Kommentar zum Apple-Auto: Von Äpfeln, Birnen und Automobilen

Kommentar zum Apple-Auto: Von Äpfeln, Birnen und Automobilen
Bild 1 von 9

Kommentar zum Apple-Auto: Von Äpfeln, Birnen und Automobilen

© auto-motor-und-sport.de

Ein Auto von Apple, das wär’ doch was. Finden zumindest Fans und Analysten seit vielen Jahren. Das Problem: kein Auto in Sicht. Und das wird auch noch lange so bleiben, denkt sich Digital-Chefredakteur Jochen Knecht.

Die Idee eines Autos mit Apple-Logo auf der Haube, das die chronisch-langweilige Automobilbranche auf den Kopf stellt, wie weiland das iPhone den Markt für Mobiltelefone, hat auch nach vielen Jahren des Wiederkäuens nichts von ihrem Charme verloren. Zumindest nicht für Analysten. Die sind sich in schöner Regelmäßigkeit alle paar Monate sicher, dass jetzt aber wirklich endlich der Partner feststeht, mit dem Apple sein Auto auf die Räder stellt. Und zwar schnell. Weil: die ersten Erprobungsfahrzeuge sind ja längst unterwegs. Seit 3 bis 8 Jahren, ungefähr. Mindestens!

Wer war noch nicht als Apple-Partner im Gespräch?

Weil der globale Automobilmarkt durchaus seine Tücken hat, sind sich alle Experten inzwischen wenigstens einig, dass Apple das Auto nicht alleine bauen wird, sondern das intern als Projekt "Titan” verschleierte Unterfangen gemeinsam mit erfahrenen Partnern umsetzen will. Lange war das BMW, die aus welchem Grund auch immer als besonders Apple-affin galten. Aber natürlich war auch schon VW im Gespräch. Tesla sowieso. Aus China waren schon XPeng und Nio auserkoren. Und zuletzt auch Hyundai, Kia und Renault. Fast ist man geneigt, sich Sorgen um all die Autobauer zu machen, denen noch kein partnerschaftliches Verhältnis mit dem Multi-Milliarden-Dollar-Konzern aus Cupertino angedichtet wurde. Vielleicht atmet man aber auch überall dort erleichtert auf, wo noch kein Apple-Unterhändler in den Aufzug zu den Vorstandsbüros gestiegen ist.

Weil der legendäre Computer- und Smartphone-Konzern ja auch durchaus als wankelmütig gilt. Geht es nach Analysten und Insidern, wurden die gerne mal viele tausend Mitarbeiter starken Titan-Entwicklungsteams nämlich mindestens schon zweimal wieder aufgelöst. Mal war man offensichtlich überrascht davon, wie aufwändig die Entwicklung eines autonom fahrenden Elektroautos doch ist. Ein anderes Mal orakelten die Börsen-Plappermäuler über einen Strategiewechsel, der statt eines kompletten Autos nur eine Art Autopilot-System hervorbringen sollte, das grundsätzlich allen Autobauern offen stehen könnte.

Mir als Android-User könnte das im Zweifel beinahe egal sein. Wenn ich Sehnsucht nach einem Auto habe, das mich an mein Smartphone-Ökosystem erinnert, dann besorge ich mir einen Polestar. Oder künftig irgend etwas aus dem Stellantis-Konzern. Weil: überall Android an Bord. Im Fall des Apple-Car-Untoten, der mit schöner Regelmäßigkeit durch die Gazetten geistert, geht es aber gar nicht um die Rivalität zwischen iOS und Android. Sondern darum, ob ein unfassbar reicher Digital-Konzern wie Apple tatsächlich vor hat, ein Auto zu bauen.

Apple wirbt um Personal

Die Antwort ist, Sie ahnen es, so einfach nicht. Weil: Man redet da bei Apple nur ungern drüber. Oder präziser: Sie reden da überhaupt nicht drüber. Es gibt allerdings Indizien. Einen angeblich jüngst bei Porsche abgeworbenen Top-Ingenieur zum Beispiel, der bis zuletzt die Cayenne-Sparte verantwortete. Der wird sich bei Apple wohl eher nicht um die Entwicklung von besonders robusten Smartphone-Halterungen kümmern. Und auch der Lebenslauf von Alexander Hitzinger, der heute bei Volkswagen das Leuchtturm-Projekt Artemis leitet, hat eine Titan-Historie. Also: gut möglich, dass sie bei Apple in Richtung Auto denken. Und forschen. Oder es zumindest lange getan haben.

Überblick: Apple sucht Personal und Partner

Also doch ein Apple-Auto? Ja, vielleicht. Aber ziemlich sicher ganz anders, als die allermeisten sich das gerade vorstellen können. Sich vorzustellen, dass ein Laden wie Apple, der von sich selbst glaubt, den heiligen Gral der Ästhetik und Nutzerfreundlichkeit gefunden zu haben, sich damit abfinden würde, bei einem klassischen Autobauer eine automobile Hülle zu besorgen, die auch nur ansatzweise den eigenen Anspruch ans Produkterlebnis bietet, ist ziemlich absurd. Und der umgekehrte Gedanke übrigens ebenfalls. Warum sollten BMW, Hyundai oder Tesla ein Interesse daran haben, sich von Apple zum austauschbaren Produzenten einer fahrbaren Hülle degradieren zu lassen? Nur weil ein Apfelbaum einen Birnbaum umarmt, fängt der noch lange nicht vor lauter Freude an, sich Äpfel statt Birnen an die Äste zu hängen.

Wenn Apple tatsächlich ein Auto bauen will, dann wird das komplett anders laufen. Nämlich so, wie sie das bei Apple kennen. Mit den Partnern, denen sie bei Apple vertrauen. Und die kommen nicht aus der Automobilbranche. Zwei Beispiele gefällig? Auftragsfertiger Foxconn gehört zur taiwanesischen Hon-Hai-Gruppe und baut seit Ewigkeiten die Smartphones für Apple und diverse andere Konzerne. Das reicht den Taiwanesen aber schon lange nicht mehr. Ende 2020 hat Foxconn eine eigene Elektroauto-Plattform vorgestellt, auf deren Basis je nach Kundenwunsch mehr oder weniger jedes Elektroauto realisiert werden kann. Mit im Boot: der chinesische Auto-Konzern Geely, der neben seiner Beteiligung an Daimler auch Eigentümer von Volvo und Polestar ist. In dieser Konstellation wäre Apple problemlos in der Lage, ein eigenes Elektroauto zu bauen. Und zwar in beängstigend großen Stückzahlen. Und wenn’s doch nicht Foxconn sein soll? Dann wäre da ja noch Samsung. Die bauen auch Handys. Und diverse Bauteile für Apple. Aber eben auch Autos. Man kennt sich. Versteht sich. Vertraut sich. Und genau darauf wird es ankommen!

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Auto-Vergabe-Tag bei Real Madrid: Welcher Star hat sich welchen Audi geschnappt? Wer fährt rein elektrisch vom Hof? Und:mehr
Ein Broker lässt ein 139 Jahre altes Haus innerhalb von San Francisco um sechs Blocks weiter verlegen. Die ...mehr
Russen kaufen anders. Wir haben die Absatzzahlen aus Russland analysiert und daraus die Bestseller 2020 extrahiert.mehr
Anzeige
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.