Heartbeat-911 von Mletzko

Mletzko Heartbeat-Porsche
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Mletzko Heartbeat-Porsche

© Mletzko

Jetzt gibt es einen Singer-Porsche aus Deutschland – mit dem aktuell stärksten 964-Saugmotor in einem straßenzugelassenen 911 und Karosse aus Karbon. Die ganze Geschichte des Meisterwerks.

Als Dirk Lührmann erstmals einen Singer-Porsche sah, war er hin und weg. Inzwischen sind die exzellent gemachten 964-Retro-Porsche von Singer Vehicle Design aus Kalifornien weltbekannt und trotz nicht enden wollender Wartezeiten selbst für wohlhabende Interessenten kaum bezahlbar. Lührmann dachte sich beim Anblick des Singer-Porsche nur eins: Mit einem technisch begabten Team kannst Du so ein Auto auch selbst auf die Räder stellen – und zwar mit Straßenzulassung. Lührmann, bekennender Auto- und Oldtimer-Rallye-Fan, verkaufte seine gut laufende Immobilienfirma, gründete das Umbau-Unternehmen Mletzko und machte sich auf die Suche nach technischer Unterstützung.

Von einer ersten Beratungs-Gesellschaft musste sich Lührmann nach 1,5 Jahren trennen – er war mit deren Leistung nicht zufrieden. Seitdem hat er sich ein Expertenteam aufgebaut, mit großem Enthusiasmus und viel Fingerspitzengefühl weitergemacht und sich von keinem noch so herben Rückschlag entmutigen lassen. Herausgekommen ist der Heartbeat-Porsche. Ein Porsche der Baureihe 964 (Baujahr 1992), dessen komplette Karosserie in der Optik eines F-Modells aus neu designten Karbonteilen besteht und der einen 4,0-Liter-Boxermotor mit 369 PS und einem maximalen Drehmoment von 398 Newtonmeter im Heck hat.

Über 200 Kilogramm leichter

Allein die Karosserie verschlang über 1.000 Stunden Designarbeit – jetzt fließt nicht nur das Licht geschmeidig über die Karosserie. Dieser 964 wiegt trocken nur 1.145 Kilogramm und ist damit zirka 200 Kilogramm leichter als das Original. Zur Gewichtsersparnis gehört auch die Entwicklung einer neuen Elektronik inklusive neuem Kabelbaum und neuer Steuergeräte. Dadurch konnte der Sicherungskasten entfallen und der jetzt schlankere Kabelbaum braucht nur noch kleinere Durchführungen. Lührmann wollte seinen Mletzko-Porsche so schlicht wie irgend möglich.

Und in Sachen Schlichtheit geht Lührmann keine Kompromisse ein – was nicht passt, lässt er neu entwickeln. So nicht nur die Blinker des Heartbeat-Porsche, sondern sogar die LED-Frontscheinwerfer inklusive Reflektor. Der Clou: Der TÜV hat's abgenommen.

Stärkster vom TÜV abgenommener Saugmotor in einem 964 in Deutschland

Zu den aufwendigsten Entwicklungen an seinem ersten Umbau gehört für Lührmann der Motor. Als Basis hat er den originalen Sechszylinder-Boxermotor mit 3,6 Liter Hubraum verwendet. Dieser leistet 250 PS und generiert 315 Newtonmeter Drehmoment. Mithilfe eines Motorenentwicklers aus Süddeutschland entstand innerhalb von drei Jahren das neue Aggregat inklusive einer komplett neuen Abgasführung – nur noch das Kurbelgehäuse und die Belüftung sind original. Jetzt sorgen unter anderem vier Liter Hubraum, spezielle Kolben und Titanpleuel für eine Leistungssteigerung um 119 PS und einen Drehmoment-Anstieg um 83 Newtonmeter. Laut Lührmann handelt es sich damit um den stärksten straßenzugelassenen 964-Saugmotor in Deutschland.

Getriebe aus dem 993

Das originale Fünfgang-Getriebe des 964 haben die Spezialisten von Mletzko durch die Sechsgang-Schaltung aus der Baureihe 993 ersetzt. Und damit der Heartbeat-Porsche bis in hohe Geschwindigkeitsbereiche ordentlich Durchzug hat, ist der sechste Gang deutlich kürzer übersetzt als beim Original. Deshalb beträgt die Höchstgeschwindigkeit auch 274 km/h – mit einem länger übersetzten sechsten Gang wäre mehr drin, aber eben zu Lasten des Durchzugs. Einen exakten Wert für die Beschleunigung von null auf 100 km/h gibt es noch nicht, aber Lührmann freut sich, dass vor dem Komma auf jeden Fall eine 4 steht – der Referenzspurt ist also in unter fünf Sekunden abgehakt.

Neue Räder mit Fuchs-Lizenz

Die Lenkung hat Mletzko komplett revidiert, wie die Experten auch sonst jedes einzelne Teil ihrer Porsche-Umbauten unter die Lupe nehmen. Wenn etwas verschlissen ist, ersetzen sie es. Für das neue Fahrwerk hat Lührmann Spezialisten von Öhlins gewonnen, außerdem arbeitet in seinem Team ein Ex-H&R-Techniker. Bei den Bremsen setzt Mletzko die Brembo-Stopper aus dem 964 Turbo ein. Als Räder kommen 17-Zoll-Fuchsfelgen mit Michelin-Bereifung zum Einsatz, vorn 8,5 und hinten zehn Zoll breit. Da Fuchs diese Felgendimension nicht anbietet, hat Lührmann die Felgen unter Fuchs-Lizenz bei ATS als Kleinserie fertigen lassen.

Drei verschiedene Sitze wählbar

Auch innen hat das Team von Mletzko viel angefasst. Es gibt neue Sitze – wobei der Kunde bei späteren Modellen zwischen Komfort-Sitzen, Sportsitzen und Karbon-Schalen wählen kann. Die Belederung der Sitze und des Armaturenbretts erfolgt auf Wunsch durch einen Experten aus Süddeutschland mit edelstem Leder des italienischen Spezialisten Poltrona Frau. Die mit LED hinterleuchteten Instrumente sind ebenfalls neu, ihr Design orientiert sich aber am Original. Außerdem haben die Designer die Mittelkonsole neu gestaltet, die dort sitzenden vier originalen Knöpfe getauscht und mit neuen Funktionen versehen.

Stress führte zu Herz-Rhythmus-Störungen

Insgesamt verbaut Mletzko in seinen 964-Modifikationen über 700 selbst entwickelte neue Teile. Für die Entwicklung des ersten Heartbeat-Porsche „verbrauchte“ das Team sieben 964er. Die 400 Quadratmeter große Werkstatt befindet sich in Osnabrück. Als zweite große Herausforderung zusätzlich zum Motor-Umbau nennt Lührmann den Aufbau eines Netzwerks hochklassiger Zulieferer. Die musste er erstmal finden und dann von einer Zusammenarbeit überzeugen. Den Namen Heartbeat für seinen ersten Umbau wählte Dirk Lührmann der gleißend roten Lackierung wegen und weil er den jahrelangen Entwicklungs-Stress und die vielen Rückschläge 2018 mit Herzrhythmus-Störungen bezahlte. Diese sind zum Glück überstanden und der Heartbeat-Porsche ist fertig.

Darum Mletzko

Und warum nennt Lührmann seine Firma Mletzko? Das geht auf das Jahr 1973 zurück. Damals sieht der 13-jährige Dirk einen Porsche 911 Carrera RS vor einer Apotheke im niedersächsischen Melle stehen. Von da ab ist der Junge sicher, dass er später auch einen Porsche haben möchte. Der damalige Apotheker Armin von Mletzko hatte immer die neuesten Porsche vor der Tür – daran erinnert sich Lührmann bis heute. Und hat Kontakt zu dem Apotheker aufgenommen. Armin von Mletzko freut sich sehr, dass eine exklusive Porsche-Umbau-Firma nach ihm benannt ist. Auch wenn er im Alter von 88 Jahren aus Komfortgründen auf einen Mercedes-AMG C63 umgestiegen ist, blieb er im Herzen Porsche-Fan. Inzwischen ist der Apotheker 94 Jahre alt und kann die ihm von Lührmann versprochene erste Probefahrt im Heartbeat-Porsche kaum erwarten.

Soviel kostet ein Mletzko-Porsche

Wer auch einen Heartbeat-Porsche haben möchte, kann ihn haben – allerdings mit einem anderen Namen. Jedes Auto, dass die Mletzko-Fertigung verlässt, bekommt seinen eigenen Namen. Zwei Exemplare haben schon klammheimlich die Werkhallen verlassen: eins heißt Spirit of O, das andere Marrakesch. 2020 sollen bereits fünf Umbauten entstehen, danach sind pro Jahr bis zu zehn Mletzko-Porsche geplant. Ein Umbau schlägt mit mindestens 600.000 Euro zu Buche, hinzu kommt der 964, der aktuell zwischen 45.000 und 60.000 Euro kostet. Pro Fahrzeug dauert der Umbau zirka acht Monate. Auf Kundenwünsche geht Lührmann ein, wobei er den geschmacklichen Rahmen vorgibt: Wer es eher prollig und krachledern mag, muss sich woanders umsehen. Und sie haben eine Straßenzulassung.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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