Mit dem Wohnmobil durchs Loiretal: Ein Tal voller Schlösser, Burgen & Weine

Amboise ist ein typisches Städtchen an der Loire: etwa 12.000
Einwohner, eine schöne Altstadt mit Fachwerkhäusern. Beherrscht
wird das Stadtbild aber von Schloss und Fluss.
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Amboise ist ein typisches Städtchen an der Loire: etwa 12.000 Einwohner, eine schöne Altstadt mit Fachwerkhäusern. Beherrscht wird das Stadtbild aber von Schloss und Fluss.

© Joachim Negwer

Die Könige und die Adligen müssen diese Region geliebt haben – 400 Schlösser haben sie einst hier gebaut. Die Loire bildet den roten Faden für diese Mobil-Tour durch den Westen Frankreichs und sie hält manche Überraschung bereit.

Was für ein Typ: Vor mehr als 500 Jahren hat er ein Fluggerät erfunden, eine Wasserschöpf-Maschine, ein Katapult – und noch viel mehr. Klar, hier ist die Rede von Leonardo da Vinci – aber was hat er mit der Loire zu tun? Ganz einfach: Er hat die letzten Jahre seines Lebens auf Schloss Clos Lucé in Amboise zugebracht. König Franz I. hat ihm 1516 das Schloss überlassen, als Ort zum Leben und Arbeiten – er wollte das Universalgenie gerne um sich haben. Oft haben die beiden ganze Tage im Gespräch vertieft zugebracht.

Heute ist es für die Schulkinder aus der Gegend ein großes Glück, dass Leonardo da war und dass die französischen Museumspädagogen im Garten und im Schloss lehrreiche Ausstellungen aufbauen. Wir sehen die Pflanzen, die er gesehen hat, dazwischen hängen seine Zeichnungen. Anatomische Studien – riesengroß auf Leinwand unter uralten Platanen, sie bewegen sich leise im Wind. Mona Lisa natürlich und andere Frauenporträts möchten entdeckt werden. Im Schloss sieht man den Arbeitsraum, der aussieht, als sei Leonardo gerade mal schnell rausgegangen – die Pinsel liegen noch auf der Palette, ein fast fertiges Bild steht auf der Staffelei.

Schloss Clos Lucé ist unscheinbar im Vergleich zu den anderen – aber eine von vielen Überraschungen dieser Reise. Die Loire bildet den roten Faden bei unserer Mobil-Tour. Sie ist übrigens Frankreichs längster Fluss, entspringt im Massiv Central und mündet gut 1000 Kilometer weiter bei Saint-Nazaire in den Atlantik.

Schlösser in Hülle und Fülle

Die Könige und die Adligen müssen diese Region geliebt haben, denn an der Loire und ihren Nebenflüssen haben sie mehr als 400 Schlösser gebaut. Und auch die Städte am Fluss, Blois, Tours, Angers und wie sie alle heißen: jede hat einen anderen Charme – und mindestens ein Schloss. Nehmen wir zum Beispiel mal Chenonceau nicht weit von Amboise: Eine mehr als 300 Meter lange, in der Hitze wunderbar schattige Platanenallee führt auf das elegante Wasserschloss zu. Weißer Kalkstein, dreigeschossig, zwei runde Türme. Dahinter die sogenannte Galerie, einst nur eine Brücke zum anderen Flussufer, wurde sie im Laufe der Zeit auch dreigeschossig überbaut. Durch ihre fünf steinernen, runden Bögen fließt träge der Fluss Cher, die perfekte Spiegelung gekräuselt durch ein Paddelboot. Das Schloss hat nicht nur eine bewegte Geschichte, die jahrhundertealt ist: Im Ersten Weltkrieg diente es als Lazarett, im Zweiten als Fluchtweg vor den Nazis über den Cher in das zunächst unbesetzte Gebiet der Vichy-Regierung. Die Schwere der Geschichte verflüchtigt sich etwas beim Schlendern durch die Gärten und das Labyrinth.

Das größte und bekannteste der Loire-Schlösser, Chambord, erradeln wir uns vom Campingplatz bei Blois aus – immer schön an der Loire entlang. Was für ein Schloss – aber nicht gebaut, um auf Dauer drin zu wohnen. Dort trafen sich Jagdgesellschaften, haben sicher auch den großartigen Blick von der Dachlandschaft aus auf Zinnen, Türmchen und Giebel genossen wie wir jetzt, auf den Garten, die Wassergräben und den Wald. Aber nach der Jagd zog der Hofstaat weiter, mit Möbeln und Vorräten, Hund und Katz.

Das alles wird bei der Besichtigung lebendig, denn wir haben uns in jedem Schloss, in dem es das gab, zur Eintrittskarte das Histopad dazu gebucht. Ein Tablet, das in jedem Raum erkennt, wo man sich gerade befindet. Auf Fingertipp werden dann die Geschichten der Schlossherren erzählt. In den Räumen sieht man plötzlich, wie der Tisch gedeckt wird oder wie sich Mobiliar und Geheimfächer öffnen und schließen. In einem Saal stehen Möbel zum Transport bereit, man hört Stimmen und Pferdegewieher. So ziehen wir von Schloss zu Schloss und erleben jedes Mal ein bisschen mehr vom Alltag damals am Hofe. Spielerisch vermittelt – Augmented Reality in 3D.

Kulinarische Highlights: Weißwein & Baguette

Immer wieder haben wir uns im richtigen Leben einen Spaß draus gemacht, das Brot des Tages zu finden. Unser Baguette haben wir nie im Supermarkt gekauft, sondern immer bei einem Dorfbäcker. Das war meist ein Erlebnis – frisches, noch warmes knuspriges Brot, dazu eine Paté vom Metzgerladen nebenan – oft waren das dann die besten Mahlzeiten des Tages.

Für den Rückweg haben wir noch einen ganz besonderen Stopp eingeplant: Sancerre, wie das schon klingt. Auf der ganzen Reise haben wir immer wieder tolle, trockene Weine getrunken. Weine an der Loire sind meist weiß – Sauvignon-Blanc-Trauben gedeihen hervorragend in den Weinbergen zwischen Orléans und dem Atlantik. Der berühmteste Loire-Wein kommt aber seit Urzeiten aus dem Dorf Sancerre. Die Weinprobe machen wir stilecht in einem Weinkeller, dieser hier vom Weingut de la Perrière ist sogar eine natürliche, große Höhle unter meterdickem Fels. Je nachdem ob die Reben auf dem weicheren Kalkstein (Sancerre Caillottes) stehen, wo sie weiter in die Tiefe wachsen können, oder auf dem harten Feuerstein (Sancerre Silex), unterscheidet sich der Weingeschmack ganz erheblich.

Sancerre-Weine sind nicht gerade ein Schnäppchen, 60 Prozent werden exportiert nach USA, Kanada, Afrika und ins übrige Europa – der Rest bleibt für Frankreich. Ein paar Flaschen laden wir in die Garage – und eine gleich in den Kühlschrank. Wir freuen uns schon auf das Picknick direkt am Fluss am nächsten Abend. Dazu ein knuspriges Baguette, Radieschen, Paté – ach, das Leben kann so schön sein. Und eigentlich sind wir ganz froh, dass es in Sancerre kein Schloss zu besichtigen gibt.

Die Region im Überblick

Das einstige Lieblingsreiseziel französischer Könige überzeugt auch heute noch mit seinen zahlreichen prachtvollen Schlössern, schönen Städten, guten Weinen und idyllischen Radwegen entlang des Loireufers.

Angers: Zahlreiche Museen, prachtvolle Kirchen und ein wuchtiges, 17-türmiges Schloss aus weißem Tuffstein und schwarzem Schiefer prägen die nicht weit vom Zusammenfluss von Loire und Maine entfernt liegende 153.000-Einwohner-Stadt. Die Altstadt von Angers gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Infos: de.france.fr/de/loiretal/artikel/angers

Saumur: Der 26.000-Einwohner-Ort an der unteren Loire hat sich einen Namen als Zentrum eines Weinbaugebietes gemacht und ist führend in der Produktion und Weiterverarbeitung von Champignons. Überragt wird Saumur von dem gleichnamigen Schloss, einem gotischen Prachtbau aus dem 14. Jahrhundert. Infos: www.ot-saumur.fr

Tours: Die einstige Hauptstadt des französischen Königreichs zählt gut 135.000 Einwohner. Zentraler Punkt der Altstadt ist der Place Plumereau, ein von Fachwerkhäusern und Stadtpalästen umrahmter Platz mit zahlreichen Cafés und Restaurants. Bedeutendstes Bauwerk der Stadt ist die gotische Kathedrale Saint-Gatien. Infos: de.tours-tourisme.fr

Blois: Mitten in der 46.000-Einwohner-Stadt erhebt sich Schloss Blois, eines der bekanntesten und schönsten Loireschlösser. Weitere Highlights des von ungewöhnlich vielen Treppen durchzogenen Ortes sind das Maison de la Magie, ein dem Magier Robert Houdin gewidmetes Museum, und die drei großen Kirchen der Stadt. www.bloischambord.de

Orléans: Über 116.000 Einwohner zählt die direkt an der Loire gelegene französische Großstadt. Zu den größten Sehenswürdigkeiten gehören die mächtige Cathédrale Sainte-Croix, eine im nachgotischen Stil erbaute Heiligkreuzkathedrale, und das einstige Wohnhaus von Jeanne d’Arc, in dem heute ein Museum untergebracht ist. www.loiretal-frankreich.de

Sancerre: Der 1400-Einwohner-Ort ist Heimat eines der berühmtesten Weißweine der Loire-Region. Das hoch über der Loire gelegene und weithin sichtbare Sancerre liegt etwa 40 Kilometer von Bourges und Nevers entfernt. Die gemütliche Altstadt mit ihren historischen Häusern und den mittelalterlichen Türmen lädt zum entspannten Schlendern ein.

Das sollten Sie nicht verpassen

Unsere Top 3 Tipps, was Sie in der Loire-Region unbedingt erleben sollten.

Tipp 1: Die süße Welt der Pâtisserie

Frankreichs Küche steht für edle Weine, hervorragenden Käse und natürlich für verführerisch süßes Feingebäck. In fast jedem noch so kleinen Dorf bieten Konditoreien ihre Spezialitäten an und belegen Tag für Tag aufs Neue, dass die französische Pâtisserie zu den besten der Welt gehört. Zu den bekanntesten Kreationen zählen Madeleines, zarte Küchlein aus Sandteig in Muschelform; ebenso Mille-feuille, eine vielfach gefaltete Blätterteig-Spezialität mit Füllungen aus Marmelade oder aromatisierter Sahne; Macarons, Baiser-Kunstwerke in bunten Farben und Geschmacksrichtungen; sowie natürlich die luftig-gehaltvollen Éclairs aus Brandteig mit ihrer cremigen Füllung. Weitere Klassiker sind die aus Mandel-Biskuitschichten bestehende Opern-Torte und das Paris-Brest, ein an einen Reifen erinnernder Brandteigring mit Haselnusscremefüllung.

Tipp 2: Die Radwege

Einige der schönsten Radwege Frankreichs führen durch das Tal der Loire. Die fast 900 Kilometer lange Radroute "La Loire à Vélo" schlängelt sich entlang des Flussufers durch die großartige Natur des Loiretals. Der ohne große Steigungen auskommende Streckenverlauf eignet sich bestens für Familien. Ein besonderes Highlight sind die zahlreichen prächtigen Schlösser am Wegesrand. Sofern diese nicht direkt am "La Loire à Vélo" liegen, sind sie über Rundwege, die "Chateaux au Vélo", zu erreichen. www.loire-radweg.org, www.chateauxavelo.co.uk

Tipp 3: Die Hauptstadt-Frage

Um ein Haar wäre Blois die Hauptstadt Frankreichs geworden und nicht Paris. Als im Hundertjährigen Krieg (1337 bis 1453) die Franzosen Paris an die Engländer verloren, verlegten ihre Könige den Regierungssitz auf die Schlösser an der Loire. Von hier aus begannen sie anschließend mit der Rückeroberung. Aber auch nachdem Paris wieder in französischer Hand war, blieb die Hauptresidenz der Könige an der Loire. Paris hatte zu offen mit den damals feindlich gesonnenen Burgundern sympathisiert. Für gut hundert Jahre konnte sich insbesondere Blois als Nebenhauptstadt etablieren, ehe Franz I. die Zeit der Loire-Könige beendete und 1528 endgültig mit der Verwaltung nach Paris zurückkehrte.

Stell- und Campingplätze in der Region

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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