Opel Corsa, Opel Astra und Opel Crossland X: Welches der drei Kompaktmodelle ist der beste Kauf?

Lohnt der Opel-interne Aufstieg von klein nach groß? Wie schlägt
sich der neue Corsa gegen seine großen Markenbrüder Astra und
Crossland X? Wir haben uns die drei Rüsselsheimer genauer
angeschaut um diese Fragen zu klären.
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Lohnt der Opel-interne Aufstieg von klein nach groß? Wie schlägt sich der neue Corsa gegen seine großen Markenbrüder Astra und Crossland X? Wir haben uns die drei Rüsselsheimer genauer angeschaut um diese Fragen zu klären.

© Hans-Dieter Seufert

Mit dem neuen Corsa hat Opel einen reizvollen Topseller im Portfolio, der nicht nur clever, sondern auch fein gemacht ist. Im Vergleich mit dem etwas größeren Crossland X und dem modellgepflegten Astra checken wir, ob er nicht ausreicht.

Rund sechs Monate ist es jetzt her – und wir wären zur Einstimmung für diesen Opel-internen Vergleich gerne dabei gewesen: Der neue Opel Corsa und der modellgepflegte Astra feierten ihre Händlerpremiere in Deutschland. Es gab Würstchen vom Grill, kleine Konzerte, Autoflohmärkte und einige Kunden und Leser, die uns ihre ersten Eindrücke der beiden Protagonisten schildern konnten.

Inzwischen ist viel passiert, der Corsa verkauft sich wie erwartet etwas besser als der kompakte Astra, und beide konnten sich in Einzel- und Vergleichstests schon beweisen. Nun wollen wir wissen, ob der Corsa sogar eine Alternative zum Astra darstellen könnte. Als zusätzliche Referenz baten wir noch den Crossland X dazu, der bei Opel nach Corsa und Astra im letzten Jahr besonders gefragt war: Nicht sonderlich wertig, aber praktischer Natur, ist der Nachfolger des Meriva nicht zu unterschätzen. In alle drei Modelle baut Opel den 1,2 Liter großen Turbobenziner mit 130 PS ein – entsprechend sind die Testwagen mit dem von PSA entwickelten Dreizylinder gleich stark motorisiert.

Corsa: mit 130 PS zu teuer

Also los. Starten wir mit dem jüngsten, kürzesten und optisch wohl auffälligsten Opel, dem Corsa der sechsten Generation. Leider ist die 130 PS starke Variante nur mit Achtgangautomatik in der Ausstattungsvariante GS Line zu haben. So kostet der Bruder des Peugeot 208 beachtliche 23.440 Euro und ist 290 Euro teurer als der Astra. Grundsätzlich wäre der 4,06 Meter lange Corsa natürlich klar der Günstigste in diesem Trio. Die 100-PS-Variante des 1.2 DI Turbo ist beispielsweise in der Edition-Ausführung ab 17.530 Euro bestellbar. Ein Astra mit 110 PS kommt auf mindestens 20.190 Euro.

Wie auch immer – ein 130 PS starker Corsa ist teuer. Dafür profiliert sich der chilirote Testwagen als schicker und üppig ausstaffierter Sportler mit Dachspoiler, Doppelrohrauspuff, einem ansehnlichen Cockpit und Sportsitzen. Umfangreich fällt auch das Angebot an Extras aus. Damit meinen wir nicht eine Zweifarblackierung oder ein Panorama- dach. Nein – es fehlt auch nicht an einem Adaptivtempomaten mit Stauassistent, empfehlenswerten LED-Matrix-Scheinwerfern oder einem 1.000 Euro teuren Infotainment-System mit Zehn-Zoll-Touchscreen, dessen Bedienung leider zu verworren ausfällt. Mit Optionen wie einer Zweizonen-Klimaautomatik und den oft gelobten AGR-Sitzen kann der Opel nicht dienen. Zumindest die Bestuhlung vermissen wir nicht. Die Sportsitze der GS Line lassen sich zwar nicht so üppig verstellen, bieten aber genug Beinauflage und ganz ordentlichen Seitenhalt.

Den können Fahrer und Beifahrer durchaus gebrauchen. Der gut gedämmte und kultivierte Dreizylinder ist ein Garant für kräftigen Schub (0–100 km/h: 8,7 s), und das straffe Standardfahrwerk weckt in flotten Kurven über Land sportliche Gelüste. Fehlen nur noch eine etwas direktere Lenkung und ein Schaltgetriebe – fertig wäre ein rundum zackiger Corsa. Quirliger Benziner, Fahrspaß, solider Komfort und feine Extras aus der Mittelklasse – das klingt nach einem empfehlenswerten Opel. Es bestätigt sich leider nicht, zumindest wenn man auch mal zu viert verreisen möchte. Der mit einer dünnen Bodenmatte ausgelegte Kofferraum ist mit einem Volumen von 309 Litern zwar klassengemäß groß. Doch die Dachlinie ist im Vergleich zum Vorgänger nochmals 4,8 Zentimeter niedriger. Entsprechend mangelt es im Fond weiterhin an Innenhöhe. Eine steile Lehne reduziert das Reisevergnügen zusätzlich.

Astra: besser als erwartet

Das dürfte auch den Kunden bei der Doppelpremiere nach dem Einstieg in den Astra aufgefallen sein. Fünf Zentimeter höher und 31 Zentimeter länger, ist er auf allen Plätzen viel luftiger. In der Innenbreite im Fond überbietet der Astra den Corsa um neun Zentimeter. Die Kopffreiheit ist um drei Zentimeter größer. Auch der hochbeinige Crossland X kann da nicht mithalten. Hinzu kommt natürlich ein üppigerer Normsitzraum. Zugleich ist die dreigeteilte Rückbank (240 Euro) gemütlicher ausgeformt, und der Kofferraum fällt mit 370 bis 1.210 Litern voluminöser aus.

Fairerweise sei noch mal erwähnt, dass der 130-PS-Astra trotz seines niedrigeren Preises von 23.150 Euro teurer ist. Um auf das Ausstattungslevel des Corsa GS Line zu kommen, sollte man noch mal 3.000 Euro draufpacken. Interessant in diesem Zusammenhang: Die Unterhaltskosten des Astra fallen bereits bei einer Laufleistung von 15.000 km/Jahr (ohne Wertverlust) sechs Euro günstiger aus. Nicht viel, aber immerhin.

Relevanter für die Kunden dürfte das Fahrverhalten sein; und fahren kann der kompakte Opel gut. Trotz seiner Abmessungen ist er lediglich 47 Kilo schwerer als der Corsa. In Kombination mit dem homogen abgestimmten Opel-eigenen Watt-Fahrwerk und einer direkten, präzisen Lenkung (250 Euro) lässt sich der Astra neutral durch Kurven zwirbeln und überzeugt auf der Autobahn mit Spurstabilität und dem besten Federungskomfort. Vom Turbobenziner ist noch weniger zu hören als im Corsa, jedoch zieht der Astra nicht ganz so locker davon wie die kleineren Modelle. Innen überzeugt der geliftete Kompaktwagen mit neuen, top ablesbaren Instrumenten und einem gleichfalls neuen, aufwendigen und doch leicht bedienbaren Infotainment-System, das wir aus dem Insignia kennen.

Crossland X: praktisch gut

Um den Crossland X werden sich weniger Opelaner gedrängelt haben. Er ist eben schon drei Jahre alt, und seine Vorzüge sind bekannt. Das schwarze Dach, der Chromzierrat sowie die SUV-Beplankung verhelfen ihm zu einem frischen Auftritt, und die hohe Sitzposition wissen viele Kunden zu schätzen.

Gleichzeitig ist der Nachfolger des Meriva gegen Zuzahlung von 420 Euro funktional besser eingerichtet. Denn während die Laderäume in Corsa und Astra mit hohen Innenkanten und simplen Bodenmatten enttäuschen, punktet der Crossland mit einem soliden, zweifach verstellbaren Ladeboden und kann als Einziger eine ebene Ladefläche bieten. Eine um 15 Zentimeter verschiebbare und dreigeteilte Rückbank steigert die Variabilität. Das Ladevolumen liegt entsprechend zwischen 410 und 520 Litern. Maximal packt er 1.255 Liter ein; etwas mehr als der Astra.

Ein leiser Sportler für lange Strecken ist der Crossland X freilich nicht. Dafür brummt der Dreizylinder zu kernig, die Windgeräusche nehmen bei flotter Fahrt deutlich zu, und die indirekte Lenkung führt nicht zu einem zackigen Fahrstil. Umso besser passt es, dass dieser Opel komfortabel federt und löchrige Straßen sanfter verarbeitet als der Corsa.

Der Crossland X hat also viel zu bieten. Dass er als Edition zum Preis von 22.120 Euro vergleichsweise karg ausgestattet vom Band läuft, dürften die meisten Crossover-Freunde da durchaus in Kauf nehmen.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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