Cascara: Das steckt hinter dem Trendgetränk aus Kaffeekirschen
Wer an Kaffee denkt, hat meist die dunkle, geröstete Bohne im Kopf. Doch die Bohne ist eigentlich nur der Kern einer Frucht: der Kaffeekirsche. Während wir den Kern seit Jahrhunderten schätzen, landete die fruchtige Hülle - die Cascara (spanisch für "Schale") - meist auf dem Kompost oder direkt im Abwasser der Plantagen. Ein ökologisches und ökonomisches Versäumnis, das nun ein Ende findet.
Was genau ist Cascara?
Cascara ist weder klassischer Kaffee noch echter Tee, da er nicht von der Teepflanze Camellia sinensis stammt. Es handelt sich um ein kaffeeähnliches Aufgussgetränk. Nach der Ernte werden die Kirschen "entpulpt", also die Schale vom Kern getrennt. Diese Schalen werden anschließend in der Sonne getrocknet, bis sie wie dunkle, schrumpelige Rosinen aussehen.
Das Geschmacksprofil ist alles andere als röstig wie Espresso. Cascara überrascht mit einer fruchtigen Süße. Typische Aromen sind Hagebutte und Cranberry, getrocknete Birne oder Pflaume, Honig und Ahornsirup sowie ein säuerlich-frischer Abgang, der an Eistee erinnert.
Ein verbreiteter Mythos besagt, Cascara habe mehr Koffein als Kaffee. Das stimmt so nicht ganz. Untersuchungen zeigen, dass der Koffeingehalt stark von der Ziehzeit und der Wassertemperatur abhängt. Gebrühter Kaffee enthält pro 100 ml etwa 40 bis 80 mg Koffein, aufgegossener Cascara etwa 10 bis 25 mg. Zum Vergleich: Schwarztee enthält rund 20 bis 30 mg.
Warum erst jetzt?
Obwohl Kaffeebauern in Ländern wie Äthiopien (dort bekannt als Hashara) oder im Jemen (Qishr) das Getränk seit Generationen genießen, war der Verkauf in der EU lange Zeit untersagt. Der Grund: die europäische Novel-Food-Verordnung.
Da Cascara vor 1997 in Europa nicht in nennenswerten Mengen verzehrt wurde, galt es als "neuartiges Lebensmittel" und musste erst langwierige Sicherheitsprüfungen durchlaufen. Erst seit Anfang 2022 ist der Weg frei: Die EU-Kommission hat Cascara offiziell als Lebensmittel zugelassen. Seitdem boomt der Markt, sowohl für losen "Tee" als auch für fertige Limonaden.
Ein Win-Win für Mensch und Natur
Cascara ist ein Paradebeispiel für Upcycling. Früher verursachten die verrottenden Schalen oft Umweltprobleme, da sie in großen Mengen das Grundwasser in der Nähe von Aufbereitungsstationen belasteten. Heute bietet das Produkt den Kaffeebauern eine zusätzliche Einnahmequelle. Da der Preis für Rohkaffee am Weltmarkt stark schwankt, kann der Verkauf der Schalen das Einkommen einer Farm um bis zu 10 bis 20 Prozent steigern - bei fast gleichem Arbeitsaufwand.
Zubereitung: So gelingt der Cascara-Aufguss
Die Zubereitung ist denkbar einfach und ähnelt einer French Press oder einem Kräutertee. Die Dosierung: etwa 15 bis 20 g getrocknete Cascara auf 500 ml Wasser. Das Wasser sollte nicht mehr kochen (ca. 90 °C). Die Ziehzeit beträgt zwischen 4 und 6 Minuten - je länger es zieht, desto intensiver und süßer wird der Geschmack.
Im Sommer lässt sich Cascara hervorragend als Cold Brew (über Nacht ziehen lassen) mit einer Scheibe Zitrone und Eiswürfeln genießen.