7 Polo-Modelle, die komplett aus der Reihe tanzten
Seit 1975 steht der VW Polo für Vernunft und Alltagstauglichkeit. Doch immer wieder überraschte VW mit Sondermodellen, die Sportlichkeit, Experimentierfreude oder einfach Mut zur Farbe bewiesen. Zum 50. Jubiläum blicken wir zurück auf die ungewöhnlichsten Polo-Varianten der letzten fünf Jahrzehnte.
Als Volkswagen 1975 den Polo auf den Markt brachte, war die Rollenverteilung klar: oben der Golf als Bestseller und Maßstab, darunter der Polo als praktischer Kleinwagen für die Stadt. Doch schon bald zeigte sich, dass der "kleine Bruder" mehr konnte als nur vernünftig sein. Immer wieder nutzte VW die Baureihe für Experimente, Studien und Sondermodelle – mal sportlich, mal effizient, mal völlig unkonventionell.
VW Polo I GT: der erste Sport-Polo
Mit dem Polo GT stellte Volkswagen 1979 erstmals eine Sportversion des Kleinwagens vor. Optisch griff er Elemente auf, die sich zuvor beim Golf GTI bewährt hatten: rote Streifen im Kühlergrill, farblich abgesetzte Akzente am Frontspoiler und dekorative Seitenstreifen verliehen ihm einen sportlichen Auftritt. Im Innenraum unterstrichen individuelle Sitzbezüge, ein Sportlenkrad und Instrumente mit einer Skala bis 200 km/h den sportlichen Anspruch.
Unter der Haube arbeitete ein 1,3-Liter-Motor mit 60 PS. Damit erreichte der Polo GT eine Höchstgeschwindigkeit von 154 km/h – ein Wert, der ihn innerhalb des Segments klar vom Standardmodell abhob. Für viele Käufer wurde der GT damit zum ersten ernsthaft sportlich angehauchten Polo, der trotz seiner überschaubaren Leistung ein dynamischeres Fahrgefühl vermittelte.
VW Polo II Sprint: Dynamik aus dem Baukasten
1983 präsentierte Volkswagen mit dem Polo Sprint ein außergewöhnliches Unikat. Dieser Prototyp sollte die fahrdynamischen Eigenschaften eines Kleinwagens mit Heckmotor und hoher Leistung untersuchen. Der 1,9-Liter-Vierzylinder-Boxermotor leistete 156 PS.
In Kombination mit einem modifizierten Fünfgang-Schaltgetriebe aus dem VW Transporter beschleunigte der Sprint in acht Sekunden auf 100 km/h und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 207 km/h – damals ein sensationeller Wert für ein Fahrzeug dieser Größe. Damit das Packaging funktionierte, verlegte VW Tank und Reserverad nach vorn. Entstanden ist so ein Versuchsfahrzeug, das in vielerlei Hinsicht neue technische Erfahrungen brachte, aber nie über den Prototypenstatus hinauskam.
VW Polo II Coupé GT G40 Breitbau: der Über-Polo
In den 80er-Jahren entwickelte Volkswagen Motorsport Tuning-Kits für Serienfahrzeuge. 1986 entstand in diesem Zuge ein spezieller Umbausatz für den Polo der zweiten Generation, passend sowohl für das Coupé als auch für die Steilheckversion. Den Impuls für die Entwicklung gab das besonders dynamische Polo Coupé GT G40 mit seinem G-Lader-Kompressor.
Das hier gezeigte Fahrzeug ist eines der beiden ersten von Volkswagen Motorsport umgebauten Exemplare – ein echtes Vorserienfahrzeug. Kunden konnten den Breitbau-Umrüstsatz einzeln erwerben und selbst montieren (oder montieren lassen) oder gleich ein komplett umgebautes Auto bestellen. Der Aufpreis betrug damals 8.500 D-Mark. Mit den stark verbreiterten Kotflügeln erinnerte der kleine Polo optisch an den Rallye-Golf, der ab 1989 in 5.000 Einheiten aufgelegt wurde und ebenfalls auf einen G-Lader setzte.
VW Öko-Polo II: der Effizienz-Pionier
Parallel zum G40 beschäftigte sich Volkswagen auch mit dem Thema Effizienz. Der sogenannte Öko-Polo entstand 1987 als Technologieträger. Seine Karosserie war aerodynamisch optimiert und erreichte einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,39 – damals ein Spitzenwert im Segment.
Für den Antrieb nutzte VW einen Zweizylinder-Diesel mit Direkteinspritzung. Besonderheit war ein elektrisch zuschaltbarer Kompressor, der den kleinen Motor bei Bedarf unterstützte. Die Leistung betrug 39 PS, der Verbrauch lag bei nur 3,6 Litern auf 100 Kilometer. Damit demonstrierte der Öko-Polo schon Ende der 80er Jahre, wie sich Verbrauchswerte deutlich senken lassen, auch wenn es nie zu einer Serienfertigung kam.
VW Polo III Harlekin: der Bunte
In der dritten Polo-Generation sorgte der Harlekin 1996 für Aufsehen. Grundlage war das Baukastenprinzip der Produktion, das es erlaubte, verschiedenfarbige Karosserieteile miteinander zu kombinieren. Daraus entwickelte VW eine Kleinserie, die sich durch vier markante Farben auszeichnete: Pistaziengrün, Chagallblau, Ginstergelb und Flashrot. Jede Karosserie war unterschiedlich zusammengesetzt, was jeden Harlekin einzigartig machte.
Im Innenraum griffen die Sitzbezüge diese Farbvielfalt auf, sodass sich ein stimmiges, wenn auch ungewöhnliches Gesamtbild ergab. Insgesamt entstanden 3.806 Exemplare zwischen 1995 und 1997. Damit blieb der Harlekin ein seltenes, aber prägendes Sondermodell, das bis heute einen hohen Wiedererkennungswert hat.
VW Polo IV Fun: der Abenteurer
Mit dem Polo Fun stellte VW 2002 erstmals ein Modell vor, das sich optisch deutlich von der Großserie abhob und bewusst Crossover-Elemente nutzte. Der Wagen war um 15 Millimeter höhergelegt und erhielt robuste Kunststoffbeplankungen, eigenständige Stoßfänger, eine silberne Dachreling sowie 17-Zoll-Leichtmetallfelgen.
Auch im Innenraum setzte sich das eigenständige Konzept fort: Sportsitze in den Farben "Space Limette" oder "Space Grau", ein perforiertes Lederlenkrad, verchromte Instrumenten-Umrandungen und Aluminium-Pedale unterstrichen den Lifestyle-Charakter. Das Motorenangebot reichte von 55 bis 100 PS (40 bis 74 kW). Der Fun wurde später in "CrossPolo" umbenannt und etablierte damit eine neue Unterreihe.
VW Polo IV GTI Cabriolet: der Traum vom offenen Polo
2007 präsentierte Volkswagen mit dem Polo GTI Cabriolet eine spannende Konzeptstudie. Das Fahrzeug verband die sportliche Anmutung des Polo GTI mit dem Fahrspaß eines Cabrios. Eine Besonderheit war das neu entwickelte Z-Faltdach, das später auch im Golf Cabriolet Verwendung fand. Zusätzlich integrierte VW ein Glas-Schiebedach in das Stoffverdeck, wodurch mehr Licht in den Innenraum gelangte.
Für die Sicherheit kam ein spezielles "Overhead Protection System" zum Einsatz, das auf klassische Überrollbügel verzichtete. Unter der Haube arbeitete der 150 PS starke TSI-Motor aus dem Polo GTI, der dem Konzept eine überzeugende Dynamik verlieh. Obwohl es nie zur Serienfertigung kam, demonstrierte die Studie die Möglichkeiten, die im Polo steckten.
Weitere besondere Varianten: von Blue Motion bis WRC
Neben den ikonischen Sondermodellen brachte Volkswagen in der Polo-Historie weitere Varianten hervor, die den Charakter des Kleinwagens entscheidend prägten. 2006 erschien der Polo BlueMotion, der mit 1,4-Liter-TDI, längerer Getriebeübersetzung, aerodynamischen Feinarbeiten und Leichtlaufreifen den Verbrauch auf nur 3,9 Liter pro 100 Kilometer drückte und neue Maßstäbe in Sachen Effizienz setzte.
Ebenfalls 2006 kam der Polo GTI der vierten Generation auf den Markt – mit 1,8-Liter-Turbo, 150 PS und klassischem GTI-Look, der sportliche Gene alltagstauglich machte. Den Höhepunkt bildete schließlich 2013 der Polo R WRC Street, das auf 2.500 Exemplare limitierte Homologationsmodell für die Rallye-Weltmeisterschaft. Mit 220 PS war er der stärkste Serien-Polo aller bisheriger Zeiten und unterstrich eindrucksvoll, dass der Polo nicht nur vernünftig, sondern auch kompromisslos dynamisch sein konnte.