Mini Facelift (2021): So fahren Cooper SE, Cooper S und JCW-Cabrio

Was die jüngste Modellpflege dem Mini bringt erfahren wir mit
Mini Cooper S, Mini Cooper SE und dem weiterhin 231 PS starken John
Cooper Works Cabrio.
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Was die jüngste Modellpflege dem Mini bringt erfahren wir mit Mini Cooper S, Mini Cooper SE und dem weiterhin 231 PS starken John Cooper Works Cabrio.

© Bernhard Filser

Mini verpasst dem Zwei- und Viertürer sowie dem Cabrio ein zweites Facelift. Wir schauen uns an, was sich geändert hat und fahren ausführlich mit dem aufgefrischten Elektromodell, dem Cooper S und dem 231 PS starken John-Cooper-Works-Cabrio.

2014 kam die jetzige Mini-Generation auf den Markt, 2018 gab’s das erste Facelift und jetzt wurde nochmal modellgepflegt. Genauer gesagt der Zwei- und Viertürer sowie das Cabrio, wobei neben wenigen technischen Neuerungen vor allem die Garderobe umgenäht wurde.

Am auffälligsten ist dabei der Rahmen um den Kühlergrill, der weiterhin an der großen Motorhaube mit der Fake-Lufthutze ansetzt, jetzt aber bis zum unteren Ende der ebenfalls modifizierten Stoßstange reicht. Zur Serienausrüstung gehören nun unter anderem die Union-Jack-Rückleuchten plus LED-Scheinwerfer, mit denen die Nebellampen entfallen. Am Heck ist der Einsatz oberhalb der beiden mittigen Auspuffrohre für alle Varianten etwas kantiger gezeichnet. Außerdem können die geschlossenen Minis für 700 Euro einen Farbverlauf aufs Dach lackiert bekommen, der von Dunkel- über Hellblau zu Schwarz verläuft.

Bedienung verschlechtert, aber immer noch super

Innen gibt’s neue Lüftungsdüsen, außerdem gehört der hochauflösende 8,8-Zoll-Infotainment-Bildschirm nun mit einer aufgehübschten Benutzeroberfläche zum Serienumfang (zuvor 6,5 Zoll). Die zehn Einzelknöpfe unterhalb des Monitors wurden durch eine glanzschwarze Platte ersetzt, die identisch beschriftet ist und auch mechanisch gedrückt werden kann. Das mag moderner aussehen, sammelt aber Fingerschmiere und ist bedienergonomisch ein Rückschritt, da die Knöpfe nun nicht mehr ertastbar sind. Weil die Vorschau für die Zifferntasten (Favoritenfunktionen) weiterhin auf dem Display angezeigt wird, wenn man den Finger drauflegt, ist die Verschlechterung nicht dramatisch – aber spürbar und unnötig.

Das Lenkrad ist erstmals mit einer Heizfunktion erhältlich (Knopf an der Lenksäule), hat neue Spangen auf den drei Speichen und jetzt ebenfalls glanzschwarze Knöpfe. Also noch mehr Fingerschmiere, außerdem fehlen den Feldern für die Geschwindigkeitsregelanlage und die Musiksteuerung nun die Einkerbungen der Tastenfeldbereiche, womit das Ertasten hier ebenfalls entfällt.

Wenn man auf den neuen Tastenfeldern zu weit rechts neben die "+"-Beschriftung der Temposteuerung klickt, wird der Geschwindigkeitsbegrenzer aktiviert. Mit etwas Gewöhnung klappt das zwar meist problemlos, aber auch hier gilt: spürbare und unnötige Verschlechterung.

Die Bedienqualität des Mini bleibt trotzdem hoch, denn sie fußt auf einem BMW-iDrive-ähnlichen Konzept mit Dreh-Drück-Steller plus umliegenden Direktwahltasten, dazu die hervorragende Favoritenfunktion und eine sehr gute Klimasteuerung. Die löst auf dem LED-Ring um den Infotainment-Bildschirm auch weiterhin Lichteffekte aus, wenn etwa die Temperatur verstellt wird. Zusätzlich sind die kleinen Knöpfe im Kippschalter-Look nicht nur ziemlich cool, sondern mit den zwischenliegenden Barrieren bedienergonomisch top. Logisch angeordnet sind sie auch, so liegt der Knopf für die Start-Stopp-Automatik direkt links neben der breiten Starttaste.

Neuer Tacho nicht immer verzichtbar

Wer für 720 Euro das Driving-Assistant-Paket mit Spurwarner, City-Anbremsfunktion und Verkehrszeichenerkennung bestellen möchte, muss die neue Instrumenteneinheit im Digitaltacho-Look mit 5-Zoll-Bordcomputer für 200 Euro dazubuchen. Auch diese Einheit wird auf der Lenksäule montiert, zusätzlich ist sie sogar deutlich besser ablesbar als die serienmäßigen Instrumente. Der Funktionsumfang steigt aber nur geringfügig, außerdem sieht die Darstellung wenig brillant aus, weil die freistehende Einheit eine matte Filterfolie trägt, damit sie bei Sonneneinstrahlung ablesbar bleibt. Also lieber die klassischen Instrumente? Die haben zumindest Seltenheitswert und sind ungleich cooler.

Wer ab dem Cooper-Modell außerdem die verstellbaren Stoßdämpfer (600 Euro inklusive Mini-Fahrmodi) bestellt, soll über ein zusätzliches Stoßdämpferventil laut Presseunterlagen "eine spürbar optimierte Balance zwischen Sportlichkeit und Fahrkomfort durch den Einsatz einer kontinuierlich frequenzselektiven Dämpfung" bekommen. Damit sollen die Dämpferkräfte situationsabhängig um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Das klingt gut und macht im direkten Alt-versus-Neu-Vergleich bestimmt auch einen Unterschied. Trotzdem gilt auch mit dem Optionsfahrwerk: Minis federn reichlich straff. Na gut, das gehört ja auch ein Stück weit zur Marke, die es damit auch nicht völlig übertreibt – das passt schon.

Technische Veränderungen betreffen noch die mechanische Handbremse, die in Modellen mit Automatikgetriebe ein Taster für die dann elektrische Parkbremse ersetzt. Wenn der Mini die höhenverstellbare Mittelarmlehne hat (150 Euro), ist es tatsächlich auch bequemer, den Handbremshebel nicht zu haben. Grundsätzlich erschwert die Armlehne zudem die Bedienung des Dreh-Drück-Stellers etwas, weil man ihn darüber nur mit recht stark geklapptem Handgelenk erreicht. Allerdings ist der Komfort in Kombination mit der Türarmlehne richtig grandios: Da kannst du beidseitig die Ellenbogen auflegen und das Lenkrad trotzdem absolut bequem greifen – das ist selbst in vielen höherklassigen Fahrzeugen oft nicht derart bequem.

Cooper S und John Cooper Works bei Regen

Auf den Testfahrten hat es größtenteils ordentlich geschüttet, was über Land fürs Ausprobieren der Fahrdynamik-Feinheiten von Mini Cooper S und John Cooper Works (JCW) wenig förderlich ist. Unter diesen Bedingungen zeigen die direkt abgestimmten Lenkungen jedenfalls schon den ersten Anflug von Untersteuern gut verständlich im Lenkrad an (Lenkung wird leichter).

Zusätzlich lässt die aktornahe Radschlupfbegrenzung (ARB) im Sport-ESP-Modus noch genügend Freiheiten, um das Traktionslimit selbst auszubaldowern. Teilweise übernimmt sie auf dem nassen Asphalt aber auch mal zu viel Kontrolle – wer das nicht will, muss auf "DSC off" wechseln. Ungehobelt mit starken Lastwechselreaktionen fährt selbst der JCW nicht, wobei man das zumindest von der gefahrenen Stoffdachversion vielleicht auch nicht erwarten würde (obwohl: bei dem Namen).

Für seine Euro-6d-Abgaseinstufung hat der Mini Cooper S 14 Pferdestärken verloren. Es bleiben also 178 statt 192 PS, während die JCW-Variante der gleichen BMW-Motorenfamilie (B48A20) weiterhin 231 PS liefert. Klar, damit ist er spürbar zügiger unterwegs, trotzdem sind die Unterschiede im Tempobereich von 70 bis 100 km/h nicht riesig, zudem eint die 2,0-Liter-Vierzylinder ein angenehm zügiges Turbolader-Ansprechverhalten.

Im E-Mini durch die Stadt

Speziell innerorts ist der elektrische Mini Cooper SE (135 kW/184 PS) da natürlich trotzdem weit überlegen. Nicht ganz so selbstverständlich: Wo manche E-Autos mit Frontantrieb die Leistungsfreigabe ziemlich rigoros glattregeln, lässt die Traktionskontrolle des Mini auch bei vollständig aktiviertem ESP etwas Schlupf zu. Das ist in der Stadt zwar selten relevant und die Computer greifen natürlich auch ein, bevor der Kleinwagen aus der Spur trampelt. Aber so ist man wenigstens sicher, schon noch Einfluss auf die Freigabe der 270 Nm zu haben. Außerdem springt die Nadel der Power-Anzeige lustig rauf und runter, wenn die Räder auf der nassen Bahn durchdrehen.

Die Kraft reicht jedenfalls dicke aus, um sich in der Stadt überaus agil zu bewegen. Allerdings ist der Mini Cooper SE ein Nichtkriecher, der nicht losrollt, wenn man vom Bremspedal geht. Besonders in engen Parklücken wird das Rangieren somit etwas erschwert. Zusätzlich hat er nur zwei Rekuperationsmodi, was prinzipiell genügen kann. Nur verzögert selbst der Modus "niedrige Rekuperation" beim Fahrpedallupfen noch deutlich stärker als das Antriebsmoment eines Verbrenners. Noch dazu stellt sich nach einem Neustart immer wieder der starke Rekuperationsmodus ein, der ein One-Pedal-Modus ist.

Weil sich am E-Antrieb gar nichts geändert hat, können wir hier unsere Testergebnisse aus 2020 anhängen: 16,9 kWh Stromverbrauch im Schnitt, was mit dem 32,6-kWh-Akku (28,9 kWh netto) reale Reichweiten von gut 160 Kilometern bedeutet. Besonders sparsam gefahren sind je nach Streckenprofil auch bis zu 250 km möglich.

Mehr Ausstattung, mehr Geld

Im Vergleich der neuen Preisliste mit der vom März 2020 sind die Grundpreise um 500 bis 850 Euro gestiegen. Ein Ausreißer ist der Mini One First mit 75 PS, der 17.700 Euro und somit 1.800 Euro teurer geworden ist, weil er am stärksten von der neuen Serienausstattung mit dem Lederlenkrad, dem 8,8-Zoll-Infotainment-Bildschirm und den LED-Scheinwerfern profitiert.

Abhängigkeiten finden sich in der Preisliste immer noch reichlich: Wer etwa die Basis-Ausstattungslinie "Essential Trim" nimmt, darf nur zwischen einer grauen oder schwarzen Lackierung wählen. Erst ab "Classic Trim" (2.200 Euro) wird es farbenfroher – dann wenigstens ohne weitere Aufpreise für den Lack. Die kreativste Abhängigkeit bezieht sich allerdings auf den neuen Serien-Monitor, mit dem man sich per Apple Car-Play und Google Maps eigentlich die Mini-Navigation schenken könnte. Und die Smartphone-Schnittstelle gibt’s auch: für 1.350 Euro im Paket mit dem Mini-Navigationssystem. Als Vergleich: 225 Euro kostet Apple CarPlay im Paket mit Android Auto (hat Mini nicht) für den VW Polo.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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