General Motors und Ford legen Rechtsstreit bei: Ford darf Assistenzpaket weiter Blue-Cruise nennen

General Motors und Ford legen Rechtsstreit bei: Ford darf
Assistenzpaket weiter Blue-Cruise nennen
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General Motors und Ford legen Rechtsstreit bei: Ford darf Assistenzpaket weiter Blue-Cruise nennen

© Ford

Ford bringt sein neues Assistenz-Paket "Blue-Cruise" in immer mehr Modellen zum Einsatz. General Motors sah durch den Namen der Elektronik-Fahrhilfen allerdings seine Markenrechte verletzt. Doch nun stehen die Autokonzerne kurz vor einem Vergleich bei diesem Rechtsstreit.

Ford nannte seine elektronischen Assistenz-Systeme bisher Co-Pilot; in der letzten Ausbaustufe trug das Paket den Namen "Co-Pilot360 Active 2.0 Prep Package". Dass diese Bezeichnung nicht sonderlich griffig ist, ist dann auch den Entscheidern in Dearborn aufgefallen. Deshalb nennt Ford das Technik-Bündel, das assistiertes Fahren auf Level 2 ermöglicht, künftig "Blue-Cruise". Damit greift die Marke ihren Spitznamen in den USA auf: Bezogen auf das Markenemblem wird sie dort "The Blue Oval" genannt. Und Cruise ist eine in den USA übliche Bezeichnung für autonome Fahrfunktionen.

Doch aus dem neuen Namen sind Ford zwischenzeitlich Probleme erwachsen. General Motors sah dadurch seine Markenrechte verletzt und reichte im Juli 2021 deshalb eine Klage gegen seinen Konkurrenten ein. Hintergrund: Der Name des 2013 gegründeten Start-ups für autonomes Fahren, an dem GM inzwischen die Mehrheit hält, lautet "Cruise". Zudem verpasst der Konzern seiner eigenen Technik für automatisiertes Fahren seit 2017 die geschützte Bezeichnung "Super Cruise".

GM forderte auch Schadenersatz von Ford

In einer Mitteilung von General Motors hieß es damals, man habe die Sache zuvor außergerichtlich lösen wollen. "Während GM gehofft hatte, die Angelegenheit der Markenrechtsverletzung mit Ford gütlich zu lösen, blieb uns keine andere Wahl, als unsere Marken energisch zu verteidigen." Ford sollte die Bezeichnung "Blue-Cruise" nicht mehr verwenden dürfen; zudem forderte GM einen nicht näher bezifferten Schadenersatz. Doch Ford wehrte sich: "Autofahrer wissen seit Jahrzehnten, was ein Tempomat ist, jeder Autohersteller bietet ihn an, und 'Cruise' ist eine gängige Abkürzung für diese Funktion", so der Hersteller in einer Erklärung.

Nun haben sich die Konzerne offenbar doch außergerichtlich geeinigt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, ging beim zuständigen Gericht inzwischen eine Mitteilung ein, in der die beiden Hersteller erklären, dass sie dabei seien, "alle strittigen Ansprüche und Gegenansprüche beizulegen". Der Richter ließ verlauten, dass er die Klage fallenlasse, sollten sich beide Parteien innerhalb von 60 Tagen auf einen Vergleich einigen. Details nannten zwar weder das Gericht noch die Autobauer. Aber Ford ließ bereits verlauten, die Bezeichnung "Blue-Cruise" weiterzuverwenden. Auch GM teilte mit, dass die Parteien das Verfahren "gütlich beigelegt" haben.

Freihändiges Fahren mit Überwachung

Die ersten Modelle, welche die neue Technik erhalten, sind der neue Elektro-Crossover Mustang Mach-E (hier in einigen Modellvarianten sogar serienmäßig) und die aktuelle Version des Pick-up-Bestsellers F-150 ab Modelljahr 2021. Weitere Baureihen sollen dann jedoch peu à peu folgen. Sofern die Autos über das "Co-Pilot360 Active 2.0 Prep Package" verfügen, sollen sie in der zweiten Jahreshälfte ein 600 Dollar (gut 500 Euro) teures Over-the-Air-Update erhalten. Die Software-Auffrischung beschert ihnen das neue Blue-Cruise-Paket und im Zuge dessen auch einen "Hands-Free-Mode".

Dieser nutzt sowohl Kamera- als auch Radarsensor-Technologien und baut auf der adaptiven Geschwindigkeitsregelung mit Stop-and-Go-Funktion, Fahrspurzentrierung und Verkehrszeichenerkennung auf. Blue-Cruise ergänzt bekannte Größen wie Notbrems- oder Parkassistent sowie Querverkehrswarner und erlaubt es, die Hände vom Steuer zu nehmen – und zwar nicht nur für wenige Sekunden, wie das bei den Mitbewerbern aktuell implementiert wurde.

Das System zwingt den Fahrer allerdings zur Aufmerksamkeit. Eine Infrarot-Kamera erfasst die Augen und die Kopf-Position, laut Ford sogar bei Sonnenbrillen-Trägern. Fallen also die Augen zu, oder der Fahrer schaut für längere Zeit aus dem Seitenfenster, schlägt das System Alarm, verlangt einen Eingriff oder bremst das Fahrzeug zur Not bis zum Stillstand herunter.

Bekannte Systeme wurden verbessert

Weiterentwickelt wurden zudem der Stau- und Spurhalteassistent. Ersterer kann im Stop-and-Go-Verkehr nun selbstständiger agieren. Bislang musste das Auto nach einem Stillstand von mehr als drei Sekunden manuell wieder angefahren werden. Diese Standzeit hat Ford auf 30 Sekunden angehoben. Der aktive Spurhalteassistent erkennt nun auch auf Landstraßen ohne Markierungen den Fahrbahnrand – sofern ein klarer Abschluss vorhanden ist, also eine Gras-Narbe oder einfach nur Erde. Zudem will Ford die Fahrspurzentrierung verbessert haben.

Für mehr Sicherheit in der Stadt packt Ford noch einen Kreuzungs-Assistenten dazu. Der verhindert Unfälle von Linksabbiegern bei Gegenverkehr von vorne. Perspektivisch will Ford zudem einen Spurwechsel-Assistenten, der durch Antippen des Blinkers aktiv wird, und einen vorausschauenden Geschwindigkeits-Assistenten implementieren.

Vorerst nur in Nordamerika nutzbar

Aktuell funktioniert das System auf rund 100.000 Meilen (gut 160.000 Kilometern) des nordamerikanischen Highway-Netzes. Diese "Hands-Free Blue Zones" sind im Kartenmaterial des Navigationssystems hinterlegt. Sobald das Auto einen solchen Abschnitt erreicht, wird das dem Fahrer im Kombiinstrument angezeigt. Ford schätzt, im ersten Jahr rund 100.000 Fahrzeuge damit auszurüsten. Inwieweit es irgendwann für deutsche Kunden nutzbar sein wird, ist allerdings noch unklar.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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