Porsche Taycan Cross Turismo: Warum denn nicht gleich so?

Porsche Taycan Cross Turismo: Warum denn nicht gleich so?
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Porsche Taycan Cross Turismo: Warum denn nicht gleich so?

© Rossen Gargolov

Mit dem erfolgreichen Taycan hat Porsche schon Maßstäbe gesetzt, nun folgt der Cross Turismo und der lässt die Limousine ziemlich blass dastehen.

So – da oben fährt er, der neue Cross Turismo Turbo S und so manch ein Taycan-Besitzer dürfte nun verzweifelt diesen Fahrbericht wegklicken. Grandioser kann man das Heck eines E-Autos wohl nicht in Szene setzen. Und als wäre das noch nicht Drama (oder dankenswert) genug, liegt der Porsche preislich je nach Modell nur rund 1.000 Euro über der Limousine und ist innerlich gemütlicher als der drei Zentimeter flachere Basis-Taycan. Warum? Ganz einfach: Der im Stile eines Sport-Kombis aufgebaute Cross Turismo bietet seinen Fondpassagieren rund fünf Zentimeter mehr Innenhöhe, entsprechend reist man auf der angenehm ausgeformten Sitzanlage hinten weniger gedrungen, und die ohnehin üppige Beinfreiheit kommt nochmals besser zur Geltung.

Nachteile? Minimal. Das Zusatzgewicht gegenüber der Taycan-Limousine für etwas mehr Aluminium-Außenhaut und einen zusätzlichen Torsionsring in der breiten Heckklappe liegt bei 25 Kilo. Lächerlich bei einem Leergewicht von 2,32 Tonnen (Turbo S), einer Systemleistung von 560 kW im Overboost und einem 0-100-km/h-Wert unter drei Sekunden. Relevanter sind da schon die um 20 Millimeter größere Bodenfreiheit und das Offroad-Designpaket für 1.642 Euro, das dem serienmäßig luftgefederten Porsche zu properen Flaps rundum und nochmals einem Zentimeter mehr Luft gen Straße verhilft.

Auf Schotter wird es lustig

Schließlich trägt der Porsche, der nur mit Allradantrieb und dem großen Batteriepaket (93,4 kWh) angeboten wird, das Wörtchen Cross im Namen, sodass er zumindest Wege der rustikalen Art sicher meistern sollte. Wichtigste Zutat hier ist der neu geschaffene, per Fingertipp aktivierbare Gravel-Fahrmodus, der dann Dämpfer, ESP, Momentenverteilung, Kühlung, Quersperre, Fahrpedalkennlinie und Anfahrhilfe bedarfsgerecht steuert.

Und tatsächlich: Die Elektronik erledigt ihren Job ziemlich gut. Im von Porsche eigens gebuchten Offroad-Gelände klettert der Cross Turismo selbst steile und zerfurchte Pfade mit deutlicher Verschränkung locker herauf und lässt sich auf Schotter gern mal zum Drift verführen. Hier setzt sich besonders der nicht ganz so explosive und exklusive Taycan 4 (280 kW, 500 Nm) für 93.635 Euro mit Standardbereifung gut in Szene.

Für genug Laderaum und Nutzwert ist gesorgt

Das Thema Ladungssicherung sollten künftige Cross Turismo-Besitzer übrigens ernst nehmen. Denn mit einer in drei Teilen umlegbaren Fondsitzlehne und einem variablen Ladevolumen von 446 bis 1.212 (Turbo S: 405–1.171) Litern kann dieser Porsche ganz ordentlich was transportieren. Doch nicht alle Tüten und Einkäufe vertragen die brachialen G-Kräfte eines Taycan mit bis zu 1050 Newtonmeter Drehmoment – und zwar aus dem Stand heraus. Am 238 Euro teuren Trennnetz zum Gepäckabteil, das sich sogar hinter den Vordersitzen anpinnen lässt, sollte man also nicht sparen. Schließlich verzögert der Viertürer ebenso brachial wie er sprinten kann – dank der Ceramic-Composite-Bremsen, die beim Turbo S immer montiert sind.

Für all jene das nicht reicht, haben die Porsche-Techniker lange gegrübelt, sogar den Windkanal im Entwicklungszentrum Weissach gebucht und einen aufwendigen Fahrradträger mit einer Nutzlast von 50 Kilogramm entwickelt. Dank einer Mischbauweise aus Aluminium, hochfesten Stählen und Faser-Verbundwerkstoffen wiegt er nur 25 Kilogramm und wird mit massiven Längsträgern und speziellen Halterungen im Heck verrastet. Clever: die Heckklappe lässt sich auch bei montierten Fahrrädern öffnen, denn der Träger klappt– hydraulisch gedämpft – um circa 40 Grad nach unten.

Als wäre das noch nicht genug, ist der mindestens 93.635 Euro teure Cross Turismo (im Gegensatz zur Limousine) auch noch mit einer Dachreling zu haben. Und an einer bis 200 km/h freigegeben Dachbox soll es ebenfalls nicht mangeln. Ob all die (sehr teuren) Aufbauten auf einem maximal schnittigen und reichweitenoptimierten E-Auto Sinn machen, muss jeder Kunde wohl selbst entscheiden. Die E-Bike-Verleiher in den Bergen oder an den Küsten würden sich über ein paar Euro mehr durchaus freuen.

Rasant oder gemütlich – der Taycan kann beides

Nun aber zurück in den Turbo S, zurück auf die Straße. Fahrmodus? Natürlich Sport Plus. Die Karosse senkt sich um 22 Millimeter, aus den Boxen tönt schon leise der gut komponierte Warp-Sound. Launch-Start? Muss nicht sein. Die immense, fein dosierbare Schubkraft der beiden E-Motoren überwältigt auch so, und etwas mehr Akkupower kann nie nicht schaden. Und ganz ehrlich: Wie schnell, wie traktionsstark und spurstabil der Cross Turismo uns auf dem kurvenreichen Heimweg begleitet, wie flink er dank Hinterachslenkung ums Eck kurvt, ist großartig. Zumal er selbst bei sportlicher Fahrweise nicht allzu rüde federt.

Zum Schluss treiben wir den 250 km/h schnellen Cross Turismo noch einige Kilometer über die Autobahn. Ganz entspannt im normalen Modus. Schon wandelt sich der Porsche zu einem leisen Cruiser, der jedwede Bodenwelle beflissen einfängt, selbst bei Geschwindigkeiten über 180 km/h ohne übermächtige Windgeräusche leise bleibt und uns am Ende des Tages begeistert aussteigen lässt.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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