Digital Matrix Light im E-Tron Sportback

Digital Matrix Light Audi e-tron Sportback Mitfahrt
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Digital Matrix Light Audi e-tron Sportback Mitfahrt

© Tobias Sagmeister / Audi

Audi wird in seinem neuen Elektro-SUV-Coupé ab Mitte 2020 einen Matrix-Beamer in den LED-Scheinwerfern anbieten. Er hilft beispielsweise, die Spur zu halten und markiert die Fahrzeugbreite auf der Straße. Wir konnten das Digital Matrix Light (DML) live ausprobieren.

Im November ist um 4:45 morgens selbst in Kaliforniens Metropole Los Angeles von Sonne keine Spur. Gebietsweise nasse Straßen zeigen, dass dieser Tag selbst nach Sonnenaufgang weniger Licht bringen dürfte – es hat tatsächlich geregnet.

Letzteres ausgerechnet jetzt lässt Stephan Berlitz, Leiter Lichtinnovationen bei Audi, die Stirn kurz in Falten legen: „Nässe reflektiert Licht, da wird der Effekt weniger gut erkennbar“, sagt er bedauernd, als wir uns gegen 5:00 Uhr an einem wenig attraktiven Parkplatz 10 Minuten von Downtown entfernt treffen. Den „Effekt“ soll das neue Digital Matrix Light von Audi im E-Tron Sportback während der Fahrt über den nächtlichen Highway zeigen. Angesichts einstelliger Temperaturen und der sich dem Ende neigenden Nacht steigen wir rasch in das vollelektrische SUV-Coupé, das gerade seine Weltpremiere auf der Los Angeles Autoshow feiert und innen doch schon ganz serienmäßig wirkt, ohne sich vor allem vorn vom Interieur des normalen E-Tron zu unterscheiden.

Leitlinien aus Licht

Routiniert steuert Berlitz das sich leise und flott bewegende E-Auto Richtung stadtauswärts. Sobald die Kameras der Assistenzsysteme Fahrbahnmarkierungen ausmachen, leuchtet zehn Meter vor dem Auto ein dezenter, aber gut erkennbarer Lichtteppich sichtbar, der auf wundersame Weise immer genauso breit ist, wie die Fahrspur und sogar Kurven nachzeichnet. In ihm markieren zweizeilige dunkle Pfeile, die in ihrer Form an das Markenlogo des kalifornischen Mineralölkonzerns Chevron erinnern, die Breite des E-Tron inklusive seiner Kamera-Außenspiegel.

Berlitz hat am Steuer keine Mühe dem Lichtteppich zu folgen und es ist auch vom Beifahrersitz gut nachvollziehbar, dass die Lichtführung ein erheblich angenehmerer Spurhaltassistent ist, als die gängigen Systeme mit Lenkimpulsen, Warntönen oder Gerüttel. Natürlich nur in der Nacht. Am Tag ist der Lichtteppich zu schwach und nicht wahrnehmbar.

Keine Blendung, keine Ablenkung für andere

Einmal lenkt Stephan Berlitz die Chevronstreifen auf den rechten Rand unserer Spur, um zu demonstrieren, wie exakt die Abmessungen den Rändern der Pfeile entsprechen. Der Fahrer des Lkw neben uns hat unsere Annäherung offenbar wahrgenommen und lenkt seinen Truck innerhalb seiner Spur ein wenig nach rechts. Das Leuchtfeld endet etwa 60 Meter vor uns. Spurwechsel unsererseits antizipiert es und breitet sich schon zuvor auf die Nachbarspur aus, um sich in der Folge harmonisch aus der vorher befahrenen Spur zurückzuziehen. Ein verblüffender, aber intuitiv sofort nachvollziehbarer Effekt.

Wenn ein Fahrzeug vor uns mit einem geringeren Abstand auf unsere Spur wechselt, verkürzt sich das Lichtfeld blitzschnell, so dass es immer unterhalb der Stoßstange des Vorausfahrenden endet. Der soll die Lichtspiele nämlich gar nicht wahrnehmen. Nur die Insassen des E-Tron sollen sie nutzen, ohne andere Verkehrsteilnehmer abzulenken oder gar zu irritieren. Das war besonders den Zulassungsbehörden wichtig und ist uneingeschränkt gelungen, wie Berlitz nicht ohne Stolz erklärt.

Integrierte Fußgängererkennung

Allerdings fehlt die Genehmigung ausgerechnet für die USA noch. Deren Erteilung ist zwar nicht ausgeschlossen, aber generell stamme die Verkehrs-Gesetzgebung in den USA speziell was Licht angehe aus den 60ern. Überhaupt wären die US-Behörden sehr skeptisch, wenn man ihnen erkläre, dass man Fahrbahnmarkierungen simulieren wolle – schließlich gehörte das zu den Aufgaben der Straßenbetreiber. Außerdem legten sie wenig Wert auf gutes Autolicht. Hier würden die meisten Fahrzeuge noch mit klassischen Halogen-Scheinwerfern unterwegs sein, während sich in Europa diesbezüglich in den letzten Jahren viel getan habe. Der Effekt ist laut Berlitz klar erkennbar: In den USA sei der Anteil tödlicher Unfälle bei Dunkelheit praktisch gleich geblieben, während er in Europa erheblich gesunken sei.

Mehr Sicherheit bringt Audis DML auch durch gute Ausleuchtung, Ausblendung von Gegenverkehr aus dem Kegel des Fernlichts und sogar von Fußgängern. Die kann DML etwa in Knöchelhöhe mit gezielten Lichtpunkten markieren, ohne sie blenden. Trotzdem hilft das dem Fahrer, Fußgänger in der Nähe nicht zu übersehen. Auf dem Highway ist zum Glück niemand zu Fuß unterwegs, so dass wir die Funktion an diesem Morgen nicht ausprobieren können.

Lichtspiele zur Unterhaltung

Die unterhaltsamen Features des DML hingegen schon. Stefan Berlitz steuert dazu einen anderen Parkplatz an. Nach dem Druck auf den Start-Stopp-Knopf projizieren die LEDs animierte Grafiken und den Schriftzug Audi e-tron an die gegenüberliegende Mauer. Gibt es die nicht, lassen sich die Lichtspiele auf dem Asphalt vor dem E-Tron bewundern, in engen Parklücken könnten sie auf dem Heck des davor stehenden Fahrzeugs dann etwas verzerrt dargestellt werden; Stefan Berlitz kann einem leuchtenden Audi-Schriftzugs auf Autos konkurrierender Marken durchaus etwas abgewinnen. Was für Animationen der E-Tron zur Begrüßung oder zum Abschied spielt, lässt sich im Einstellungsmenü des Infotainments auswählen.

Die Animationen werden ab Mitte 2020 der Erbauung von E-Tron-Käufern dienen, die bereit sind, dafür etwa 4.000 Euro zu bezahlen. Aber sie taugen außerdem, um zu illustrieren, wie leistungsfähig das System ist. Es arbeitet ähnlich wie ein Beamer, muss aber die Videos quasi selbst produzieren. Der Kern ist ein briefmarkengroßer Chip von Texas Instruments, auf dem 1,3 Millionen kleiner Spiegel piezogesteuert ihre Reflexionsrichtung ändern. Und das 5.000 Mal in der Sekunde. Lenken sie das aus einer starken LED-Quelle kommende Licht in einen Absorber, statt in die Linse, entstehen im Abbild auf der Straße dunkle Bereiche. Gesteuert wird das Ganze von einem zentralen Rechner, der in die Einheit für die Assistenzsysteme integriert ist. Von denen kommen auch die Informationen über Fahrbahnmarkierungen, andere Verkehrsteilnehmer Abstände oder Geschwindigkeit.

Technische Daten:

E-Tron Sportback 55 Quattro

Leistung: 300 KW (408 PS)
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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