Do-it-yourself-Camper - Teil 1: Welcher Van eignet sich für den Selbstausbau?

Den Van selbst nach eigenen Vorlieben ausbauen – Was so ein
Projekt alles mit sich bringt, zeigt unsere neue Serie.
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Den Van selbst nach eigenen Vorlieben ausbauen – Was so ein Projekt alles mit sich bringt, zeigt unsere neue Serie.

© Juliane Eger, Fabian Dresler

Den Van selbst nach eigenen Vorlieben ausbauen – da hat wohl jeder schon mal drüber nachgedacht. Was so ein Projekt alles mit sich bringt, zeigt unsere neue Serie "Do-it-yourself-Camper". Teil 1: Planung und Auswahl des Basisfahrzeugs.

Nicht nur träumen, machen. Van-Lifer zeigen in den sozialen Medien, was man aus einem Kastenwagen so alles zaubern kann. Da wollen wir auch mitspielen.

Wir, das sind Juliane und Fabian, mehr Ende als Mitte 20 und seit geraumer Zeit Camping-begeistert.Unsere Leben drehen sich aber noch um eine andere Leidenschaft: das Motorrad. Es muss immer dabei sein, auch beim Camping.

In unserem Traum-Van müssen daher zwei Bikes Platz finden. In etwa so, wie es bei unserem Vorbild, dem Weinsberg Outlaw, der Fall ist.

Ran ans Werk

Was also tun? Warten und sparen? Auch keine Option, wir wollen nämlich am liebsten sofort losfahren. Die Lösung lautet: selbst ausbauen.

Das ist theoretisch viel günstiger als ein fertiger Campingbus und hat den Vorteil, dass man alles nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten kann. Und, mal ehrlich, so schwer kann das doch nicht sein. Einen Baumarkt haben wir ums Eck, in der Gemeinschaftswerkstatt sind Sägen, Bohrer und Co. für die Holzverarbeitung vorhanden, und Tutorials gibt’s massig im Netz. Den Möbelbau fertigen wir aus Sperrholz an, Teile wie Dachfenster oder Gaskochfeld sind im Campingzubehör online easy bestellbar.

Die Basis fürs Campingfahrzeug

Bevor es aber losgehen kann, muss eine geeignete Basis für das Campingmobil her. Eine gebrauchte. Beim von uns festgelegten maximalen Preis des Transporters von 12.000 Euro fallen Neufahrzeuge und auch gebrauchte Euro-6-Diesel raus. Wir suchen also nach Euro-5-Modellen.

Das darüber hinaus wichtigste Auswahlkriterium ist die Größe. Die Kategorie "Platz für zwei Menschen und zwei Motorräder" ist in der Auswahl sowieso recht begrenzt. Damit am Ende der Platz auch tatsächlich ausreicht, zeichnen wir den geplanten Grundriss für alle möglichen Fahrzeuge auf. Wichtig: Die Höhe nicht vergessen. Da wir das Bett über der Motorradgarage installieren möchten, lautet die Devise: so hoch wie möglich.

Und dann kommt es auch noch auf die Marktsituation an. Hohe und lange Sprinter suchen wir in unserem Preisrahmen vergeblich, sie sind entweder zu alt oder zu teuer. Die erste Internetrecherche zeigt, dass die meisten interessanten Inserate die der Ducato-Plattform (also Fiat Ducato, Citroën Jumper und Peugeot Boxer) sind.

Einige Jahre auf dem Buckel und eine sechsstellige Anzahl an Kilometern auf der Uhr müssen wir auch in Kauf nehmen, ebenso wie optische Mängel (bestenfalls kleine Dellen und Kratzer), die den Preis drücken. Bedeutet auch, dass bei der Besichtigung besonders genau hingeschaut werden muss.

Bei gebrauchten Transportern ist die Probefahrt Pflicht, hier zeigt sich, ob Motor, Getriebe und Vorderachse in Ordnung sind oder durch unangenehme Geräusche oder Vibrationen auffallen. In den Einstiegsbereichen und auch beim Blick unter das Fahrzeug darf sich zudem kein Rost zeigen.

Transporter in der engeren Auswahl

Diese Fahrzeuge eignen sich für unseren Campervan-Ausbau.

Peugeot Boxer

Eng verwandt mit Fiat Ducato und Citroën Jumper, mit denen er sich das Chassis teilt. Der Boxer bietet für seine kompakten Außenmaße (6,36 Meter Länge) einen sehr langen Laderaum und die größte Laderaumbreite.

  • Laderaummaße max. (LxBxH): 4,07 x 1,87 x 2,17 Meter

(+) Viele Gebrauchte erhältlich (auch als Jumper oder Ducato)(+) Höhe bietet viel Raum über der Motorradgarage(+) Relativ hohe Zuladung(-) In längster Version (L4) kürzeste Ladefläche aller Kandidaten

Ford Transit

Aufgrund des großen Überhangs in der langen Variante (L4) nur mit Heckantrieb erhältlich und auf dem Gebrauchtmarkt recht selten. Der Boden des Laderaums fällt dann mit über 70 Zentimetern recht hoch aus.

  • Laderaummaße max. (LxBxH): 4,21 x 1,78 x 2,02 Meter

(+) Gebraucht immer wieder günstige Exemplare zu finden (+) Länge der Ladefläche passend für Motorradgarage(-) Langer Überhang muss beim Rangieren einkalkuliert werden(-) Nutzlast in größter Version <1 t

Mercedes Sprinter

Der Sprinter ist in der Ausführung mit langem Radstand plus Überhang (extralang) der längste Kandidat, und sogar ohne Überhang bietet er noch ausreichend Platz. Ihn bekommt man nur mit Heck- oder Allradantrieb.

  • Laderaummaße max. (LxBxH): 4,81 x 1,78 x 2,24 Meter

(+) Größter Laderaum aller Kandidaten (Länge und Höhe)(+) Auch kürzere Versionen bieten genug Platz für die Heckgarage(-) Außenlänge von über sieben Metern erschwert das Rangieren(-) Im Vergleich recht hoher Preis

Renault Master

Er teilt sich die Plattform mit Opel Movano und Nissan NV 400. Bei maximaler Gesamtlänge von 6,85 Metern ist er ausschließlich mit Zwillingsbereifung erhältlich, was Leergewicht und Ladekante (>70 Zentimeter) deutlich erhöht.

  • Laderaummaße max. (LxBxH): 4,38 x 1,76 x 2,04 Meter

(+) Im Vergleich relativ günstig auf dem Gebrauchtmarkt(+) Lange Ladefläche trotz moderatem Überhang(-) Superhochdach nutzt nicht die volle Fahrzeugbreite(-) Nutzlast in größter Version <1 t

Unser Model

Nach zwei erfolglosen Besichtigungen – einmal blieben wir auf der Probefahrt liegen – stoßen wir auf einen Peugeot Boxer aus 2015 mit 175.000 Kilometern.

Äußerlich hat der von Monteuren genutzte Wagen diverse Mängel. Eine größere Delle an der Seitentür macht uns skeptisch und zusätzlich zeigt eine Hecktür Einbruchspuren. Nach genauer Betrachtung Entwarnung, alle Türen schließen einwandfrei.

Technisch präsentiert sich der Peugeot auf den ersten Blick gut, hat auch frisch TÜV bekommen. Preis nach Verhandlung: 8.400 Euro – wir schlagen zu.

Leider zeigt sich bei der Demontage der Räder, dass die vordere Bremsanlage schon über die Verschleißgrenze hinaus beansprucht wurde. Die traurige Erkenntnis: Man kann sich bei Privatverkäufern nicht darauf verlassen, dass ein Fahrzeug mit frischem TÜV auch tatsächlich verkehrssicher ist.

Also noch mal 250 Euro Zusatzkosten, die sich gut und gerne verdoppelt hätten, wäre da nicht ein netter Bruder mit einer Kfz-Werkstatt.

Insgesamt summiert sich der Preis für die technisch solide Basis auf knapp über 9.000 Euro und liegt damit trotzdem im kalkulierten Rahmen. Äußerlich kein Hingucker, aber was für uns zählt, sind die inneren Werte.

Los geht's

Die Basis ist gefunden und das Projekt Selbstausbau kann beginnen. Unsere erste Online-Bestellung umfasst selbstklebende Isoliermatten und drei Dachfenster, im Baumarkt besorgen wir noch erste Holzlatten, Winkel und Schrauben. Jetzt kann’s richtig losgehen.

In Teil 2 der Serie geht es unter anderem um die Isolierung und den Fenstereinbau.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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