Niederlande fahren Blitzer wieder hoch

Nach dem schweren Hackerangriff auf die IT-Infrastruktur der niederländischen Staatsanwaltschaft (Openbaar Ministerie, OM) sind zahlreiche stationäre und mobile Blitzanlagen sowie Streckenradare seit Mitte Juli 2025 außer Betrieb gewesen.
Nun beginnen die Behörden damit, die Systeme schrittweise wieder in Betrieb zu nehmen. Die Wiederinbetriebnahme erfolgt in Etappen, um Sicherheitsrisiken auszuschließen. Wann sämtliche Anlagen wieder online sind, ist noch nicht bekannt. Betroffen sind vor allem Blitzer, die im Zuge von Wartungen heruntergefahren wurden und nach dem Hack nicht erneut aktiviert werden konnten.
Hintergrund des Cyberangriffs
Am 17. Juli 2025 trennte das OM sämtliche Systeme vom Internet, nachdem eine Software-Sicherheitslücke ausgenutzt worden war. Laut Nachrichtenportal "NOS" konnte dadurch verhindert werden, dass Hacker direkten Zugriff auf Datenbanken oder Blitzersteuerungen erhielten. Dennoch waren als Folge zahlreiche Anlagen offline, da sie zentral vom OM überwacht und gesteuert werden.
Nach Angaben des Rundfunksender "WNL" sind mehrere Dutzend Blitzer im ganzen Land betroffen. Exakte Zahlen nennt die Staasanwaltschaft nicht, um zu verhindern, dass Autofahrer die Standorte identifizieren. Der Automobilclub ANWB wies zudem darauf hin, dass es keine Garantie gebe, welche Anlagen aktiv oder inaktiv seien.
Welche Systeme funktionierten weiter
Nicht alle Überwachungssysteme waren betroffen. Die neueren Focusflitsers, die Handy- oder Gurtverstöße erfassen, liefen durchgehend weiter. Auch klassische Polizeikontrollen mit mobilen Radargeräten oder Laserpistolen wurden unverändert durchgeführt. Autofahrer konnten also nicht davon ausgehen, völlig unbehelligt unterwegs zu sein.
Die Einnahmeausfälle durch fehlende Bußgelder werden von offiziellen Stellen nicht beziffert. Beobachter gehen jedoch von einem spürbaren Rückgang aus. "Het Rijk mist tijdelijk inkomsten" (zu Deutsch: "Der Staat verliere vorübergehend Einnahmen", bestätigte "WNL".
Auswirkungen auf Autofahrer und Touristen
Für Autofahrer, auch aus dem Ausland, ändert sich durch die Wiederinbetriebnahme der Anlagen wenig an den grundsätzlichen Regeln. Wer während der Störung geblitzt wurde, muss mit einer verzögerten Zustellung von Bescheiden rechnen. Bußgelder aus den Niederlanden werden innerhalb der EU auch nachträglich vollstreckt.
Touristen sollten beachten, dass insbesondere Handy-Blitzer weiterhin zuverlässig funktionierten. Verstöße gegen die Anschnallpflicht oder die Handy-Nutzung am Steuer werden also auch während der OM-Störung erfasst und geahndet.