Challenger X 150 im Test: Was taugt das neue Teilintegrierten-Konzept?

Als Chausson und Challenger ihre X-Modelle präsentierten, war
die Überraschung groß. Was taugt das neue Konzept wirklich?
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Als Chausson und Challenger ihre X-Modelle präsentierten, war die Überraschung groß. Was taugt das neue Konzept wirklich?

© Ingolf Pompe

Als die Trigano-Schwestermarken Chausson und Challenger im Januar ihre X-Modelle präsentierten, war die Überraschung groß. Beim Test muss sich nun zeigen, was das neue Konzept wirklich taugt.

"Revolutionär" ist ein großes Wort. Vielleicht ein bisschen zu groß für den Challenger X 150. Aber wer sich auf ihn einlässt, darf sich vor Veränderungen nicht scheuen – auch der eigenen Denkmuster. Nicht, dass andere vorher es nicht auch schon versucht hätten – Modelle wie Seitz Tikro oder Bürstner Brevio kommen einem in den Sinn. Aber für Revolutionen muss eben auch die Zeit reif sein. Vielleicht jetzt, da der Trend zu den Vans, also den kompakten Teilintegrierten, immer mehr ins Rollen kommt.

Die Daten sind schnell umrissen: knapp sechs Meter lang, schlanke 2,10 Meter breit und 2,75 Meter hoch und damit kaum größer als ein typischer Querbett-Campingbus auf Fiat Ducato. Und was ist daran besonders? Na der Grundriss. Zentrales Element ist ein Hubbett.

Der Verzicht auf ein festes Bett eröffnet neue Möglichkeiten der Raumgestaltung. Was in normalbreiten Teilintegrierten zunehmend Verbreitung findet, könnte doch auch in einem schmalen Van Vorteile bringen – hier gab es so eine Aufteilung bislang nicht. Der Knackpunkt bei "Nur-Hubbett-Modellen" ist allerdings für viele potenzielle Käufer der gebotene Schlafkomfort und der Aufwand für den Bettenbau.

Bei letzterem punktet der Challenger mit seinem leisen, relativ zügigen, elektrischen Antrieb für das Schwebebett. Und auch der Tisch, der zuvor aus dem Weg geräumt werden muss, senkt sich per Knopfdruck bequem elektrisch bis auf Sitztruhenniveau ab. Die Lehnenpolster der Längsbänke müssen allerdings händisch entfernt werden, dann kann das Hubbett bis auf die Sitzpolster herabschweben und leicht – ohne Leiter oder sonstige Steighilfe – geentert werden. Mit 1,89 mal 1,40 Meter ist die Liegefläche allerdings auch nicht größer als die Querbetten in typischen Sechs-Meter-Campingbussen.

Schlafen im Challenger X 150

Das Raumgefühl ist hier dafür großzügiger und die 90 Millimeter dicke Kaltschaummatratze auf Lattenrost bietet einen guten Schlafkomfort. Die beiden ovalen LED-Leuchten mit integrierten USB-Buchsen an der Wand sitzen aber zu hoch fürs gemütliche Schmökern – sie passen besser, wenn man das Hubbett nur auf halbe Höhe absenkt und mit der beigelegten Leiter erklettert. Dann kann man sich auch die Vorarbeiten an der Sitzgruppe sparen oder alternativ mit drei bis vier Personen nächtigen, wenn man aus der Sitzgruppe mit Hilfe von zwei Zusatzpolstern ein weiteres Querbett aufbaut.

Die Sitzbänke sind längs orientiert, die rechte gut für zwei, links sogar für drei Personen geeignet – wobei der mittig Sitzende den Tischfuß zwischen die Beine nehmen muss. Dreht man noch die Fahrerhaussessel, kann der gemütliche Abend zu siebt beginnen. Die Tischplatte ist längs teilbar und erleichtert so wahlweise den Durchgang oder öffnet sich zu einer richtigen Tafel.

Die vielfache Verstellbarkeit resultiert aber in einem gewissen Mangel an Stabilität. Den Raumeindruck schmälert ein wenig die auf 1,81 Meter begrenzte Stehhöhe und auch das Fehlen eines Sitzgruppenfensters auf der rechten Seite – beides ist dem Hubbett geschuldet. Wegen der Rollokassette des Fensters müsste die Matratze sonst noch kürzer ausfallen. Die Dekokreise hier, die gleichzeitig als Pinnwand, Spiegel und Schreibfläche dienen, kaschieren die "nackte" Wand aber immerhin sehr geschickt. Außerdem lassen die beiden Panorama-Dachfenster über Cockpit und Küche reichlich Licht herein, und die drei ringförmigen Deckenlampen unten am Hubbett erhellen abends den Tisch angemessen.

Aus den Längssitzbänken lassen sich bei Bedarf auch zwei Einzelfahrplätze mit Dreipunktgurten und sogar Isofix-Ösen für entsprechende Kindersitze zaubern. Zwar ist diese Trigano-eigene Konstruktion inzwischen recht ausgereift, dennoch sind für den Umbau einige Handgriffe nötig, die man nicht täglich ausführen möchte. Doch für ein 2+2-Mobil passt das schon.

Wenig Stauraum

Mehr schmerzt da schon der Stauraumverlust durch die aufwendige Sitzkonstruktion in den Truhen – Sitze, die man wahlweise ganz herausnehmen und zu Hause lagern könnte, wären hier von Vorteil.

Immerhin bleiben noch drei, vier Fächer für Kleingepäck übrig, die aber – bis auf das Schuhfach am Einstieg – nicht direkt zugänglich sind. Hängeschränke fehlen ganz im Fahrzeug – mit Ausnahme der Küche. Einiges ausbügeln kann aber der raumhohe Kleiderschrank, der rechts hinten platziert ist. Unter dem Hängeabteil finden sich noch acht Wäschefächer, in denen einiges unterkommt. Clever: Die Tür des Kleiderschranks kann auch als Raumteiler über den Gang hinweg geschlossen werden.

Gegenüber führt eine weitere Tür von innen zum schmalen, hohen Außenstaufach, das so konstruiert ist, dass gerade zwei Klappstühle und ein Campingtisch hineinpassen. Damit muss man klarkommen. Fahrräder kommen auf den Heckträger, am besten in absenkbarer Form, denn er muss weit oben montiert werden, wegen der hohen Rückleuchten.

Von innen sind noch zwei Fächer über und eine Schublade unter dem Außenstaufach nutzbar, so dass der Stauraum für Kleidung und Reiseutensilien für zwei Personen insgesamt aber befriedigen kann.

Im geräumigen Heckbad nimmt ein üppiger Spiegelschrank mit drei Fächern die Badutensilien auf. Erstaunlich groß ist auch das Waschbecken, das darunter aus der Wand über die Toilette klappt, mit solider Metallarmatur und Abstellfläche drumherum. Am erstaunlichsten ist aber – angesichts der Fahrzeuggröße – die Duschecke gegenüber, die sich per leicht laufender Rollotür fix abtrennen lässt und neben sehr viel Bewegungsfreiheit auch sechs Ablagenischen und eine Kleiderstange bietet.

Auch der Küchenblock hat mehr zu bieten als in den meisten Campingbussen. Seine Tiefe ermöglicht vor Spüle und Zweiflammkocher noch ein Stück gut nutzbarer Arbeitsfläche. Zudem gibt es eine relativ große Klappverlängerungsplatte, ausreichend Stauraum in Hänge- und Unterschränken sowie einen 139-Liter-Absorberkühlschrank gegenüber.

100 Liter fassen Frisch- und Abwassertank, 100 Amperestunden die Bordbatterie. Da eine Eberspächer Kraftstoffheizung eingebaut ist, verzichtet man auf eine zweite Gasflasche. Warmes Wasser erzeugt ein separater Gasboiler.

Wie alle Challenger hüllt sich auch der X 150 rundum in GfK und ist mit XPS gedämmt. Das schwarze Kunststoffteil über dem Cockpit mit dem integrierten Skyroof-Dachfenster wird im modernen P-DPCD-Verfahren hergestellt und soll besonders robust und leicht sein.

Fahren lässt sich der X 150 wie ein Sechs-Meter-Kastenwagen. Auch die Durchfahrtsbreite ist aufgrund der kurzen Spiegelarme identisch. Beim Rangieren hat er indessen sogar Vorteile, denn sein Radstand ist rund 20 Zentimeter kürzer. Die typisch straffe Ducato-Federung regt allerdings eine nervige Geräuschkulisse an.

Das fiel uns auf

(+) Skyroof-Dachfenster in der T-Haube, schwarzes Kunststoffteil soll besonders robust und leicht sein.(+) Die abklappbare Kleiderstange macht die Duschecke zum Trockenraum und Aushilfskleiderschrank. (+) Mit umgebauter Sitzgruppe können im X 150 auch vier Personen passabel nächtigen.

(+) (-) Die Aufbautüre ist rundum gut ausgestattet – mit 50 cm Breite ist der Einstieg aber schmal.

(-) Abwasserschieber im Spritzbereich des Hinterrads. Frostschutz für Abwassertank nur optional. (-) Heckdesign hin oder her – dass der Fahrradträger so hoch montiert werden muss, ist keine gute Idee.

Challenger X 150

  • Länge/Breite/Höhe: 5,99/2,10/2,75 m
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Gurte/Schlafplätze: 4/2–4
  • Grundpreis ab 59.990 Euro

Daten und Messwerte

Auf- und Ausbau: Sandwich-Bauweise, PU- und Holzverstärkungen, außen rundum GfK, innen foliertes Sperrholz, Isoliermaterial Wand/Dach/Boden XPS-Schaum, Wandstärke Wand/Dach/Boden 30/55/64 mm, kein Doppelboden, 2 Kunststoff-Isolierfenster mit PU-Rahmen, 1 Dachhaube, 2 Panorama-Dachfenster.

Bordtechnik: Kraftstoff-Gebläseheizung Eberspächer, 4000 W, 5 Ausströmer (3 x Sitzgruppe, Küche, hinterer Gang/Bad), Gas-Boiler Truma BG 10, Wasseranlage: Frisch- und Abwasserrohre, Druckpumpe.

Basisfahrzeug: Fiat Ducato 140 Multijet, Flachrahmen, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2287 cm3, Leistung 103 kW/140 PS bei 3600/min, Drehmoment 350 Nm bei 1400/min, Sechsgang-Schaltgetriebe.

Fahrleistungen: Beschleun. 0–50/80/100 km/h 5,1/12,0/20,4 s; Elast. 60–80/100 km/h (4.//5. Gang) 6,5/14,7//13,3/21,4 s, 80–100 km/h (6. Gang) 8,2 s, Testverbr. 10,8 L/100 km.

Wertung

Technische Daten:

Combo

Leistung: 104 KW (140 PS)

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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