Mercedes W126 260 SE bis 560 SEL (1979-1991)

Mercedes-Benz 300 SE, Seitenansicht
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Mercedes-Benz 300 SE, Seitenansicht

© Arturo Rivas

Kein Schnäppchen mehr, aber sein Geld immer noch wert: Glücklich machen vor allem gepflegte W126. Woran Sie die erkennen, erfahren Sie hier in der Kaufberatung.

Zwei Ölkrisen haben die neue S-Klasse fünf Zentimeter schmaler und 50 Kilo leichter gemacht. Die Achtzylinder-Typen verloren dank neuer Leichtmetall-Kurbelgehäuse sogar doppelt so viel Gewicht. Nebenbei gewannen sie wegen des gesteigerten Hubraums Leistung, Drehmoment und Souveränität, sparten dabei 10 Prozent Sprit. Einen Anteil daran hatte der von 0,41 auf 0,36 gesenkte Cw-Wert.

Energiekonzept 1981

Für eine gute Aerodynamik opferten die Stern-Stilisten Sacco und Gallitzendörfer die doppelte Stoßstangenpracht. Eine leicht gepfeilte Frontpartie mit flacherem Traditions-Grill und kleineren Schlupflid-Scheinwerfern ersetzt die im Wind stehende, monumentale Kühlerattrappe. Kein Frage, aus dem Machtmensch Mercedes W 116 wurde der Gutmensch W 126 – sparsamer, Ressourcen schonender, sozialverträglicher. Mercedes führte 1981 ein Energiekonzept an, das mit kleinen Einzelmaßnahmen den Verbrauch weiter senkte: Die Verdichtung wurde erhöht, die Steuerzeiten der Nockenwellen geändert, die Leerlaufsteuerung elektronisch geregelt. Der Motor des 380 SE wird in der Bohrung reduziert und im Hub erhöht, beide Achtzylinder bekommen eine längere Hinterachsübersetzung.

Der W 126 verdrängt seinen Vorgänger

Längst haben wir begriffen, dass jede S-Klasse ein treffendes Sittengemälde ihrer Epoche ist. Auch die XXL-Größe W 140, die uns einst als Hybris erschien und heute im Vergleich zu einem Ford Mondeo harmlos wirkt, verkörperte so typisch die Berliner Republik der Neunziger. Mittlerweile mögen wir sogar den, aber lieben tun wir den schlanken, schönen W 126.

In der Oldtimer-Szene ist der Mercedes W 126 längst eine feste Größe, Club-Insider behaupten sogar, dass er seinen Vorgänger W 116 in der Beliebtheit verdrängt, was bei den Preisen für gute Exemplare jetzt schon ablesbar ist. Aber das Angebot ist immer noch riesig, die Auswahl von Typ, Sonderausstattungen und Farbe könnte man fast so individuell ordern wie einst in den Achtzigern, wäre da nicht die hohe Priorität des guten Zustands.

Objektiv die bessere Wahl: 2. Serie

Trotz steigender Preistendenz ist der Mercedes W 126 immer noch ein Luxusauto fürs Volk, wenn man nicht die Unterhaltskosten eines Opel Vectra erwartet. Mit fast zwölf Jahren Bauzeit und über 800.000 Exemplaren brachte er es zur erfolgreichsten S-Klasse aller Zeiten. Vor allem die Modelle der zweiten Serie ab August 1985 erfreuen sich großer Beliebtheit. Sparsame, aber weniger klangvolle Sechszylinder- Motoren des Typs M103 mit nur noch einer obenliegenden Nockenwelle, G-Kat-Ausrüstung auf breiter Ebene, füllige 15-Zoll- Räder und ein neues Topmodell namens 560 SEL sind die Gründe.

Mit 300 PS in der ECE-Variante und dem Sonderausstattungs-Code 215 geadelt, lässt er uns den Phantomschmerz des 6.9 vergessen. Code 215 kostete 5.506 Mark und bedeutet „Hydropneumatische Federung mit automatischer Niveauregulierung und gesteuerter Dämpfung.“ Noch heute ist das einstmalige Mercedes-Flaggschiff 560 SEL überproportional teuer.

Der besondere Reiz des W 126

Was macht den besonderen Reiz des Mercedes W 126 eigentlich aus? Sein Qualitätsgefühl ist trotz der erwähnten Prise ökologischen Leichtbaus immer noch über jeden Zweifel erhaben. Vor allem die Fondtüren schließen mit unbeschreiblich sattem Klang. Lenkrad, Türgriffe und Bedienelemente fassen sich ungeheuer verlässlich und langlebig an.

Das Fahrgefühl hinter dem großen Lenkrad der W 126-S-Klasse ist erhaben und macht glücklich. Es beruhigt ungemein, wenn sich die lange Motorhaube samt Stern vornedrauf ihren Weg durchs Verkehrsgewühl sucht und die Lieblingsmusik leise aus dem Becker Mexico säuselt. Cocooning nennt man es auf neudeutsch, dieses wohlige Ein-Igeln in seine vertraute Umgebung.

Tatsächlich ersetzt so eine S-Klasse der Baureihe W 126 vor allem in der SEL-Version das heimische Wohnzimmer. In Velours oder Leder ist es geschmackvoll gepolstert und hübsch dekoriert. Die drehmomentstarken V8-Motoren entfalten zum lässigen Komfort des 126ers jene Überschussleistung samt bassigem Wohlklang, die das Erlebnis S-Klasse so genüsslich steigern.

Auch ein Sechszylinder kann glücklich machen

Aber dazu braucht es keinen 560er, ein Mercedes 380 SE reicht schon, und der rangiert in der Preisskala zu Unrecht unten. Wenn ich zum Schluss einen Rat für Preisbewusste geben darf – warum nicht ein 280 SE?

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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