Konzeptstudie Sony Vision-S: Wird das E-Auto doch gebaut?

Konzeptstudie Sony Vision-S: Wird das E-Auto doch gebaut?
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Konzeptstudie Sony Vision-S: Wird das E-Auto doch gebaut?

© Sony

Auf der CES 2020 in Las Vegas präsentiert der japanische Elektronik-Konzern die Studie einer Elektro-Limousine, die mit österreichischer und deutscher Hilfe entstanden ist. Nun gibt es Hinweise darauf, dass das E-Auto mehr als nur ein PR-Gag ist.

Mit einem Video kündigt Sony an, dass der Vision S in Tokio angekommen ist, "um Sensor- und Audiotechnologien weiterzuentwickeln. Der Prototyp wird derzeit auch für öffentliche Straßentests in diesem Geschäftsjahr entwickelt." Zu sehen ist in dem Video wie der Prototyp verladen wird und anschließen durch die Straßen fährt.

Außerdem nennt Sony ein paar weitere technische Daten zum Vision S. So erhält das Modell Over-the-Air-Updates und kommuniziert über den 5G-Mobilfunkstandard. Vier Personen finden in dem 2.350 Kilo schweren Vision S Platz. Allrad-Antrieb ist dank der E-Motoren vorne und hinten gesetzt. Das Fahrwerk ist mit Luftfederung ausgerüstet und steht auf 21 Zoll großen Rädern mit Reifen der Dimension 245/40 vorne und 275/35 hinten. Die Länge liegt bei 4,895 Meter, der Radstand des E-Autos bei 3,0 Metern. Die Höhe gibt Sony mit 1,45 Meter an, die Breite mit 1,90 Meter. Die Bodenfreiheit beträgt 120 bis 135 mm, je nach Einstellung der Luftfederung.

Rückblick: Dass ein Elektronik-Konzern wie Sony bei einer Veranstaltung wie der Consumer Electronics Show Neuheiten präsentierte, ist wenig überraschend. Die Japaner stellten auf der CES in Las Vegas neue Entwicklungen für Fernseher und HiFi-Anwendungen sowie Bild- und Sensortechnologien im Bereich Mobilität vor. Bei Letzterem handelte es sich um ein Gesamtkonzept, das Autos in eine Art Sicherheits-Kokon packen. Die Informationen von verschiedenen Sensoren sollen miteinander verknüpft und derart aufeinander abgestimmt werden, dass ein weiterer Schritt hin zum autonomen Fahren gelingt.

Sony-Technologie innen und außen

Um das Ganze zu veranschaulichen, hat Sony – und das war dann doch überraschend – ein komplettes Auto mit nach Las Vegas gebracht, dass die Technik bereits an Bord hat. Die Konzeptstudie Vision-S verfügt über allerlei Bild- und Sensor- sowie KI-, Telekommunikations- und Cloud-Technologien aus dem eigenen Konzern. Insgesamt sind allein an der Außenseite 33 Sensoren installiert, um Personen und Objekte innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs zu erkennen und eine hoch entwickelte Fahrunterstützung zu bieten. Hinzu kommen Kameras statt Außenspiegeln. Das Assistenz-Niveau befindet sich derzeit auf Level 2+, soll aber auf Level 4 und mehr erweiterbar sein.

Insgesamt habe man das Auto um das Infotainment-System herum aufgebaut. Der Fahrer und die Passagiere stand bei der Entwicklung im Mittelpunkt und die Frage, wie man sie unterwegs am besten unterstützen und unterhalten kann, erklärt Yuhei Yabe, Projektleiter für den Vision-S und General Manager bei Sony, der sich sonst auch um Themen wie künstliche Intelligenz und Robotik kümmert.

Wie ernst es Sony mit seiner Vision-S meint, zeigt sich auch als wir im Wagen Platz nehmen. Denn neben seriennah wirkendem Gestühl, präsentiert sich das gesamte Interieur des Autos als nahezu serienreif. Klare Oberflächen, ein angenehmes Raumgefühl und eine bequeme Sitzposition runden den ersten Eindruck ab. Sonys Ansatz, sich mit erfahrenen Zuliefern an das Projekt zu wagen hat Wirkung gezeigt. Denn auch die Passagiere im Fond haben ausreichen Bein und Kopffreiheit, ohne dass der Innenraum beliebig oder nach Standard aussieht.

Dafür sorgen allein schon die beiden Dreh-Drücksteller, vorn wie hinten zwischen den Sitzen untergebracht sind und als weitere Eingabemöglichkeiten für die Infotainment-Landschaft dienen. Ein spannender Ansatz, da gerade selbst die Premium-Autobauer sich aus Kostengründen langsam aber sich von den redundanten Bedienkonzepten aus Touchscreen- und mechanischer Bedienung mit Knöpfen oder Tastern immer weiter verabschieden.

Besonderen Wert habe man bei Sony aber auch auf das Thema HMI (Human Machine Interface) gelegt, also die Bedienbarkeit des Autos, erklärt Yasufumi Ogawa, einer der Entwickler, die für Sony an dem Projekt gearbeitet haben. "Deshalb haben wir uns für ein solches Konzept entschieden" erklärt Ogawa. Besonders stolz ist der Japaner aber die Vernetzung der drei Hauptmonitore, die sich über das gesamte Armaturenbrett erstrecken und links und rechts von den beiden kleinen Bildschirmen der Kamera-Außenspiegel eingerahmt werden.

So sei das Infotainment-System auch quasi schon fertig entwickelt, erklärt er als er bei unserer Demo über den gestochen scharfen LCD-Touchscreen streicht und damit einen Film vom mittleren Monitor auf den des Beifahrers zieht. Kein Ruckeln, kein Zucken, wie bei einem Smartphone. Hier spielt der Elektronik-Riese klar seine Stärken aus. Und auch die Bedienlogik sei klar. Der linke Monitor bietet alle relevanten Informationen für den Fahrer und bietet im Level 2 Betrieb Infos wie Geschwindigkeit, Routenanweisungen und ähnliches. Im mittleren Monitor sind die Hauptmenüpunkte in einzelnen Säulen untergebracht die durch tippen und wischen geöffnet und erweitert werden können, oder sogar auf andere Monitore weitergeschoben werden können. So kann der Beifahrer etwa einen Film im Mittelbildschrim auswählen und ihn sich mit einer Wischgeste direkt auf seinen Screen ziehen.

Besonders relevant ist die Funktion, wenn der Beifahrer etwa einen Film während der Fahr schauen will, ohne das der Fahrer davon abgelenkt wird. Möglich soll das auch durch das Sound-Konzept namens "360 Reality Audio" sein, das mit in die Sitze eingebetteten Lautsprechern arbeitet. Das soll nicht nur einen besonders guten Raumklang erzeugen, sondern auch die Möglichkeit schaffen, dass jeder Mitfahrer unterschiedliche Musik hören oder Filme können. Zu diesem Zweck stehen den Fondpassagieren zusätzlich eigene Bildschirme zur Verfügung. Außerdem soll das Auto stets mit dem Internet verbunden sein, auch um Software-Updates "over the air" zu ermöglichen.

Eigens entwickelte E-Auto-Plattform

Der zusammen mit Magna Steyr aus Österreich, den deutschen Zulieferern Bosch, Continental und ZF sowie vielen weiteren Spezialisten entwickelte Sony Vision-S basiert auf einer eigens entwickelten Plattform. Die viertürige Fließheck-Limousine mit großem Panorama-Sonnendach wird von zwei Elektromotoren angetrieben, die jeweils 200 kW leisten; die Gesamtleistung beträgt demnach 400 kW / 536 PS. Der Allradler soll in 4,8 Sekunden von Null auf Hundert sprinten und maximal 240 km/h fahren können. Die Plattform soll auch andere Karosserieformen aufnehmen können. So seien Coupés ebenso denkbar wie Minivans oder SUV, sagt Sony.

Bilder zeigen, dass die Entwickler eine große und flache Batterie im Wagenboden zwischen den Achsen des Sony Vision-S untergebracht haben. Weitere Angaben, etwa zur Reichweite des Elektroautos, bleiben die Japaner bislang allerdings schuldig. Ähnlich verhält es sich mit der generellen Zukunft des ersten Sony-Autos. Der Elektronik-Konzern betonte in der Vergangenheit, nicht an der Produktion eines eigenen Autos interessiert zu sein, sich aber eine Zusammenarbeit mit einem etablierten Autohersteller vorstellen zu können.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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