© Aiways

Mit dem Aiways U5 kommt im Spätsommer das erste Elektro SUV aus China zu uns nach Deutschland in Vollausstattung für weniger als 40.000 Euro. Wir klären im Fahrbericht, was der Stromer kann und was nicht.

Den ersten Härtetest hat der Aiways U5 schon hinter sich. Mehr als 15.000 Kilometer stromerten zwei Prototypen von Shanghai über die neue Seidenstraße nach Deutschland. Das lässt Großes erwarten, ebenso wie mehr als 400 km elektrische Reichweite nach WLTP und Mittelklasse-Ausmaße zum Preis ab 35.000 Euro für eine Basisversion.

S-Klassige Platzverhältnisse und variabel wie ein Van

Tatsächlich wirkt der futuristisch gezeichnete SUV mit seinen 4,68 Metern Länge vor allem innen wie ein ganz Großer. In den Türablagen und unter der Mittelkonsole findet alltäglicher Krimskrams Platz, optional gibt es ein Handschuhfach. Das fehlt im Testwagen zu Gunsten enormer Beinfreiheit. Die fällt im Fond auch dank 2,80 Metern Radstand S-Klassig aus. Das Gepäck verschwindet im 435 Liter großen Kofferraum oder den zwei übereinander angeordneten Unterbodenfächern: Während das Obere das Laderolle aufnehmen kann, lässt sich das Untere leider nur in der China-Version mit einem Kühlschrank sowie sechs zusätzlichen Akku-Paketen mit insgesamt 18 kW/h Kapazität bestücken.

Serienmäßig klappt dagegen die Rücksitzlehne im Verhältnis 60:40 um. Dank der aufstellbaren Fondbank entsteht so ein ebenes Abteil mit 1.543 Litern Volumen, dass sich noch durch die Liegefunktion des Beifahrersitzes erweitern lässt. Allerdings schwingt die elektrische Heckklappe nicht weit genug auf. Großgewachsene sitzen zudem wegen vorstehender Kopfstützen auf Dauer etwas, unbequem stoßen aber trotz Panoramadach nicht am Dachhimmel an.

Überraschend feines Ambiente

Alle übrigen erfreuen sich im Vorserienfahrzeug an weichen, sorgfältig vernähten Lederpolstern der elektrisch verstellbaren Sitze. Dazu fügen sich weiche Kunststoffe, metallische Bedienelemente und hochglanzlackierte Flächen zu einem wohnlichen Ambiente zusammen. Drei, dem Fahrer zugeneigte digitale Displays hinter dem kompakten, oben und unten abgeflachtem Lenkrad zeigen dem Fahrer die wichtigsten Fahrinformationen an. Ein 12,3 Zoll großer Touchscreen in der Mitte verwaltet das Infotainment. Er reagieren zwar flink, arbeitet wegen fehlender Navi- und Multimediafunktionen aber noch sehr eingeschränkt.

Gleiches gilt für die umfangreichen Fahrassistenten, die im Falle von Spurhalter und Verkehrszeichenerkennung noch recht beta-haft agieren oder wie der adaptive Tempomat sowie Einparkassistent den Dienst komplett verwehren. Das trägt genauso wenig zum Sicherheitsempfinden bei, wie lediglich drei von fünf Sternen im NCAP-Crashtest. Kurz zur Einordnung: Damit gilt das Auto als sicher und ist sogar besser als ein Ford Mustang.

Der U5 basiert als erstes Aiways-Modell auf einer modular aufgebauten und skalierbaren Elektroplattform. Die MAS-Basis (More Adaptable Structure) ermöglicht wie der MEB von Volkswagen unterschiedliche Batteriekapazitäten und Allradantrieb. Im Unterboden zwischen den Achsen kommt liegt hier ein 63-kWh-Akku, den CATL zuliefert. Der lässt sich mit Typ-2-Stecker (AC 6,6 kW) oder via CCS-Dose (DC 100 kW), die sich unter dem linken Frontscheinwerfer verstecken, in rund acht Stunden oder 30 Minuten zu 80 Prozent laden.

Beim Fahren fehlt noch der nötige Feinschliff

Wir starten aber mit vollen Batterien und tatsächlich orakelt der Bordcomputer über 400 km Reichweite. Etwas unwirsch und gleichzeitig zäh im Antritt reagiert der 140 kW starke E-Motor auf Fahrpedalbefehle. Laut Aiways beschleunigt er in unter 10 Sekunden auf Tempo 100 und fährt bis zu 160 km/h schnell. 315 Nm Drehmoment bei maximal 16.000 U/min wirken auf die Vorderräder, die vermutlich auch wegen der 19 Zoll großen Noname-Bereifung, um Traktion ringen. Nächstes Jahr soll es den U5 aber auch mit Heck- oder Allradantrieb geben.

Zwar lässt sich die Leistungscharakteristik mit drei Fahrmodi variieren – allerdings wirken sich Eco, Normal und Sport kaum auf das Ansprechverhalten des E-Motors aus. Aiways hat aber wegen der Corona-Krise den Marktstart in Europa auf August verschoben und die Zeit für erste technische Änderungen genutzt: Ein anderer Motor aus China statt wie bislang aus den USA soll etwas mehr Leistung und Effizienz bringen und den Antriebsstrang 40 Kilogramm leichter machen. Etwas deutlicher spreizen sich dafür die drei Rekuperationsstufen mit denen der U5 unterschiedlich stark, aber nie vehement verzögert. Leider fehlt auch hier noch etwas Feintuning, denn das Bremspedal reagiert äußerst spitz und der Übergang zwischen elektrischer und mechanischer Bremse ist deutlich spürbar. Etwas zwiespältig agiert die variabel übersetzte Lenkung. Zwar steuerst du den U5 recht präzise durch Kurven, jedoch fühlt sich das stets distanziert an. Dabei gerät der 1,7-Tonner nicht übermäßig ins Wanken. Dank MacPherson-Einzelaufhängung vorne und einer unabhängigen Mehrlenkeraufhängung hinten Bodenwellen federt der E-SUV sogar recht komfortabel ab. Lediglich die 19-Zollräder rollen auf Querfugen herb ab.

Online shoppen oder im Elektronikmarkt

Sie sind interessiert? Ab August 2020 können Sie den U5 online bei Aiways oder im Elektronikmarkt Euronics kaufen oder leasen. Los geht’s bei rund 35.000 Euro für die Basis-Variante. Die hier gefahrene Top-Version liegt vermutlich bei rund 40.000 Euro. Unklar scheint zurzeit noch inwiefern sich Aiways an der E-Auto-Prämie beteiligt. Sicher ist hingegen, dass A.T.U. sich alle 100.000 km um die Wartung kümmert – das reicht locker für drei Mal Seidenstraße hin und zurück.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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