Cupra Leon und Golf GTI im Datenvergleich: Die Kopie sticht das Original aus

Cupra Leon und Golf GTI im Datenvergleich: Die Kopie sticht das
Original aus
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Cupra Leon und Golf GTI im Datenvergleich: Die Kopie sticht das Original aus

© Hersteller / Patrick Lang

Der Cupra Leon bietet mehr Power und Modellvarianten als der VW Golf 8 GTI. Wolfsburg liegt nur in einer Hinsicht vorn – und hält noch einen Joker in der Hinterhand.

GTI: Seit diese drei Buchstaben 1976 an Kühlergrill und Heckklappe des ersten VW Golf prangten, stehen sie als Synonym für sportliche Kompaktwagen. So dürfte es für die Modellplaner in Wolfsburg eine einfache Entscheidung gewesen sein, auch von der achten Golf-Generation eine GTI-Version abzuleiten. Deutlich weniger traditionsreich ist die Geschichte der Seat-Submarke Cupra, in deren Modellpalette sich künftig offiziell der dynamische Leon eingruppiert, der auf demselben MQB-Unterbau basiert wie Golf GTI Nummer acht.

Cupra Leon als Modellfamilie

Den Cupra Leon gibt es nicht nur als Fünftürer, sondern auch als Sportstourer. Doch damit nicht genug des Variantenreichtums: Cupra-Kunden haben die Wahl zwischen einer klassischen Benziner- und einer Plugin-Hybridvariante. Den GTI gibt es, ganz oldschool, ausschließlich mit Benzinmotor. Es sei denn, man bezieht die Schwestermodelle GTD und GTE in die Betrachtung mit ein: Dann gibt es den Sport-Golf auch mit Diesel- und ebenfalls mit extern aufladbarem Zwei-Herz-Antrieb.

Aber bleiben wir beim VW Golf GTI. Unter dessen Fronthaube wohnt wie gehabt ein Zweiliter-Vierzylinder-Turbo. Der Motor mit dem Werks-Code EA888 Evo4 liefert 245 PS und ein maximales Drehmoment von 370 Newtonmetern. Die Kraft verwaltet entweder ein manuelles Sechsgang-Getriebe oder ein Siebengang-Doppelkuppler. Der Golf 8 GTI ist stets ein Fronttriebler.

245 PS im GTI – und bis zu 310 im Cupra

In seiner Basisversion pariert der Cupra Leon die technischen Dreingaben und Daten des Wolfsburger Originals; allerdings übt er sich beim Schaltgetriebe in Verzicht. Der Spanier setzt an anderer Stelle einen drauf – oder auch zwei oder drei. In einer weiteren Leistungsstufe erreicht der aufgeladene Zweiliter-Benziner nämlich 300 PS und höchstens 400 Newtonmeter. Als Sportstourer mit optionalem Allradantrieb kommt der Cupra Leon sogar auf 310 PS. In dem Fall soll der Sport-Kombi in unter fünf Sekunden von Null auf Hundert beschleunigen und bei 250 km/h elektronisch abgeregelt werden. Volkswagen kommuniziert bisher übrigens noch keine Fahrwerte für den neuen Golf GTI.

245 PS leistet der Cupra übrigens auch als Plugin-Hybrid, der damit die Entsprechung des Golf GTE ist. Die Kombination aus 1,4-Liter-TSI-Benziner, Elektromotor, 13-Kilowattstunden-Batterie und Sechsgang-DSG bringt es außerdem auf höchstens 400 Newtonmeter. Damit lässt sich der Cupra Leon e-Hybrid rund 60 Kilometer (nach WLTP) und mit bis zu 130 km/h rein elektrisch fahren. Das geht mit dem GTI nun wirklich nicht.

GTI mit Eco-Modus, Leon mit Cupra-Setup

Elektronische Differenzialsperren und adaptive Dämpfer erhalten beide Konzernbrüder. Beim Spanier bekommen Ersteres jedoch nur die Benziner. Beim GTI zeigt sich das Fahrwerk im Vergleich zum Standard-Golf um 15 Millimeter tiefergelegt. Die Cupra-Karosserie rückt vorne 25 und hinten 20 Millimeter näher an den Asphalt als beim Seat Leon. Die generelle Positionierung der Autos wird bei den Fahrmodi klar: Comfort, Sport und Individual bieten beide. Aber die Eco-Abstimmung des GTI kontert der Leon mit einem rennstreckenfokussierten Cupra-Setup. Er verfügt außerdem über eine Progressiv-Lenkung, während im Golf der Fahrdynamik-Manager die verschiedenen Regelsysteme vernetzt.

Apropos vernetzt: Genau das macht der optionale „Travel Assist“ im Golf GTI mit den verschiedenen Assistenzsystemen, und zwar bis zu Geschwindigkeiten von 210 km/h. Auch der Cupra ist mit einem solchen Sicherheitspaket unterwegs. Er ist außerdem mit einem vorausschauenden Abstandsregel-Tempomaten, einer Totwinkelüberwachung samt Aussteige-Warnung und dem Emergency Assist unterwegs. Ob die Technologien aufpreisfrei an Bord sind, ist allerdings noch nicht bekannt. Beim Golf steht fest, dass nur der Spurhalteassistent „Lane Assist“ und der Notbremsassistent „ Front Assist“ im Basispreis enthalten sind. Alles Weitere kostet extra.

Eigene Design-Akzente

Beim Design setzen die dynamischen Konzernbrüder eigene Akzente. Der Golf 8 GTI beispielsweise durch die optionalen Nebelscheinwerfer aus je fünf Waben-Elementen und die durchgängige Lichtleiste über die gesamte Front. Auf einen klassischen Kühlergrill verzichtet er; der Motor holt sich seinen Sauerstoff allein über den Lufteinlass in der Frontschürze. Hinten müssen der Dachspoiler, die beiden Auspuff-Endrohre und der Schriftzug als GTI-Insignien reichen.

Wenn der Cupra sein bronzefarbenes Transformers-Logo nicht so keck in den Fahrtwind stemmen würde, sähe er von vorne fast ein wenig schüchtern aus. Der Leon hat noch einen echten Kühlergrill und belässt es bei zwar zackig geformten, aber simplen Tagfahrleuchten, die – wie auch beim GTI – in den Gehäusen der serienmäßigen LED-Scheinwerfer sitzen. Sofern es sich um den Benziner handelt, sind seine Felgen auch konventioneller geformt als beim GTI. Dafür sind sie mindestens eine Nummer größer: Der GTI rollt serienmäßig auf 17- und optional auf 18- oder 19 Zoll-Felgen. Beim Spanier ist der 245 PS-Benziner bereits mit 18-Zöllern ausgerüstet; der 300 PS-Leon erhält aufpreisfrei Räder im 19-Zoll-Format.

Der Plugin-Hybrid rollt dagegen auf aerodynamisch optimierten Rundlingen. Dieser atmet seine Abgase außerdem durch einen Vierrohr-Auspuff aus, dessen Endrohre neben einem stark ausgeformten Diffusor sitzen. Beim 300-PS-Benziner befinden sich vier runde Endrohre im dezenteren Heckschürzen-Einsatz. Die Basisversion erhält eine Zweirohr-Anlage.

Subtile Unterschiede im Innenraum

Innen sind sich Cupra Leon und Golf GTI weitgehend einig. Digitale, im Design anpassbare Instrumente gibt es ebenso serienmäßig wie ein unten abgeflachtes Multifunktions-Sportlenkrad und stark ausgeformte Sportsitze mit integrierten Kopfstützen. Ist im GTI das Doppelkupplungsgetriebe installiert, verfügt er ebenso über einen kleinen Shift-by-Wire-Wählhebel in Elektrorasierer-Optik auf der Mittelkonsole wie der Cupra.

Einen optischen Unterschied gibt es beim Infotainment-Bildschirm: Beim Golf rückt er nah ans Cockpit-Display heran, womit beide Monitore zu verschmelzen scheinen. Beim Leon ist er abgesetzt und thront einzeln auf dem Armaturenbrett. Rein vom Platzangebot ist natürlich der Cupra Leon Sportstourer klar im Vorteil: 1.500 Liter maximales Ladevolumen sind 263 Liter mehr, als der GTI einladen kann. Denn eins ist in Stein gemeißelt: Als Kombi wird es den VW Golf 8 GTI niemals geben.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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