Audi Q8 60 TFSI e (PHEV): Zwei Zylinder weniger, ein Motor mehr

Audi Q8 60 TFSI e (PHEV): Zwei Zylinder weniger, ein Motor
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Audi Q8 60 TFSI e (PHEV): Zwei Zylinder weniger, ein Motor mehr

© mlan2019

Der Akku im Heck macht den großen SUV noch schwerer, dafür bewegen sich seine gut 2,5 Tonnen auch rein elektrisch. Und wie fährt er insgesamt?

Über die Sinnhaftigkeit von SUV Coupés ist schon viel geschrieben worden, über die von Plug-in-Hybriden auch. Die Kombination aus beidem muss wahrscheinlich mit den Vorwürfen aus beiden Welten leben. Aber vielleicht fangen wir lieber mit den Vorteilen an: Der Q8 mit Plug-in-Hybrid-Antrieb darf wie seine Brüder immer noch 3,5 Tonnen Anhängelast an den Haken nehmen. Und hängt da nichts dran, sprich bleiben die Pferde im Stall und das Boot im Wasser (was meist der Fall sein dürfte), schafft der Q8 PHEV immerhin 45 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP. Mehr gibt die Lithium-Ionen-Batterie unter dem Gepäckraum mit 17,9 kWh nicht her, aber das reicht für die Halbierung der Dienstwagensteuer. Das ist gut, denn als 60 TFSI e kostet der Audi 95.200 Euro. Noch ein Vorteil: Ein permanenter Allradantrieb inklusive mechanischem Mittendifferenzial kümmert sich im Verbund mit allerlei Rechnern um die stimmige Verteilung von 700 Nm Systemdrehmoment.

Sehr gute Fahrleistungen

Gleichzeitig ist die Gesamtleistung weit von einer Halbierung entfernt: 340 kW sind nach alter Währung 462 PS, wobei der E-Motor, eine permanent erregte Synchronmaschine (PSM) im Gehäuse der Achtgangautomatik, "nur" 100 kW (136 kW) hat. Vor allem dank seiner Drehmoment-Dreingabe reicht im Bug ein V6 statt des noch kräftigeren V8.

Der V6 leistet wie beim klassischen Benziner (55 TFSI quattro) 340 PS. Und so ein warmherziger Sechszylinder klingt auch sehr heimelig. Der Tank fasst dankenswerterweise trotz E-Unterstützung 75 Liter Sprit, so dass die Gesamtreichweite selbst bei höherem Tempo (Spitze 240 km/h) schon um mehr als Faktor 10 über der elektrischen liegen sollte – es sei denn, man nutzt das Spurtvermögen (0 bis 100 km/h in 5,4 Sekunden) ständig und mit Hänger.

Leise und komfortabel

Genug der Theorie: Gestartet wird immer nur flüsterleise im E-Betrieb. Da der Elektromotor allein schon 400 Nm generiert, fehlt es dem Dickschiff nicht an Schubkraft. Wer es nicht allzu stürmisch angeht, entschleunigt sich so bis 100 km/h immer weiter im rein elektrischen Fahren. So bleibt Zeit, den enormem Federungskomfort der serienmäßigen Luftfederung zu würdigen und in aller Ruhe einmal durch die vielen (7) Fahrprogramme und zahlreichen Untermenüs zu scrollen. Um alles zu erfahren und in der Folge zu beschreiben, bräuchte es sicher einige Stunden, aber unsere Runde ging nur über rund 60 Kilometer.

Zwei Motoren, ein Herz und eine Seele

Fest steht aber, dass V6 und E-Motor insbesondere im Hybrid-Modus prächtig harmonieren und man die Segelei im Schubbetrieb ebenso schnell schätzten lernt wie die gewaltige Rekuperationsleistung, wohlgemerkt nur im S-Modus. Bis zu 85 kW holt sich der Q8 hier wieder rein. In diesem Zusammenhang ungemein wichtig ist auch das Bremsverhalten. Auch das meistert der schwere SUV sehr galant, wobei man sich an die generell hohe Pedalkraft erstmal gewöhnen muss.

An all den üblichen Systemen für Akkukapazität (Charge & hold) oder prädiktiven Effizienzassistenten, gekoppelt an Karten, Kameras und vielem mehr fehlt es dem Audi ebenso wenig. Eher schon an Ladekraft. Mehr als 7,4 kW Ladeleistung kann er nicht aufnehmen.

Weniger Kofferraum, weniger Schmankerl

Nachteile? Wie bei allen Plug-in-Hybriden fällt der Laderaum kleiner aus. Im Q8 sind es exakt 100 Liter weniger. Ein verbleibendes Volumen von 505 Litern klingt immer noch ordentlich, aber der Q8 ist ja auch sein sehr großes Auto, da wirken 605 Liter einfach angemessener. Auf fahrdynamische Nettigkeiten wie Allradlenkung oder Wankstabilisierung müssen PHEV-Fahrer ebenfalls verzichten. Die bietet der SQ8 zum Preis von 103.700 Euro, der trotz 507 PS starkem V8 gar nicht mal so viel schneller unterwegs (0-100 km/h: 4,1 zu 5,6 Sekunden) ist, als der beindruckend gut gemachte PHEV.

In dem müssen seine Käufer hoffentlich auf dem Weg zur Arbeit oder anderen kürzeren Strecken selbst ihre zwei Zylinder weniger nicht anwerfen. An der Lademöglichkeit zu Hause dürfte es in diesem Preissegment nicht scheitern. Die Installation einer Wallbox fördert der Staat ja aktuell mit 900 Euro. Das ist fast ein Prozent des Listenpreises des Q8 60 TFSI.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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