BMW Z3 Coupé 2.8 (1998-2002): Youngtimer-Restaurierung

BMW Z3 Coupé 2.8 (1998-2002): Youngtimer-Restaurierung
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BMW Z3 Coupé 2.8 (1998-2002): Youngtimer-Restaurierung

© Sven Wedemeyer

Vor 23 Jahren verliebte sich unser Autor Sven Wedemeyer unsterblich in das BMW Z3 Coupé.Nun konnte er sich den Jugendtraum vom Turnschuh endlich erfüllen – und einen maladen Gebrauchten zum perfekten Future Classic umstricken.

Als das bald darauf gern "Turnschuh" genannte BMW Z3 Coupé 1997 auf der IAA stand, konnte die Öffentlichkeit den Zweitürer mit dem Pummelheck nur schlecht einordnen. Der Z3 Roadster war schon zwei Jahre auf dem Markt und fuhr – trotz oder wegen des lächerlichen Auftritts im Bond-Film "Goldeneye" – direkt in die Herzen der Kunden.

Beim Coupé war das anders. Es sollte nie zum Bestseller werden. Was es heute umso begehrenswerter macht. Denn es bringt alles mit, was einen künftigen Klassiker ausmacht: sportliche Attribute, ikonisches Design und eine subtile Andersartigkeit. Vor allem aber Seltenheit, das Salz in der Suppe sozusagen. Ein gutes Rezept also, zumal das Coupé als Kind der 90er-Jahre Vergangenheit und Moderne perfekt verbindet. Airbags, ABS und Klimaanlage sind ganz selbstverständlich an Bord des BMW, während der feine Sechszylinder noch frei atmen darf und kein fieser CAN-Bus durch den Kabelbaum marodiert. Kurzum: Das Z3 Coupé repräsentiert für mich die ideale Schnittmenge von Alltagstauglichkeit, Dynamik und automobiler Faszination.

Teenage Dreams

1997, ich war gerade 15, war mir das allerdings noch völlig egal. Mich reizten einfach nur das schräge Design und der Mythos des Motors. Vor allem, weil ich angesichts meiner Jugend nur einen lindgrünen Passat B1 – Automatik, Rost, 60 PS – illegal durch brandenburgische Wälder trieb. Sechs heiße Zylinder mit 193 Pferden, im M sogar deren 321, für einen Teenager waren das Fabelwerte. Hinzu kam die verdammt geile Linie mit den breiten Backen. Männlich, potent und sportlich wirkte sie, und sie tut es noch heute.

Für den kleinen Sven, der in drei Jahren seine Auto-Karriere mit einem gebrauchten Ford Ka beginnen sollte, war das einzigartige BMW-Coupé nichts weniger als die süße Versprechung einer weit entfernten, erwachsenen Welt. Keine Frage: Ich war mächtig verknallt! Auch heute noch polarisiert das Z3 Coupé wie zu seiner Präsentation vor 23 Jahren. Man liebt oder man hasst es. Jedoch hat der Zahn der Zeit die spitze Optik etwas entschärft, sodass man mit dem Turnschuh heute unterm Radar fährt. Die frühere Schrulligkeit des Hatchbacks wich längst schlichter Eleganz. An der Ampel dreht sich auf jeden Fall niemand mehr nach dem BMW um. Woher ich das weiß? Vor knapp zwei Jahren habe ich beschlossen, mir den Traum vom Z3 zu erfüllen. Es war Zeit.

Klare Vorstellungen

Auf der Suche nach dem besten Exemplar zum besten Preis ging ich – wie immer beim Kauf eines neuen Vehikels – mit purem Wahnsinn ans Werk. Ich bastelte mir Excel-Tabellen mit komplexen Funktionen, um anhand von Laufleistung, Preis sowie Bonuspunkten für besondere Ausstattungsmerkmale ein Ranking der potenziellen Angebote zu erstellen. Die NASA betrieb sicher weniger Aufwand beim Berechnen der ersten Mondlandung. Da die Preise gut erhaltener Modelle längst wieder stiegen, lag ich mit dieser rationalen Strategie goldrichtig. Und verfiel nicht gleich der erstbesten Option, etwa einem ausgelutschten M Coupé.

So stellte sich alsbald heraus, dass für mich nur eine Kombination infrage kam: 2,8 Liter, Doppelvanos, Schaltgetriebe (was sonst?), Leder in Rot oder Schwarz, Lack in Silber. Bei vielen Angeboten mit schwarzem Lack ging mir die bombastische Form in der Farbe verloren. Silber hingegen setzt sie in Szene. Folglich mussten sich Laufleistung und Zustand meiner verkopften Herangehensweise unterordnen. So fand ich nach vielen enttäuschenden Probefahrten – es waren sicher sechs oder sieben, verteilt in ganz Deutschland – meinen Sieger der Herzen. Dass das 98er-Coupé mit gut 140.000 Kilometern auf der Uhr ein paar Mängel hatte, war bekannt, aber Nebensache. Ich freute mich wie ein Kind, einen ganz frühen Doppelvanos mit roten Sitzen ergattert zu haben. Es war klar: Bald würde ich dem Ding an die Wäsche gehen – weil die hochglanzpolierten 19-Zöller vom E46 M3 zu wuchtig wirkten und Kratzer im Lack nach Aufmerksamkeit schrien.

An die Wäsche gehen, ha! Das klingt nach einer Woche entspannter Bastelei. Doch natürlich artete mein Vorhaben im Nullkommanichts aus. Meine Freundin erkennt hier längst ein Muster. Aber egal – es gab viel zu tun. Zwar war ich über die vom Vorbesitzer montierten M-Spiegel glücklich, weil die serienmäßigen Teile wie Elefantenohren aussehen. Und auch die authentisch orangen Standleuchten fand ich genial, gerade weil man sie vor zehn Jahren noch rigoros gegen weiße getauscht hätte. Wie sich der Zeitgeist ändert. Doch scheinheilige Kiemen vom M, ein fehlender Heckscheibenwischer und Rost an den Schwellern führten letztlich dazu, dass die entspannte Bastelei schließlich zu einer konsequenten Teilrestaurierung mutierte.

Ran ans Blech

Weil das in den USA gebaute Coupé durchaus BMW-untypische Defizite mit sich brachte, stand zunächst das Blech im Fokus. Denn trotz werksseitiger Rostvorsorge blühten längst die Schweller. Und auch ein paar Schweißnähte unter der Hülle hatten Flugrost angesetzt. Zum Glück sind Kotflügel, Schweller und Seitenteile des Z3 nur geschraubt, sodass ich den Wagen innerhalb von zwei Tagen komplett entkleiden konnte. Mit einer billigen Sandstrahl-

lösung ging ich dem Rost höchstpersönlich an den Kragen, musste nach der unfassbar dreckigen Angelegenheit aber einsehen, dass ich das nie wieder tun würde. Und die Schweller nicht zu retten waren. So landete das Coupé alsbald beim Lackierer, zwei neue Schweller inklusive. Auch bekam der gute Mann die Aufgabe, die schwarzen Türgriffe in Wagenfarbe zu hüllen.

Kleiner Aufwand, große Wirkung, wenngleich Wortmeldungen erboster Dogmatiker wohl zu erwarten sind. Doch sei’s drum. Während der Z3 in der Lackierkabine trocknete, hatte ich genügend Zeit, um mir über neue Räder Gedanken zu machen. Because Wheels make the Car! Michelins famoser PS4-Gummi war als persönliche Referenz für sportliche Straßenreifen längst gesetzt. Doch in Sachen Optik schwankte ich irgendwo zwischen Tokyo Drift, Momo-Ästhetik und BBS.

Vor allem auf der Suche nach edlen Kreuzspeichen aus dem Schwarzwald kippte ich stumpf vom Hocker. Was für Preise! So blieb nur der günstige Aftermarket. Gebrauchte Serienware von BMW schien mir mit maximal 17 Zoll dann doch zu mickrig. Dank des Heil versprechenden Internets war ich nach etlichen Photoshop-Versuchen in der Lage, Musterfelgen zu bestellen. Dann prüfte ich die 18-Zöller mit großer Vorsicht, immer eine potenzielle Retoure im Kopf. Etliche Formen und Einpresstiefen hingen zwischenzeitlich im Radhaus. Stück für Stück wuchs so die Erkenntnis, dass dezentes Alu (mit moderat erweiterter Mischbereifung 225/245) am besten zu meinen Vorstellungen passte. Der aggressive Japan-Style schien mir des Turnschuhs unwürdig. Räder in schlichtem Y-Design – mit selbst gebauten Nabendeckeln sowie Propeller-Logo veredelt – fanden meine Zustimmung.

Nun begann der eigentliche Kampf. Auf der Suche nach Lösungen für allerlei kleine Problemchen entpuppte sich das Coupé als widerspenstiger Plastikbomber. Um die zerkratzte Mittelkonsole auszutauschen, musste etwa das gesamte Cockpit zerpflückt werden. Versteckte Verschraubungen, abbrechende Clips und ästhetisch fragwürdige Verrenkungen meinerseits im Fußraum hatten zur Folge, dass ich den BMW in kürzester Zeit hasste. Was für eine Mistkarre! Das Problem war jedoch nicht die amerikanisch-bajuwarische Konstruktion, sondern meine verwöhnte Schrauberseele.

Ganz schön verbaut

Als Oldie-Fan, der sonst eher mit Material der 60er- und 70er-Jahre hantiert, wurde mir klar, wie integriert und ganzheitlich das Auto aufgebaut war. Geübt darin, einfach nur simple Schrauben zu lösen, musste ich jetzt vorsichtig Nippel durch Laschen ziehen, Clips clippen und um die Ecke denken. Selbstredend zerkratzt man sich dabei im Dunkel des engen, zumal schwarzen Innenraums ganz wunderbar die Hände. Ich habe dem BMW aber längst verziehen. Weil ich weiß, dass andere Karren der 90er-Jahre noch viel, ja wirklich viel verbauter sind. Hasserfüllte Grüße an den letzten Ford Scorpio!

Der Z3 aber nahm mir das Fluchen nicht übel. Genauso wenig wie den Anschluss der Seitenairbags bei verbundener Batterie. Ihn störte nicht, dass ich den Visko-Lüfter dreimal tauschte, bevor ich verstand, dass ein kurzes Mitlaufen bei kaltem Motor einfach zu seinem Wesen statt zu einem Defekt gehört. Und er war auch gnädig mit mir, als ich ihm das Ersatzrad unterm Kofferraum raubte, weil es hässlich, schwer und – wie ich finde – auch sinnlos ist. Das Coupé entpuppte sich als ziemlich verständnisvoller Kumpel. Es verlangte mir einfach nur etwas Erfahrung und logisches Denken ab.

Spätestens nachdem die Sitze ausgebaut waren, wurden wir wieder Freunde. Das taninrote Leder war vor allem an den Wangen des Fahrersitzes zermürbt. Und stach im nun blitzblanken Lack als Schandfleck hervor. Ein No-Go, dem ich mit einem Pflege- und Reparatur-Set vom Lederzentrum begegnete. Ganz erstaunt war ich angesichts des Ergebnisses, das ich mit viel Geduld (mir bis dahin unbekannt) und reichlich Feingefühl (dito!) erzielte. Nach Reinigung, teilweisem Anschliff plus Füller, frischer Färbung, Pflege und Imprägnierung sahen beide Sitze aus wie neu. Was für ein Erfolg! So langsam schälte sich aus dem schlichten Gebrauchtwagen der feine Youngtimer, den ich schon lange vor meinem geistigen Auge sah. Was folgte, war ein wahrer Marathon im Beheben BMW-Z3-typischer Schwachstellen.

Die schwergängigen, sich selbst einbremsenden Fensterheber konnte ich leicht überholen, genauso wie wackelnde Sitze, deren Lagerung in Kunststoffbuchsen alles andere als durchdacht wirkt. Ich polierte die matten Scheinwerfer mit einem günstigen DIY-Set aus dem Motorradzubehör auf und tauschte die originalen Spiegelsockel aus leicht oxidierendem Aluminium gegen Kunststoffexemplare rühriger Z3-Enthusiasten. Für jedes Problem schien es eine Lösung zu geben. Dass der Antriebsstrang wie in jedem anderen Z3 etwas Spiel hatte, neu erworbene Teleskopdämpfer die Heckklappe kaum besser stützten als die Originale oder das frisch bestellte Motorkreuz in zweifelhaftem Flugrost-Look vom Lieferanten kam, verstand ich als Beleg einer eigenwilligen, wenngleich intakten BMW-Welt.

Nun ja, dem Rost am neuen Motorkreuz rückte ich trotzdem mit Fertan, Schleifpapier und Lack, vor allem aber einer satten Dosis Hohlraumkonservierung auf den Leib. Genauso spülte ich alle Hohlräume des Wagens vom Schweller bis zum Achsträger mehrmals mit einer wachsartigen Rostschutz-Lotion. Das "Revo-Lotion 2" genannte Spray von Timemax ist für gut erhaltene Gebrauchte wie mein Coupé – mit wenig Rost und Schmutz im Verborgenen – genau das Richtige. Es ließ sich erschreckend einfach verarbeiten. Wer schon einmal große Mengen heißen Fetts mit Hochdruck in eine Karosserie blasen musste, wird den Komfort einer schlichten Sprühdose zu schätzen wissen.

Ich war auf jeden Fall begeistert und hoffe, dass die 3,5 Liter ihre Arbeit gut machen. Mit verrosteten Anbauteilen – Schlössern der Motorhaube oder Halterungen der Stabis – machte ich kurzen Prozess. Alt raus, Neu rein, fertig! Der Auspuff bekam seine Chromblende zurück, die Kofferraumklappe ihren Scheibenwischer, die Kiemen über den Seitenteilen ihr ursprüngliches Design. Das Austarieren der Karosserie war jedoch nervig, weil korrekte Spaltmaße immer eine Kaskade von Anpassungen mit sich bringen. Was habe ich geflucht!

Trotzdem kam ich dem Ziel eines soliden Z3 Coupés immer näher. Es fehlten neben dem Wechsel aller Flüssigkeiten und einer wirklich tiefgehenden Reinigung (für die ich von Freunden immer noch belächelt werde) lediglich finale Details. Denn gerade bei der Interaktion von Fahrer und Auto kann man mit einfachen Mitteln für gute Laune sorgen. Etwa mit neuen Türgriffen, nicht abgegriffenen Schaltern fürs Cockpit oder funktionierenden Lämpchen hinter den Heizungsreglern. Seit meiner letzten Schrauber-Offensive leuchtet die dritte Bremsleuchte außerdem wieder als durchgehendes Band. Und das althergebrachte Business-CD-Radio kann dank Bluetooth-Adapter nun sogar telefonieren.

Hat sich der Aufwand gelohnt?

So wurde aus dem alten Auto, ganz langsam und Stück für Stück, ein Klassiker mit Zukunft. Ob sich der Aufwand gelohnt hat? Was für eine Frage! In meiner Garage steht jetzt mein ganz persönlicher Traum. Ich kenne fast jede Schraube von meinem Z3 Coupé. Der BMW kutschiert mich seither zuverlässig durch den Alltag. Und sorgt zumindest bei Kennern für respektvolle Blicke.

Das bereits bei Kauf montierte Bilstein-Fahrwerk vom Typ B12 hat sich mit dezenter Tieferlegung (30 Millimeter) und satter Eibach-Dämpfung mehr als bewährt. Sportlich straff und (im Trockenen) sehr neutral ausgelegt, kann der breitbandige BMW damit richtig um die Ecke fliegen. Ich mag diesen Charakter.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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