Aktuell - Chip-Mangel in der Auto-Industrie: Halbleitermangel kostet Autobauer 210 Milliarden

Aktuell - Chip-Mangel in der Auto-Industrie: Halbleitermangel
kostet Autobauer 210 Milliarden
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Aktuell - Chip-Mangel in der Auto-Industrie: Halbleitermangel kostet Autobauer 210 Milliarden

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Kurzarbeit, lange Lieferzeiten, nicht mehr bestellbare Modelle, halbfertige Autos auf Halde. Die Halbleiter-Krise hat aktuell massive Auswirkungen auf die Autoindustrie und den Automarkt. Vermutlich 2023 oder erst 2024 ist eine Entspannung in Sicht. Hier die aktuelle Entwicklung im Chip-Mangel-Ticker.

Verluste doppelt so hoch wie prognostiziert

Die Verluste, die die Autohersteller wegen der Halbleiterkrise hinnehmen müssen, sind anscheinend doppelt so hoch wie noch Anfang 2021 vorausgesagt. Die Beratungsfirma Alix Partners geht inzwischen davon aus, das den Herstellern Einnahmen in Höhe von 210 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet zirka 178,9 Milliarden Euro) entgehen. Im Mai 2021 hatten die Berater die Verluste noch auf 110 Milliarden Dollar (93,7 Milliarden Euro) geschätzt. Damit im direkten Zusammenhang stehen die Autos, die die Hersteller wegen fehlender Prozessoren nicht bauen können. Im Mai hieß es noch, dass der Verlust 3,9 Millionen Fahrzeuge beträgt, jetzt gehen Analysten von 7,7 Millionen nicht produzierten Fahrzeugen aus.

10.9.2021 – Intel sucht Europa-Standort für gigantische Chipfabrik

Der US-Halbleiterhersteller Intel möchte in Europa eine riesige Chipfabrik bauen, die Prozessoren für die Autoindustrie herstellt. 2019 betrug der Kostenanteil von Prozessoren an einem Auto laut Intel im Durchschnitt vier Prozent. Bis 2030 steigt dieser Anteil nach Einschätzung der Halbleiterspezialisten auf 20 Prozent. Dafür sorgen unter anderem viele neue Funktionen, wie beispielsweise das teilautonome Fahren. Intel betont, dass man den Standort in Europa suche, weil hier die Autoindustrie verwurzelt sei. Bis Ende 2021 möchte Intel den Standort gefunden haben. Von den über 70 Bewerbungen kamen die meisten aus Deutschland – zehn deutsche Standorte sind noch im Rennen. Intel fordert mindestens fünf Quadratkilometer Fläche, Elektrizität, Wasser, Talente und Anreize. Mit Anreizen sind die bei solchen Projekten üblichen finanziellen Unterstützungen durch den Steuerzahler gemeint. Intel möchte ähnliche Geldspritzen, wie sie in Asien üblich seien – das heißt, eine Kostenbeteiligung von Land und EU in Höhe von 20 bis 30 Prozent. Im Gegenzug sollen acht Fab-Komplexe mit je 1.500 Arbeitsplätzen entstehen – jeder Arbeitsplatz soll fünf bis zehn weitere Arbeitsplätze bei externen Dienstleistern nach sich ziehen. Intel scheint mit dem Projekt auch Marktanteile zurückerobern zu wollen: Das alte Kerngeschäft mit PC-Prozessoren schrumpft und bei Prozessoren für Smartphones, Tablets, Fernseher und andere elektronische Geräte hat Intel aktuell gegenüber der Konkurrenz das Nachsehen.

3.9.2021 – GM stoppt Produktion in acht Werken, Ford stoppt Pick-up-Fertigung

Die Halbleiterkrise verschlimmert sich: GM muss jetzt die Produktion in acht Werken für mindestens zwei Wochen pausieren. Die Produktionsstopps betreffen auch die gewinnträchtige Pick-up-Fertigung in den Werken Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana und mexikanischen Werk Silao (beide Chevrolet Silverado und GMC Sierra). Außerdem sind das Werk Wentzville (mittelgroße Lastwagen und Transporter) in Missouri, die Werke Ingersoll in der kanadischen Provinz Ontario und San Luis Potosí in Mexiko (beide Equinox), das Werk Delta Township (Chevrolet Traverse und Buick Enclave) in Michigan, das Werk Spring Hill (GMC Acadia, Cadillac XT5 und XT6) in Tennessee und das Werk Ramos (Chevrolet Blazer) in Mexiko bis zum 27. September geschlossen.

Ford stoppt Produktion seines wichtigsten Modells

Pick-ups gehören bei US-amerikanischen Autokonzernen zu den Brot-und-Butter-Autos – das in Nordamerika volumenstarke Segment sorgt für sichere Gewinne. Ford ist jetzt gezwungen, auch bei den wichtigen Pick-ups die Produktion zu drosseln. So steht die Produktion im Werk Kansas City (in Claycomo im US-Bundesstaat Missouri, 16 Kilometer nordöstlich von Kansas City) still. Mit dem F-150 baut Ford dort das seit über 40 Jahren kontinuierlich meistverkaufte Modell auf dem US-amerikanischen Markt. Außerdem läuft dort der Transit vom Band. Im F-150-Werk in Dearborn (Michigan) und im Werk Louisville (Ford Escape und Lincoln Corsair) in Kentucky fallen zudem Schichten weg.

Chipmangel verschärft sich aktuell massiv

Die von den Autoherstellern in Sachen Chipmangel ersehnte Erholung ist nicht in Sicht – aktuell verschlimmert sich die Lage. Branchenanalysten gehen davon aus, dass dies mit der Delta-Variante des Corona-Virus zusammenhängt, die die Mitarbeiter in asiatischen Chipfabriken befallen hat. Wegen des unter den Mitarbeitern grassierenden Virus mussten einige Fabriken schließen. Dass die Lagerbestände bis ins Jahr 2022 knapp bleiben, halten viele Experten inzwischen für gesetzt. Die Auswirkungen der Produktionsstopps sind bereits jetzt gravierend: In den USA stehen aktuell eine Millionen Neuwagen bei den Händlern – im September 2019 waren es noch 3,58 Millionen Neuwagen. Der Verkauf des Bestsellers Ford F-150 ging im August um 23 Prozent zurück – weil Ford nicht liefern kann. Das knappe Angebot und die damit verbundenen hohen Preise frustrieren wiederum die Kunden, die deshalb teilweise auf die Neuanschaffung eines Fahrzeugs verzichten.

2.9.2021 – Wartezeit auf Neuwagen, weniger Sicherheitsausstattungen, Subaru macht dicht

Wegen des weltweiten Halbleitermangels verlängern sich die Wartezeiten auf Neuwagen permanent. Die Hersteller bevorzugen bei der Produktion ihre Volumenmodelle und/oder die Modelle, die die höchsten Gewinne versprechen. Bei anderen Autos beträgt die Wartezeit inzwischen bis zu 14 Monate – dies gilt zum Beispiel für die Audi-Modelle E-Tron GT und den Q4 E-Tron, den Dacia Spring und den Mercedes A 250 E.

Subaru stoppt komplette japanische Produktion

Subaru stellt wegen des Chipmangels seine gesamte japanische Produktion ein. Vom 4. bis zum 10. September steht die Fertigung in den Werken Yajima (BRZ, Crosstrek, Impreza, WRX, STi und Forester) und Oizumi (Motoren und Getriebe) still. Die US-Fabrik in Lafayette im Bundesstaat Indiana ist vorerst nicht von der Produktionspause betroffen. Im April musste Subaru seine Produktion schon einmal pausieren – damals für 13 Tage. Dadurch konnten die Japaner 10.000 Autos nicht bauen. Der erneute Produktionsstopp könnte zu einem Verlust von weiteren 10.000 Autos führen.

Toyota reduziert Produktion um 40 Prozent

Auch Toyotas Produktion leidet zunehmend unter der Halbleiterkrise. Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Autoherstellern hatten die Japaner einen großen Chip-Vorrat angelegt, weshalb sie bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind. Jetzt gehen die Vorräte zur Neige: Toyota reduziert seine weltweite Produktion im September um drastische 40 Prozent. Die Japaner gehen für 2021 von einem Produktionsausfall in Höhe von 208.000 Autos aus.

Volvo und Ford reduzieren Sicherheits-Ausstattung

Volvo und Ford sehen sich wegen der Halbleiterknappheit gezwungen, auf optionale Sicherheitsfeatures zu verzichten. So entfallen beispielsweise beim Ford Puma in der ST-Ausstattung der Fernlichtassistent, die Einparkhilfe hinten, der Spurhalteassistent, die Spurverlassenswarnung, der Pre-Collision-Assistent mit automatischer Notbremsung (AEB), die Multikollisionsbremse und die Fußgänger- sowie Radfahrererkennung. Auch bei den Ausstattungslinien anderer Modelle entfällt ein Teil dieser Ausstattung. Wer sein Auto trotzdem mit der genannten Ausstattung haben möchte, muss ein bis zwei Monate mehr Wartezeit einplanen. Durch den Entfall von AEB und Spurverlassenswarner ist der Puma nicht mehr für seine ursprüngliche Fünf-Sterne-Euro-NCAP-Wertung qualifiziert.

Volvo muss aufgrund fehlender Prozessoren den Umfang seines Driver-Awareness-Pakets reduzieren. Das Paket enthält einen aktiven Totwinkel-Warner, einen Querverkehrswarner mit Bremsassistent sowie den Heckaufprallschutz RCWM (Rear Collision Warning and Mitigation). Volvo betont, dass die Reduktion des Paketumfangs keinen Einfluss auf die Euro-NCAP-Bewertung des XC60 hat. Der Hersteller kontaktiert jetzt alle Besteller eines XC60 und fragt, ob sie ihr Fahrzeug mit dem reduzierten Sicherheitspaket haben oder auf eine spätere Auslieferung warten wollen.

Tesla Roadster verzögert sich

Tesla-Chef Elon Musk verkündet, dass die zweite Generation des Tesla Roadster nicht vor 2023 auf den Markt kommt. 2021 sei ein superverrücktes Jahr und es bringe nichts, neue Modelle zu bringen, die man dann nicht ausliefern kann. Der Starttermin 2023 gilt zudem auch nur, wenn 2022 "nicht dramatisch wird".

1.9.2021 – Ford Bronco nicht mehr online reservierbar

Interessenten können den Ford Bronco nicht mehr online reservieren. Aufgrund des Chipmangels, aber auch wegen Herstellungsproblemen beim Dachzulieferer, kommt Ford nicht mehr mit der Produktion hinterher. Wer sich jetzt einen Bronco reservieren möchte, muss dies direkt beim Händler machen. Im Oktober möchte Ford die Reservierungsmöglichkeit wieder online nehmen – dann können Kunden die 2022er-Modelle bestellen.

31.8.2021 – Stellantis muss Produktion in mehreren Werken stoppen

Der aus der Fusion von Groupe PSA (PSA) und Fiat Chrysler Automobiles (FCA) hervorgegangene Autohersteller Stellantis muss aufgrund der Halbleiter-Krise die Produktion in mehreren seiner nordamerikanischen Werke für mindestens eine Woche pausieren. Von den Schließungen betroffen sind die Werke Sterling Heights (RAM 1500) im US-Bundesstaat Michigan, Belvidere (Jeep Cherokee) im US-Bundesstaat Illinois sowie Windsor (Chrysler Pacifica und Voyager) und Brampton (Dodge Challenger, Charger und Chrysler 300) in der kanadischen Provinz Ontario.

30.8.2021 – VW Nivus ohne Infotainment-System

VW muss den Nivus in seiner Basisausstattung aktuell ohne Infotainment-System ausliefern. Der in Brasilien angebotene kompakte SUV bekommt zwar einen Bildschirm für den Fahrer, aber in der Mittelkonsole sitzt jetzt dort, wo normalerweise der Infotainment-Touchscreen leuchtet, eine schwarze Kunststoffplatte. Die zum Serienumfang des Basis-Nivus gehörende Rückfahrkamera ergibt somit erst Sinn, wenn die Nachrüstung des Mittelkonsolen-Bildschirms möglich ist. Wer schon bei der Auslieferung einen Mittelkonsolen-Bildschirm für seinen Nivus möchte, kann den aufpreispflichtigen 6,5-Zoll-Bildschirm (umgerechnet zirka 300 Euro) oder das Play-&-Tech-Paket (umgerechnet 745 Euro) bestellen. Der Nivus basiert auf dem T-Cross und kommt Ende 2021 als Taigo auch in Deutschland auf dem Markt. Ob und wenn ja wie sich der Chipmangel auch auf den Taigo auswirken wird, kann VW noch nicht abschätzen.

30.8.2021 – GM pausiert Produktion von Dieselmotor

Aufgrund des Chipmangels muss GM die Produktion seines 3,0-Liter-Duramax-Dieselmotors (LM2) pausieren. Der amerikanische Autohersteller möchte die Fertigung zwar so schnell wie möglich wieder aufnehmen, kann aber noch nicht abschätzen, wann dies soweit sein wird. In einem Schreiben ermutigt GM seine Händler, den Kunden anstelle des Dieselmotors entweder den 5,3-Liter-V8-Benziner (L84) oder den 6,2-Liter-V8-Benziner (L87) anzubieten.

20.8.2021 – Toyota kürzt Produktion in 14 Werken

Der weltgrößte Autohersteller Toyota muss seine Produktion dramatisch kürzen. Wie die japanische Tageszeitung "Nikkei" berichtet, werde Toyota im September nur rund 500.000 Fahrzeuge wegen des Engpasses an Halbleitern produzieren können. Weltweit sind dem Bericht zufolge 14 Werke betroffen. Die Produktion in Nordamerika, China und Euro werde wahrscheinlich um zehntausend Autos gesenkt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters produziert das Toyota-Joint-Venture im chinesischen Guangzhou bereits auf einer Fertigungslinie nicht mehr.

Bisher ist Toyota besser als andere Autohersteller durch die Chip-Krise gekommen, da sich seit Jahren größere Teile-Vorräte unter anderem an Halbleitern angelegt hat.

19.8.2021 – Kurzarbeit bei Audi

In den Audi-Werken in Ingolstadt und Neckarsulm müssen 10.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. So stehen im Stammwerk in Ingolstadt alle Bänder bis zum 30.8.2021 still. Während zwei Linien wegen des Halbleiter-Mangels nicht mehr produzieren können, wird die Linie 1 auf die Produktion für den Audi Q6 E-Tron umgerüstet. 6.000 Audi-Werker müssen hier in Kurzarbeit. Im Werk in Neckarsulm sind rund 4.000 Arbeiter betroffen. Für September hat Audi ebenfalls Kurarbeit angemeldet. Bereits seit Anfang 2021 konnten rund 50.000 Fahrzeuge wegen fehlender Bauteile nicht gebaut werden.

19.8.2021 – Mercedes stellt V8-Modelle in den USA ein

Mercedes setzt den Verkauf von vielen V8-Modellen in den USA aus. Insgesamt 17 Modelle (siehe Fotoshow) sind von dem Verkaufsstopp betroffen. Als Grund werden unter anderem "Probleme in der Lieferkette" insbesondere bei den Halbleitern genannt.

18.8.2021 – Zweitgrößter Hafen in China dicht

Wegen der Corona-bedingten Schließung eines Terminals in Chinas zweitgrößtem Hafen Ningbo werden die globalen Lieferketten gestört. Über 50 Containerschiffe warten dort bereits auf die Abfertigung. Am 10.8. wurde ein Hafenarbeiter positiv auf Corona getestet, das Terminal weitgehend geschlossen. Die teilweise Wiedereröffnung ist nicht vor dem 24.8. geplant. Große Reedereien müssen nun auf andere Häfen ausweichen, was dort zu Verzögerungen führt.

17.8.2021 – Basismodelle von VW ID.3 und Golf nicht mehr bestellbar

Bei Volkswagen sind aufgrund der Halbleiterkrise die Basismodelle vom Golf sowie vom ID.3 nicht bestellbar. Wer bereits eines dieser Fahrzeuge bestellt hat, muss mit vier Monaten Wartezeit rechnen. Neubestellungen sind erst ab 2022 wieder möglich.

16.8.2021 – Daimler mit Kurzarbeit

Daimler passt nach eigenen Angaben permanent seine Produktion zum Beispiel in Rastatt, Kecskemét und Bremen den vorhandenen Liefermöglichkeiten an. In Rastatt und Bremen gibt es jedoch ebenso Kurzarbeit, wir für das Werk in Sindelfingen am 19. und 20. August. Die Kurzarbeit in Sindelfingen betrifft nach Angaben der Stuttgarter Zeitung vor allem die Produktion der E-Klasse. Die Herstellung der S-Klasse und des EQS in der Factory 56 läuft uneingeschränkt weiter.

22.7.2021 – BMW kann 40.000 Autos nicht bauen

BMW ist von der Halbleiter-Krise zwar nicht so heftig betroffen wie beispielsweise die großen amerikanischen Autohersteller Ford und GM, aber auch die Bayern kämpfen zunehmend mit den Lieferengpässen. Der Nachrichtenagentur Reuters haben BMW-Verantwortliche bestätigt, dass fast sämtliche deutschen Produktionsstandorte unter der Krise leiden. Aktuell kann BMW zirka 10.000 Autos nicht zu Ende bauen, weil die entsprechenden Prozessoren fehlen. Schon bisher konnte der bayerische Hersteller 30.000 Autos aufgrund des Chipmangels nicht produzieren. Die Produktion im wichtigen Werk Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina, wo die meisten BMW-SUV-Modelle vom Band laufen, soll hingegen bis Ende 2021 gesichert sein.

Halbleiter und Autobau

In neuen Autos können mehr als 100 Halbleiter-Elemente stecken. Fehlt auch nur ein einziges, kann das die Produktion des entsprechenden Modells stoppen.

Wie lange der Halbleitermangel anhält, lässt sich aktuell nur schwer einschätzen. Michael Hogan, Senior Vice President beim großen Halbleiter-Auftragsfertiger Globalfoundries, geht davon aus, dass von einer Bestellung eines Autoherstellers bis zur tatsächlichen Lieferung 20 bis 25 Wochen vergehen könnten. Da Globalfoundries schon bisher ein großer Lieferant für die Autoindustrie war, betont Hogan, dass man alles tue, um die Produktion für die Autoindustrie zu priorisieren.

Der wirtschaftliche Schaden

Dass die Autoindustrie wahrscheinlich noch lange mit der Halbleiter-Krise zu kämpfen hat, zeichnet sich immer stärker ab. Die Analysefirma Gartner erwartet inzwischen für bestimmte Teilbereiche eine Erholung für frühestens 2023 oder sogar 2024. Erst dann stehen, insbesondere für Speicherchips, neue Fertigungs-Kapazitäten zur Verfügung. Die Autoindustrie habe es während der Halbleiter-Krise besonders schwer, da sie zum einen mit einem tiefgreifenden technologischen Wandel beschäftigt und zum anderen von den Auswirkungen der Corona-Krise gebeutelt sei. Hinzu komme, dass die Autoindustrie spezielle Chips mit einer erhöhten Ausfallsicherheit benötigt – für solche Prozessoren ließe sich bei der Fertigung schwerer eine Ausweichmöglichkeit finden. Außerdem können die Autohersteller in Sachen Marktmacht nicht mit den jährlich hunderte Millionen Exemplare absetzenden Herstellern von Smartphones und anderen elektronischen Geräten mithalten.

Das US-amerikanische Beratungs-Unternehmen Alix Partners hat anhand von neuesten Daten nachgerechnet, was der aktuelle Halbleitermangel die Autoindustrie kostet. Demnach laufen 2021 zirka 3,9 Millionen Fahrzeuge weniger vom Band, was Kosten in Höhe von 110 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet rund 90,6 Milliarden Euro) bedeutet. Damit sind die Kosten fast doppelt so hoch, wie von der Beratungsfirma noch Anfang Januar 2021 geschätzt. Damals gingen die Spezialisten von 61 Milliarden Dollar (50,2 Millarden Euro) Verlust aus. Die Unternehmensberater vermuten, dass die Autohersteller nur einen kleinen Teil dieser Verluste durch den Abbau von Lagerbeständen abfedern können.

Die Hintergründe

Die Gründe für den Mangel an den wichtigen elektronischen Bauteilen sind nämlich bei einem Teil der Autohersteller auch hausgemacht: Mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie haben einige, in Erwartung von stark einbrechenden Absätzen, ihre Bestellungen zurückgefahren.

Gleichzeitig haben die Hersteller von für Homeoffice notwendiger Elektronik deutlich mehr Prozessoren geordert, um in ausreichender Menge Laptops, Webcams, Tablets und 5G-Smartphones bauen zu können. Schließlich brauchen nicht nur Unternehmens-Mitarbeiter leistungsstarkes Elektronik-Equipment für ihren Arbeitsplatz zu Hause, auch die Unternehmen selbst mussten auf diesem Gebiet teilweise massiv nachrüsten.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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